schöne Grüsse von unterwegs!

update * http://youtu.be/cig60zVcQW8

Da fällt mir ein, hier gibts auch eine sehr interessante Diskussion zu einem interessanten Blog-Beitrag.


no justice, no peace

FinleyDemo-smlA week of sex worker art, parties and politics! Join us for this political and cultural soiree from The Whore Cast LIVE! to Whores Bath to Oral Services.

Attend a transformative four day workshop series, Privilege, Oppression and InterseXionality. Climb on board Mariko Passions Whorrific Popcorn Theatre Bus and Cabaret at the Center for Sex & Culture. Get a whores-eye view from Amber Dawn, Emi Koyama, Brontez Purnell, Juba Kalamka, Ckiara Rose, Mariko Passion, The Incredible Edible Akynos,Tom Orr and many more. Den Rest des Beitrags lesen »


Schottisches Tagebuch

Update: mein Konferenzbericht ist hier zu finden

 

***

Heute ist schon Tag 2, eigentlich Tag 3 seit 34 Minuten. Ich fang mit Tag 1 an. Schlechte Internetverbindung, daher die Verzögerung. Einige Extra-Infos und Links zum SWOU-Event 2013 kann man auch auf meinem Twitter Account verfolgen. Jetzt und in den kommenden Tagen.

Tag 1

Flug Berlin – Glasgow

Der Tag fängt schon mal prima an; eine praktizierende Buddhistin und Schottin in Mönchskutte sitzt im Flieger neben mir; natürlich Easyjet, meine Lieblingsairline in Europa; das Orange der Airline passt gut zu ihrem Outfit. Wir kommen ins Gespräch. Ich erzähle ihr, dass ich einmal dem Dalai Lama persönlich begegnet bin, in einem Aufzug in Köln 1994. Das war kurz nach Studienende, 3 Monate Praktikum bei der Heinrich Böll Stiftung, damals noch in Köln angesiedelt. Ich komme da morgens nichtsahnend in Kölle an, nach meinem täglichen Ritt mit dem Zug aus dem Ruhrpott, und betrete gerade den Aufzug. Kurz bevor sich die Tür schliesst, stellt jemand das Bein in die Tür, um zuzusteigen. Es war der Fuss des Enkels von Böll und an seiner Seite der Dalai Lama; der schaut mich an, lächelt und verbeugt sich. Also der Dalai Lama lächelt mich an, ich grüsse zurück und verbeuge mich ebenfalls, halte meine beiden Hände vor mir gefaltet, so wie er es gemacht hat. Beide betreten den Aufzug. Der Tag fängt gut an. Die schottische Buddhistin, die gerade aus einem Retreat in Berlin kommt und auch bald wieder für einige Monate dorthin zurück kehrt, lacht mich an und meint, ich hätte ein gutes Karma. Was ich denn in Glasgow mache? Ich erzähle ihr dies und das und sie ist sehr angetan, nicht ablehnend. Sie war früher auch in der Sozialarbeit und Krankenpflege tätig, als sie ihre Kinder grosszog. Seit sie nicht mehr arbeiten muss, hat sie sich ganz dem Buddhismus verschrieben. Also das mache ich auch eines Tages: ich verziehe mich ins Kloster, also ein buddhistisches Kloster und kümmere mich um den Garten.

Ankunft Glasgow am Nachmittag; 10 Grad Aussentemperatur, also Plus, yeah, Sonne, kein Grau, kein Schnee. Ich nehme ein Taxi. Die Differenz zum Bus sind etwa 10 schottische Pfund, man gönnt sich ja sonst nix. Ist doch wahr. Ich habe erst mal nur zwei Nächte in einem Gästehaus mit Einzelzimmer und geteilter Dusche gebucht; meine Freunde hier in Glasgow haben Probleme, ausreichend Schlafplätze und Matrazen zu organisieren. So richtig steht das Netzwerk hier noch nicht. Also das Matrazennetzwerk. Bei solchen Events schläft man lieber zusammen mit seinen Leuten unter einem Dach; da wird dann die ganze Nacht diskutiert, Wein getrunken und man fällt glücklich und erschöpft ins Bett. Man hatte mir einen Schlafplatz bei einem schottischen Freund angeboten, der nachts arbeitet, aber da ist noch eine Freundin und irgendwie scheint das ganze nicht sehr willkommend zu sein.

Das schottische Gästehaus ist ganz putzig, wie man es eben aus U.K. so kennt. Schmale Gänge und Treppen, ein komischer Mief im ganzen Haus. Schön ruhig, kein Hostel oder Absteige, das ist immer so ekelig und laut.

Ich hab mich mit Kosmetik in kleinen Grössen eingedeckt, bei Handgepäck kaufe ich immer vor Ort ein, das schleppe ich nicht mit mir rum. Das Duschgel duftet nach Minze. Und dann bin ich zum Friseur und hab mir einen neuen Haarschnitt verpassen lassen. Ich musste der Friseuse, die nur schottisch spricht, irgendwie erklären, dass ich einen langen Pony haben möchte und seitlich so eine Art Rundhaarschnitt entsteht, es darf aber nicht schick und frisch vom Friseur aussehen, das mag ich garnicht. 30 Minuten diskutierten wir und sie säbelte mir ganz vorsichtig die Haare ab. Also ich finde es gut. Das letzte Mal, dass ich so aussah, war mit 9 Jahren. Da kam so ein Fotograf in die Schule, der machte Fotos. Eins davon hängt im Gästezimmer meines Vaters in Spanien. Und genauso sehe ich jetzt auch aus.

Danach habe ich mir organischen Rotwein gekauft und mich um 18h ins Bett gelegt, bis Mitternacht geschlafen, von einem Mann mit schönem Schwanz geträumt. Ich träume in letzter Zeit dauernd von Sex, merkwürdig. Also ich schlafe hier wie ein Baby. Den Wein habe ich allerdings nicht angerührt. Heimlich eine Zigarette am Fenster geraucht, nach Mitternacht im Netz rumgekurvt, WLAN ziemlich schwach. Die Landlady sagte mir, dass man nur im Speisesaal Internetempfang hat. Da bin ich dann um Mitternacht runter, aber es war sehr ungemütlich dort, ich also wieder hoch und siehe da, ich fand in meinem Zimmer ein paar Balken, also Internetzugang. Es wurde spät und ich habe mein schottisches Frühstück verschlafen, musste zur Strafe zu Starbucks.

Tag 2

In der letzten Nacht las ich bei meiner schottischen Kollegin, dass sich eine Druckerei aus moralischen Gründen geweigert hatte, Plakate zu drucken. Es geht um die lokale Gewerkschaft STUC, die für unser Diskussionspanel am Samstag plötzlich die Räume verweigerte, mit der Ausrede, dass wir Sexworker sind. Aber das wussten sie sie schon vorher und alles war in feuchten Tüchern, Flyer gedruckt. Da muss die Labour Tante Rhoda Grant rumgerantet haben, die gerade Wahlkampf auf unsere Kosten macht. Die wollen hier die Freierbestrafung, also das Schwedische Modell einführen. Bordelle sind in U.K. insgesamt verboten, also Sexarbeit in Wohnungen ab zwei Sexworker, dies gilt als Bordell. Also ist man gezwungen, ganz alleine in einer Wohnung zu werkeln, alternativ Strasse, H/H. Problem ist bei diesen ganzen Einschränkungen, das die Gewalt gegenüber Escorts, also Sexworkern deshalb so gross sind, weil sie kriminalisiert sind und kaputte Typen denken, sie können alles mit einem machen. Ich hab auch keine Werbung geschaltet, in meinen 10 Tagen hier in Glasgow. Ich will entspannt dem Event beiwohnen. Reisetaschengeld für Unterkunft, Verpflegung und Flüge hätte ich schon gebrauchen können, da meine Kosten in Berlin ja weiter laufen. Ich verdiene ja den Familienunterhalt. Ich hab mir etwas zusammengespart, damit ich hier teilnehmen kann. Als ich das letzte Mal auf verschiedenen schottischen Seiten Werbung geschaltet habe, das war anlässlich meine Aufenthalts und Gastspiels beim Fringe Festival 2011, da riefen zwar sehr viele Männer an, aber die versuchten, nur den Preis zu drücken und beschimpften mich. Da hab ich ja noch 1 Stunden Dates angeboten. Alles in allem hatte ich nur Theater am Telefon und in zwei Wochen zwei Dates, eins im Hotel und eins in meinem Zimmer im Hostel, bevor ich zu Freunden gezogen bin. Was wohl für ein Stress am Telefon auf mich zukäme, wenn ich denen antworte, dass ich nur noch 2 Stunden Dates im Hotel anbiete. Hausbesuche kamen schon damals nicht in Frage. Nein danke, dann bin ich eben gänzlich ungefickt und träume weiter von schönen Schwänzen. So wie heute am frühen Abend, wo ich wieder ein Schläfchen hatte. Immerhin ist es mir gelungen, eine Druckerei ausfindig zu machen, die unsere Poster druckt, mit denen wir am Samstag vor STUC demonstrieren. Ich musste dem Mitarbeiter der Druckerei versichern, dass wir ja nicht öffentlich bekannt machen, wo wir haben drucken lassen. Ist das nicht deprimierend? Morgen hole ich die Poster und Banner ab; 170£ kosten die, war noch im Budget der SWOU. Gab nicht viele Spenden. Gut, dass der Red Umbrella Fund SWOU etwas unterstützt. Ich werde auch etwas bares in die Spendenkasse legen, die bei allen Veranstaltungen ausliegt. Das, was die Leute hier mit allen Beteiligten auf die Beine stellen, ist einfach unglaublich. Und super, dass für das ganztägige Politik-Panel am Samstag ein anderer Veranstaltungsort gefunden werden konnte. Jedenfalls wird der Sex Worker Open University Event seit 2009, vorher immer London, nur von Sexworkern und ehem. Sexworkern organisiert, keine Sozialarbeiter, keine Beratungsstellen und auch keine Betreiber von Agenturen, Massagesalons etc. Morgen starten wir abends mit der Sexworker Film-Nacht. Mit internationalen Filmen von Sexworkern. Ich trete auch auf. An Tag 4. Gute Nacht!

Tag 3

Rückblick: Hab die Banner und Poster abgeholt und zum CCA (Centre for Contemporary Arts) gebracht. Dann sehr schlecht chinesisch gegessen. Überall diese Mittags-Buffets. All you can eat, bäh! Am ersten Tag meiner Ankunft erkundigte ich mich nach einem indischen Restaurant in meiner Umgebung, da ich so gerne indisch esse. Und zwar aus allen Regionen. Der Service war unfreundlich und es kam niemand, um meine Bestellung aufzunehmen. Ich fragte, ob ich evtl. stören würde und später wiederkommen sollte. Sie waren dabei, das Buffet abzubauen. Dann waren sie sehr zuvorkommend und das Essen schmeckte auch sehr gut. Genauso wie das Steak & Ale Pie im Pub am zweiten Tag. Bin ein wenig durch die Stadt gestromert und hab mir die Architektur angeschaut. Es gibt so schöne alte Art Deco Bauten. Z.B. das vergammelte The Beresford Hotel in der Sauchiehall Street. Charles Rennie Mackintosh hat ja die ganze Stadt mit seinen Bauten und Innenarchitektur verschönert. Schottischer Jugendstil. Die Willow Tea Rooms seien jedem Besucher empfohlen, wo man köstliche Club Sandwiches verschnabulieren kann. Das ganze Interior ist von Mackintosh entworfen und man sitzt auf den berühmten Stühlen mit den hohen Rückenlehnen sehr bequem. Also am Samstag muss ich endgültig aus meinem Gästehaus ausziehen; ausgerechnet jetzt, wo auch eine Freundin aus Österreich angereist ist, die im gleichen Haus wohnt. Ich ziehe ein paar Strassen weiter. Dieses Jahr sind auch die Veranstaltungsorte ganz zerfasert. An jedem Tag sind wir woanders. Gestern abend fand die Film Nacht statt. Am besten gefiel mir die Doku über das grösste internationale Sex Worker Rechte Festival in Kolkata/Indien, wo ich ja letztjährig teilnehmen durfte. Ich hab mich wieder kringelig gelacht, als Liz von Empower Foundation, Thailand sprach. Sie ist ziemlich radikal und bringt einiges auf den Punkt. Super meine afrikanischen und südamerikanischen KollegInnen, total souverän und klug. Ich will jetzt gerade nicht auf den Inhalt eingehen, sonst fange ich wieder an zu heulen. Vielleicht morgen.

Ein Film, der mich sehr berührt ist, ist ein Film von Nic Mai: „Normal“. Auf das Thema ‚Trafficking‘ (Menschenhandel) werde ich sicher noch in den kommenden Tagen eingehen. Hier ein Ausschnitt aus dem Film.

http://vimeo.com/ondemand/611/52750619

So muss los, die Demo ruft! Dann ganztägig Politik und Diskussion rund um Entkriminalisierung. Es reist extra aus Australien eine Kollegin von Scarlet Alliance an. Und heute abend ist die SWOU Partner und Gast beim Launch des Edge Fund Glasgow, wo ich auftreten werde. Ich berichte morgen. Schönes Wochenende euch!

Wenn die Internetleitung steht, twitter ich vom Politik-Panel ab ca. 12h mittags.

Tag 4

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Tag 5

Bekam vorhin einen mitternächtlichen Schock, als ich aufs Bankkonto schaute. Und bin wieder wach geworden. Ich frag mich, wo mich mein Engagement noch hinbringt. Klapsmühle oder Hartz IV?! Erschöpft bin i! Sehe schon seit Tagen müde aus, da ich nur in meinem eigenen Bett gut schlafen kann. Kalt ist es in Glasgow. Auch meine neue Unterkunft ist nicht sehr behaglich. Klinisch rein und steril. Man kann vom Fussboden essen. Ihr wisst, was das heisst. Überlege, ob ich morgen früh wieder zurück in mein altes Gästehaus ziehen soll, da ist wieder was frei geworden und viel behaglicher. Wären ja immerhin noch drei Übernachtungen. Ein Hin und Her ist das. Und ich hab mich mal wieder zwischendurch geärgert. Es scheint echt eine deutsche Eigenart zu sein, gerne an anderen rumzukritteln, zu bevormunden, persönlich wie auf Sachebene, dabei selbst Null Check zu haben oder nicht in den Spiegel zu schauen. Wie mir das auf die Eierstöcke geht. Ob meine Zurückhaltung an gewissen Stellen als Gutmütigkeit oder Schwäche ausgelegt wird? Kriege ja meist aus teutsche Land so gut wie gar kein Feedback, bis auf eine Person/(Ex?)Kollegin, die ich sehr schätze. Guten Mutes bin ich jedenfalls, da ich Reaktionen von anderen Seiten bekomme. Und das sind meist Leute aus dem Ausland. Nee, nee, nee, mit gewissen Leuten ist echt kein Staat zu machen und daher bleibe ich auch schön auf Distanz. ‚Wir sollten jeden Sonntag SW-only Diskussionen abhalten‘. Meinte eine schottische Kollegin heute zu mir. Na, ich weiss nicht. Hauptsache kein Stammtisch in Berlin. Auf ein paar Herren ist noch Verlass, was ich so von ihnen lese und die ich persönlich kenne und schätze. Danke schön.

Es gibt auch einiges Positives zu vermelden! Unsere GegnerInnen schäumen und scharren schon die Hufe. Die Geschichte zeigt, dass man sich einer richtigen Erkenntnis auf Dauer nicht in den Weg stellen kann. Ausser mit Gewalt, um die Stimmen verstummen zu lassen. Dafür sind wir aber schon zu viele und das Wort ist draussen. Ich freue mich riesig über die bisherige Berichterstattung zum Event. Zwei Einladungen aus dem Ausland habe ich in den letzten Tagen erhalten, über die ich mich sehr freue und die ich gerne annehme, weil ich sprechen darf. Politik, keine Comedy. Apropos: mein Auftritt letzte Nacht war ganz entzückend. War in Bestform und bekam gutes Feedback von vielen Leuten! Eine liebe Person, trusted ally, hat gefilmt. Sie sagte mir allerdings, dass die Beleuchtung mies war und daher die Qualität nicht sonderlich gut ausfällt. Voll toll! Entweder bekomme ich keine Videoaufnahmen, obwohl vorhanden, ich kriege sie nicht konvertiert oder die Qualität ist mies. So wird das nie was als Stand Up Comedian. Gute Nacht! Euer Goldschwanz

performed here

edgefund-glasgow

Tag 6

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Tag 7 & 8

eher nichts zum öffentlichen berichten. Konferenzbericht folgt.

Tag 9 & 10

schön, dass ich wieder zuhause bin. Wurde ja auch Zeit. In meinem Bett, bequem. Lesend, denkend und das Lachen nicht vergessend.


buy their thoughts and read * singularities

At least I like to recommend following works of individuals and I highly recommend their work they do in different ways. In order of appearance ….

Carol Leigh put the term ’sex work‘ on our own agenda more than 30 yrs ago, a term from inside the scene itself and against ‚prostitution‘, a term delegitimised by its discourses around criminalisation, deviance, discipline and surveillance.

carol leigh

works here

readings, presentations, zines & buttons

Emi Koyama

Emi Koyama striking buttons

Mariko Passion

artefacts & current works
https://www.facebook.com/asianprincessartifacts

Furrygirl

swaay

http://www.swaay.org/about.html
http://www.swaay.org/store.html

Cayenne
order cooks in heels

Kochbuch Ceyenne Doroshow

Laura Agustin

Laura Maria Agustin

Order here

on kindle

to be continued …


donation

Ich wurde gefragt, ob es sich lohnt, den Sexworker Rechten dienliche Organisationen zu unterstützen, anstatt in Kunst und Immobilien zu investieren. Klaro.

Wer noch überflüssiges Geld los werden will, ausser in deregulierten Kapitalmärkten zu investieren oder in Beton zu gehen, um bspw. Berliner Immobilien aufzukaufen und Mietpreise nach oben zu drehen, die es Normalverdienern nicht mehr ermöglichen, in ihren Quartieren zu wohnen, empfehle ich u.a. folgende Organisationen finanziell zu unterstützen. Schadet nicht, im Gegenteil, und man kann eines Tages den Arsch zukneifen und sagen, man hat was für die Menschen gemacht. Wie George Soros und andere globale Eliten vom Planet der Affen.

Die Reihenfolge gibt keine Wertung ab, die Organisationen stehen alle gleichberechtigt nebeneinander.

groups:

BesD Berufsverband Sexarbeit

ASWA

Desiree Alliance

sexworkersproject

NSWP

IUSW

ICRSE

English Collective of Prostitutes

Sex Worker Open University

Scarlett Alliance

DURBAR

Sangram

Red Umbrella Project

Swash

SWAAY

APNSW

Coyote

EMPOWER

Stella

STRASS

Scot Pep

SWAN


Ethik-Debatte UND ein Schirm ist aufgegangen

Da bin ich wieder! Zurück in Berlin. Allerdings gibt es wenig Neues hier zu berichten, ausser das noch eine wissensbasierte Ethik-Debatte um Sexarbeit aussteht. Die negative sozial-ethische Bewertung ändert sich ja nicht, solange solch eine Debatte gesellschaftlich nicht ernsthaft geführt wird. Hilft auch bei der Entwicklung vernünftiger Gesetze weiter. Ich hatte dies schon einmal hier angedeutet. Moralisiert wird zwar genug, aber um zu des Pudels Kern vorzudringen ist mehr notwenig als scheinheilige Empörung oder feministischer Extremismus.

Hab mittlerweile auch sämtliche Debatten, die derzeit hierzulande geführt werden, vernommen. Ich schliesse mich den Kritikern an, für die es keinen „Fall Brüderle“ gibt. Ja, es gibt viele Fälle, insofern finde ich den Aufschrei gut, hab mich eh gewundert, warum lange still gehalten wurde. Was sagen eigentlich die Karnevals- und Kegelklubschwestern dazu, die Männern ungefragt auf die Eier oder an die Krawatte gehen, am besten sturzbesoffen, damit der Sex auch richtig gut ist?

Vielleicht noch eine Debatte über ‚Sexwork und Sexismus‘ he he … evtl. würden dann auch Autoren endlich aufhören, Erfahrungsberichte zu schreiben, also die ohne Talent und Erfahrung. 😉

Und was jene mit Talent betrifft:  brauche ich dringend wieder einen Ritt mit einem Pferdchen oder Schweinchen. Freiwillige vor!

Hier ein kleiner Bildergruss von meiner letzten Reise.

copyright

copyright

Das beste kommt zum Schluss: das Foto ist der aufgehenden Sexworker Interessenvertretung in Deutschland gewidmet, die sich in Gründung befindet! Ich kann dort aufgrund ausserordentlicher Umstände nicht mitmischen und bin auch schon anderswo, als Beirätin im Bufas involviert. Ich kann so schlecht auf vielen Hochzeiten tanzen. Ich begrüsse diese Entwicklung und bin gespannt auf die Inhalte!

Wünsche euch allen eine schöne Woche, wenig Stress und viiiieeeel Entspannung!

Kiss


Butter bei die Fische V Öffentlichkeit (dt.)

Nachdem ich in meinem letzten Beitrag aktuelles aus der Mottenkiste hervorzaubern konnte, möchte ich mich kurz auf die Hard Facts im Zuge der öffentlichen Debatte um Prostitution stürzen. Ich werde auch noch einmal in englischer Übersetzung fabrizieren, weil hier mittlerweile 90 Länder mitlesen und nicht jeder spricht deutsch.

Unbestimmte Zahlen tatsächlicher Opfer lassen Spekulationen ins Kraut schiessen, aus denen ProstitutionsgegnerInnen seit Ewigkeiten für ihre durchsichtigen Interessen Kapital schlagen und zugleich konservativen Populismus nähren, die Öffentlichkeit durch Fehlinformation und Demagogie zum Narren halten. Bei der Suche nach Menschenhandelsopfern und im öffentlichen Diskurs werden im Regelfall SexarbeiterInnen, insbes. Migrantinnen markiert und diskriminiert, stigmatisiert und ihnen jedwede Handlungskompetenz und Selbstbestimmung abgesprochen. Ich würde so weit gehen, zu behaupten, dass es sich um einen Straftatbestand handelt und nach Strassburg und Den Haag zur weiteren Klärung gehört.
Voranstellen möchte ich, dass es sich einer Fehleinschätzung verdankt, wenn man glaubt, dass Prostitutionsgesetze oder Prostitutionsverbote SexarbeiterInnen schützen. Das Gegenteil ist international und erwiesenermassen der Fall und macht das Thema ungeheuer kompliziert. Hinzu kommt die Debatte um Menschenhandel und Prostitution, kein neues Thema in den letzten Jahrzehnten, aber zum Wahlkampfauftakt wie neu angerührt.

Die wichtigsten Fragen möchte ich hier in aller Kürze erörtern:
Was unterscheidet Sexarbeit von Zwangsprostitution? Freiheit und Unfreiheit bzw. Selbstbestimmung von Fremdbestimmung.

Sind SexarbeiterInnen alle Opfer, Opfer eines falschen Bewusstseins? Nein. ‚Falsches Bewusstsein‘ ist die Fortschreibung pseudo-marxistischer Kritik, die in den 70er Jahren stecken blieb, meist in den Köpfen, die ein ‚falsches Bewusstsein‘ behaupten und genauso abgeschmackt ist wie abgestandendes Bier.

Was bedeutet sog. „Einstiegshilfe“ und warum beschimpfen rechte Feministinnen Beratungsstellen für diese notwendige Arbeit?
Einstiegsberatung in diversen Fachberatungsstellen dient der Professionalisierung, d.h. der Beratung und zur Verfügungstellung von notwendigen Informationen rund um Sicherheit, Gesundheit, geschützte Arbeitsbedingungen. Viele Frauen konnten dadurch Plätze mit guten Arbeitsbedingungen finden. Ohne Beratung springt man ins kalte Wasser und entsprechend erhöht sich das Risiko, negative Erfahrungen zu machen, gerade weil der Run auf sog. „Anfängerinnen“ und ‚unwissende‘ besonders hoch ist. Dies wissen alle Kenner der Szene, nicht nur professionelle Damen mit Erfahrungswerten.

Gibt es Menschenhandel zum Zwecke der Ausbeutung und Sklaverei von Frauen, Männern und Kinder in der Prostitution?
Ja, aber die Zahlen schwanken zwischen den seit Einführung des Prostitutionsgesetzes ermittelten und seither gesunkenen Fallzahlen auf 640 Opfer in 2011, wovon 59% unter 21 Jährige sind. Hier liegen mir die Daten des BKA zum Bundeslagebericht Menschenhandel vor. Im öffentlichen Diskurs werden mal 11.000, 24.000 dann 200.000-400.000 als zahlenmässige Schätzung sog. Zwangsprostituierter angegeben. Hier steht wohl die multimedial seit Ewigkeiten verwertete Schätzung von 400.000 SexarbeiterInnen von vor 30 Jahren Pate, die ich nach meiner bisherigen Quellenlage nicht als seriös bewerte, davon ungeachtet die Entwicklungen der letzten 30 Jahre aussen vor lässt, hohe Fluktuation, Fly In/Fly Out also hochmobile Sexworker uvm. unberücksichtigt lässt und all jene mit kurzen Aufenthaltszeiten im Gewerbe.

Wie kann man Menschenhandel wirksam verfolgen? Woran scheitern Strafverfolgungsbehörden? Es fehlen den Ermittlungsbehörden objektive Kriterien für die Identifikation von Opfern, worauf ich in https://nuttenrepublik.wordpress.com/2012/10/11/iii-daten-fakten bereits hinwies.

Die Frage ist, wie erhöht man die Aussagebereitschaft von tatsächlichen Opfern?
Menschenhandelsbekämpfung ist auf Strafverfolgung fokussiert und nicht auf den Schutz der Menschenrechte. SexarbeiterInnen am Strassenstrich distanzieren sich von Hilfsangeboten im Zuge von Kriminalisierungspolitiken und führen zu einem Vertrauensverlust und damit zu weniger Sicherheit für sie, entsprechend sinkt die Aussagebereitschaft bei Gewalterfahrung.
Sämtliche SexarbeiterInnen werden durch polizeiliche Ermittlungen, auch bei Razzien eingeschüchtert, teils traumatisiert und verängstigt, auf der Suche nach Opfern schafft man neue und nimmt dies in Kauf, da der Druck auf die Strafverfolgung und Ermittlungsbehörden so ungeheuer gross ist, Opfer zu finden.
Je mehr sie im Nebel stochern, desto grösser wird das Gefühl der Ohnmacht auf beiden Seiten. Opfern von Menschenhandel, denen mit Abschiebung gedroht wird, werden erst recht nicht gegen Täter aussagen, hinzu kommt die Angst, als Sexarbeiterin im sozialen Umfeld geoutet zu werden, wenn man lediglich unter 21 Jahre alt ist und/oder in einem illegalisierten Umfeld arbeitet (Sperrbezirke etc.) oder aufgrund illegaler Einwanderung keinerlei Schutzrechte geniesst und quasi automatisch als Opfer von ‚Menschenhandel‘ wahrgenommen wird.

Welche Folgen haben Razzien und eine hohe Kontrolldichte?
Teilweise Traumatisierung, in jedem Fall Angst und kein Vertrauen in Strafverfolgungsbehörden; SexarbeiterInnen wenden sich in Notlagen oder im Fall, dass sie Zeuginnen von Verbrechen an anderen Sexworkern wenden, dann eher nicht an die Polizei.

Was bedeutet Ausbeutung in der Sexarbeit?
Verschiedenes. Ausbeutung durch Viktimisierung, d.h. jemanden in eine Opferrolle drängen und sie darauf festnageln, indem Prostitutionsgegner und Helferlein finanziell und emotional an der Erniedrigung von SexarbeiterInnen verdienen, ihnen Selbstbestimmung und Handlungskompetenzen absprechen. Also für unmündig erklären.
Tatsächlich erlebt man diese Ohnmacht in der Zuschreibung als Opfer und wehrt ab, selbst wenn man kein Opfer ist, so wird man doch dazu gemacht bzw. durch Abschiebung oder wie es internationale Praxis ist, durch Zwangsrettung, Internierung in ‚Besserungsanstalten‘ und Zwangsumschulung in Niedrig-Lohn-Jobs zu sklavereiähnlichen Konditionen, wo allein Produzenten und Zwischenhändler in der Wertschöpfungskette verdienen (z.B. internationale Textilindustrie mit Werkbänken in Asien u.a.).
Opferrolle steht entgegengesetzt zu tatsächlichen Opfern von Sklaverei, denen durch solche Zuschreibungen und Massnahmen am wenigsten geholfen ist. Sie werden in einer Notlage eher nicht den Kontakt zu möglichen Helfern suchen (z.B. Kunden) bzw. fehlt es an mehrsprachigen Informationen allerorts, an wen man sich vertrauensvoll wenden kann und wo keine ‚be/wertende‘ Beratung und echte Hilfeleistung stattfindet. Es ist also nicht nur die Angst vor stigmatisierender Bewertung und/oder Ausweisung, die Sexworker in den Untergrund treibt und sich damit potentieller Hilfeleistung entziehen und ihr Arbeiten gefährlicher macht. Die Helfer-Industrie gedeiht aus der Vermischung von Opfern und Opferrolle und den echten Opfern ist damit am allerwenigsten geholfen.

Das bedeutet auch, die Tatsachen zu verkennen, dass manche SexarbeiterInnen wie andere Menschen in dieser Gesellschaft auch, die Gewalt oder Misshandlung/Missbrauch erlebt haben, die Möglichkeit abzusprechen, selbstbestimmt zu handeln und für alle Zeiten auf einen Opfer-Status festgelegt zu werden. Jede Person verarbeitet Gewalterfahrungen anders und der unerschütterliche Selbstbehauptungswille führt bei den meisten Menschen dazu, ein gelingendes Leben führen zu können. Opfer zu werden ist kein berufseigenes Risiko von Sexarbeit, ausser wenn Kriminalisierungspolitiken zu einem gefährlicheren Arbeitsumfeld führen. Davon abgesehen, ist die strukturelle Gewalt ein Kennzeichen jeder Gesellschaft und die Ursachen in Augenschein zu nehmen und Veränderungen einzuleiten ist gesellschaftliche Aufgabe. Dazu gehören auch Geschlechterbilder, Machtverhältnisse und eine gesellschaftliche Moral, die den Selbstbehauptungswillen und die Freiheit des einzelnen beschränkt.

Ausbeutung bedeutet auch, wenn man vom Verdienst seiner Arbeit kein menschenwürdiges Leben bestreiten kann oder die Arbeitsbedingungen menschenunwürdig sind; dies trifft mittlerweile auf grosse Teile der Bevölkerung in unterschiedlichen Branchen zu und führt zu sozialer Ungleichheit und Kämpfen. Auch dieser Kampf um Wettbewerbsvorteile spiegelt sich im Sexbiz wieder.

Ausbeutung bedeutet nicht, bezahlte Dienstleistungen von Vermittlungsleistungen auch zwischen 30-50% in Anspruch zu nehmen, wenn man in diese Konditionen einwilligt, die dazu dienen sollen, ein sicheres Arbeiten zu ermöglichen, für Bedingungen zu zahlen, um den Arbeits- und Gesundheitsschutz zu fördern.

Ausbeutung und Zuhälterei bedeutet auch, wenn SexarbeiterInnen gegen ihren Willen zum Verbleib im Biz gezwungen werden bspw. genötigt werden, i.e. durch Erpressung mit Outing und das bedeutet mit der Vernichtung ihrer sozialen Existenz gedroht oder auf dem Spiel steht, immer wenn gegen ihre Persönlichkeitsrechte und sexuelle Selbstbestimmung verstossen wird. Und hier muss sich die Helfer-Industrie einreihen, wenn sie international an Rahmenbedingungen mitwirkt, die den SexarbeiterInnen und ihrer Selbstbestimmung nicht nützen, sondern schaden und gefährden und sie lebensgefährlichen Situationen aussetzt.

Was bedeutet Politik der einschränkenden Nachfrage?
Hier liegt der Irrtum zugrunde, dass man durch Prostitutionsverbote oder Kriminalisierung der Kunden die Prostitution zum Verschwinden bringt der logische Kurzschluss, dass es mit Verboten keine Opfer mehr gäbe.

Welche Auswirkung hat Kriminalisierung von Kunden, eine Forderung, die europaweit erschallt (z.B. EWL)?
Opfer trauen sich nicht mehr, sich in Not an einen Kunden zu wenden, der noch dazu mit Strafverfolgung zu rechnen hat; Aussagebereitschaft der SexarbeiterInnen sinkt, wenn sie mit Gewalt konfrontiert werden; Gewalt gegenüber SexarbeiterInnen erhöht sich mit Kriminalisierungspolitiken (Erfahrungen aus Norwegen und Schweden, wo dieses Modell in Kraft ist; siehe auch dazu:

http://rightswork.org/wp-content/uploads/2012/04/Issue-Paper-4.pdf

http://feministcurrent.com/7038/new-research-shows-violence-decreases-under-nordic-model-why-the-radio-silence

in reference to this article https://feministire.wordpress.com/2013/01/24/no-new-research-does-not-show-that-violence-decreases-under-the-nordic-model/

http://www.opensocietyfoundations.org/events/ending-demand-end-sex-trafficking-does-it-work

http://www.thelocal.no/page/view/rip-up-prostitution-law-says-top-oslo-politician#.UOW4Vo7Hfp4 sowie

http://feministire.wordpress.com/2012/07/01/the-oslo-report-on-violence-against-sex-workers/

!!!

http://www.nswp.org/news-story/nswp-statement-reponse-ewl-call-prostitution-free-europe

 

http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2013/mar/12/who-speaks-for-women-work-adult-industry

 

Wie kann man helfen, die Arbeitsbedingungen für SexarbeiterInnen gesund und sicher zu machen?

– Stigma bekämpfen
– Selbstbehauptung durch Entkriminalisierung der Sexarbeit stärken
– Menschenrechte der SexarbeiterInnen zu schützen: menschenrechtswidrig handelt, wer SexarbeiterInnen Selbstbestimmung, auch sexuelle Selbstbestimmung abspricht. Wer bspw. als Feministin im Namen von Frauenrechten spricht, ohne die Menschenrechte von Sexworkern zu würdigen und anzuerkennen, weiss nicht wovon sie spricht und wird in der Aussenwahrnehmung auch so wahrgenommen. Als gefährlich oder irre, genauso wie Gewalttäter.

Anti-Menschenhandels-Politiken sind mit strikteren Grenzkontrollen und Einreisebestimmungen verbunden, die widerum Bürgerwehren in ihrem Ressentiment gegen Ausländer bestärken und sich umso stärker bemühen diese ‚Illegalen‘ aufzuspüren. Je schwieriger es ist, sich legal zu bewegen und zu arbeiten, umso mehr benötigen SexarbeiterInnen die Unterstützung von Vermittlern und macht sie für Ausbeutung anfälliger.

Die Vermischung von Menschenhandel und Sexarbeit führt zu Fahndungskriterien/Raster ethnischer Zugehörigkeit und führt zu verstärkten Razzien und Kontrollen in Arbeitsstätten, eben aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit.

Ressourcen von Sexworker-Interessenvertretern werden durch die permanente Auseinandersetzung mit Prostitutionsgegnern absorbiert, anstatt sich effizienter für die Wahrung der Menschenrechte der SexarbeiterInnen einsetzen zu können, noch dazu, wo personelle, zeitliche und finanzielle Ressourcen sehr knapp bemessen sind, im Gegensatz zur Helfer-Industrie, in die sämtliche Spenden und öffentlichen Gelder abwandern.

Empfehlung: daher sollten sich InteressenvertreterInnen von SexarbeiterInnen aus der Anti-Menschenhandelskampagne fern halten, besser alle Kräfte mobilisieren, um an besseren und nicht ausbeuterischen Arbeitsbedingungen und des Zugangs zur Rechteverwirklichung für SexarbeiterInnen mitzuarbeiten.

„Die Vermischung von Menschenhandel und Sexarbeit bietet sowohl ProstitutionsgegnerInnen als auch Ausländerfeinden und Einwanderungsgegnern Munition. Prostitutionsgegner nutzen die Anti-Menschenhandels-Rhetorik, um Sexarbeit zu verbieten; die Einwanderungsgegner, um Einreisebeschränkungen zu verschärfen. Die Vermischung führt in der öffentlichen Meinung zu einem Verständnis, dass alle SexarbeiterInnen Opfer von Ausbeutung sind und Sexarbeit generell Ausbeutung bedeutet. Wenn SexarbeiterInnen ihr Stellenwert als ArbeiterInnen abgesprochen wird, sind sie von der Solidargemeinschaft ausgeschlossen und der anzuerkennenden Wertschätzung an ihrem Anteil der wirtschaftlichen Entwicklung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Damit wird der Sexarbeit der Wert ihrer Arbeit aberkannt, damit auch Schutz, Rechte- und Arbeitsschutz, auf denen andere Beschäftigte oder Arbeiter rechtmässig einen Anspruch haben“.
Alle Massnahmen, die nach dem Teile & Herrsche Prinzip eben nicht dazu beitragen, sondern genau das unterlaufen, sind auf den Prüfstand zu stellen.

Obiges Zitat und die folgenden Empfehlungen sind Übersetzungen von mir aus der Conclusio des NSWP Briefing Papers „sexwork is not trafficking“, http://www.nswp.org/sites/nswp.org/files/SW%20is%20Not%20Trafficking.pdf

Empfehlungen für Politik- und Strategieplanung:

Forderung der Entkriminalisierung von Sexarbeit, d.h. Abschaffung aller Sonderverordnungen, die Sexarbeit kriminalisieren und verbieten, Gesetze und Steuern, die sie nicht gleichberechtigt neben anderen Berufstätigkeiten behandeln (gleiche soziale Rechte wie in anderen Erwerbstätigkeiten mit berufsspezifischen Herausforderungen)

Beendigung aller Massnahmen wie Razzien oder Rettungsmassnahmen, die speziell auf MigrantInnen in der Sexarbeit abzielen

Etablierung von Expertengruppen, die alle Interessenvertreter umfassen (Runde Tische in einigen Bundesländern gibt es bereits, mit ausgearbeiteten Leitlinien, vieles davon ist sinnvoll und muss ausgearbeitet werden, Runder Tisch NRW, Runder Tisch Hamburg etc.), um gemeinschaftliche Lösungen zu erarbeiten und nicht kurz-, sondern langfristig umzusetzen

Regionale Unterschiede und Arbeitssituationen von Sexworkern anerkennen und einbeziehen

Bereitstellung von Ressourcen für Sexarbeiter-Gruppen, um bessere Arbeitsbedingungen herzustellen

Gewährleistung, dass Ressourcen, die in Migrationsarbeit fliessen, mit migrantischen Sexarbeiter-Gruppen geteilt werden und Forschungsprojekte über Migration auch Migration in die Sexarbeit beinhalten

Zivilgesellschaftliche Forderungen:

alle Aktionen von SexarbeiterInnen unterstützen, die ihre Arbeitsbedingungen verbessern

alle Allianzen zwischen Netzwerken aus SexarbeiterInnen mit anderen gesellschaftlichen Netzwerken stärken und unterstützen

Bereitstellung von Räumen für SexarbeiterInnen zum Treffen und Austausch über ihre Arbeit, Organisation und Erfahrungen

vertiefende Empfehlungen von mir https://nuttenrepublik.wordpress.com/2012/10/13/v-handlungsempfehlungen/

Quellen:
http://www.sexworkersproject.org/downloads/swp-2009-raids-and-trafficking-report.pdf
http://www.lauraagustin.com/kindle-nook-and-kobo-sex-at-the-margins-is-an-ebook
http://www.opensocietyfoundations.org/events/ending-demand-end-sex-trafficking-does-it-work