Kohle: Kapitel 39

Es gibt freiwillige Prostituierte, genauso wie Ehefrauen, die Ausbeutungsverhältnisse zunächst freiwillig eingehen und im Laufe der Zeit dann dazu gezwungen werden und sich in der Zwangsprostitution wiederfinden. Auch gibt es ehemalige Zwangsprostituierte, die als Kind verschleppt und ausgebeutet wurden und nach ihrer Befreiung dann in die freiwillige Sexarbeit einsteigen, auch weil sie teils aus gesundheitlichen, mentalen Gründen keinen anderen Job finden und ausüben können.

Viele Freiwillige arbeiten mit zunehmenden Alter unfreiwillig in der Sexarbeit, weil sie woanders nicht so viel Geld in kürzester Zeit verdienen können. Natürlich gab es auch Prostituierte, die noch keine Gewalt erlebt hatten, aber die hatten andere Arbeitsbedingungen wie in SM Studios und fickten nicht. Die Mehrheit fickte und lutschte Schwänze, teilte Intimität. Wie in einer Beziehung.

Wenn Menschen sich so nah kommen und die Atmosphäre sexuell aufgeladen ist, dann krachte es wie in jeder guten Beziehung auch mal. Leider gab es hier wie dort einen Femizid. Prostituierte mußten wie alle anderen Frauen dran glauben, genauso wie viele Transgender. In Deutschland, in aller Welt. 

Damals hatte Nadine einen deutschen Regisseur kennengelernt, der seine Kindheit in Südamerika verbrachte und später einmal dorthin zurück kehrte, nur um festzustellen, dass Menschen dort tagtäglich terrorisiert wurden. Frauen und Transgender waren vogelfrei. Männer wurden massakriert. Man tötete und zerstückelte sie und schichtete ihre Körperteile in Plastiksäcken an der nächsten Bushaltestelle auf, um die Bevölkerung zu warnen.

Das Recht des Stärkeren und der Femizid hatte sich jedoch nicht nur in Südamerika breit gemacht, sondern weltweit. Menschen wurden aufgrund ihres Geschlechts, eindeutig oder uneindeutig, vergewaltigt, gefoltert und ermordet. Ob eine Transgender Frau in der Türkei oder am Straßenstrich in Berlin, Lesben in Ungarn und Polen oder Homosexuelle in arabischen Ländern, Russland und Afrika.

Weltweit hatte sich der Terror ausgebreitet und Nadine entschied sich nach vielen Reisen, lieber zuhause zu bleiben. Die weiterhin offenen Kanäle ihres Netzwerks ließen sie nach jeder Meldung erschaudern, weshalb sie auch alljährlich den Gedenktag gegen Gewalt an Prostituierte am 17. Dezember öffentlich oder still daheim beging. Für sie war jeder Tag ein Gedenktag, da permanent schlechte Nachrichten auf sie einwirkten.


Kohle: Kapitel 38

Im Prinzip war Nadine eine sensible Künstlerseele, die sich auf der Erde verlaufen hatte. Eine Karriere als Sängerin oder Musikerin war aufgrund ihres Asthma und mangels Förderung nicht möglich. Und den Mut, sich an einer Kunstakademie in jungen Jahren zu bewerben, hatte sie nicht, weil sie nicht glaubte, gut genug zu sein und weil sie Angst vor der Freiheit hatte. Deshalb blieb nur die Philosophie und Psychologie und das Nachdenken über politische Strategien. Im Prinzip war ihr Job als Analytikerin des Rotlichts ähnlich wie ein Job beim Geheimdienst.

Die künstlerische Seite kam auch regelmäßig zum Ausdruck und brach sich irgendwann als Autorin und Publizistin für ein Sex Magazin Bahn. Es war eine einsame Arbeit, wie die als Forscherin und Wissenschaftlerin, aber sie liebte die Konzentration und Einsamkeit.

Nadine war ihren Kunden sowas von dankbar, als Künstlerseele überleben zu können. Deshalb hatte sie sich mit einer guten Performance revanchiert und immer versucht, ihren Kunden ganz individuell das Beste zu geben, was an Finger- und Mundfertigkeit möglich ist. Sie hatte aber so viele zauberhafte und respektvolle Kunden in ihrem Hurenleben kennen gelernt. Als Escortdame hatte sie nur als Anfängerin gruselige Erfahrungen mit Gewalt gemacht, danach nie wieder.

Unter ihren Kunden waren bekannte und weniger bekannte Politiker, Handwerker, Software Entwickler, Wissenschaftler, Psychologen, Professoren, Chirurgen, Rechtsanwälte, ranghohe Militärs, Banker und Manager, Wirtschaftsprüfer und reiche Frührentner, die sich mit 40 aufs Altenteil zurück zogen. Insgesamt kann man sagen, daß die vielen positiven Erfahrungen mit Männern im Laufe ihres Lebens dazu beitrugen, dass sie als einzige androgyne Lesbe nur mit Männern zusammenlebte. Sexuell fand sie Frauen oft attraktiver, aber sie konnte mit den meisten Frauen nichts anfangen, da die schlechten Eigenschaften überwogen.

Außerdem hatte sie einen männlichen Blick und sezierte weibliche Kommunikation mit perfider Unnachgiebigkeit und Logik. Die meisten Frauen waren immer noch in alten Rollenmodellen verhaftet und sie wünschten sich hauptsächlich Sicherheit, finanzielle Sicherheit, und waren bereit, dafür alles zu tun. Vielleicht war das biologisch bedingt und mit der Fortpflanzung zeugte man eine Ordnung, an die man sich festklammern konnte. Blind vor Liebe vertraute man oft den Falschen.

Ein Mensch, der die Freiheit liebt, sieht anders aus. Das schlimme war auch, daß Frauen wie eine aussterbende Schildkrötenart behandelt wurden, dabei waren sie keine Minderheit, sondern teilten die Hälfte des Himmels mit Männern und nicht-eindeutigen Individuen. Da Nadines Identität uneindeutig war und blieb, fühlte sie sich anderen abweichenden Personen zugehörig und fand hier eine Art Zuhause. Genauso wie viele Huren in Bordellen eine Art Familie fanden. 

Genauso wie bei ihrem Mann, der sie intellektuell, politisch und künstlerisch beriet. Die Liebe war das Größte auf der Welt. Wenn es diesen Mann nicht gegeben hätte, wäre ihr Leben ziemlich trostlos gewesen. Ihr Mann war ein gutmütiges Bärchen, das aber auch explodieren konnte, wenn ihm etwas gegen die Hutschnur ging. Das wirkte manchmal unberechenbar und Nadine bekam Angst vor lauten Stimmen. Dabei war sie selber laut, weshalb sich auch schon Leute bei ihr beschwert hatten und dies als übergriffig empfanden. Die Stimme war auch deshalb laut, weil sie als Kind gegen lautere Stimmen ständig anschreien mußte und auf der Bühne oder bei Demos ohne Mikrophon sprechen und Reden halten mußte. Sowas wirkt sich natürlich aus. Zum Glück hatte sie eine recht sonore Stimme und nicht diese hellen Piepsstimmen, die ihr regelmäßig parlamentarische Reden vergraulten.

Eine jüngere Freundin behauptete einmal, dass Nadine aussehe wie ein Zuhälter. Da hatte Nadine sich ihre weißen Haare lang wachsen lassen und trug Bomber Jacken und Springer Stiefel. Nach dieser Ansage änderte Nadine allerdings ihren Kleidungsstil und zog wieder bürgerliche Kleidung an. Die langen weißen Haare wurden umgefärbt und kurz geschnitten. Überhaupt fand sie, daß ältere Frauen ab 50 mit längeren Haare aussahen wie Hexen. Und es war lächerlich, wenn sie sich bei Shopping Queen in Klamotten zwangen und wie 20 aussehen wollten. Und so wollte Nadine dann doch nicht aussehen. Das war auch der Grund, warum die meisten Politikerinnen ihrer Generation ähnlich aussahen, nämlich wie Chef-Sekretärinnen oder Gewerkschafterinnen. Es war wirklich nicht leicht alt zu werden, man in den Spiegel schaute und feststellte, daß man optisch wie eine prominente Prostitutionsgegnerin aussah. 


Kohle: Kapitel 37

Während Corona war die Prostitution in den Wohnungen gestiegen und leider auch die Zuhälterei und Zwangsprostitution. Darauf hatte die Hurenbewegung natürlich keine Antworten. Da sie längst den Kontakt zur Basis verloren hatten und auch keine Reichweite in die Parallelgesellschaften der Migranten hatte. Und es waren ja hauptsächlich Migranten, die in den Wohnungen arbeiteten und Ausbeutungsverhältnissen ausgesetzt waren. Aber es waren nicht alle Opfer. Viele Prostitutierte entschieden mit Kosten-Nutzen Kalkül nach der Wieder-Eröffnung der Bordelle weiter in Hotels und Wohnungen zu arbeiten, weil sie weniger Kosten hatten und keine hohen Mieten an die Betreiber zahlen mußten. Jedenfalls lief es für viele Prostituierte während der Corona Krise finanziell wie geschmiert. Prostitution ist eben das Gleitgel des Kapitalismus und die Schleuser oder Familien, die von der Prostitution ihrer Töchter und Nichten profitierten, verdienten sich eine goldene Nase. Die Erlöse aus Prostitution, die von den Migrantinnen in die Heimat geschickt wurden, waren sekundäre Entwicklungshilfe für die ärmsten Länder dieser Welt.

Prostitution lief auch großteils unterm Radar und jenseits etablierter Rotlicht Strukturen ab. Auf manchen Baustellen gab es Frauen, die für eine Kiste Bier 20 Männer über sich drüber ließen. Oder im Hinterzimmer mancher Teestuben. Wenn man genau hinsah, gab es kaum einen weißen Fleck in der Gesellschaft, wo Prostitution nicht stattfand. Deutschland war historisch geprägt von Posträubern, Wegelagerern, Geizfreiern und Blendern, die abkassierten. In den 68ern war es klarer, als die Springer Presse nicht nur vom Sofa aus bekämpft wurde. 

Die Entfremdung der Verbände war so weit fortgeschritten, dass sie weder wußten, was an der Basis los war, noch wie man politische Lösungen für die Probleme der Ausbeutung herstellen konnte. Oder vielleicht waren ihnen die armen Opfer auch einfach scheißegal. Eine politische Sprecherin empörte sich gerne ironisch darüber, daß es ja „nur für die armen Opfer und Migranten Geld gebe“ und das heisst auch Spendengelder. Ja aber für wen denn sonst?

Die Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern ließ Nadine nicht mehr los. Genauso wie es den Party People scheiß egal war, wenn sie mit dem Konsum von Kokain Kriege finanzierten, so waren es Teile der Hurenbewegung egal, daß es keine messerscharfe Trennung zwischen freiwilliger Sexarbeit und sexueller Ausbeutung gab. So wie 12 Influencer in aller Welt für 65% Fake News verantwortlich waren, so waren ein paar wenige Sprecherinnen in der Hurenbewegung für Fake Narrative verantwortlich und die permanente Leier, daß Sexarbeit kein Menschenhandel sei. Nadine konnte in dieser toxischen Umgebung einfach nicht mehr leben und entzog sich diesen Einflüssen. Ihr war klar, daß Propaganda noch gefährlicher ist als Waffengewalt, denn die zerstörerische Desinformation höhlte die Demokratie von innen aus. 

Nadine ging bei ihren Beobachtungen immer mit Cluster Analysen vor, rief Informationen aus völlig unterschiedlichen und vertrauenswürdigen Insider Quellen innerhalb und außerhalb der Rotlichtszene ab. Deshalb war ihr klar, daß es weitaus weniger Prostituierte in Deutschland und Europa gab als offiziell vermutet. Aber an niedrigen Zahlen war niemand interessiert, weder NGOs, Verbände und Vereine für Hurenrechte noch Prostitutionsgegner, da ihnen sonst der Geldhahn abgedreht worden wäre. Und damit auch ihre Existenzberechtigung. Der ganze Schwindel falscher Zahlen und Schätzungen diente allein dazu, sich eine Legitimation zu verschaffen, um Spendengelder einzusammeln, Wind in den Medien zu machen, um dadurch das offizielle Framing und sämtliche Fake Narrative weiterhin zu stärken und eigene Machtpositionen zu zementieren. Deshalb blieb auch alles wie es ist und das sogenannte Rotlicht war der Sündenbock und Blitzableiter der Gesellschaft. Der Status Quo sah vor, dass es Opfer geben MUSSTE, auch erfundene, denn sonst hätten alle beteiligten Parteien der Hurenbewegung und Prostitutionsgegner ihre Jobs verloren.

 


Kohle: Kapitel 36

Im Prinzip sind alle Prostituierten privilegiert, die Zugang zu Wissen und Information haben, die imstande sind, an Konferenzen oder Demonstrationen von und für Sexarbeiter teilzunehmen, egal ob Deutsche oder Migranten. Und natürlich sind alle Prostituierten privilegiert, die Zugang zu Grundsicherung in Deutschland haben. Aber dies gegenüber Jobcentern für EU-Migranten durchzusetzen, funktioniert vielerorts nicht, trotz der Unterstützung der Fachberatungsstellen. Die Corona Krise hatte ja deutlich gezeigt, dass EU-Migrantinnen benachteiligt sind, auch wenn sie Rechte haben. Von den Nicht-EU Migranten ohne geregelten Aufenthaltsstatus mal ganz zu schweigen.

Die Mehrheit aller Sexarbeiter in Deutschland weiß nichts von der Existenz der politischen Verbände und wissen auch nicht um ihre Rechte bzw. können sie diese Rechte allein kaum durchsetzen. Dazu bedarf es mindestens EU-Bürger Status, Sprachkenntnisse und auch Wege für Menschen ohne Bildung und Unterstützung von Analphabeten, um sich umfassend zu informieren und auch aktiv zu werden. Hier helfen keine Sofa Aktivisten. 

Außerdem interessieren sich die meisten Huren nur für die Kohle und fürs Ficken, aber kaum für Politik. Da waren sie keine Ausnahmen, denn die Mehrheit der Bundesbürger handelte genauso. Wenn also die Generation Beleidigt unter den Huren Aktivisten sich weniger um Fragen der Sensibilität und Befindlichkeiten kümmern würde, sondern endlich juristische Wege der Rechtedurchsetzung beschreiten würde, wäre vielen Sexarbeitenden geholfen. Aber das fand in den letzten zwanzig Jahren auch nicht statt. Nadine hatte gemacht, was sie konnte. Für andere Projekte fehlte ganz einfach die Unterstützung, gegen Sonderverordnungen Rechtsmittel einzulegen, da braucht es aktive Sexarbeiter, die unmittelbar von einer Verordnung betroffen sind und den juristischen Weg bereit sind zu gehen. Es gibt auch einen Rechtshilfefonds bei einer Berliner Beratungsstelle, aber der Zugang zu diesen Ressourcen ist mit der Hürde verbunden, dass die Sexarbeiterin, die den Klageweg beschreitet, aus der Anonymität heraus treten und den Fall für die Öffentlichkeit dokumentieren muß.

Im Wege standen die Sofa Aktivisten, die ihre Energie auf Identitätsfragen fokussierten und keine konstruktive Entwicklung nach vorne brachten, sich auch unkooperativ im Umgang mit den Verbänden zeigten. Man kann so weder erfolgreich politische Lobbyarbeit im Sinne diverser und mehrfach stigmatisierter und benachteiligter Personenkreise in der Sexarbeit machen, noch Verordnungen kippen und Alternativen der Prostitutions-Regulierung entwickeln, wenn man nur mit sich selbst beschäftigt ist. 

Tatsächlich fanden positive Entwicklungen außerhalb der Verbände und Befindlichkeits-Truppen statt. Zuletzt hatte eine bayerische Domina gegen ihren Arbeitgeber – den bayerischen Staat – geklagt, ihr Gewerbe ausüben zu dürfen und hatte auch gewonnen. Und das alles im Alleingang, ohne Verbände, Beratungsstellen oder sogenannte Unterstützergruppen.

Es zeigte nur, daß jeder Mensch ein Experte ist; jeder Mensch hat etwas beizutragen. Jeder Mensch hat Expertise und dies spiegelt die Hurenbewegung leider überhaupt nicht wieder, indem bestimmte Personen oder Menschengruppen, Verbände ausgeschlossen und öffentlich attackiert wurden, anstatt zu kooperieren und für gemeinsame Ziele zu kämpfen. Es gibt doch vergleichsweise wenig Menschen, die in der Hurenbewegung überhaupt Gesicht zeigen können und das Risiko eines Outings auf sich genommen haben, um sich öffentlich zu artikulieren. Eine Wertschätzung gab es im übrigen aus den eigenen Reihen kaum dafür, dieses Risiko und die viele ehrenamtliche Arbeit auf sich zu nehmen. Was nix kostet ist nix wert?! 

Es gab immerzu öffentlich Kritik aus meist linken und linksidentären Gruppen, die aber selbst nichts produktives beizusteuern hatten, um dringende Probleme zu lösen. Interessenpolitik fand einfach nicht statt. Da Nadine für viele ihrer Initiativen über viele Jahre keine Beachtung gefunden hatte und viele Sofa-Aktivisten in Konkurrenz zu ihr standen und sie als weiße privilegierte Cis Frau in Komplizenschaft mit Verbänden sahen, konnte sie auch nicht zwischen den Fronten vermitteln.

Niemals hatte sie soviel Dummheit im Ausland erlebt, in ihrer Zeit als internationale Aktivistin. Solche destruktiven Entwicklungen wie in Deutschland waren einfach einmalig auf der Welt. Auch für ihre vielen gelungenen Initiativen gab es keine Wertschätzung oder positives Feedback aus den eigenen Reihen. Im Gegenteil: ihre Stimme wurde einfach totgeschwiegen und ihre mißliche Situation als sogenannte mehrfach stigmatisierte Sexarbeiterin mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen gegen sie gewendet, ihre Legitimation als Verbandssprecherin deshalb aberkannt.

Die Berliner Sofa-Aktivisten hatten sogar aus ideologischen Gründen ihr Theaterprojekt zerstört und Sexarbeiter in die Arbeitslosigkeit getrieben. Auch deshalb hatte sich Nadine aus diesen ganzen destruktiven Prozessen der Hurenbewegung zurück gezogen, um ihre Zeit, Energie und Geld auf konstruktivere Themen zu lenken, womit sie dann auch einigermaßen erfolgreich war. Sie entwickelte weiter erfolgreiche Online Outreach Projekte mit kapitalistischen Mitteln, da sie nicht auf den Staat warten konnte sowie eine kostenlose Werbeplattform für Escorts. Nadine war wohl die einzige aus der Prostitutionsbranche, die keinen Profit aus Prostituierten schlug und die ihnen durch die Möglichkeit des Verkaufs von Online Content wie bei Onlyfans ein zusätzliches finanzielles Einkommen sicherte und ihnen die Fakes vom Hals hielt.


Kohle: Kapitel 35

Nadine glaubte an den schizoiden Charakter der deutschen Gesellschaft als historisches und epigenetisches Kontinuum, der sich bereits während der Nazi Zeit entladen konnte. Schizoid waren auch alle radikalen Maskenverweigerer, deren Gewalt sich während der Corona Krise entlud. Es zeigte auch die Verwirrung der Bevölkerung, die durch Fake News nicht im Bilde der Faktenlage waren und auch nicht davor zurück schreckten, sich mit verfolgten Juden zu vergleichen. Dieser Wahnsinn wurde zwar als Abweichung wahrgenommen, aber er war eingebettet in ein normales Gesamtsystem aus Desinformation. 

Die Zivilisiertheit einer Gesellschaft läßt sich am Umgang mit ihren Minderheiten leicht feststellen. Zum Beispiel der Umgang mit Roma. Da war man schon institutionell in Deutschland weiter als in Ungarn, wo Menschenjagden veranstaltet wurden. Aber der Anti-Ziganismus war immer noch äußerst ausgeprägt in der deutschen Gesellschaft. Dies zeigte sich auch in der Wohnungspolitik. Roma kamen aus der Wohnungslosenhilfe kaum heraus. Der Grund war, daß viele deutsche Vermieter nicht an Roma und Sinti vermieten. Aufgrund fehlender Sprachkenntnisse fanden sie auch kaum Zugang zum regulären Wohnungsmarkt.

Die Menschen hatten Angst, Anzeigen gegen diskriminierende Vermieter zu stellen, dabei war das Recht – das Mietrecht und das Zivilrecht – auf ihrer Seite. Wenn man keine Anzeige stellt, entfällt auch der Rechtsschutz. In Berlin wurden Roma in sogenannte Segregationshäuser, im Prinzip unbewohnbare Orte, abgeschoben. Man konnte von einer modernen Vertreibung sprechen. Und wir sprechen hier nur von EU-Bürgern und Bürgerinnen. Verschärft war die Situation natürlich für staatenlose Menschen ohne Papiere, die in der informellen Ökonomie überleben mussten, ausgebeutet werden, auf dem Arbeiterstrich, auch von Vermietern, die sie in überbelegte Wohnungen ohne Heizung und Wasseranschluß zwangen. Rechtlich verhält es sich so, dass überbelegte Wohnungen geräumt werden können, was trotz Mangel an alternativen Wohnraum geschah und die Menschen obdach- und heimatlos machte. Die Verzweiflung mancher Menschen führte in den Suizid, so ausweglos war ihre Lage. Und Staatenlose sind generell nicht anspruchsberechtigt für staatliche Leistungen, weshalb Unterstützungsleistungen bei ihnen nicht ankommen und sie auf informelle Netzwerke angewiesen sind.

Manchmal wurden Roma von Vermietern ohne ihr Wissen auch als Waffe eingesetzt, um Häuser zu entmieten. Die Vermieter konnten sich darauf verlassen, dass die meisten deutschen Mieter keine Roma als Nachbarn haben wollten. Auf dem Berliner Wohnungsmarkt gab es auch kaum Wohnraum für Großfamilien, aber manchmal wurden Wohnungen zusammen gelegt oder die kommunalen Wohnungsunternehmen stellten Wohnraum für sie zur Verfügung. 

In der informellen Wohnökonomie war die Wohnsituation außerordentlich prekär, auf die Anforderungen konnte nicht formal reagiert werden. Unter prekären Bedingungen gab es maximal nur temporäre Wohnverhältnisse. Auch Flüchtlinge mußten jahrelang in Flüchtlingsunterkünften leben, weil es keinen regulären Wohnraum für sie gab. Es gab keine Strategie und Perspektive, die prekäre Wohnungsituation vieler Roma in sichere Wohnbedingungen umzuwandeln und informelle Strukturen in formelle Strukturen zu überführen. Auch bei der Housing First Initiative des Berliner Senats wurden die sogenannten „nicht anspruchsberechtigten Personen“ von Unterstützungsleistungen ausgeschlossen. 

Es gab bislang keine politische menschenwürdige Lösung für Roma und Staatenlose in Europa. Deshalb mußten viele auch in die Prostitution abtauchen, die zu den informellen Ökonomien zählt. Wenn man ohne gültige Papiere keine Bankkonten eröffnen oder Verträge abschließen kann, ist man auf Bargeldgeschäfte angewiesen. Solange das Bargeld noch nicht aus dem deutschen Markt rausgezogen wurde wie in Schweden, gab es noch Überlebenschancen für Staatenlose. 

Staatenlose brauchten das Recht, Rechte zu haben. Als Staatenloser ist man formal kein Staatsbürger und kann auch keine Rechte einklagen. Deshalb gab es auf Seiten staatenloser Prostituierter auch kein Interesse an einem Prostituiertenschutzgesetz, das im Prinzip nur für deutsche Staatsbürger und EU-Bürger Gültigkeit hatte. Im Prinzip galten Menschenrechte auch nur für Staatsbürger mit Papieren. Weder konnten die Staatenlosen eine Steuernummer beantragen noch sich Zugang zur Sozial- und Krankenversicherung verschaffen. Sie waren im täglichen Überleben angewiesen auf Mittelsmänner und Angehörige ihrer Gruppe und Sippe. Wenn man nichts hat, sind die familiären Netzwerke und Unterstützer die einzige Möglichkeit, zu überleben. 

In der Menschenrechtsdeklaration gibt es kein Recht eines Menschen auf eine Staatsangehörigkeit und somit kein Recht auf Einbürgerung und Zugehörigkeit zu einer politischen Gemeinschaft. Ohne das Recht, Rechte zu haben, sind alle weiteren Menschenrechte nichtig, und dies gilt nicht nur für Staatenlose, sondern auch für alle Entrechteten ohne Papiere und ohne Zugang zu Rechtsschutz, Geflüchtete ohne Aufenthaltsstatus, Obdachlose, Arbeitslose und Ausgebeutete. International werden etwas 10 Millionen Staatenlose vermutet. Im Prinzip hatte Nadine sich aus der Hurenbewegung zurück gezogen, weil sie dort kein Verständnis für ihre Initiativen fand, Geltungskraft für Welt- und Staatenlose durchzusetzen. Es gab keine Solidarität mit den Entrechteten, weil man eigene Privilegien und Machtpositionen nicht aufgeben wollte. Im Prinzip bedurfte es einer Neudefinition der Menschenrechte und einen Reboot in der deutschen Hurenbewegung. 


Kohle: Kapitel 34

Um nicht völlig den Verstand zu verlieren, sublimierte Nadine und transformierte ihre ureigenen Nöte und Interessen durch Psychoanalyse in eine höhere Erkenntnis. Dadurch hielt sie sich mental stabil. Sublimierung, so sagt es die Psychoanalyse schon, ist ein Vorgang der Veränderung von Triebenergie in künstlerisch-schöpferische, intellektuelle oder in gesellschaftlich anerkannte Interessen, Tätigkeiten und Produktionen. Alle schöpferischen Manifestationen im Zusammenhang mit ihrer politischen Arbeit waren das Ergebnis einer tiefen Verwandlung und Anverwandlung einer langen Leidensgeschichte, sie war Ausdruck von Autonomie, dem Sieg, im Ringen über die eigenen Unzulänglichkeiten.

Als Studentin studierte sie alles zum Thema Double-Bind-Theorie und welche dysfunktionalen Kommunikationsstrukturen den gesunden Menschenverstand unterlaufen und kam so auf den Psychologen Ronald D. Laing, der über menschliche Erfahrung Bücher geschrieben hatte und zeigen konnte, daß eine Geisteskrankheit wie Schizophrenie, die eigentlich eine Stoffwechselstörung ist, sich erst durch krankmachende Strukturen manifestiert. 

„Ronald D. Laings Studie über Formen menschlicher Erfahrung zeigt, wie mit Hilfe sozialpsychologischer und psychoanalytischer Ansätze gesellschaftliche Strukturen begriffen werden können. Psychische Defekte sind für ihn nicht Probleme des einzelnen, sondern Reaktionen der Subjekte auf krankmachende Gesellschaftsstrukturen, die Psychiatrie individualisiert das Problem nur. Erst wenn die Vereinzelten, und das sind letztlich alle Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft, sich ihrer selbst und ihres Gegenübers durch Erfahrung im emphatischen Sinn wirklich bewußt werden, kann der Zustand des schlechten Ganzen aufgehoben werden.“

Psychosen, und nichts anderes ist Schizophrenie, steht immer im Zusammenhang mit einer familiären oder gesellschaftlichen Entstehungsgeschichte. Dazu hatte Nadine ihre eigene familiäre dysfunktionale Kommunikation untersucht, wo permanent Doppelbotschaften, Uneindeutigkeiten und Ambivalenzen kommuniziert wurden. Und natürlich spielte die Unmöglichkeit, Urvertrauen zu den Eltern aufzubauen, eine wesentliche Grundlage. Eine Double Bind Situation entsteht, wenn entgegengesetzte Informationen auf einen einprasseln, die man nicht mehr richtig oder falsch zuordnen kann. Oder wenn jemand behauptet, dass entgegen der eigenen Wahrnehmung, der Himmel rot und nicht blau ist und man bestraft wird, obwohl man die Wahrheit sagt.

Wahrscheinlich hatte ihre eigene historische Analyse des Wahnsinns als Krankheit, als Teil ihrer Identität, aber auch Prostitution dazu geführt, dass Nadine sich selbst nie stigmatisiert hatte. Sie abstrahierte von ihrer eigenen Erfahrung im wissenschaftlichen Kontext und konnte sich so logisch Prozesse erklären, die ihre Innen- und Außenwelt berührten. Schimpfworte wie „Nutte“ oder „Schlampe“ konnten deshalb völlig an ihr abprallen. Auch Scham hatte sie nie darüber empfunden, dass sie ein sexuelles Leben geführt und auch Prostitution ausgeübt hatte.

Auch wenn Menschen sich in ihrem Umfeld von ihr voller Unverständnis abwandten, weil sie die Vorstellung anekelte, daß eine intelligente Frau wie Nadine freiwillig Sex mit Fremden gegen Geld hat und sich aus einer gesellschaftlich anerkannten Position freiwillig in die prekäre Unterschicht katapultierte. Das Schlampenstadium hatte sie ja bereits in jungen Jahren durchlaufen, als sie wechselnde Freunde und Sexpartner hatte. Auch da hatte sie sich nie schlecht gefühlt, sondern fand es selbstverständlich, neue Erfahrungen zu machen, auch in sexueller Hinsicht. Warum nur Männer dieses Privileg haben sollen, war ihr völlig unklar gewesen.

Ihre Familie, die davon wußte, thematisierte es nie, auch nicht, als sie darüber ein Buch schrieb und im Fernsehen als Sexarbeiterin auftrat. Für ihre Familie war Nadine so eine Art Alien von einem anderen Stern, den man nicht wirklich verstand, aber respektierte. Und das war auch das einzige, was nötig war, um sich wie ein Mensch zu fühlen. Dafür liebte sie ihre Eltern, daß sie als Mensch angenommen wurde. Ihre Mutter versicherte ihr immer wieder, dass sie geliebt wurde, auch ohne einen erfolgreichen Lebenslauf vorweisen zu können. Für ihre Eltern war es völlig unverständlich, dass sie keine Karriere und Kinder wollte und auch keinen Ehemann mit Eigenheim, aber man ließ sie in ihrem So-Sein gewähren.

So oft Nadine auch über ihre Familie jammerte, war sie sich doch bewußt, daß sie mit Kindern anderer Eltern niemals hätte tauschen wollen. Dazu hatte sie zu viel gesehen. Ihre Familie war vergleichbar mit Familie Flodder aus der gleichnamigen Fernsehserie und sie waren einfachen Gemüts. Das muß man zur Kenntnis nehmen, man kann daran nichts ändern und muß das beste draus machen. Letztlich liebte Nadine ihre Familie, insbesondere ihre Eltern und ihre Schwester, zu der sie auch keinen Kontakt mehr hatte, jedoch sehr. Aber ein Kontaktabbruch ist manchmal notwendig, um keinen Verletzungen mehr ausgesetzt zu sein. Dazu hatte ihre Schwester sie zu oft enttäuscht, obwohl Nadine ihr mehrere Male im Leben geholfen hatte. Aber irgendwann ist dann auch einfach eine rote Linie überschritten, wo man sich schützen und Grenzen ziehen muß.


Kohle: Kapitel 33

Das einzige soziale Aufstiegsversprechen, das in Deutschland noch funktionierte war es, nach oben zu heiraten. Das ganze Wirtschaftssystem baute auf Übervorteilung und den Einsatz von sexuellem Kapital. Das hatte sie auch im Wissenschaftsapparat beobachtet, wo Professoren ihre jungen und begabten Studentinnen heirateten, damit sie im Alter nicht so allein sind. Die Besetzungscouch funktionierte ja nur deshalb einwandfrei, weil es genug Frauen gab, die leistungslos nach Status und Macht gierten und die ihre Männer sofort abservierten, wenn sie arbeitslos wurden und ihre berufliche Existenz, ihr Haus an die Bank verloren oder in Schulden untergingen. Dann waren die Frauen ganz schnell weg. Ein erweiterter Suizid war häufig die Antwort. 

Die Kerlchen konnten einem auch sowas von leid tun. Die drehten durch, wenn sie von ihren Frauen als Verlierer klassifiziert und auf den Müll der Geschichte geworfen wurden. Gerade taugten sie noch als Märchenprinz, der alle Konsumwünsche erfüllen durfte, und im nächsten Moment wurden sie in die Wüste geschickt. Insofern war der Escort Bereich auch eine gute Partnerbörse, wo Damen noch eine gute Partie machen konnten, wenn sie durch Wohlverhalten glänzten.

Nadines Vater war ja nicht nur ein viertes Mal verheiratet. Als Nadine sechs lange Jahre bei ihrem alleinerziehenden Vater aufwuchs, gab es noch weitere Damen, die der Vater im Schlepptau hatte. Nach zehn Damen, die sie persönlich kennen lernte, hörte Nadine auf zu zählen. Er schleppte die Weiber abends in einer Bar ab und nahm sie mit nach Hause. Nadine schlich dann nächtens aus ihrem Zimmer und prüfte die Ausweispapiere der Damen, um die Identität rechtzeitig festzustellen, falls in der Wohnung etwas fehlen sollte. Das Mißtrauen war berechtigt, denn ihr Vater war auch schon mehrmals von Huren und Freundinnen beklaut worden. 

Einmal lernte Nadines Vater eine Frau aus Dortmund kennen, deren Vater ein Konsul war, was Nadines Vater mächtig beeindruckte. Die Frau sprach vier Sprachen und trug nur Garderobe von Yves Saint Laurent. Sie zeigte ihrem Vater, was Tisch Etikette bedeutet, das man bei Tisch nicht schmatzt und furzt, wie man die Gabeln richtig zu halten hat und vor allem, wo sich die Reichen und Schönen treffen. An der italienischen Riviera, bei Pferderennen, auf internationalen Golf- und Tennisplätzen.

Das war aber garnicht so die Kragenweite ihres geizigen Vaters, ein einfacher Mann aus dem Volke. Wobei man dazu sagen muß, dass er im Hinblick auf die Erfüllung eigener Wünsche durchaus großzügig war. Seine Tochter wurde an einer extrem kurzen Leine mit geringfügigem Taschengeld gehalten, während der Alte das Geld ohne Ende verprasste. Da durften auch schon mal tausende Euros im Casino oder bei Prostituierten versenkt oder vor einem internationalen Boxkampf die VIP Tickets geordert werden. Er kaufte sich und seinen Ehefrauen auch teuren Schmuck, der ihm zum Verhängnis wurde, weil die Frau aus Dortmund eine Hochstaplerin war und ihren Vater um Goldschmuck, Brillanten und Goldmünzen erleichterte. Schon ihre Mutter hatte heimlich ein paar Goldmünzen mitgehen lassen, genauso machten es die weiteren Ehefrauen. 

Ihr Vater hatte leider so gar keine Menschenkenntnis und umgab sich vorzugsweise mit Menschen, die sich finanzielle Vorteile durch seine Bekanntschaft erschlichen. Auch von Habenichtsen in der eigenen Verwandtschaft wurde er wie eine Weihnachtsgans ausgenommen, erst von seinem kriminellen Schwiegersohn und später von seinem Neffen um große Geldsummen erleichtert. 

Von Frauen hatte Nadines Vater generell keine hohe Meinung, weshalb sie auch nicht als Ratgeberinnen taugten und er alle wichtigen Entscheidungen in seinem Leben ganz alleine mit sich selbst ausmachte. Von den vielen Frauen, die Nadine kennenlernte und mit denen ihr Vater sexuell verkehrte, heiratete er in zweiter Ehe die jüngste und skrupelloseste Schlampe mit Bauernschläue aus dem Ghetto von Duisburg.

Die junge Dame war 18 Jahre alt, als sie mit Freundinnen eine Wette erfolgreich abschloß, dass sie sich Nadines Vater, den reichen Geldsack, schnappen würde. Und zwar indem sie ihm ein Kind anhängte, der spätere Halbbruder von Nadine, der dann Drogen dealte, sich in Online Sex Chats als Frau anbot, um Männern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Sohn hatte den Charakter seiner Eltern geerbt. Geiz, Niedertracht, Mißtrauen, Rassismus und leistungsloser Geldverdienst, selbstverständlich unversteuert.

Diese Frau war niederträchtig, intrigant und log, dass sich die Balken bogen. Sie hatte sogar heimlich Nadines Tagebücher gelesen und ihre Spielsachen auf den Müll geworfen. Sie manipulierte Nadines jüngere, dumme und gutmütige Schwester, die gemeinsam mit ihrer Schwangerschaft und einem Appell an das moralische Gewissen Nadines Vater erpressten und Druck ausübten, sie zu heiraten. Diese Goldgräberin war gleichaltrig wie Nadine und wollte Nadine natürlich aus dem Haus haben, da sie bei ihren Plänen im Weg war. Sie erfand die schlimmsten Geschichten über Nadine, um damit den Vater zu beeinflussen und gegen Nadine aufzuhetzen. Die Rechnung ging auf und Nadine verließ mit Pauken und Trompeten und einer gebrochenen Nase das Elternhaus.

Man darf ja nicht schlecht über Tote sprechen. In diesem Fall meinte Nadine später nur, dass sie natürlich keinen weiteren Kontakt zu dieser jungen Frau wollte und deshalb bei ihrer Beerdigung auch nicht anwesend war. Was hatte die bucklige Verwandtschaft eigentlich gedacht? Nur weil jemand Krebs bekommt und stirbt, sind alle Sünden vergessen? Nachdem Nadine ihren Vater auf Unterhalt verklagt hatte, sie eine Ausbildung abschloß und ein Studium absolvierte, übten der Vater und seine Frau erheblichen Druck auf Nadine aus und sie mußte monatlich Leistungsnachweise vorlegen, sonst wäre der eingeklagte Unterhalt gestrichen worden. Das war die ständige Drohung, weshalb Nadine ihr Studium auch in kürzester Zeit mit einem Einser-Diplom abschloß, um sich aus dieser Abhängigkeit zu befreien.

Bei jeder Gelegenheit erfand diese Frau Lügengeschichten, um den Vater gegen Nadine aufzuhetzen. Zum Beispiel behauptete sie, daß Nadine Mietschulden hätte, was überhaupt nie der Fall gewesen war, da Nadine in Geld Dingen genauso penibel und zuverlässig wie ihr Vater war. Jedenfalls drangsalierte diese sogenannte Stiefmutter Nadine bis aufs Messer, auch als sie längst in Berlin lebte. Nadine war schließlich einfach nur erleichtert, als eines Tages das Lebenslicht der gleichaltrigen Stiefmutter erlosch, die mit 28 Jahren von ihrem Krebs aufgefressen wurde. Sie hatte nämlich jahrelang unter der Sonnenbank gebrutzelt, um wie Pam Anderson auszusehen, und sich dabei schwarzen Hautkrebs eingefangen.


Kohle: Kapitel 32

Nadine vermißte ihr Berlin der 90er Jahre sehr. Auch musikalisch. Als sie noch im Sniper in Mitte Pornos auf 100 Bildschirmen gleichzeitig guckte und dazu Haschkekse aß, war die Welt in Ordnung.

Der Underground Berlins der 90er wurde abgelöst von einer drögen Hipsterkultur mit weißen Turnschuhen. Das Geld, das nach Berlin drängelte, richtete somit auch ästhetischen Schaden an. Halbschwule, die Vollbärte trugen, um die holde Weiblichkeit mit einem Image des wilden Mannes aus der kanadischen Tundra zu beeindrucken. Gleichzeitig wandelte sich im Straßenbild die Weiblichkeit in Blümchenkleid tragende Büllerbü Apologetinnen, die nun die Preise für Kaffee mit Soja Milch in die Höhe trieben und Veganismus als Staatsdoktrin auslobten, nachdem die Rauchkultur und Sexyness löchriger Netzstrümpfe endgültig ausgetrieben worden waren.

Anzüge waren jetzt schmal geschnitten, für dünne Flachärsche massgeschneidert, und die Hosen standen auf Hochwasser. Dazu trug man Vollbart und liess sich Chips unter die Haut transplantieren, um kontaktlos eine Coca Cola zu zahlen. Man fuhr SUV und boxte die Fahrradfahrer von der Strasse und die Ureinwohner aus ihrer Heimat am Prenzlauer Berg, die sich in den neuen Feinkostläden rings um den Kollwitzplatz auch keinen Liter Milch mehr hätten leisten können. Oder ein Stück Seife für 400€ in den Luxus Kosmetikläden in der Knaackstrasse.

Ihr ehemaliger Stammkunde aus Frankfurt war dorthin gezogen, wo er als Alleinstehender auf 280 qm eine Monatsmiete von 8000€ löhnte. Der Rest ging für die Nutten drauf. Dort veranstaltete er inmitten von Mid-Century Möbeln seine Orgien. Die Wohnung sah aus wie aus dem Katalog und der Gastgeber wurde schon nervös, wenn der Untersetzer unter dem Glas Whisky nicht millimeter genau platziert war. Immerhin war er kein Kunstverächter und sie konnte ihm einige Bilder ihres Mannes verkaufen, damit es etwas wohnlicher wurde. Trotzdem fühlte sie sich dort wie eine unbezahlte Escortdame, die ständig dem ausgezeichneten Geschmack des Gastgebers huldigen musste. Zumindest spiegelte er eine hochwertige Ästhetik wider, anders als Shopping Queen, wo depravierte Konsumentinnen ihren schlechten Geschmack und Klassismus zelebrierten.

Ihr Stammkunde des guten Geschmacks lebte in einer völlig anderen Welt als Nadine. Sein Leben war von endlosen Geldströmen und gelangweilten Konsum geprägt, ähnlich wie das Leben ihres Vaters.

Nadine hingegen bestand regelmäßig Abenteuer und war zuletzt wegen einem Krümel Hasch in einem spanischen Gefängnis in Barcelona gelandet und nur ihr Chef konnte sie mit Anwälten befreien. Ihr Chef war zwar auch Multimillionär, aber mit einem guten Herzen. Er hatte auch freiwillig Nadines Honorar bezahlt, als sie monatelang wegen Krankheit ausfiel. Als Freiberuflerin hätte sie sonst aus der geschlossenen Psychiatrie heraus Hartz4 beantragen müssen.


Kohle: Kapitel 31

Identitätspolitik war letztlich nur ein Kampf um Geld und knappe Ressourcen und die Huren ließen sich am Nasenring durch eine neoliberale Arena führen, die darauf baute, dass Sofa Aktivisten und talentlose Gender Studies Studierende nicht arbeitslos wurden, die Jobs in Redaktionen, Universitäten und NGOs begehrten und die Deutungshoheit beanspruchten und die darauf bauen konnten, dass die verwirrten Küken der politischen Macht nichts entgegen setzen konnten, ausser sich gegenseitig in der politischen Bedeutungslosigkeit aufzulösen.

Was hatten die Sofa Aktivisten in den letzten 20 Jahren schon beigetragen? Sie hatten keine Gesetze über viele Jahre kritisch und öffentlich begleitet, hatten nicht an Anhörungen im Bundestag oder im britischen Parlament teilgenommen, hatten keine Vorträge bei Konferenzen gehalten und Memoranden der globalen Bewegung abgefaßt, hatten nicht auf dem Rechtsweg versucht, Sonderverordnungen oder Sperrbezirksverordnungen zu kippen oder bitterarme, teils minderjährige Analphabetinnen vor Ausbeutung und Gewalt durch Freier und die eigenen Familien zu schützen, hatten keine illegalen oder wohnungslosen Kolleginnen mit Wohnraum versorgt oder schwarze Huren am Strassenstrich von NYC mit sauberen Crack-Pfeifen. Sie saßen an ihrem Handy in ihrer kuscheligen Wagenburg, diskutierten Gendertheorie und übertrafen sich gegenseitig im Austausch von Befindlichkeiten.

Das war das Gegenteil einer progressiven Allianz, die nötig war, die Nuttenrepublik aus den Angeln zu heben. Wenn die Nutten es nicht schafften, sich vor der neoliberalen Agenda zu schützen, waren sie angeschissen. Jetzt bedurfte es der Vernunft, um die versprengten Gruppen ins richtige Fahrwasser zu balancieren. Denn die Ampeln standen auf rot und es war höchste Zeit, das Ruder hochzuziehen und endlich Kurs aufzunehmen.

Allerdings hatte Nadine zu diesem Zeitpunkt die zerstrittene Gemeinde längst verlassen, beschäftigte sich nicht mehr mit Kunden- und Beziehungsgewalt, sondern mit internationaler organisierter Kriminalität und Künstlicher Intelligenz. In Deutschland waren die Zahlen im Bereich Rotlicht-Kriminalität seit Jahrzehnten rückläufig. Das Rotlicht galt nicht mehr als so profitabel, denn die meisten Prostituierten arbeiteten in die eigenen Taschen und hatten kein Interesse mehr, ihren hart verdienten Hurenlohn mit Vermietern zu teilen. Kriminelle wichen zunehmend in die Cyber Kriminalität aus.

Ähnlich wie es parasitäre und symbiotische Beziehungen auf zwischenmenschlicher Ebene mit Lebenspartnern und Loverboys gab, wo die Grenzen zwischen Einvernehmen und Illegalität verschwammen, war auch die organisierte Kriminalität dadurch geprägt, dass sie sich mit legalen Unternehmungen überschnitt.

Opfern von Menschenhandel war oft gar nicht bewußt, daß sie Opfer eines Verbrechens waren. Es gab bei der Zwangsprostitution einen fließenden Übergang zwischen Rekrutierung der Opfer in den sozialen Medien und Internetplattformen im Netz, der Werbung über unauffällige Kontaktanzeigen auch in prostitutionsfernen Anzeigenportalen und natürlich Ausbeutung. Den Opfern war oft nicht bewusst, wann sich sichere Beziehungen in unsichere Beziehungen verwandelten und meist von Liebe oder Angst geblendet.

Viele Frauen waren auf dem Entwicklungsstand von Kindern und leichte Beute. Man konnte nur noch über Comics und Piktogramme mit ihnen kommunizieren, um sie über Gefahren ins Bild zu setzen, aber auch das war nicht ausreichend. Menschen in der Migration, in einem fremden Land, in der Prostitution waren verwundbarer für Ausbeutung und Gewalt als andere Menschen, die man privilegiert nennen kann. Unter den Opfern gab es keine Klassen und Geschlechterunterschiede, sie kamen aus allen Bereichen des Lebens. Es konnte jeden Menschen treffen.

Die Ausbeuter versenkten das Schwarzgeld in völlig normalen Aktivitäten, die in die Mitte der Gesellschaft hinein reichten. Sie gründeten Firmen, kauften Autos, Flugzeuge, Luxus Kreuzfahrten, wuschen das schmutzige Geld über Bankkonten, Immobilien, Luxusgüter, Kunst.

Mit einer stereotypisierenden Medienberichterstattung, einem akademischen Diskurs und offiziellen Berichten kam man der grauen Realität kaum bei, wenn aus schwarz weiß wurde, und aus weiß schwarz. Diese Dynamik und Komplexität im lokalen und globalen Maßstab war sehr schwer zu durchschauen, denn die Verstecke waren häufig legale Unternehmungen.

Nadine war als Kind und Jugendliche selbst chronische Ausreißerin und kriminell gewesen und wußte um die potentiellen Gefahren, alleine und minderjährig auf der Straße unterwegs zu sein. Deshalb zeichnete sie Comics, die sie in Berliner Wärmestuben von Ausreißern verteilte. Sie nannte diese Initiative Kinderpolizei. Kinder sollten gehört werden, denn sie haben auch eine Stimme und das Recht zu sprechen. Manche der jungen Aktivistinnen waren ebenfalls auf dem Entwicklungsstand von wütenden Kindern, die die Alten weg haben wollten. Aber Nadine war nicht ihr Feind, im Gegenteil.

Manchmal, wenn sie mit den Ausreißern gemütlich zusammen saß, erzählte Nadine ihre Geschichten als Ausreißerin. Wo sie im Urlaub mit ihrer Familie in den USA ausgebüchst war oder sich während eines Urlaubs auf dem Bauernhof im Heu versteckt hatte oder im Keller ihres Zuhauses. Der Höhepunkt war allerdings der Trip nach Spanien gewesen, als sie im Alter von 16 Jahren zusammen mit dem Freund ihrer Schwester in einer spontanen Nacht- und Nebelaktion ausbüchsten, nicht ohne vorher den Safe des Vaters zu knacken und einen größeren Geldbetrag zu klauen. Der Freund ihrer Schwester besuchte ein Internat und hatte ein Auto, einen alten VW Käfer. Mit dem sind sie Richtung Frankreich gefahren und alle Reifen platzten unterwegs. Natürlich musste Nadine alles zahlen. Was kein gutes Omen war.

Sie schlugen sich bis nach Marseille durch, wo das Auto repariert wurde und Nadine sich die Haare ganz kurz wie ein Junge schnitt. Aus Sicherheitsgründen. Sie kauften sich Schlafsäcke und sind dann weiter nach Spanien getrampt, in den tiefsten Süden. In Malaga zerstritten sie sich, weil der Freund ihrer Schwester ihr Geld klauen wollte und Nadine flüchtete und nahm einen Flug auf die Kanarischen Inseln. Dort lernte sie junge Handwerksgesellen auf der Walz kennen, denen sie sich anschloß, um dann gemeinsam auf die Insel La Gomera zu reisen. Dort lebte Nadine allein an einem Strand mit schwarzem Sand. Sie wanderte täglich in die nahe gelegene Bananen Plantage, um sich zu waschen und aß von morgens bis abends Bananen. Dabei dachte sie über ihr Leben nach und was aus ihr werden sollte. Sie beschloß nach zwei Wochen nach Hause zurück zu kehren und machte noch eine schöne Zugreise über Madrid, Paris und Amsterdam zurück ins Ruhrgebiet. In Paris kleidete sie sich der Jahreszeit entsprechend mit Luxus Winterkleidung an der Champs Elysées neu ein und in Amsterdam betrank und bekiffte sie sich.

Der Vater sprach bei ihrer Rückkehr natürlich nicht mehr mit ihr und sie musste als erstes eine Aufstellung aller Ausgaben machen, die sie während ihrer Reise hatte. Anschließend arbeitete Nadine das geklaute Geld in der Werkstatt ab, solange bis der Vater wieder mit ihr sprach. Mit ihrem Abitur war es allerdings Essig, da sie mehrere Wochen unentschuldigt gefehlt hatte. Sie flog vom Gymnasium und machte eine Ausbildung und lebte allein. Endlich Ruhe.


Kohle: Kapitel 30

Bei Prostitutierten ist das generelle Mißtrauen ausgesprochen hoch. Zu Recht, aber teilweise wahnhaft. In der deutschen Hurenbewegung gönnte sich keiner auch nur den Dreck unter den Fingernägeln. Wie Hyänen gingen die fragmentierten entsolidarisierten Gruppen aufeinander los und es erinnerte Nadine an den Rattenkönig, eine an den Schwänzen verklebte Rattenschar, wo jeder in völlig verschiedene Richtungen drängt und sich immerzu mit eigenen Befindlichkeiten und Identitäten auseinandersetzte, aber nicht mehr mit gemeinsamen Zielen und Interessen.

Auch hatte es eine Tradition in der politischen Szene, dass eine Blockwartmentalität ständig über die Bewegung wachte, um Fehlverhalten von Gruppen, Verbänden, Individuen aufzuspüren und öffentlich zu tadeln, Menschen zu canceln und auszuschließen. Für manche kann das den sozialen Tod bedeuten.

Am Anfang hatte Nadine immer die Verantwortung bei sich selbst gesucht, bis sie herausfand, dass das systemisch ist und das sie keine Schuld traf. Von daher unterschied sich der blinde Rigorismus nicht von der Dummheit und Militanz der Prostitutionsgegner. Es wurden ständig künstliche Barrieren, Klassen und Unterschiede aufgebaut und markiert, dabei kommen Prostituierte aus allen Milieus. Man leugnete vielmehr, dass ähnlich wie in der Gesamtbevölkerung auch, nicht nur sehr viele Frauen, sondern auch viele Prostituierte von Gewalt und Trauma betroffen sind. Wahlweise betonte man das Trauma, um sich gegen andere Prostituierte aufzuwerten und abzugrenzen. 

Unter diesem Gesichtspunkt stellte sich die Frage, wie man an solidarische Ziele anknüpfen kann und wie man Einvernehmen gewaltlos herstellt und friedlich nebeneinander koexistieren kann. War dies überhaupt möglich?

Die Banker und die Prostituierten waren immer die ersten vor Ort, sobald neues Territorium erschlossen wurde. Das gilt auch für das Internet. Die Adult Industry war eine große innovative Kraft. Vielleicht hatte sie als Pionier auch progressives Potential? Das wollte Nadine herausfinden. Aber dennoch gab es den wilden Westen überall und die neoliberale Transformation der Gesellschaft traf besonders Menschen in den unteren Einkommensbereichen, deren Existenzgrundlage letztlich zerstört wurde. Damit diese zerstörerischen Prozesse der Menschheit verborgen bleiben, bedarf es ständiger massiver Manipulation, damit nach dem Teile-und-Herrsche Prinzip die Armen und Schwächsten noch weiter nach unten durchtreten und sich gegenseitig fertig machen. Der Neoliberalismus hatte ein Wesen geschaffen, den Homo Öconomicus -, der in permanenter Konkurrenz seinen persönlichen Nutzen zu optimieren suchte. Die Funktionssysteme des Geistes waren durch Angst und Macht geprägt und zivilisatorische und damit auch demokratische ausgleichende Mechanismen mehr und mehr zurück gedrängt. 

Um Prostitution zu verstehen, muß man verstehen, wie Angst und Macht in der Menschheitsgeschichte funktioniert haben. Die unerschöpfliche Aggressivität, der unersättliche Hunger nach Macht ging mit der Unfähigkeit zu einem sozialen Miteinander her. Identitäres Denken zeichnet sich durch die Einteilung in höher und minderwertige Menschengruppen aus, der Kulturrassismus entspringt dem Recht des Stärkeren und steht jedem Egalitätsprinzip entgegen. Durch das Teile-und-Herrsche Prinzip und die inneren Spaltungen blieb es natürlich beim Status Quo, wo Reiche sich mit Repression die Macht sichern. Dadurch kann die Gefahr revolutionärer Umbrüche besänftigt werden. Ein Machtverlust der Eliten kann so niemals erreicht werden, auch weil die Repression ständig durch Indoktrinationstechniken kompensiert werden muß, wozu Fakes und Fake News gehören, die zu Verwirrung und Unsicherheit gehören und ebenfalls zu Empathieverlust und den Rückgang von Solidarität beitragen.

Die Undurchschaubarkeit des Lebens schwächt jeden Gedanken an Gemeinschaft. Deshalb ist die ständige Angst-Erzeugung und die Stabilisierung von Feindbildern letztlich auch ein Feind der Demokratie und seinen Institutionen der Solidarität und Gemeinschaft. Wenn Politiker schon öffentlich sagen, daß Arme nicht als Klasse gelten, sondern als „Abfall des Marktes“, sollte jedem klar sein, wem die letzte Stunde geschlagen hat. Wie Warren Buffet schon formulierte, dass im Krieg der Reichen gegen die Armen natürlich die Reichen gewinnen. Das Unbehagen in der Kultur erhöht die politische Ohnmacht und der Kultur- und Sozialrassismus feiern den Status Quo.

Dazu trägt Verwirrung und Desinformation im großen Stil bei, die als politische Strategien auch bewußt eingesetzt werden. Desinformation hat Meinungsmanipulation und Propaganda abgelöst und findet mit den Methoden der Überflutung inkohärenter Information, inhaltsleeren, fragmentierten und inkonsistenten Nachrichten sowie die Eingewöhnung an faktenwidrige Narrative statt. Deshalb befand sich die Kommunikationskultur auch in der Hurenbewegung im freien Fall. Dabei muss jedoch das zivilisierende Element von ganz unten kommen und die massive Gegenaufklärung im Namen eines egalitären Humanismus bekämpfen. Nur dies ist die Rettung vor einem Rückfall in die Barbarei.