Ausblicke: die Ethik des Selbst

Ich komme gerade aus Hamburg St. Pauli zurück, wo ich gestern nachmittag/abend der feierlichen

Abschlussveranstaltung der zweiten Phase des EU-Projekts INDOORS 

beiwohnen durfte.  +++ Update +++ Dazu werde ich noch andernorts ausführlich berichten und hier verlinken. +++

Im ersten Projektteil gab es eine Publikation, die u.a.  hier downloadbar ist sowie ein Video in 17 Sprachen. Manche werden es schon kennen.

Gestern abend wurde das Video sowie ein kurzes Theaterstück mit Sexarbeiterinnen mit dem Titel „A Woman’s Reality“ gezeigt sowie  die Ergebnisse des zweiten Projektteils vorgestellt, inklusive der Publikation „Pictures of a Reality“ aus neun europäischen Staaten, in der Sexworker über ihr Leben und ihre Arbeitserfahrungen im Indoor-Bereich berichten, also das, was üblicherweise als Incall firmiert (Bordelle, Laufhäuser, Wohnungen etc.). Es erinnerte mich sehr an unser Theaterstück „Lulu-Die Nuttenrepublik“ an der Schaubühne, wo wir Erlebtes gemeinsam im Chor aussprachen und vieles mehr im Programmheft verschriftlicht wurde.

Da ich mich lange mit den Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Städten und Ländern beschäftige, fielen mir aktuell zwei Blog-Einträge ein, die ich vor längerer Zeit im Kaufmich Blog veröffentlicht habe: Eine Bilanz von mir zu 10. Jahre Prostitutionsgesetz sowie zur diesjährig eingeführten sog. „Kontaktverbotsverordnung“ in Hamburg. Und bei dieser Gelegenheit fiel mir auch glatt ein längerer Blog Eintrag mit Vorträgen anlässlich des 20. jährigen Bestehens der Hamburger Fachberatungsstelle Ragazza ein, wo so viele wichtige und richtige Gedanken enthalten sind. Und Kathrin Schrader erwähnt im Zusammenhang mit der leider verstorbenen Kollegin Tracy die von mir sehr verehrten Philosophen Zymunt Bauman, Gayatri Chakravorty Spivak sowie Michel Foucault, der sich in seinem Spätwerk mit einer „Ethik des Selbst“ beschäftigte: „Ethik des Selbst“ schreibt Schrader, „das meint eine Sorge nicht nur um sich, sondern auch um andere (Foucault 2004), und sie (Tracy, Anm. v. mir) musste deshalb viele Rückschläge und Verletzungen ertragen, an denen sie trotzdem nie verzweifelte.“ Auf die Ethik des Selbst werde ich alsbald hier detaillierter eingehen.

Ein kleiner Lesetip für Leute, die mehr ausser Coffee-Table-Books und die Hofberichterstattung schätzen.

eine schöne Woche wünscht

Ariane

indoor/outdoor

ps: kleine Anekdote um 2004 ich sah hörte Zygmunt Bauman live, als ich im Rahmen eines unterirdisch schlecht bezahlten Lehrauftrags in einer englischen Provinz-Uni aufschlug und nebenbei in einem Puff werkelte. Ein Kurzbesuch. Der Puff war eine clandestine Arbeitswohnung, geteilt mit ein paar wechselnden Kolleginnen, und hatte einen unschlagbar tollen Namen „Suzy’s Ranch“, dabei gab es nur 3 Zimmer im Backsteinhäuschen. Suzy hatte Ableger in Swindon und Bristol, zwei abbezahlte Immobilien und einen flotten Sportwagen. Wir Girls verdienten ziemlich mies, aber es hatte für mein Festival-Ticket gereicht, wo ich Massive Attack, Goldfrapp, The Streets, Portishead u.a. gemeinsam hörte. Ein unvergessliches Erlebnis!


task force


LULU in Berlin

Abb. Sopranistin Mojka Erdmann

Andrea Breth inszeniert Alban Bergs LULU an der Staatsoper unter der Leitung von Daniel Barenboim. Ein guter Grund, nach Ewigkeiten die Oper zu besuchen. Premiere 31. März.


die Lust am Leben

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, am Taxistand war mal wieder kein Taxi und so bin ich schnell in die U-Bahn geswitcht, aber irgendwie hatte mich der öffentliche Nahverkehr im Stich gelassen. Bevor es zur Buchlesung ging, hatte ich noch ein Meeting mit einem extrem gut aussehenden Herrn bzgl. eines anstehenden Events im kommenden Jahr. Werde hier berichten. Irgendwie ist mir dann was dazwischen gekommen *ggg* und ich traf mit kleiner Verspätung in der  Fasanen37 ein, wo Udo Walz eine Galerie/Bar unterhält, ehemalige Galerie Bremer. Dort stellte ich fest, dass der Termin neu disponiert worden war und mich eine Schmuckpräsentation begrüsste. Hab mit ein paar Leuten gequatscht, die mir irgendwie nicht echt vorkamen. Ich trage ja wenig bis keinen Schmuck, mag Schmuck. Welche Frau mag das nicht? Vieles von dem, was ich sah, war sehr „verspielt“, nicht ganz mein Geschmack, bis auf die schlichte Jade-Scheibe. Die Gastgeberin und Designerin fand ich sehr sympathisch, eine zierliche, attraktive junge Dame mit zurückhaltendem Charme begrüsste mich: Stefanie Volkmer-Otto, die seit 2007 in Hamburg die Galerie Fuchs betreibt. Wer ein einzigartiges Geschenk für seine Gattin sucht, hier werden Sie geholfen.

Ursprünglich war ich nicht nur wegen der Veranstaltung gekommen, sondern auch, um Bekannte zu treffen, die dort arbeiten. Aber S. fehlte, einer der besten Barmänner von Berlin, den ich total gern habe. Er hat zwischenzeitlich den Job gewechselt. Schade eigentlich. Mir gefällt die Location besser als meine frühere Hausapotheke.

Es kam, wie es kommen musste, ich hab mich früh verabschiedet und die Location gewechselt. Dorthin, wo ich mich zuhause fühle. Auf dem Weg  fuhr mich ein reizender Taxifahrer und wir lästerten über geizige Schnäppchenjäger. Da erzählte er mir von einem Fahrgast, einem in Deutschland sehr bekannten Schauspieler, der ihn bei einer kurzen Fahrt von 7,40€ auf Heller und Cent auszahlte, wobei er nach Münzen in seiner Hosentasche kramte, sie dabei alle auf den Boden der Beifahrerseite plumpsten und der Schauspieler jeden einzelnen Cent aufhob. Da ist nix liegen geblieben. Ich mein, bei 7,40€ gebe ich immer 10€, und ich bin weder vermögend noch prominent. Finde das recht kleinkariert; erinnert mich an die Omis, die ich einen Sommer lang als Schülerin in Essen-Kettwig in einem Ausflugscafé bediente und die das Kännchen Kaffee und Stück Kuchen über sechs Stunden wegschnabulierten, selbstverständlich ohne Tip. Wahrscheinlich die Kriegsgeneration. Was mich wiederum an all die Typen erinnert, denen ich auch in meiner Anfangszeit in Berliner Cafés begegnete, als ich ein paar Monate in der Servicewüste als Kellnerin werkelte, zwischen schlecht bezahlten Lehraufträgen. Ich bekam regelmässig eine Rose geschenkt, die Gäste von den Rosenverkäufern kauften, um sich bei mir für meine Freundlichkeit zu bedanken. Konnte ich auch verstehen, ist ja nicht selbstverständlich.

Diese ganzen Menschen, die heutzutage schweigsam vor ihren dämlichen Laptops in Berliner Cafés rumsitzen, eine Latte über vier Stunden schlürfen, also das geht mir wirklich auf den Zeiger. Nicht nur das Rauchverbot. Da findet doch gar keine Agora, kein Austausch mehr statt. Da bleibe ich doch lieber zuhause oder verziehe mich in Gentlemen- und andere private Clubs, wo noch Zigarren geraucht werden dürfen. *gg* Kaffeehäuser, Cafés, Bars, Kneipen sind doch eigentlich soziale Orte. Jetzt hängen dort nur noch Milchcafé-Süppler herum, in manchen Kneipen schweigsame, sich vollaufende Gäste. Selbst Wirte haben mir kürzlich erzählt, dass sich die Gäste verändert haben. Früher hätten die Gäste in den Eck-Kneipen noch miteinander gesprochen. Seit der Raucher-Regulierung kommuniziert man weniger bis garnicht. Ist auch meine Erfahrung. Es gibt nur noch wenig Orte, die ich regelmässig zum quatschen und süffeln aufsuche, und das tolle ist, bei klasse Gesprächen wird man nicht betrunken. Ich zumindest. O.k. wenn ein Blödmann Schwachfug auf mich einlabert, auch Leute mit zu langen Monologen, da ist bei mir nach einem Glas Wein hängen im Schacht.

Der Abend ist dann doch sehr schön ausgeklungen, habe Bekannte getroffen, ein sehr attraktives Pärchen und wir haben uns noch köstlich amüsiert. mmhhh …. Falls ihr mitliest: kann nicht gut in fremden Betten schlafen, hab mich gegen 5 Uhr vom Acker gemacht, stellte dabei fest, dass die Haustür verschlossen war und wartete im Treppenhaus auf den ersten arbeitssamen Mieter. Und tatsächlich um Punkt 6 Uhr kam ein älteres Teenygirl im Aufzug runter und traf mich auf der Treppe vor dem Ausgang an. Sie hatte Stöpsel in den Ohren und sprach kein Wort und starrte geradeaus, ohne mich zu bemerken. Zumindest tat sie cool. Sah aus wie eine Fleischereifachverkäuferin auf dem Weg zur Berufsschule. Mit den Stöpseln im Ohr verstand sie auch nicht, dass ich sie ansprach und ihr sagte, „bitte nicht erschrecken, bin nur eine Freundin des Hauses ohne Hausschlüssel.“ Wie kann man sich morgens um 6h schon mit Pop-Musik volldrönen? Da bin ich garnicht ansprechbar.

Bin dann mit der Metro und frischen Brötchen zurück und bekam noch ein paar Stunden Schlaf, bevor ich mich zu meinem Zahnarzt aufmachte, der beste Zahnarzt in Berlin, der mich fast alles schmerzfrei überstehen lässt. Danke. Er ist auch Tenor, gerade eine Scheibe rausgebracht, und hat einen trockenen Humor, interessiert sich für Politik, eine gute Kombi,  und während ich sprach- und hilflos dalag, erzählte er ein paar amüsante Anekdoten und lästerte über KT, der sich ohne Schmalztolle und Entengang aus den USA zurück gemeldet hat. Seine neue Mitarbeiterin, Studentin der Zahnmedizin, fand ich auch sehr nett und hübsch. Wie kann man sich für einen Beruf entscheiden, wo man sein Leben lang den Leuten ins Maul schaut? Überhaupt Ärzte haben meist den besten Humor, was mich nicht sonderlich verwundert bei ihrem Alltag; die frühere Assistentin hat mir immer die Hand gehalten, was mich sehr beruhigte. Aber in diesem Fall musste mir niemand Händchen halten, weil der Humor mich ablenkte, die beste Medizin, sag ich euch. Hat auch mich schon einige Male gerettet, weshalb ich ja zeitweise selbst zum Clown mutiere, da mir die heilende  Funktion bewusst ist.

Heute vor einem Jahr ging es mir garnicht gut, da sind zeitgleich so schlimme Dinge passiert, ausgerechnet während der Proben zu LULU; mein Vater hatte zwei Herzinfarkte und ich musste ins Ausland, ihn auf der Intensivstation besuchen. Hatte einen Notknopf in seinem Haus, hatte ihn vergessen, ihn zu betätigen, telefonierte, dauerte Stunden, bis man ihn fand, er überlebte. Und andere furchtbare Horrorgeschichten. Alles auf einmal. Ich ging regelrecht auf dem Zahnfleisch. Wenn ich von meiner Theatertruppe nicht aufgefangen worden wäre und ein paar ganz besonders liebenswerten Herren, die ich in dieser Zeit traf, also ich hätte mich ins Bett gelegt und die Decke über den Kopf gezogen. Daher bin ich sehr dankbar, dass es jetzt, ein Jahr später alles ganz anders ist und ich wünsche uns allen viel Gesundheit,  erstklassige Ärzte und viel Lust am Leben.

Ciao!


Sachen gibt’s …

Berlin +++ Newsticker +++ det is Berlin, Berlin …

Ich hatte ja mehrfach das Vergnügen, auf die Theaterproduktion „LULU – die Nuttenrepublik“ unter der Regie von Volker Lösch aufmerksam zu machen, in der ich auf verschiedene Weise mitwirke, zu sehen – voraussichtlich letztmalig *heul* – am 1./2. Juni an der Schaubühne Berlin. Der Titel meines Blogs und manches mehr waren hier Namensgeber, neben LULU von Wedekind.

Aber nun haltet euch schön fest: es gibt  eine zweite Theaterproduktion von Planet Porno „Die Nuttenrepublik“, Premiere am morgigen Donnerstag in den Sophiensälen in Berlin, Regie: Patrick Wengenroth (und quasi Schaubühnen-Kollege von Volker Lösch), der gerade dort mit „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ punktete.

Inwieweit seine Version der „Nuttenrepublik“ überzeugt, die die merkwürdige Trias aus Jörg Kachelmann, Volker Lösch und Alice Schwarzer sowie einen zwei-köpfigen Josephine Mutzenbacher-Chor anleitet, werde ich morgen zur Premiere erfahren. Ich freu mich drauf! 😆


dont miss out

Berlin +++ Newsticker +++

Lulu – die Nuttenrepublik

nach der Urfassung LULU von  Frank Wedekind mit Texten und performt von Berliner (Ex-) Huren, Tantra-Masseusen, BDSM-Actricen, Escorts, Kurtisanen, Sexworker

Regisseur: Volker Lösch

Premiere war 11.12.2010 Schaubühne Berlin

kommende Vorstellungen in dieser Woche und die endgültig letzten Aufführungen dieses grossartigen Theaterstücks am 1. und 2. Juni jeweils 20 Uhr

siehe Querverweis im Sexworker-Forum:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=7051

Schaubühne Berlin/Ticketing

winke, winke euer Goldschwanz

aka
Ariane

click the pic


for my english speaking readers, hookers & friends

First of all I hope you had a wonderful christmas and enjoy your holidays. With some delay I just keep you informed why I couldnt travel to the UK recently. Its because of a theatre play in Berlin „Lulu – die Nuttenrepublik“ (i.e. Hookers republic) after Frank Wedekind with original texts spoken and performed by sexworkers. Many of you know me from the in- and the outside and appreciate for what I stand for and you know I was totally desperate that the play couldnt go on stage in London. But I found a soulmate, the notably german theatre director Volker Lösch and he realised this idea with his fantastic team in a very special manner. Not forgetting the willingness and courage of a dozen independent women we could find formerly or still working in the scene enthralled by this idea. Volker Lösch and his dramaturges cut Wedekind’s play while expanding Lulu’s character with female sexworker voices and personal documents of intimacy. LULU presents the prototype of lolita and femme fatale, subjected to overwhelming projections of changing partners, husbands, so called friends who cross her life’s journey and eliminate her subjectivity initially til her violent death physically by  clashing with Jack the Ripper in the streets of London. Volker Lösch had this idea to add „hookers republic“ (Nuttenrepublik) to the original title by Wedekind after he read through my blog. He knew from the beginning what I mean with the title: the interpenetration of moral rules and prostitution that society, namely spoken „Hookers Republik“, generates and represents. All he did ingeniously was to adjust the timeless questions Frank Wedekind raised more than 100 years ago, linked up with today’s world:

first, how much capable is society to bear „life“, „shamelessness“ and individual „unconditional“ demand of beeing loved, for what LULU stands for,  and second, how many double standards were/are produced by society?

Well, we all went through a lot of work and challenges the last two months but then at the end the premiere and the following auditions were fully booked. Happy ending.

I only show you one pic from the last scene that was made during the last rehearsal;

image copyright protected by Schaubühne * Goldschwanz second from left

its when the choir turns up again after Lulu’s finally death we resurrect to speak out the Goldschwanz Manifesto (it is written by myself and shortened dramaturgical) that reveals, surprisingly for the audience, the political mission and purposes, framed by satirical elements and reminds me of the clouds-choir by aristophanes. Its also to pay my homage to Frank Wedekind and his love of grotesque. The manifesto reveals the ethos of the choir and its true self: truthfulness, love & respect; it was necessarily for me to set a counterpoint against violence and the power of social exclusion. It is also a kind of ‚report by messenger‘ as it is part of the old greek tragedy.

We are 12 women, sexworkers, former and still working individuals, everyone is very special and loveable, together with four more young talented actrices who strenghten the choir with their skilled voices; for me the choir represents solidarity of all sexworkers beyond dividing realities  and most of all we are the citizens as in the ancient greek polis. We are coming from all different backgrounds with experiences from the streets, brothels, escort (agency and independent), porn actrices, self employed masseuses, subs, mistresses; it was a really tough work for all of us, not only that the girls who still working havent enough time for dating and to do their other jobs, studies – the rehearsals took over 7 weeks, 6 days a week, 6 hours a day – but also because we reflect our life long experiences, as women and sexworkers, with all advantages and disadvantages. All of our personal texts and confessions, interwoven in the frame story of the original LULU, are spoken by ourselves in sometimes smaller and larger alternately choirs and the origin of the different statements cant get track back individually (to take care of „voyeurism“ and our protection). Many of the critics in the media conjunct in solidarity with nicks & hacks in german escort and theatre message boards were awful and full of sentiments led by a parochial critic notably known as a coke addict associated with a gruesome narcissistic personality „drop-out“ taken leave of all senses and seek the public eye of the national press, stage granted i.e. Süddeutsche Zeitung and made a fool of themselves.

But we got some very good critics published in well known newspapers like FAZ and channels, radio and tv. Some of the critics werent able to reflect that we didnt fulfill their projections, others criticized we would perform „clichés“, both are miserable and stupid and attested their ignorance and resistance against „realities“. Sorry, we are not willing to fulfill „their“ projections and wet dreams of mindfucking wankers.

We come from all different classes, some more privileged than others, and also from all spheres of the so called adult industry, some of us experienced almost all different fields, we made very different experiences, but we ve a lots in common, as all activists know and we speak out against hypocrisy, violence, discourse and criminalisation (including of our clients). People who argue that we strenghten the victimisation discourse fail in a way, they cant understand that we reflect some of our experiences but also thats of people worldwide; the manifesto is more about self empowerment and how we act  and appear on stage is powerful and confident. We play LULU, a figure, that inherits a part of our experiences. Some critics speak about „performing clichés“ but we are not blamable if many of us become victims of criminalisation, abuse, violence and stigma. The origin doesnt lie in ourselves but in withhelding our rights, societies who outlawed us. Hailing to the german critics with the words of Sadie Lune, performance artist and former sexworker, slightly modified: „Stop punishing me (us) just because you may not be able to imagine being me.“ I think I ll translate the manifesto so that you can read and distribute it on message boards. Time has come to stand together, respectful clients together with self-determined working girls to enjoy most of our time we spend together safely for both sides.

Forthcoming auditions start from january the 20th and early february at Schaubühne Berlin. If you speak german and love theatre, the discussion between high & low culture makes you boring and you are used to think independently then let me know when you are in town to organise a ticket or to have a chat & more thereafter.

My next trip to UK has not been scheduled, because of the weather and my favourite destination in Kent has gone. Email me and I let you know asap when I m back in London or I sort it out according to your plans & schedule. Before then I m staying in Berlin and I m available by request!

I wish you a lovely new years eve whereever you are and send you warmest greetings from Berlin (temperature is at its lowest -10 to -15 degrees) brrrr …

hugs & kisses, yours

ariane aka fraulein goldschwanz

post scriptum:

uups, I missed the words „bigotry“ beside hypocrisy, sorry I forgot … he he .. PISA critics you are condemned to hell!


„Club Mindfuck: willst du auch kommen?“

die wechselseitige Durchdringung von Bürgertum und Prostitution, dazu kann man etwas im Theaterstück Lulu – die Nuttenrepublik erfahren, wo sog. Prostituierte, also Sexarbeiterinnen aus allen Sparten des Gewerbes Theater machen, also Kunst; umgekehrt, wo Kunst und Prostitution sich durchdringt, Künstler sich prostituieren, ist im Projekt „Date an Artist“ zu bestaunen. Künstler installierten den „Club Mindfuck“ im Direktorenhaus Berlin Mitte, und simulierten Bordell-Interieur, wo Besucher zu einem symbolischen Entgelt die Möglichkeit hatten, einige Minuten mit Künstlern zu sprechen und etwas „private time“ mit ihnen zu verbringen. Die Aktion lief Mitte November und sollte ein provokatives Zeichen setzen, um auf die Situation der Mehrheit von Menschen aufmerksam machen, die im künstlerischen und kreativen Bereich arbeiten, wie auch die Besucher mit traditionellen „Mindsets“ und Vorurteile gegenüber Künstlern, die nach wie vor in der Gesellschaft existieren, konfrontieren. Es handelt sich um ein fortlaufendes Projekt und für Kooperationszwecke werde ich mich sofort an Puffmami Minnie oder Trixie wenden.

Schönes Wochenende!


Lulu – die Nuttenrepublik: Impressionen

Szene

Foto Heiko Schäfer ©

Bühne

Foto Heiko Schäfer ©

Goldschwanz ©

Das Goldschwanz Manifest/letzte Strich-Fassung, im Chor gesprochen

Wir verkünden hiermit
feierlich
die Gründung der United States of Angels
ein exterritoriales-denationales globales Sexwork-Regime
im Namen der Muschi-Partei
und der International Sexwork-Rights-Movement

Die Muschi-Partei wurde bereits 2005 gegründet
und ging 2008 eine Koalition mit der Pussy Labour Party ein
Nach heftigen Konflikten mit rechten Feministinnen vertreten wir
zusammen mit der Angel Guerilla
der Vanilla-Sex-Party
der VGSS – der Vereinigung durch schlechten Sex / Geschädigter
und der VBM
die Vereinigung befreiter Mösen
den globalen Anspruch
unsere Interessen selbstständig und selbstbewußt
zum Ausdruck zu bringen

Eine echte Befreiung der Sexualität hat nie stattgefunden
und dies ist Grund allein
warum Sexarbeit auch in der Gegenwart
eine globale Realität ist
Wir plädieren für ein libertär-libertinäres Triebverständnis
wir stehen auf
für einen liberalisierten Umgang mit Sex und Erotik im allgemeinen
und bezahlten Verkehr

Die Risiken sexueller Dienstleistungen tragen üblicherweise
Wir SexarbeiterInnen allein
Trotz des deutschen Prostitutionsgesetzes
ist die Arbeitswelt und das soziale Umfeld
weiterhin von penetranter Diskriminierung
Stigmatisierung und Kriminalisierung durchdrungen

Wir erklären hiermit

erstens
daß die Menschenrechte und Menschenwürde
für jeden bedingungslos gelten
ob Escort oder Straßenhure
eine Hure ist ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch

zweitens
das sexuelle Selbstbestimmungsrecht
aller Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen

drittens
die Rede Reise Versammlungs- und Niederlassungsfreiheit
aller Sexarbeiter in einer globalisierten Welt

wir fordern die globale Umsetzung
des Brüsseler Manifests der europäischen Sexworker von 2005
die Entkriminalisierung und Rechtssicherheit
für alle am bezahlten Verkehr Beteiligten
Verbote führen zum Gegenteil
ein Abdriften in den Untergrund
und verstärken die Verwundbarkeit der Sexarbeiterinnen weltweit

Wir weisen nachdrücklich
auf die friedensstiftende Wirkung nachhaltigen Triebabbaus hin
innerhalb von Familien
in und zwischen Staaten
die eine selbstbestimmte
und nicht versklavte Sexarbeit mit sich bringt

Wir stehen für die Kultivierung der Lüste
Schluß mit Doppelmoral
und Verleugnung sexueller Fantasien
Erotik und Sex und Liebe sind die Grundlage der Menschheit
und Menschlichkeit
Frauen die damit arbeiten
sind Expertinnen auf diesem Gebiet
nicht moralische Feindbilder und kollektive Sündenböcke

Wir sagen „nie wieder“
und kündigen der Nuttenrepublik
die uns seit Generationen stigmatisiert
den Kampf an
Der Nuttenrepublik
die auf die Durchökonomisierung
aller menschlichen Beziehungen abzielt
angstfreies Leben und Lieben verhindert
und jeder Erotik den Garaus macht

Muschis aller Länder vereinigt euch

Wir plädieren für einen partnerschaftlichen
und lustvollen Umgang im geldlosen und geldvermittelten Verkehr
und erinnern an unsere friedlichen Verwandten
die Bonobos
die Konflikte durch Sex lösen
das Schimpansen-Zeitalter ist zu Ende

Steht auf
für ein befriedigtes Deutschland, für ein befriedigtes Europa, für eine befriedigte Welt

***

Die kommenden Aufführungen im Januar an der Schaubühne.


sülz … wenn keiner zuhört

sülz

Zwischenstand (fortlaufend aktualisiert):

alles andere als Klischee: die politischen Forderungen des unterhaltsamen Goldschwanz-Manifests wurden mal wieder unterschlagen bzw. nicht zur Kenntnis genommen; sämtliche Kritiker raffen es einfach nicht, das es dem Schutz der Sexworkerinnen dient, die im Chor gesprochenen Texte nicht individuell zuordnenbar zu machen, auch indem Texte von Frau X von vielen, oft anderen gesprochen werden; was heisst  „Fehlen der individuellen Figur, die betroffen macht“? Dass eine Hure eine Lebensbeichte ablegt und sich dabei schlecht fühlen muss? Es geht doch garnicht um Betroffenen-Theater.  Wir spielen Lulu, d.h. wir verkörpern die Figur Lulu, zusammen mit der Schauspielerin Laura Tratnik. Und die Texte sind alles Originaltexte von sog. „echten“ Sexarbeiterinnen, die wir gemeinsam sprechen und die mit der Handlung verwoben ist. Einige Kritiker werfen Volker Lösch vor, dass er keine Einzelstimme sprechen lasse, nee er lässt viele Stimmen sprechen. Sollen sie doch mal Bernd Freytag fragen, mal schauen, was er auf diese Frage antwortet. He, he …

Es soll ja Theaterkritiker geben, die während einer gesamten Aufführung schlafen und erst zum Schlussapplaus aufwachen. Anders kann ich mir nicht erklären, dass das Fehlen von Biographischem moniert wird, dabei ist dort Biographisches zu hören, nur eben nicht eindeutig zuordnenbar, dem Schutz, auch der Identität der Beteiligten geschuldet.

Was wollen die Herrschaften denn hören und sehen? Eine individuelle „Leidensgeschichte“, Arbeitsadresse, Body-Mass-Index, Futter für Voyeuristen? Natürlich wurden die Erfahrungen aus der Strassenprostitution einiger Kolleginnen in die Schlussszene eingebaut, bevor Jack the Ripper auftaucht, macht ja Sinn, wurde auch nicht verstanden.
Und das der Begriff Nuttenrepublik garnicht auf die sog. Nutte verweist, wird auch nicht geschnallt.  „Meine Projektion habe ich dort nicht wiedergefunden“, sagt Eberhard Spreng im verlinkten Interview oben;  oooooch, das ist aber schade, dass wir Sexworkerinnen den Herrn Spreng nicht betroffen gemacht haben; da hat er wohl manch durchaus betroffen machenden Text im Spiel und die (absurden?) Forderungen „sog. Betroffener“ im Schlussmanifest überhört. Morgen ist der von Dr. Annie Sprinkle und der Sexwork Rights Movement vor sieben Jahren ausgerufene Internationale Gedenktag gegen Gewalt und Haßtaten an Sexworkern.

Auch wurde an anderer Stelle vom Gründungsparteitag der Muschi-Partei geschrieben; ist sachlich falsch, Zuhören oder ein Blick ins Programmheft kann nicht schaden. Und den Vorwurf, sog. Freier lächerlich zu machen, lasse ich auch nicht gelten, wenngleich zwischen Lulus Lebenspartner und Freunden gewisse Parallelen zu den differenzierten Beschreibungen von Kundenverhalten bestehen. Selbstverständlich gehört Jack zum Typus 2, dem Grenzüberschreiter und Macht-Menschen.

Einige mir völlig unbekannte Herren sprachen mich nach den Aufführungen persönlich an und sagten mir unabhängig voneinander, wieviel Zärtliches sie aus unseren Texten herausgelesen haben. Ich war sehr berührt.

Hinzuweisen ist noch auf die  Kritik von Irene Bazinger in der FAZ sowie auf die Kritik in der SZ. Alle anderen „Kritiken“, die ich bislang zur Kenntnis nehmen durfte, sind wirklich peinlich; weniger die Aufführung, die eben keine „Betroffenen“ auf die Bühne stellt und ein Konzept verfolgt, was wohl kaum jemand in seiner Schubladen-Denke begriffen hat.

Nachtkritik: Klarstellung einer Chorfrau

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