Legale Arbeitsmigration schafft weniger Opfer sexueller Ausbeutung

2014 war ich ins britische Parlament in London als Sachverständige eingeladen. Meine Rede hat nach wie vor nichts an Relevanz verloren, weshalb ich sie veröffentlichen möchte:

Prostitution ist eine freiwillige sexuelle Dienstleistung, die einen zwischen zwei Geschäftspartnern geschlossenen Vertrag voraussetzt. Wenn keine solche Vereinbarung getroffen wurde, handelt es sich nicht um Prostitution, sondern um sexualisierte Gewalt.


Weltweit migrieren viele Menschen in verschiedene Länder, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, einige von ihnen auch durch Prostitution. Diese Migration ist Teil des Globalisierungsprozesses.

Oft sind es Frauen, die diesen Weg gehen, um ihr eigenes Überleben und das ihrer Familien zu sichern. Sie arbeiten in Haushalten, in Restaurants und Bars, in der Krankenpflege – und in der Prostitution. Für diese Frauen ist es schwierig, die Landesgrenzen zu überschreiten und in die Zielländer zu gelangen. In dieser Situation sind sie auf die Hilfe anderer angewiesen.

Wenn Frauen in dieser Situation ihrer Freiheit beraubt und gezwungen werden, sexuelle Dienstleistungen für Dritte zu erbringen, handelt es sich nicht um Prostitution und somit auch nicht um „Zwangsprostitution“, sondern um ein Gewaltverbrechen.

Viele Migranten arbeiten unter schwierigen Bedingungen, da sie arbeitsrechtlich und einwanderungsrechtlich illegal sind.
Die in deutschen Publikationen kolportierten Zahlen, wonach in Deutschland zwischen 140.000 und 300.000 Frauen der „Zwangsprostitution“ nachgehen, sind stark übertrieben, entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage und deshalb nicht ernst zu nehmen.

Die Erfahrungen der in diesem Bereich tätigen Organisationen – Beratungsstellen und Polizei – legen nahe, dass die Zahl der Opfer weitaus geringer ist. Das Bundeskriminalamt zum Beispiel geht davon aus, dass es 2003 in Deutschland 1.235 Opfer gab, 2011 waren es 640, wobei 59% unter 21 Jahre alt sind. In den letzten Jahren pendelten sich die Zahlen auf 400 Fälle im Jahr ein.


Jedes Opfer von sexualisierter Gewalt ist ein Opfer zu viel. Die Verwischung der Grenzen zwischen Menschenhandel, Prostitution und Gewalt ist ein Versuch, ein politisches Klima zu schaffen, in dem sich Arbeitsmigration und Zuwanderung leichter verhindern lassen.

Gleichzeitig wird das gesamte Prostitutionsgewerbe als Quelle der Gewalt und Zufluchtsort für Gewalttäter verunglimpft und diffamiert.
Populistische Debatten um die Kriminalisierung von Kunden der Prostitution, die Streichung von Teilen des Prostitutionsgesetzes oder die Erschwerung der Zuwanderung von Frauen aus Drittstaaten nach Deutschland fördern ausländerfeindliche Stimmungen.

Damit wird weder Gewalt verhindert, noch den Opfern geholfen. Im Gegenteil, es erschwert die Bedingungen, unter denen MigrantInnen leben müssen, und blockiert die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Prostitution.


Wer den Menschenhandel wirklich bekämpfen will, muss dafür sorgen, dass legale Möglichkeiten der Arbeitsmigration geschaffen werden – auch für die Migration zur Arbeit in der Prostitution.


Wut und Mut

„Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber ist der Mut.“ (Thukydides)

Obwohl es jetzt über 20 Jahre her ist, dass meine Doktorarbeit zensiert wurde, weil sie als „zu links“ galt und ich aus dem deutschen Wissenschaftsbetrieb exkommuniziert wurde, treibt mich immer noch eine unbändige Wut, die mich zunächst in die Prostitution führte und dann wieder hinaus.

Für die Gutachter meiner Doktorarbeit hatten als Indizien für meine „zu linke“ Gesinnung meine Kritik am Neoliberalismus den Ausschlag gegeben. Noch heute könnte ich vor Wut heulen. Denn was bedeutet Neoliberalismus eigentlich? Es bedeutet, daß Sozialrassismus und Sozialdarwinismus nicht nur die Ideologie der Mächtigen und Reichen ist, sondern sich in der Gesellschaft insgesamt breit gemacht hat. So wie mich Prostituierte ausgelacht haben, wenn ich sie fair behandelte und alle Einnahmen gerecht teilte, so hat sich auch die abstiegsgefährdete Mittelschicht längst aus der Solidargemeinschaft verabschiedet und spricht in einem Jargon der kalten Verachtung über die Armen und Randgruppen, die nicht als Klasse betrachtet werden, was es einfacher macht, den Einzelnen zu hassen.

Die Armen werden als „Abfall des Marktes“ betrachtet und spiegelt sich auch in Aussagen führender Eliten wider: der Verwaltungspräsident von Nestlé, dem größten Nahrungsmittelkonzern der Welt, bezeichnete 1996 „Arbeitsunwillige und Arbeitsunfähige als Wohlstandsmüll“. Der amtierende Premier von Großbritannien Boris Johnson sagte 2005, dass „die unteren 20% der Gesellschaft uns mit Proleten, Verlierern, Prostituierten, Einbrechern, Drogenabhängigen und Kriminellen versorgen“ und der französische Staatspräsident Macron lehrte uns, dass es Leute gibt, „die Erfolg haben und Leute, die NICHTS sind.“ Schon Warren Buffet, amerikanischer Großinvestor und 85 Milliarden schwer, konstatierte, dass die Reichen einen Krieg gegen die Armen führen, den die Reichen gewinnen.

Letztlich zeigt sich der Sozialrassismus auch in Identitätspolitiken, wo eine Gruppe der Gesellschaft gegen eine andere ausgespielt wird, wo alle weißen, alten Männer zu Sexisten und Kolonialisten erklärt werden bzw. alle Freier zu Kriminellen, wie es die feministische Politik in acht Staaten konstatiert, wo das Sexkaufverbot bereits in Kraft ist.

Die Ideologie der Ungleichheit, die in allen Ecken der Gesellschaft angekommen ist, führt auch dazu, daß emphatische, mitfühlendende Menschen wie ich ausgelacht werden, auch von Personen, die die Spaltung der Hurenbewegung befördert haben. Das ist auch der Grund, warum die linke Partei ihre Klientel kaum erreicht, die einzige Partei, die die soziale Frage zufriedenstellend beantworten kann und eine Institution der Gemeinschaft und Solidarität ist, wird von jenen verachtet, für die linke Politik hauptsächlich gemacht wird: die Armen und Nichtprivilegierten. Im Prinzip ist alles seitenverkehrt, wie die Agenturbetreiberin in Berlin, die sich als „linke Lobbyhure“ in linken Medien gestenreich verkauft und die Damen, die sich bei ihr bewerben, erst einmal um 3000€ für professionelle Escortfotos bei einem bestimmten Hausfotografen erleichtert und als Bedingung zur Zusammenarbeit erklärt. Wahrscheinlich kassiert sie von diesem Honorar für den Fotografen ebenfalls eine Provision, aber das ist reine Spekulation und ich schreibe den Namen der Betreiberin nicht aus, da sie sehr klagewütig ist und ich mir Stress ersparen will, meiner Gesundheit zuliebe.

Es ist schon schlimm, wer sich heutzutage als „links“ bezeichnet. Die sozialen Medien legen öffentlich Zeugnis davon ab. Oder wer sich als studiert und intellektuell bezeichnet, aber keinen eigenständigen Gedanken zu formulieren weiß.

In diesem Moloch der neoliberalen, durch kapitalisierten Gesellschaft in allen Lebensbereichen, fand ich ausgerechnet in der Prostitution mehr Menschlichkeit im Umgang mit Männern – Betreibern und Kunden – als in allen Prestige trächtigen Berufen, in denen ich zuvor gearbeitet hatte (Unternehmensberatung, Wirtschaftsprüfung, im öffentlich-rechtlichen Medium WDR, im Bundespresseamt etc). Und die Repressionen, die man durch das Arbeitsamt erlebt, sind nicht auszuhalten, weshalb nicht nur ich mich in eine prekäre Selbständigkeit zu retten suchte.

Aus meiner Wut, die mich zeitlebens begleitet hat, wurde der unbedingte Wille zum Überleben, allerdings nicht auf Kosten anderer Menschen. Deshalb schlug ich alle Angebote aus, Bordellbetriebe oder Escortagenturen zu übernehmen und von dem hart erarbeiteten Hurenlohn anderer Frauen zu profitieren. Auf keinen Fall wollte ich in der Branche und politischen Aktivismus länger bleiben als nötig, wo von Solidarität kaum eine Rede sein kann. Dennoch mußte ich in den sauren Apfel beißen, im Umfeld der Prostitution weiter zu arbeiten, da ich keinen Einstieg in andere erstrebenswerte Berufe fand und ich mit 40 schon eine alte, weiße Frau war.

Seit 2011 ist es mir jedoch durch eine berufliche Chance gelungen, mich in der digitalen Industrie in allen Sparten fortzubilden und weiter zu entwickeln, sodaß ich in diesem Jahr einen Karrieresprung gemacht habe und endlich dort weitermachen kann, wo ich bei meiner Doktorarbeit stehen geblieben bin. Nämlich virtuelle Räume und Online Medien der Gemeinschaft und Solidarität sowie gemeinnützige Projekte aufzubauen und ein Buch zu schreiben, das mich als Analystin qualifizierte, die nun für die Digitalindustrie Problemlösungen entwickelt. Ich muß mich also auch weiterhin als Sozialistin in einem kapitalistischen Umfeld bewegen, das ich mit prägen kann und möchte. Bald auch als CEO einer non-profit Dating-App für Sexworker, weshalb ich auch dann wieder nicht nur von Prostituierten ignoriert oder belächelt werde, weil mich nicht das Geld antreibt, sondern um die Welt ein kleines Stück besser zu machen, indem ich Dual Power Projekte aufbaue. Ich möchte mit niemandem tauschen, denn dies ist für mich vollkommenes Glück, mich nicht mit der verachtenswerten Nuttenrepublik gemein zu machen.

Martyra Peng: Wut


Bittere Wahrheiten zum Jahresende

Ich hab schweren Herzens meine anderen Blogs 2013 gelöscht, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass kostenlose Portale Einfallstor für Missbrauch sind und man über ein paar clicks schnell zu grausamen Bildern, strafbaren Inhalten geleitet wurde.

Da ich in dieser Digitalindustrie seit langer Zeit arbeite kenne ich alle Geschäftsmodelle und ihre Auswirkungen. Die Betreiber von kostenlosen Portalen haben nur den maximalen Profit durch maximales Wachstum im Auge. Wenn genug Nutzer vorhanden sind, wird im 2. Schritt monetarisiert dh die Nutzung auf irgend eine Weise kostenpflichtig oder wie bei Facebook/Instagram Daten für Microtargeting für gezielte Werbung verkauft. Weshalb die Nutzung kostenloser Netzwerke letztlich auch nicht kostenlos ist und die sozialen Folgekosten enorm sind, die auf die Menschen abgewälzt werden.

Im Hintergrund arbeiten Billiglöhner meist in Entwicklungsländern, da dort die Löhne niedriger sind, die sog „Cleaner’s“, die manuell Bildmaterial sichten und entfernen müssen mit bestialischen Inhalten, weshalb viele Cleaners traumatisiert werden, die natürlich nicht entschädigt werden oder wo Ressourcen für Arzt- und Therapiekosten nicht vorhanden sind.

Deshalb wird aufgrund öffentlichen Drucks teils mit teurer künstlicher Intelligenz nachgearbeitet, um Bestialitäten, Kinderpornographie automatisch rauszufiltern, wobei die Fehlerquote noch hoch ist.

Allerdings wird immer noch zuviel von Menschen manuell gearbeitet zb unmoderierte Kommentare werden erst nach Meldungen gesichtet und ggf entfernt. Hier könnten Bots Abhilfe schaffen.

Menschen sind billiger als künstliche Intelligenz, weshalb die Sicherheit sozialer Netzwerke eine Kostenfrage ist und die Betreiber nicht auf maximalen Profit verzichten wollen und ihnen die Sicherheit der Nutzer letztlich am Arsch vorbei geht.

Das liegt auch an den Investoren im Hintergrund, die bedient werden wollen. Deshalb halte ich von den meisten Startups auch nichts, da die neoliberale Profitorientierung maximalen Hass im Netz, Fake Produkte und Fake News, Gewalt, Kriminalität, ausgebeutete Billiglöhner ohne Arbeitsschutz und Betrug/cybercrime im Netz schafft.

Man sollte sich dessen bewusst sein, wenn man solche niedrigschwelligen Plattformen nutzt, welche Grausamkeiten hinter den Kulissen existieren bzw gefördert werden und aus Image Gründen nach aussen unsichtbar bleiben müssen.

Deshalb bin ich für die geplante gesetzliche EU Regulierung der Digitalindustrie, um den Wilden Westen endlich einzudämmen, der viele Opfer schafft. Die von Profitgier getriebenen Plattformbetreiber bessern von sich aus nichts nach, da es Geld kostet und damit weniger Profit bedeutet. Dh der Verlust von Menschenleben ist längst eingepreist.


Vorsicht LIEBE – Alles FAKE: der Multimilliarden Scam

Ich möchte kurz zum Ende des Jahres hier mal eine Warnung einstellen für Menschen, die auf Partnersuche sind und dafür Online Plattformen nutzen. Bitte diesen Podcast unten hören. Die beschriebene Methode wird auch im Umfeld von Prostitution genutzt, wo reale Frauen mit einer rührseligen Geschichte Kunden Geld aus der Tasche ziehen. Beim Thema Geld also sofort die Finger von lassen, meist handelt es sich um eine Betrugsfalle. Außerdem versuchen Männer und Frauen (sog. Madams und Kapo-Frauen mit Milieu-Erfahrung) mit Erfolg junge Frauen, auch Escorts in die Zwangsprostitution zu locken. Das läuft alles über soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram & Co. Es gibt auch erfahrene Escorts, denen enorme Verdienste vorgegaukelt werden und die reisen dann an einen unbekannten Ort, auch ins Ausland zum Arbeiten, wo sie in der Zwangsprostitution landen. Kenne Fälle und Augenzeugenberichte von deutschen Escorts in New York und anderen ausländischen Staaten. Ich recherchiere schon lange zu diesem Thema, jetzt als Wissenschaftlerin in der Digital Industrie, aber auch schon früher als Journalistin.

Gefordert ist die digitale Industrie, Sicherheitslücken gegen Fakes zu schließen. Die Lücken treten meist bei kostenlosen Portalen auf. Wenn sich die Industrie nicht bewegt, tut es die Politik. Zum Beispiel soll auf EU Ebene eine digitale Identität für jeden EU-Bürger eingeführt werden, mit der man Zugang zu allen Plattformen findet. Dadurch soll auch Cybercrime verringert werden.

Die Gesellschaft ist so pervers, da sollte man auch alle Methoden kennen, um sich dieser ganzen Fake Verarsche zu entziehen. Damit wieder ein Fünkchen mehr Menschlichkeit Einzug halten kann.

Den Anfang hab ich diesjährig mit meinem neuen politischen Sachbuch Sexwork 3.0 gemacht, wo ich das Thema Diskretion, Anonymität und Sicherheit ausführlich unter dem Aspekt der digitalen Sicherheit diskutiere.

Mein Engagement ist nicht nur rechtlosen Prostituierten gewidmet oder Männern, die verarscht werden, sondern der Überzeugung, daß man sich im Kapitalismus nicht den restlichen Funken Menschlichkeit abkaufen lassen darf, um echte Menschen zu treffen, denn die Liebe ist das Wichtigste auf der Welt. Ich möchte im neuen Jahr auch nicht mehr von Leuten ausgelacht oder verachtet werden, weil ich in der Rotlicht Branche gearbeitet habe oder weil ich immer fair zu Kolleginnen war, die es gewohnt sind, in der Branche abgezogen zu werden. Ich glaube, dass man auch mit fairen Geschäftsmodellen im Kapitalismus Geld verdienen kann, zwar nicht so viel, aber dass es zum Leben reicht. Ich wünsche Euch im neuen Jahr Liebe, Gesundheit und Erfolg.

Mit Liebe läßt sich viel mehr Geld verdienen, als mit Sex. Also Augen auf im neuen Jahr! Ein Freund hat es nicht gemacht, dem von einer Bordellhure Liebe vorgegaukelt wurde, damit er seine Familie verläßt und sein ganzes Vermögen bei ihr (und ihrem Freund) läßt. Als ihm bewußt wurde, dass es sich um einen Betrug handelte, hat er Suizid begangen.


Merry Christmas

meine Freunde und engen Bekannten leben mittlerweile alle im Ausland, nur ich halte noch die Stellung in Berlin. Ich wäre ja längst weg, wenn mein Mann sich nicht sträuben würde wie ein Esel. Aber ohne ihn gehe ich nirgendwohin. Wenn dann würde ich wieder nach London oder New York gehen, aber dazu verdiene ich nicht genug Geld, um mir die Städte leisten zu können. Und in ein Rattenloch wie früher in London oder in ein WG-Zimmer möchte ich auch nicht mehr ziehen.

Nächstes Jahr übernehme ich noch mehr Verantwortung und ich werde CEO eines digitalen Startups, jedoch nebenberuflich, da es sich um ein Non-Profit-Startup handelt. Ein Gehalt werde ich mir nicht so schnell auszahlen können. Vor einem Jahr hatte ich eine Crowdfunding mit ähnlichem Projekt gestartet und in diesem Jahr hatte ich eine Erfolgssträhne und viele Dinge haben sich so entwickelt, wie ich es mir gewünscht habe. Nächstes Jahr erscheint auch eine überarbeitete 2. Auflage von Sexwork 3.0 und so Gott will mein Roman „Kohle“, beides in deutsch und englisch.

Leider hat es meinen Vater mit Corona erwischt, aber er hat überlebt. Auch meine Mutter ist nicht bei guter Gesundheit, aber da ich selber Risikopatient bin, meide ich Züge und Menschen. Wir sind jetzt seit 2 Jahren quasi im Lockdown. Ich und mein Mann. Aber wir waren in dieser Zeit durchaus produktiv. Allerdings schlägt die Selbstisolation schon auf die Psyche, wir fühlen uns mittlerweile auf der Straße und unter Menschen nicht mehr wohl. Kürzlich war ich noch bei einem Nachbarschaftstreffen unter freien Himmel mit Lagerfeuer, aber ich konnte den Geruch des Feuers nicht ertragen, da ich Asthma habe und mußte die Gruppe früher verlassen. Morgen wollte ich an einem Gottesdienst teilnehmen, aber das knicke ich jetzt auch wegen der neuen Berliner Corona Verordnung.

Ab Januar arbeite ich in meiner Nachbarschaft in einem Co-Working Space, wo ich mit jungen Menschen an der Zukunft arbeiten werde. Das wird sicher sehr aufregend, wieder unter Menschen zu sein. Dieser Space verfügt auch über eine angeschlossene Kunst Galerie und ich hoffe, dass mein Mann dort bald ausstellen kann. Wir haben gemeinsam eine Serie produziert und sind gespannt, was Besucher dazu sagen werden.

Ich schau optimistisch in die Zukunft, zumal es mir gesundheitlich gut geht und bestimmte Diagnosen sich als falsch erwiesen haben. Das bedeutet, dass ich weder COPD habe noch Schizophrenie, sondern nur eine leichte kognitive Störung, mit der ich leben kann. Solange ich noch denken und schreiben kann, ist alles im grünen Bereich.

Ich wünsche Euch ein schönes und friedliches Weihnachtsfest

Selbstportrait Martyra Peng 2021

Future Woman


17. Dezember 2021

https://nuttenrepublik.com/2010/12/17/17-dezember-ein-tag-den-keiner-kennt/

https://www.berufsverband-sexarbeit.de/index.php/2019/12/17/15257/

https://www.mc-escort.de/topic/13250-17-dezember-ein-tag-den-keiner-kennt/


Kekse

Mir hat mal eine erfahrene Puffmutter und Ex-Prostituierte vor vielen Jahren gesagt, dass im Puff niemals gekocht werden darf, damit die Essengerüche nicht die Kunden vergraulen. Außerdem sei es für die Kunden abtörnend, wenn sie in einen Puff gehen und Frauen treffen, die gerade Nudeln oder Kuchen essen, schmatzend aufstehen und die Vorstellungsrunde absolvieren. Niemand wünscht sich eine Mutti im Puff, außer als Rollenspiel.

Gestern warb eine Domina in ihrem Twitter Channel für Keksrezepte mit Keksfotos und es kam die Frage auf, ob Kunden sowas lesen möchten. Ich denke nein und schlug vor, doch zwei Accounts aufzusetzen, einmal einen professionellen Domina Account ohne Keksrezepte und einen privaten Account mit Keksrezepten. Was meint Ihr denn dazu?

Ehrlich gesagt, kann ich den Erfahrungen der erwähnten Puffmutter nur zustimmen. Essen ist nicht wirklich ein Lockangebot im BDSM Bereich, außer Zwangsfütterung. Ich hab selbst als Domina und Fetisch Escort gearbeitet und es gibt tatsächlich Dominas, die Stärke und Selbstbewußtsein ausstrahlen und nicht das Image der verschwitzten Hausfrau.

Das ist doch genauso abturnend wie Freier berichten, wenn sie Huren in Privatwohnungen in der Platte besuchen und kleine Kinder durch die Wohnung toben. Alternativ hockt der arbeitslose Ehemann bei Kaffee und Kippe nebenan in der Küche und wartet mit der Bulldogge, bis Mutti wieder aus dem Schlafzimmer kommt.

Eine Domina hat üblicherweise keinen Sex, aber normalerweise sollte sie eine gewisse Erotik ausstrahlen, um Kunden zu ködern. Das gehört zum Geschäft. Außer der Kunde ist eine kostenlose Zofe, die man mit Keksen erfreuen kann. Schließen Erotik und Keksrezepte sich also im Selbst-Marketing aus oder nicht? Ich freue mich auf eine Antwort.


Kohle: Kapitel 44

Überleben darf kein Luxus sein.

Es ist ein Privileg, ein Buch zu schreiben. Möge es Leser finden.

Expect resistance.

Martyra Peng, Weihnachten 2021


Kohle: Kapitel 43

Manchmal kann eine Arbeit so vertraut sein, dass wir Gefahr laufen, zu vergessen oder nicht zu erkennen, wie subversiv sie ist. Das ist der Fall bei einer der bekanntesten Weihnachtsgeschichten: Charles Dickens‘ „Ein Weihnachtslied“.

So oft wird es als eine schöne, aber sentimentale Saisongeschichte für Kinder dargestellt, in der Geister einen fiesen Mann dazu bewegen, ein netter Mann zu werden, und alle leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Damit soll die politisch geladene Geschichte ernsthaft falsch dargestellt werden, die psychologischen Auswirkungen emotionalen Missbrauchs untersucht, die Exzesse des Kapitalismus kritisiert, die Philosophie hinter der politischen Ökonomie satirisiert und zeigt, wie Liebe sich in uns verwandeln kann. Es deutet auch darauf hin, dass jeder verwandelt werden kann, sogar Dagobert.

Die Handlung ist allen so bekannt, dass man es hier nicht nachzählen muss. Lasst es uns etwas genauer unter die Lupe nehmen, insbesondere den Charakter von Dagobert.

Wenn wir Dagobert zum ersten Mal treffen, kommt er als jemand rüber, der nicht nur seinen Angestellten ausbeutet und kein Interesse an den armutsbedingten Umständen seines Angestellten hat, sondern als jemand, der seine eigene Befriedigung dem Gott der Kapitalansammlung zugeschoben hat: jedes Ding unterliegt einem Geldwert und nichts anderem. Diese Art von Charakter war im viktorianischen Großbritannien nicht ungewöhnlich und ist auch heute am Leben und wohlauf.

Tatsächlich enthält die Geschichte Elemente, die fast direkte Zitate des Ökonomen Malthus und des Philosophen Carlyle sind. Wenn die Leute ihren Weg nicht bezahlen können, sollen sie ins Arbeitshaus gehen oder auf der Straße sterben. Armut, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, fehlende Bildungschancen, Unfähigkeit medizinische Hilfe zu bezahlen usw. sind nicht sein Problem. Auch sollte nicht erwartet werden, dass er seinen Beitrag leistet, sei es durch Wohltätigkeit oder, so heißt es, durch Besteuerung.

Wie sein verstorbener Partner Marley lebt Dagobert nicht, er existiert nur: Er lebt, um zu arbeiten, arbeitet nicht, um zu leben. Dickens hat anderswo ähnliche Charaktere geschaffen: Uriah Heap in „David Copperfield“ und Bounderby in „Hard Times“.

Ja, wie wir mit dem Geist vergangener Weihnachten feststellen, gibt es eine andere Seite von Dagobert. Als Kind erlitt er emotionalen Missbrauch durch die Hand seines Vaters (wieder ein bekanntes Thema in Dickens); wurde in eine Schule geschickt, wo er geschlagen, misshandelt und ausgelacht wurde und wo er die Ferien als einsames Kind verbringen musste, die Welt war gegen ihn, ein weiteres Thema in vielen Teilen von Dickens, zum Beispiel „David Copperfield“ und „Nicholas Nickleby“. Die Lektion, die er aus all diesem Missbrauch gelernt hat, war, dass er sich auf niemanden, außer sich selbst verlassen konnte.

Dann verliebt er sich in eine Frau, die ihm einen Ausweg bietet, aber es ist zu spät. Er muss eine Wahl treffen: ein Leben mit dieser Frau oder ein Leben, in dem er vermeiden kann, verletzlich zu sein, ein Leben, wo ihm niemand schaden kann. Also verlässt er sie. Wir sehen die Dinge, die ihn zu der Person gemacht haben, die er wurde.

Die Konsequenzen davon tragen zeigt ihm das Gespenst des Weihnachtsgeschenks, zeigt ihm, was ihm fehlt. Er wird in das Haus seines Angestellten Bob Cratchit gebracht, wo er sieht, wie eine liebevolle Familie das Beste aus dem wenigen macht, was sie haben und wie selbst das behinderte Kind, Tiny Tim, trotz seiner Schmerzen und Behinderung Freude am Leben hat.

Dagobert wird dann anderen gezeigt, die in schwierigen Situationen das Beste aus dem machen, was sie haben. Und schließlich wird er auf die Weihnachtsfeier seines Neffen Fred gebracht, wo er sieht, welche Freude die Leute durch das Teilen haben und mitmachen möchte, aber dazu nicht in der Lage ist. Dieser zweite Geist zeigt ihm auch zwei abgemagerte Kinder – Ignoranz und Wollen – und lacht darüber, dass Dagobert ihnen helfen will.

Der Geist von Weihnachten, der noch kommt, zeigt Dagoberts eigene Beerdigung und die Art und Weise, wie die Leute darauf reagieren: Mit Freude, dass er endlich weg ist, seine Besitztümer stiehlt und nur zu seiner Beerdigung geht, wenn für Essen gesorgt ist. Die Freude oder Unbesorgnis über Dagoberts Tod steht im Gegensatz zu der Liebe, die Tiny Tim gezeigt wird, wenn seine Familie den Tod des Kindes trauert.

Durch all dies lernt Dagobert sich selbst kennen und versteht die Kräfte, die ihn zu dem gemacht haben, was er ist. Mit diesem Wissen ist er in der Lage, sich in eine andere Person zu verwandeln. Und dabei kann er helfen, sowohl Gegenwart als auch Zukunft zu verändern. Die drei Gespenster mögen sein eigenes Gewissen sein, sind aber eher Vertretungen von Kräften innerhalb der Gesellschaft, die für den sozialen Wandel arbeiten, Bewegungen und Personen, die die Bedeutung von Bildung, einem garantierten Mindesteinkommen, Zeit für Erholung sehen und Systeme, die sicherstellen, dass je mehr man hat, desto mehr kann man es mit anderen teilen, um ihr körperliches, geistiges und emotionales Wohlbefinden und ihre Gesundheit zu gewährleisten.

Es ist wirklich eine der bemerkenswertesten und revolutionärsten Fiktionen, die je geschaffen wurden. Und die Transformation von Dagobert – wie die von Sydney Carton in Dickens‘ „A Tale of Two Cities“ – zeigt, was erreicht werden kann, wenn wir uns als soziale Wesen mit Verantwortung gegenüber anderen erkennen und zeigt, dass wahres Glück nicht aus individueller Ansammlung kommt, sondern aus Ressourcen, die geteilt werden, damit wir alle unser individuelles und kollektives Potenzial ausschöpfen können.

Es sind u. a. die Geschichten von Dickens, die dazu beigetragen haben, Nadine zu dem Sozialisten zu machen, der sie ihr ganzes Erwachsenenleben lang war.