Zum Freiwild erklärt

eidgenossin

Das Seefeldquartier in Zürich hatte schon in den 60er Jahren einen Strassenstrich. Als Mitte 70er Jahre das Salonverbot aufgehoben wurde, ging dieser zwar zurück und wurde von den Profisexworkern nur noch gelegentlich genutzt. Ende der 80er Jahre kamen vermehrt Drogenkonsumierende Sexworker ins Zürcher Seefeld, um dort zu arbeiten. Einige waren schon immer Profis gewesen, die eben auch Drogen konsumierten, andere kamen nur, um sich das Geld für Drogen zu beschaffen.

1989 wurde vom Sozialamt der Stadt Zürich unter der damaligen Sozialvorsteherin Emilie Lieberherr das Projekt „Lila Bus“ im Seefeld installiert. Es war die erste Frauenanlaufstelle im Suchtbereich dieser Art. Der Bus stand tagsüber im Quartier und öffnete seine Türen erst um 22 Uhr. Bis 5 Uhr morgens stand er ausschliesslich Frauen zur Verfügung. Drogenkonsumentinnen konnten das niederschwellige Angebot nutzen, um sich mit Kondomen einzudecken, Spritzen zu tauschen, sich zu waschen oder etwas essen oder trinken.
Ab 1990 bot der Bus…

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Ich kann auch anders

Ich hab heute meine neue Kolumne für das Kaufmich Magazin veröffentlicht und Euer Feedback interessiert mich sehr. Thema: die Krimireihe Tatort und was das mit unserem Bewusstsein macht. Stigma kills!

For an English translation I recommend to use https://www.deepl.com/en/translator?fbclid=IwAR1-HozuCxzrMqAm4l6kOfMb4sfknq-2nsD9AGGNhboj_EJ8wZHJOvuwREc


Offener Brief an @HuschkeMau

Sexworker Protest Berlin 15. Oktober 2019 gegen das Sexkaufverbot
Uwe Hauth Photography

Ich folge Deinem Blog https://huschkemau.de seit geraumer Weile und Du sprichst viele wichtige Punkte an. In einem Punkt stimme ich mit Dir überein: es gibt Ausbeutung und Gewalt in der Prostitution, d.h. eine nicht unbeträchtliche Zahl an Personen ist davon betroffen. Das aktuelle Bundeslagebild Menschenhandel verzeichnet seit 2017 einen Rückgang um rund 25%. Jedes Einzelschicksal zählt und jedem Menschen muß in einer Notsituation geholfen werden, die Täter mit aller Härte bestraft. 

Leider ist es jedoch so, daß Menschenhandel und Zwangsprostitution auch in Ländern stattfindet, wo Prostitution und Sexkauf bereits verboten sind. Im Prinzip spielt es dafür gar keine Rolle, ob Prostitution legal oder illegal stattfindet. Diese Verbrechen sind eine Seuche, die den Planeten überzieht und die Strafverfolgung ist oft sehr schwierig. 

In Indien wird Prostitution von einer Generation an die nächste weitergegeben; das Kastensystem sorgt dafür, daß Generationen von Prostituierten geboren werden und überhaupt keine Wahlmöglichkeit haben, ihrem Schicksal zu entfliehen. Daher erscheint es für manche Frauenrechtler*innen des Globalen Südens auch absurd, Entkriminalisierung als das zu verstehen, was es nicht ist: nämlich gewalttätige und ausbeuterische Zuhälter und Gewaltkunden straffrei ausgehen zu lassen. 

Sexworker brauchen Rechte und Empowerment, um sich wehren zu können. Deshalb gibt es in Indien ganz starke Sexworker Organisationen (z.B. Durbar, Sangram) mit sehr hohen Mitgliederzahlen, die durch Peer 2 Peer Arbeit in den letzten 20 Jahren dafür gesorgt haben, daß Zuhälter*innen aus den Rotlichtvierteln teilweise verdrängt werden konnten. Außerdem ist durch Sexualaufklärung die HIV Übertragungsrate stark gesunken. Verantwortlich für diese Entwicklung sind Sexarbeiter*innen, die soziale Arbeit tun und ihren Kolleg*innen helfen. Auch in Indien sind Bordelle und Frauen- und Mädchenhandel verboten. Dennoch gibt es sie. Eine starke Organisation von Sexarbeiter*innen kann aber dafür sorgen, daß gegen Mädchenhandel und Kinderprostitution besser vorgegangen werden kann. Weil sie die Szene kennen und Opfer identifizieren können.

Die Berichte von SexarbeiterInnen aus all diesen Ländern sind erschütternd. Das Risiko, Opfer von Gewalt zu werden, ist für Sexarbeiter*innen in Ländern mit Sexkaufverbot gestiegen. Deshalb wünschen sich Sexarbeiter*innen in der westlichen Hemisphäre auch eine Entkriminalisierung der Sexarbeit inkl. aller Kunden.  Auch Dritte, die Dienstleistungen für Sexarbeiter*innen zur Verfügung stellen, wie z.B. Fahrer und Vermieter müssen straffrei bleiben. Nicht alle Menschen, die von Sexarbeiter*innen profitieren, sind Täter. Es gibt mehr gute als schlechte Manager und Betreiber*innen. In Schweden ist es allerdings so, daß auch An- und Zugehörige von Sexarbeiter*innen kriminalisiert werden. Dies betrifft auch die Kinder von Sexarbeiter*innen, wenn sie vom Verdienst ihrer sexarbeitenden Mutter profitieren.

Ja ich spreche ganz klar von Sexarbeit. Und zwar weil sie im Regelfall unter guten und gesunden Voraussetzungen stattfindet, wo die Einvernehmlichkeit und der Respekt zwischen erwachsenen Personen die Grundlage bietet.

Wenn Frauen Beziehungen mit Zuhältern und Loverboys eingehen, ist das nicht allen anderen Sexarbeiter*innen und Kunden anzulasten. Ein emotionales Abhängigkeitsverhältnis ist sehr schwierig aufzugeben und ich bewundere jede Sexarbeiter*in, die sich aus den Klauen von hochmanipulativen Zuhältern und Loverboys befreien konnte. 

Dennoch kann es nicht sein, daß alle Freier in Kollektivhaftung genommen werden, für etwas, was sie nicht getan haben. Sicherlich gibt es unter den Freiern gefährliche Menschen. Auch unerwünschte Grenzüberschreitungen finden statt. Aber eben nicht in allen sexuellen oder erotischen Begegnungen. 99% aller meiner erotischen Begegnungen fanden immer einvernehmlich statt. 

Auch dafür müssen Sexarbeiter*innen sich deshalb auch frühzeitig professionalisieren und lernen, ihre Grenzen zu wahren und zu schützen. Respekt ist nicht jedem gegeben und Du kritisierst zu Recht die Freierforen, wo teilweise menschenverachtende Kommentare und Bewertungen über Sexarbeiterinnen aus dem Hinterhalt der Anonymität entstehen. 

Tatsache ist, Sexarbeit ist ein riskanter Job. Das weiß ich am allerbesten, da ich die negativen Abgründe kennengelernt habe. Um den Job sicher und gesund auszuüben, benötigt man Know How und die Unterstützung durch Arbeitskolleg*innen, den richtigen Arbeitsplatz. Deshalb ist ein Netzwerk mit Verbündeten auch so wichtig. 

Bitte überdenke und reflektiere Deine Positionen noch einmal und schau Dir die Realität an, wie sie ist. Sie ist nicht schwarz und weiß, sondern grau und manchmal bunt.

Mit freundlichen Grüßen

Susanne


Pressesprecherin des BesD

Na wie klingt das? Pressesprecherin des BesD. Ich hab zig Tausende von Forenbeiträgen in meinem Leben geschrieben, plus 3 Blogs und ein Magazin vollgekritzelt. Daneben auch ein Berlin Buch, Aufsätze und Artikel veröffentlicht. Ich hab schon in der Öffentlichkeit gestanden und Interviews gegeben, Filme und Fernsehbeiträge gedreht, Kunst, Schauspiel & Fotografie mit Gesicht unterstützt.

Der Höhepunkt war die Sexkolumne bei Polylux: Prostitution ist das Gleitmittel des Kapitalismus und bin im Taxi bei TimmTV mitgefahren. Ein WDR Beitrag zum Hurentag lief auch sehr gut. Beeindruckend auch der Open Air Gottesdienst und meine Begegnung mit Pfarrer Moertter in Köln. 🙂 Und doch ist es etwas anderes, wenn man für sich allein spricht und nicht im Namen eines Berufsverbandes. Ich muß mir das immer wieder ins Gedächtnis rufen. Ich glaube ein Coaching, professionelles Coaching, wäre gut, um mich in freier Rede zu üben.

Zwar hab ich früher auch Seminare an der Uni durchgeführt und Vorträge gehalten, aber das ist ja lange her. Dieses Jahr beim Hurenkongress hab ich eine 10 minütige Rede gehalten, über mein Big Sister Projekt und warum Online Outreach so wichtig ist. Ich werde mir dafür noch Flyer drucken müssen und verschicken. Das Jahr 2019 war ein sehr schönes Jahr. Ich bin viel gereist und hab Schwung genommen für eine neue Herausforderung. Es gibt viel zu tun.


Ein Traum wird wahr

Ich bin bei der Mitgliederversammlung des Berufsverbandes Sexarbeit in den Vorstand und zur Pressesprecherin gewählt worden und hiermit komplett geoutet. Ich freue mich auf kommende Herausforderungen im Kampf gegen das Sexkaufverbot in Deutschland.

Foto: Anke Cott

Barcelona – Berlin – Frankfurt

Barcelona

Kaum in Berlin angekommen, gingen ja schon wieder die Arztbesuche los. Also auf zum Zahnarzt, wo ich heute schon wieder war. Ab 50 fällt man langsam, aber gnadenlos auseinander.

Meint Ihr, das ist ein interessantes Thema über das älter werden zu schreiben? Ich weiß es nicht. Ich finde es schrecklich, wenn immer mehr Leute sich über Krankheiten unterhalten. Da halte ich lieber den Mund.

Jedenfalls ist nächste Woche ein besonderer Termin in Frankfurt. Drückt mir die Daumen bitte. Falls es klappt, stehe ich Rede und Antwort.


Barcelona

Ein ehemaliger Kunde, Professor für Psychiatrie und eine Koryphäe auf seinem Gebiet, hat mir mal nach mehreren Treffen ADHS diagnostiziert. Das ist auch der Grund, warum ich so rastlos bin. Mein nächstes Ziel ist Barcelona. Und nächste Woche geht es los. Allerdings muß ich dort arbeiten, und ist nicht so entspannt wie ein Urlaub.

Jedenfalls muß ich mich dort auch etwas erholen von einer Nachrichtenmeldung, die diese Woche eingetrudelt ist. Es gibt zwei SPD Abgeordnete und nun auch zwei von der CDU, die in Deutschland das Schwedische Model einführen wollen und dafür werben, d.h. ein Sexkaufverbot, daß Kunden/Freier kriminalisiert. Ich könnte jetzt jede Menge dazu sagen, warum das der falsche Weg ist, aber ich hab gerade keine Lust dazu. Vielleicht schreibe ich demnächst dazu mehr. Der BesD hat dazu gerade folgende Stellungnahme verfaßt

https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/2019/09/11/stellungnahme-zu-sexkaufverbot-vorschlag-in-deutschland-freierbestrafung-gefaehrdet-die-sicherheit-von-tausenden-sexarbeiterinnen/?fbclid=IwAR380Cxnr0M3yRYxwJkXWvOZT0xPx5vatRi88JuUpHyN9lJDYN00oFFApd4

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