Ein Liebeslied

An alle Männer da draußen. Einschließlich meiner Ex-Männer und Kunden.

Eure Männerversteherin, die André Heller verehrt.

Ariane


Corona und Waschzwang

Es gibt seltsame Hobbies. Ich sammle schon seit langem Seifen und hab dank Corona einen regelrechten Waschzwang entwickelt. Schließlich gehöre ich zur Risiko Gruppe und darf mich und meine Lieben keinem Risiko aussetzen. Zu meinen Lieben zählen nicht nur Angehörige, sondern auch die Huren und alle Menschen. Man darf sich jetzt nicht von den „Corona-Gegnern“ dumm machen lassen. Cool auch die letzte veröffentlichete Meinungsäußerung von Dona Carmen. Dazu läuft in meinem Twitter Account noch eine Umfrage, die noch ein paar Stunden dauert. In der Zwischenzeit hab ich mein handschriftliches Testament verfasst und bereits beim Notar hinterlegt. Wer will hier wen verarschen? Also Leute, die sich für die Rechte von Sexarbeitenden seit Jahrzehnten engagiert, sollte nicht so ein Geschwurbel ablassen. Das weckt unnötig Aufmerksamkeit und ist peinlich.

In diesem Sinne

Eure Ariane


Und ich so

Danke an leftvision


Sexarbeit nach Corona

Wenn ich an meine Kolleg:innen denke, die an der Strasse arbeiten; die als Migrant:innen fortwährend Rassismus und Diskriminierung ausgesetzt sind, die trotz Corona weiterarbeiten (müssen), um ihren Kühlschrank voll zu machen bzw. gar keinen Kühlschrank haben, weil sie wohnungslos sind; Drogen gebrauchende Sexworker oder Sexworker ohne Papiere, ohne gültige Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis, die alle keine Ansprüche auf staatliche Leistungen geschweige Hartz V und sog. Corona Soforthilfe haben. Die bitter arm sind und tagtäglich ums nackte Überleben kämpfen. Die keinen Zugang zu Gesundheitsschutz haben.

Für die ist der BESD Nothilfe Fonds gedacht, wo wir weiterhin um Spenden für Sexworker in Not bitten. Fallgeschichten finden sich ebenfalls auf unserer Website.

Wie soll es mit der Sexarbeit nach Corona nur weitergehen?

Die strukturelle Ungleichheit der Gesellschaft, die sich in der Sexarbeit widerspiegelt und die einen in „Privilegierte“ klassifiziert, die Mehrheit der informellen und marginalisierten Sexarbeiter:innen meist aus dem Diskurs ausschließt, muß weg. Wo sich im Falle dieser Krise die Machtverhältnisse zwischen den sozialen Klassen verschärfen. Die Mehrheit kennt auch ihre Rechte nicht und haben keinen Zugang zu Informationen. Die sitzen nicht den lieben langen Tag mit Notebook am aufgeräumten Schreibtisch und surfen unbeschwert durch das Internet. Wie kann man die erreichen?

Das ist die Herausforderung, vor die ich mich seit ewigen Zeiten gestellt sehe. Wie erreiche ich all jene ohne Internetzugang? All jene, die mein Big Sister Projekt nicht kennen und das ich jetzt auch ins Englische übersetzt habe. Ich bin da auch auf die Hilfe von Kunden angewiesen, die nicht nur im High Class Segment buchen, sondern die Durchschnittshuren in ihren Wohnungen besuchen. Ihr müßt meine Infos weitertragen. Über das Kaufmich Magazin erreiche ich auch schon eine Menge Sexworker, über Twitter fast nur „Privilegierte“. Big Sister wird in Corona Zeiten immerhin von 2000 Leser:innen im Monat aufgerufen. Auch die Zugriffe auf die Kaufmich Hilfe Guides, die ich geschrieben haben, verzeichnen kontinuierlich noch höhere Zugriffe.

In der Vergangenheit hatte ich mich nicht nur als Bloggerin und Journalistin auch einem größeren Publikum auf der Bühne zugewandt (Konferenzen, Stand Up Comedy/Performances, Theater), um insbesondere die Entscheidungsträger mit meiner Mission zu erreichen. Meine Texte und Goldschwanz Manifest und mein offener Brief „J’accuse“ an die Bundesregierung wurden in der Literatur zitiert (im Buch von Clemens Meyer: Im Stein, 2013, Seite 188) und mehrfach auf der Bühne (u.a. Schaubühne Berlin) aufgeführt. Im In- und Ausland (Glasgow, Las Vegas, New York, London, Edinburgh, Berlin). Das wissen viele noch nicht.

Ich bin kürzlich ins Führungskommittee von TAMPEP Europe gewählt worden https://tampep.eu/tampep-welcomes-new-steering-committee-members-expresses-thanks-to-all-nominees/

Tampep ist eine NGO, die sich für die Rechte und Gesundheit aller Migrant:innen in der Sexarbeit in Europa engagiert. Dienstag findet die erste konstitutive Online Konferenz statt; natürlich englischsprachig.

Ich bin zwar selber vor vielen Jahren aus dem Sexgewerbe als aktive Sexarbeiterin ausgestiegen, aber beruflich bin ich seit knapp 15 Jahren weiterhin mit der Szene und Aktivist:innen an der Front deutschland- und weltweit verflochten. Als Sexarbeiterin hab ich die meiste Zeit im Ausland gearbeitet, meist mit anderen Migrantinnen in internationalen Teams. Schließlich hab ich als „Privilegierte“ (d.h. gebildet, höhere Preise, mehrsprachig, weiß, Steuernummer) über 6 Jahre in einem Schloß in England gearbeitet. Allerdings gab es dort auch in meiner Abwesenheit AO Parties und Porno Drehs mit teils Minderjährigen, wie ich herausfand.

Gerade wurde wieder einmal ein WELT Interview mit Lea Ackermann, eine Prostitutionsgegnerin, veröffentlicht, wo sie den Berufsverband BESD mal wieder als „Zuhälterlobby“ öffentlich verunglimpft hat. Ich hab nicht nur als Pressesprecherin und Vorstand des BesD die Faxen dicke. Seit sehr vielen Jahren höre ich mir das an und ich denke, es ist an der Zeit sich dagegen zu wehren. Auch mit juristischen Mitteln. Was denkt Ihr?

Ich teile vieles an der Kritik von Prostitutionsgegner:innen, wenn es um die Beschreibung der sozialen Realitäten geht. Aber die Schlussfolgerungen sind bei mir völlig andere und ich habe mir dazu ja etliche Jahre das Hirn zermartert, weil ich alle Lebenswirklichkeiten anerkenne.

Nach Corona werden die Forderungen nach einem Sexkaufverbot wieder lauter und wir müssen uns deshalb auch gegen solche öffentlichen Diffamierungen wehren.


New York Times

Der gleiche Text stand auch in der New York Times https://www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-germany-brothels/sex-workers-stranded-in-germany-as-coronavirus-shuts-brothels-idUSKBN21L0ZY Ich wurde auch interviewt.


Bleibt gesund

Hat sich heute jemand die Pressekonferenz der WHO angeschaut? Die Schwachen, Alten, Menschen mit Vorerkrankungen müssen geschützt werden, heißt es. Na klar. Diese Krise trifft die Ärmsten am allerhärtesten, ob in Deutschland oder in anderen Ländern.

Ich denke auch an alle Menschen mit Angststörungen, Psychosen, Depressionen; 20% der Gesamtbevölkerung sind in diesem Leben davon betroffen. Haltet durch. Macht Euch Euer Nest schön. Geht an die frische Luft.

Zu den vulnerablen Gruppen gehören neben den Alten auch die arbeitslosen Huren. Jene ohne Dach übern Kopf oder ohne Krankenversicherung. Wir haben in den letzten Tagen einen Nothilfe Fonds beim BesD aufgebaut. Bitte spendet; jeder einzelne Euro ist willkommen.

Und da sind noch die Frauen und die Kinder, die jetzt von häuslicher Gewalt betroffen sind, von Misshandlung und Missbrauch. Wir brauchen da schnelle Maßnahmen, damit diese Menschen schnell eine sichere Unterkunft finden.

Ich denke nicht nur an die Menschen in Deutschland, sondern global. Es zerreißt mir mein Herz.

Bleibt gesund.


Außerirdische

Ein Freund von mir, der ebenfalls schizophren ist, ein Künstler auch, glaubt auch in seinen nicht schizo Episoden an Ausserdische.

Ich frage mich natürlich, ob den Corona Virus die Ausserirdischen verbockt haben, mit Absicht, um alle Arschlöcher, die die Welt zerstören, auszulöschen. Aber dieser Virus ist demokratisch. Es trifft jeden. Survival of the fittest. Die Corona Parties sind eigentlich Survial Parties.

Keine Sorge, das ist nur eine Facette meiner Identität.

Heute hab ich wieder Musik gehört und die Algorithmen haben gesprochen.


Nothilfe

Spenden bitte hier

Bitte checkt BESD für Support rund um Corona.


Der Baum und ich

Dieser Baum wurde kürzlich gefällt. Eine Bürgerinitiative hat sich gewehrt, ohne Erfolg. Die Entscheidung, diesen Baum zu fällten, ist genauso schwachsinnig wie die Politik von Trump. Leben wird zerstört. Das Primat ist die Wirtschaft?

Viele Menschen in dieser Corona Krise werden sich fragen, ob sie überhaupt überleben. Da braucht es keine Staatsführer, die fahrlässig mit dem Schicksal der Bürger umgehen. Die Verharmloser müssen endlich begreifen, daß ihre letzte Stunde geschlagen hat. So wie die Uneinsichtigen Jugendlichen, die Ältere auf der Straße bespucken und anhusten, laut Corona schreien, und sich lustig machen. Die müssen weg.

Hier meine letzten Interviews als BesD Pressesprecherin zu Sexarbeit und Corona

https://www.latimes.com/world-nation/story/2020-03-26/coronavirus-sex-workers-germany-prostitution-legal

https://apnews.com/62a2ea1dc6b3bf7d10b1d7305dc1a391


Schizophrenie

Ich weiß, es ist ein Tabu, darüber zu sprechen. Aber deshalb finde ich es ja interessant. Schizophrenien, Psychosen. Leider bin auch ich betroffen. Immer in extrem stressigen Lebenssituationen fang ich an, mit Algorithmen zu sprechen. Ich hab die Ursache dieser Krankheit natürlich analysiert. Die Dynamik hab ich beschrieben, aber was sind die strukturellen Ursachen genau? Wenn mehrere Auseinandersetzungen zusammen kommen, auf privater Ebene, beruflicher Ebene, ehrenamtlicher Ebene. Ich hab aufgrund meiner Bildung ein liberales Wertekorsett und einen rigiden Ethik-Katalog. Anders kann ich nicht überleben, geistig.

Ich bin derzeit krank geschrieben, weil ich einfach überlastet bin und meine Psychose wieder im Anmarsch war. Ich mußte deshalb erst einmal meine Dosis der Neuroleptika verdoppeln. Meine Ärztin hat mir letzte Woche dazu noch mitgeteilt, daß ich eine fortgeschrittene COPD habe, also eine Lungenerkrankung und nur noch 30% Lungenvolumen. Ich kann nur mit Akupunktur das Rauchen überwinden, allein schaffe ich das nicht. Ich rauche seit meinem 13. Lebensjahr. Meine Eltern haben auch geraucht. Damals gab es Sonntag Mittags noch den Internationalen Frühschoppen und alle Journalisten haben gequalmt. Auch Helmut Schmidt und Loki waren in gewisser Weise meine Role Models. Die beiden haben immer gequalmt, bis zum Tod.

Aber wegen der Coronakrise darf ich ja nicht aus dem Haus und Arbeit am Menschen wurde ja verboten. Also Friseur, Kosmetikerin, Heilpraktikerin etc.

Also muß ich mich gedulden. Heute und gestern hab ich mich wieder so geärgert, aber ich muß einfach wie Sokrates mit seinen Schülern nachsichtig sein. Ich hab jetzt erst einmal die Schotten dicht gemacht. Bei manchen Menschen fällt der Groschen leider erst sehr spät. Wahrscheinlich, wenn es zu spät ist.

Ich hatte heute 4 Kontakte wegen Lieferungen und Einkäufe, aber hab immer versucht, Sicherheitsabstand zu wahren. Worüber man jetzt so nachdenken muß?

Mir tun all die Kinder leid, weil die Arche, die Tafel geschlossen wurden. Manche haben ja auch echt üble Eltern und wenn sie dann nicht raus können, um zu spielen oder sich abzulenken, dann sind sie solchen Eltern ausgeliefert. Deshalb gibt es jetzt auch überall den Hinweis auf den Anstieg von häuslicher Gewalt.