Massagen im jüdischen Puff

Während meiner Odyssee durch Großbritannien arbeitete ich in meiner Anfangszeit in einem jüdischen Puff in Nord-London, der als Massagesalon getarnt war. Jüdisch deshalb, weil hier ausschließlich jüdische Kunden verkehrten und das Management, ein Ehepaar jüdisch waren.

Sie fanden es alle ulkig, dass ich die einzige deutsche Sexarbeiterin dort war. Jedenfalls hatte ich auch orthodoxe Kunden, die sich eine full-body-massage gönnten. Währenddessen unterhielten wir uns, meist über Philosophie. Es sind ja sehr gelehrte Leute unter den Orthodoxen. Wir unterhielten uns über Gershom Sholem, Walter Benjamin. Michel Foucault war leider nicht im Angebot. Ich konnte da etwas mitreden, da ich ja zuletzt in einem Institut für deutsch-jüdische Geschichte gearbeitet hatte, in Verbindung mit Lehrverpflichtungen.

Eines Tages bzw. nachts gab es einen antisemitischen Anschlag auf den Puff. Das Haus wurde mit antisemitischen Graffities besprüht. Außerdem prangte das Wort „Whores“ auf der Fassade. In einer Nacht-und-Nebel Aktion entfernte ich die Schmierereien. Die Manager waren gerade in Spanien, wo sie eine Residenz hatten und einige Tage Urlaub machten. Außerdem mußte ich eine Frau im Kleiderschrank verstecken, die sich illegal im Land aufhielt. Aber das ist eine andere Geschichte.


Party Girl

Ich denke gerne an meine Zeit als Party Girl zurück. Sex Parties in London, Bristol, Southend, Berlin. Gang Bang, Bukkake, GFE. Lustige Kombination. Ich habe das 6 Jahre lang gemacht. Meine eigene Partyreihe hieß Gentlemen Parties Berlin. Und es kamen im Regelfall auch nur Gentlemen. Ab und zu ein Ausreißer dabei. Einmal sogar ein professioneller Pornodarsteller als Gast, mit dem ich es nach der Party in einem Swingerclub weiter trieb.

Anno 2006

Warum ich als Survivor keine Prostitutionsgegnerin wurde

Es fällt mir wirklich nicht leicht, über das Thema zu schreiben, da es mich persönlich sehr trifft und auch ein Outing bedeutet. Wer will schon Opfer sein?

Jedenfalls öden mich die falschen Argumente von ProstitutionsgegnerInnen total an. Mittlerweile sind in der Öffentlichkeit auch Frauen zu hören, die Opfer von Menschenhandel, Zwangsprostitution und andere Formen von Gewalt und Vergewaltigung wurden, während der Prostitution.

Ich hab mich immer zu den glücklichen und selbstbestimmten Huren gezählt, auch wenn ich Gewalt durch Kunden erfahren habe. Auch outete ich mich in der Öffentlichkeit, vor meiner Familie, seit ich als Aktivistin hörbar wurde.

Ich hatte immer gedacht, ich stecke Gewalt weg und gehe weiter. Aber eines Tages vor 5 Jahren geriet ich in eine Psychose. Psychische Erkrankungen, insbesondere die Diagnose Schizophrenie, sind ja auch so ein Tabu, worüber man nicht sprechen mag. Zu sehr sind die Ängste in der Gesellschaft verbreitet, auch durch das Bild, das von „Verrückten“ gezeichnet wird.

Dennoch muß ich diese Erfahrung in die Waagschale werfen. Während und nach der Psychose wurde mir klar, daß die Sexarbeit sowie mein Aktivismus eine Ursache für meine Erkrankung waren. Ich muß das einfach los werden, weil ich kurz davor stand, zur Prostitutionsgegnerin zu mutieren. Ich hatte nur noch das Thema Gewalt und seine Folgen vor Augen. Nicht nur meine eigenen Erfahrungen spielten eine Rolle, sondern die Erfahrungen anderer Sexworker, die ich über viele Jahre kennengelernt hatte.

Dennoch habe ich seit vielen Jahren alle Prostitutionsmodelle, mir alle Formen der legalen und illegalen Sexarbeit angeschaut und welche Risiken daraus erwachsen. Ich habe viele Länder bereist, um Sexworker zu treffen. Unter den AktivistInnen finden sich so unglaublich kreative und beeindruckende Personen, Leute, die sich permanent im Widerstand bewegen und als Aktivisten von allen Seiten mit Repressalien rechnen müssen. Besonders in Ländern mit Prostitutionsverboten.

Ich bin aufgrund meiner Erfahrungen als Beischlafbeobachterin und Rotlicht Korrespondentin zum Schluß gekommen, daß nur ein Entkriminalisierungsmodell in Frage kommt, daß die Rechte, auch die Menschenrechte von Sexarbeitenden schützt.

Ich kann mir vorstellen, daß erlittene Gewalt und Traumata sich in den Körper einschreiben und nicht verarbeitet werden. Und es kann sein, daß dadurch die objektive Wahrnehmung vernebelt wird, wenn es zu der erlittenen Erfahrung kommt und der Frage, ob Prostitution verboten sein soll.

Die Freierbestrafung ist auch deshalb keine Lösung, weil in allen Ländern mit Sexkaufverbot beobachtet werden kann, daß die Gewalt gegen SexarbeiterInnen gewachsen ist. Es kann nicht sein, daß Menschen, die einvernehmlichen Sex praktizieren, kriminalisiert werden. Deshalb bin ich gegen Prostitutionsverbote und fordere, daß Harm Reduction nicht nur im Rahmen der Drogenpolitik zentral sein muß, sondern auch in Prostitutionspolitik. Nur Entkriminalisierung kann helfen, Kriminalität zurück zu drängen und die Voraussetzung für gute Arbeitsbedingungen und sichere Arbeitsplätze schaffen, wo die Rechte von SexarbeiterInnen respektiert werden.

Erst dann wird auch das Prostitutionsstigma eine Wandlung erfahren, wenn SexarbeiterInnen als gleichwertige Bürger anerkannt werden. In einem Land wie Indien haben sich 5 Millionen SexarbeiterInnen organisiert und kämpfen für die Entkriminalisierung und Safer Sex, gegen Menschenhandel und Ausbeutung. Eine Macht, mit der auch die Politik zu rechnen hat.

Ich habe in der Psychiatrie eine Frau kennengelernt, die bei der Polizei gearbeitet hat und jeden Tag Bilder aus dem Netz sichten mußte. Bilder über Kinderpornographie, Missbrauch, Erniedrigung und andere gräßliche Themen. Sie ist an der Wirklichkeit verrückt geworden.

Wahrscheinlich ist es unter diesen Umständen am besten, der Sexarbeit für immer den Rücken zu kehren. Doch diese durchaus subjektive Einstellung kann nicht auf alle SexworkerInnen übertragen werden. Darüberhinaus hat ein Sexkauf-Verbot lediglich den Effekt, daß das Ganze dann illegal stattfindet und es somit der Idee, damit jemandem helfen zu wollen, zuwider läuft.


Harm Reduction

#Schadensminimierung der sog Harm Reduction Ansatz sollte auch im Sinne einer vollständigen Entkriminalisierung von Sexarbeit im Vordergrund stehen.


Prostituierte retten verfolgte Juden in der Nazi-Zeit

Kennt Ihr schon meinen Text, der im Kaufmich Magazin erschienen ist? https://www.kaufmich.com/magazin/stille-heldinnen-in-nazi-deutschland-retteten-prostituierte-verfolgte-juden/

Fast alle Texte dort sind von mir, inkl Buchrezensionen, Filmkritiken, Kolumnen, Interviews uvm. Von den ganzen Infoseiten mal ganz zu schweigen. Bin dort ja auch Chefredakteurin 😂


Antibürgerlicher Lebensstil

Wer bin ich? Was hat mich geprägt? Aufgewachsen bin ich im Ghetto von Duisburg in einer zerrütteten Familie mit Nazi-Attitüden – jenseits von familiärer Geborgenheit und liebevoller Fürsorge. Seitdem wurde ich rebellisch und hab es bis heute nicht abgelegt. Verbote und Tabus reizten mich, übertreten zu werden. Das bürgerliche Streben nach Sicherheit habe ich zutiefst verachtet, was sich nun rächt. Im Alter arm zu sein, ist keine rosige Perspektive. Aber wahrscheinlich erreiche ich mit meinem Lebensstil nicht mal das Rentenalter. Party oder Rente? Meine Entscheidung ist eindeutig.


Online Outreach

I develop an interesting project which is a very important. This project is a knowledge base with chat option which describes the life cycle of a sex worker and gives advice and support to sex workers new to the industry. For that there will be also a secure online forum where sex workers can post anonymously to get direct help and support. 

This project is intended for all sex workers and those interested who want to get involved in the sex industry. The information should help

– make an informed decision on whether or not to enter the sex industry

– practice the job of sex work professionally and successfully (law, taxes, health, online / security)

– make an informed decision if you want to exit sex work

Objectives of the Knowledge Base and Chat:

– Provide information to start informed as a sex worker

– Clarity on taxes and the legal situation for sex workers

– Providing well-researched knowledge from the world of sex work as well as first-hand experiences of sex workers

For the future I want to provide multilingual translations of the knowledge base and a multilingual chat. 70-90% of sex workers in Germany are migrants and have no access to online tools and resources because of language barriers.

Currently I am invited as an expert for „sex work and Internet“ at the round table sex work of the state government Berlin, where I develop political action recommendations. This includes online advice, which is why I can promote the project here. In addition, at the next Hurenkongress I will hold a keynote speech about sex work and the relocation to the Internet and also promote my project extensively on this occasion.