Berliner Weisse – eine Anthologie mit Schuss

In Zeiten reproduktiver Unwilligkeit verschwenden die Hauptstädter den Inhalt ihrer kostbaren Juwelen hier und da. Der ein oder andere hat schon das Gezwitscher meines neuen Co-Autoren in diversen Vögel-Foren zur Kenntnis nehmen dürfen und sie aufgrund ihrer Versautheit gelegentlich zensiert oder anderweitig sanktioniert. Nicht bei mir, da in meinem Hauptstadtblog die freie Rede Bedingung ist und keine Maulkörbe im 21. Jhdt. nach meiner Zeitrechnung verteilt werden. Unzensierte, aber mit humorvollen Kennerblick geprüfte Geschichten aus dem Berliner Underground werden nun in loser Folge hier erscheinen und ich beginne mit einer Anthologie bislang unveröffentlichter Texte und Zustandsbeschreibungen des mir derzeit liebsten und persönlich bekannten Autoren Suizido, dem es gelingt, pornografische Erzählungen mit dichter Milieu- und Stadtlandschaftsbeschreibung zu kombinieren, um so seinen Lesern einen tiefen Einblick in die niedersten und triebhaftesten Abgründe der Nuttenrepublik zu gewähren. 😉 Ergänzt wird diese Sammlung um Film-, Fernsehkritiken, Berichten über den ein oder anderen Mega-Event, Messebesuche u.a.

Ich danke Herrn Suizido für die Autorisierung und Freigabe seiner unterhaltsamen Stories. Hier sei noch anzumerken, dass seine persönliche Vorliebe dem Bukkake gilt, allein oder in einer Gruppe und natürlich mit wechselnden Spielgefährtinnen. Und Freudenspenderinnen, die ihren Lebenssinn darin erkannt haben, das Glück des anderen Geschlechts sitzend, liegend und stehend vollkommen zu machen, nun ja, davon gibt es in Berlin so einige …. eben meine Mitstreiterinnen, die sich wie ich loyal für das Wohlergehen unserer Bürgerschaft einsetzen und nicht nur Entscheidungsträgern bei ihren Entscheidungen helfen, sondern auch klassenübergreifend denken, handeln und vögeln.

Ich freue mich auf die Kooperation und heisse Suizido, Spermaholiker aus Leidenschaft und radfahrender Reporter, aufs herzlichste im Oral Office willkommen. Manche werden hierin eine unheilige Allianz aus eigenwilliger Escortnutte und wählerischem Wichser vermuten. Recht haben sie. Also Sperma frei für die Erstveröffentlichung – es wird scharf geschossen!

Ariane

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SUIZIDO

sie macht’s auf ihre Weise mit Schuss

„Der Insulaner mag keen Getue nich“, heißt es in der Textzeile eines Berliner Gassenhauers. Nie stimmte der Refrain besser mit der Wirklichkeit überein als heute. Denn just an jenem Ort, dem Insulaner, eine asymmetrisch aufgeschüttete Hügellandschaft, die man aus dem Trümmerschutt des zweiten Weltkriegs aufhäufte, bietet der Ehemann zu schummriger nächtlicher Zeit um 23:00 Uhr seine Gattin zum Vollwichsen an. „Ich benötige nette gepflegte Kerle ab 45 Jahren, die ohne viel Gerede ihre Schwänze auspacken, loswichsen, um schussendlich auf ihre dicken 80 DD Titten zu spritzen!“ Eine finanzielle Gegenleistung sei nicht vonnöten, denn man mache dies aus purer Geilheit. Anfassen sei jedoch nur nach höflicher Nachfrage in Ausnahmefällen erlaubt.

Mit einer leuchtend roten Warnweste um den Oberkörper schwinge ich mich auf mein Fahrrad, um die halbe Stadt bis zum Insulaner zu durchqueren. Es ist Sonntagnacht. Eine Uhrzeit, in der viele Ehepaare, die schon länger zusammen sind, ihren pflichtgemäßen, wöchentlichen Geschlechtsverkehr vollziehen, meist mehr aus Gewohnheit und um sich nicht völlig auseinander zu leben. Der andere Teil der Gesellschaft mummelt sich frühzeitig ins Bett oder ist längst vorm Fernseher eingeschlafen, denn morgen ist wieder ein harter Arbeitstag, der leider wieder stahlharte Nerven statt eines stahlharten Schwanzes verlangt. Während meines Pedalstretens sinniere ich darüber, welcher verheiratete Mann wohl am Sonntag um 23:00 Uhr die Möglichkeit sieht, sich alleine außer Haus zu begeben. „Ich geh nur mal schnell Zigaretten holen“ … da wird doch jede Frau misstrauisch. Als ich gut eine Viertelstunde vor der Zeit am vereinbarten Treffpunkt ankomme, bin ich die einzige Menschenseele, die per pedes unterwegs scheint. An der Ecke Munsterdamm, Prellerweg fahren lediglich Fahrzeuge zügig in Richtung Autobahn oder haben noch den entsprechenden Speed drauf, weil sie gerade von dort runtergefahren sind. Kein weiterer Mitspritzer zu sehen, der die verlockende Annonce auf dem Forum der Wichsfreunde las. Kein Ehepaar, dass hocherfreut die Männer willkommen heißt. Um 23:05 Uhr fallen mir ein graumelierter Herr und ein Mann im Jogginganzug auf, die mit einem Selbstverständnis und mit einer Schnelligkeit in den dunklen Wald des Insulaners schreiten, der mich vermuten lässt, sie gehen öfter mal … einfach so … nachts in den Wald.

Irgendwie freunde ich mich schon damit an, bald ein Frustbier in der nächsten Kneipe trinken zu gehen, da erblicke ich von Ferne ein Paar. Beide komplett in schwarz gekleidet. Die Straßenlaterne bescheint seine Glatze, während ich von ihr lediglich einen langen Mantel wahrnehme, der im Wind flattert. Sie kommen geradewegs auf mich zu, sie tuscheln noch etwas miteinander, dann machen wir uns bekannt. Marcus übernimmt sofort die Regie, lässt keinen Zweifel aufkommen, wer hier Master und wer Servant wäre. Er der Dominante, sie die Devote. Da wir uns in der Öffentlichkeit befinden, handelt es sich bei der Ehefrau von Marcus eigentlich um eine public servant, wenn das nur in der Übersetzung nicht was ganz anderes heißen würde – nämlich Staatsdienerin. Aber in gewisser Weise ist ihr Tun ja für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt und ihre Liebe zum männlichen Höhepunkt ein befriedigender Dienst am Mitbürger, der die arbeitende Bevölkerung zum Weitermalochen, zum Weiterleben motiviert. Weil das Leben eben doch ab und an noch ein paar Highlights bereithält.

Wir stellen uns gegenseitig vor. Die beiden Herren, die ich schon wahrnahm, gehören tatsächlich zum Flashmob, der sich hier nach dem Internetaufruf versammelte, um ein Zeichen gegen verklemmte Sexualität zu setzen. Mitten in der Nacht. Mitten im Wald.

Wir gehen den asphaltierten Hügel gemeinsam hinauf. Für Christine ist das mit ihren hochhackigen Stiefeln gar nicht so einfach, weil die Wegstrecke alles andere als eben ist. Es geht vorbei an den Betonbahnen der Minigolfanlage hoch hinauf auf ein rundes Plateau, dass von Parkbänken umrandet ist. Die Augen gewöhnen sich erstaunlich schnell an die Dunkelheit und man kann trotz der Dunkelheit mehr sehen als man es erwarten könnte. Das liegt allerdings auch an dem glitzernden Himmel, dessen Sterne heute besonders hell zu strahlen scheinen, weil sie die begeisterten Voyeure des nun folgenden Schauspiels sein dürfen.Marcus weist seine Frau an, sich vom Mantel zu befreien. Christine tut es demütig. Marcus motiviert uns drei Männer, sie abzugreifen. Wir tun‘s. Er übernimmt die Regie, seine Frau lässt sich vertrauensvoll führen. Es ist diese Symbiose aus aufrichtiger Liebe und spielerischer Machtausübung, die uns drei zufällig Auserwählten sofort in den Bann zieht. Die Atmosphäre ist ungezwungen, wir sind im Nu ein Team, dessen devote Königin Christine ist.

Marcus sucht in der mitgebrachten Sporttasche nach dem Dildo. „Soll ich aus dem Licht gehen?“, scherze ich in der Finsternis herum. Er findet, was er suchte und die Vergnügungen nehmen seinen Lauf. Christine löst im Stehen ihre Ganzkörper-Netzstrumpfhose, die sie wie ein Stück williges Fleisch eng umschloss und legt damit ihre wunderbar griffigen Titten frei, wo die drei Herren keine gesonderte Aufforderung für brauchen, um beherzt zuzugreifen. Umso fester der Griff, umso mehr ihre Nippel gezwirbelt werden, umso lauter vernehmen wir mittels Stöhnen eine unüberhörbare Begeisterung Christines. Ihr Herr nötigt sie, ihren Slip runterzuziehen und uns richtig ihren Arsch rauszustrecken. Sie tut es. Und jeder kann nun am eigenen Stinkefinger spüren wie feucht sie schon ist. „Los, holt eure Schwänze raus!“, gibt der Meister uns jetzt mal eine Anweisung.

Er schiebt den Dildo in ihre Vagina und lässt dann jeden der drei Männer seine Frau mit diesem Dildo die Erregungskurve steigern. Christine stöhnt laut auf und genießt bar jeder Scham ihre zunehmende sexuelle Aufruhr. Währenddessen breitet er fürsorglich eine Decke aus, die man aufgrund ihrer hässlichen Muster wirklich nur noch für solche Zwecke verwenden kann. Christine hockt sich hin, bekommt den Dildo tief in ihre Vagina geschoben und es beginnt eine wirklich pornofilmreife Szene, in der sie zunächst alle Männer mit wirklich gekonnt, erfahrender Hand wichst, was sie so gut versteht, dass der Mann zu meiner Linken und ich um kurzen Einhalt bitten, um nicht vorschnell das Finale zu verhunzen. Überraschend weist sie ihr Meister zum Blasen an, ergreift mit beiden Händen ihren Hinterkopf und delegiert sie an unsere hochstehenden Schwänze, die sie tief bläst. „Macht sie das denn gut?“, fragt Marcus in die Runde. Eine wohl eher rhetorische Frage, denn die Hodenfracht verlangt schon lange nach frischer Luft, weil der Druck einfach zu groß wurde.

Der Meister erlaubt ihr zum Höhepunkt zu kommen und legt selbst Hand am Dildo an. Drei wichsende Männer in unmittelbarer Nähe erleben einen weiblichen Orgasmus, den das Himmelzelt so wohl auch nicht so häufig zu Gesicht bekommt. Wir sind schwer begeistert. Und als uns Christine ihre Titten zum Abspritzen hinhält, bekommt sie es zweimal von vorne und einmal von hinten. Der Druck war groß, das Sperma musste raus und die freien Stellen waren begrenzt. Christine lobt meinen Parkkollegen ob seiner verspritzten Menge. Ich verkleckere mich auf ihrer linken Titte, wo alles ziemlich glitschig herunter rinnt. Leider haben es zwar die Augen verstanden, bestens mit den dunklen Lichtverhältnissen klar zu kommen, dennoch sieht man seinen eigenen Spermastrahl vor lauter Finsternis nicht. Das einzige Manko dieser Aktion.

Locker und gesprächig ist unsere kleine Gruppe postorgiastisch. Christine sucht ihren Slip – zunächst vergeblich. Wir packen unsere Schwänze ein, während Christine mein Taschentuch zur Spermasäuberung annimmt. Marcus missfällt`s. Sie bettelt ihn an, das Taschentuch benutzen zu dürfen. Und nachdem sie genügend und aufrichtig genug bettelte, erlaubt der Meister ihr es zu benutzen. Das Paar spielt ihre Rolle vor uns einfach perfekt. Absolut authentisch. Und dabei, was mir besonders gut gefiel, mit einem beiderseitigen Einfühlungsvermögen, was man sonst kaum in länger andauernden Beziehungen erlebt.

Wir laufen den Hügel hinab. „Ich sehe Licht“, ruft Christine, als wir fast die Hauptverkehrsstraße erreichen. Wir verabschieden uns respektvoll voneinander. Passend zum spontanen Spritztreffen mit einer Unbekannten, bei der sie von uns Weißes bekam, schenke ich Christine und ihrem Mann Marcus zwei Flaschen Berliner Weisse mit Schuss. Diese geile Frau verdient eine Massenbesamung von Männern, die Christine in all ihrer Besessenheit zu schätzen weiß. Und was macht das Pärchen jetzt? Marcus lässt durchblicken, dass es für ihn nichts Schöneres gebe, als seine Frau jetzt richtig durchzuficken. „Das muss sein“, bestätigend vorfreudig Christine. Erst teilt er seine große Liebe mit der großen weiten Welt und dann will er sie wieder allein für sich.


Michel Houellebecq loves Whores

Kürzlich ist der neue Roman von Michel Houellebecq „Karte und Gebiet“ erschienen und er bekam in Frankreich die höchste Auszeichnung für Literatur, den Prix Goncourt verliehen. Glückwunsch nachträglich!

Ein User aus unserem Sexworker-Forum war so nett, mir den gewünschten Auszug aus seinem Beitrag zum Interview mit Houellebecq im Kölner Stadt Anzeiger vom 12.4.2011 zur Verfügung zu stellen. Es kommt selten vor, dass sich prominente Herren öffentlich zum Thema Prostitution äussern und dazu stehen, dass sie Escort-Girls sehr schätzen.
KStA: „… In Ihrem Buch schreiben Sie nur noch über den Hintern von Afrikanerinnen beim Gebet oder den Aufpreis für Analverkehr bei Prostituierten. Neuerdings nennen Sie sie Escort Girls…“

MH: „Die gibt es in Ländern wie Frankreich, wo die Prostitution verboten ist, im Unterschied etwa zu Deutschland, wo es noch Bordelle gibt. In Paris arbeiten sie mit Telefon und Internet. Das mag ich eher. In dem Buch geht es dem Escort Girl auch gut.“

KStA: „Hat die Prostitution also auch gute Seiten?“

MH: „Nur gute. Zum Glück gibt es sie.“ …

Offensichtlich kennt MH noch nicht die deutsche Szene, die ja nicht nur aus Bordellen besteht. Vielleicht sollten wir ihn mal nach Berlin einladen inkl. Redlight Tour. Ich mache auch gerne den Tour-Guide für den Herrn Houellebecq. *g*


update travel

Hey folks,
pls check out my travel site for availability. I m staying in Berlin the forthcoming months to join the theatre project LULU that goes on stage december 11th at Schaubühne Berlin.

Therefore I ve no time to travel, just a couple of days only to join an event in New York. THE RED UMBRELLA PROJECT – Stories of Sex & Money hosted by Audacia Ray

horizontally
yours
Goldschwanz


whip smart

Leider nur in englisch. Interview on NPR with the author Melissa Febos of „whip smart“; the discussion around this book you can follow on Bust magazine check out my older blog entry


Leben als Performance

obituary

mourning

Ich traf Sebastian Horsley das erste Mal während der „Stop the Traffic“ Demo 2009 (Traffic doppeldeutig; Strassenverkehr/Menschenhandel), als wir den Piccadilly Circus lahmlegten; dies als Auftakt eines mehrtägigen Events der Sexworker Open University in London. Sebastian, ein bekennender Liebhaber von Sexworkern aller Couleur, die er Zeit seines Lebens aufsuchte, lebte sein Leben in der Tradition des exzentrischen Dandyismus eines Oscar Wilde und Lord Byron, wie es sein deutscher Verlag betitelte, war charmant, klug, gewitzt, sarkastisch, melancholisch, sensibel, zornig und bezeichnete entsprechend seine Autobiographie auch als Dandy der Unterwelt. Sein turbulentes Leben endete nun prompt im jungen Alter von 47, er verstarb vorgestern an einer offenbar ungewollten Heroin-Überdosis in seiner Londoner Wohnung; am 9. Juni hatte übrigens das gleichnamige Bühnenstück Premiere, das bis zum 10. Juli laufen sollte, dies wurde nun ausgesetzt, weil Sebastians Doppelgänger Milo Twomey und die Crew des Soho Theatre die schockierende Nachricht erstmal verarbeiten müssen.

Sein Wunsch, in den Armen einer Prostituierten zu sterben, erfüllte sich nicht. Seine Autobiographie, die zunächst in England, im letzten Juli auch in Deutschland herausgebracht wurde, ist wirklich ein Knaller; übrigens gewidmet allen Rachels, damit meinte er seine Freundin und alle Frauen, denen er in seinem Leben begegnet war. Ich traf ihn zuletzt während der Buchpräsentation im Café Burger in Berlin, wo er mir meine englischsprachige Ausgabe mit folgenden Worten signierte: „My Dear Ariane, I think we ve met before. Did money change hands? Remember to read this with one hand. lots of love. Sebastian xxx“. Er erinnerte sich an unsere Begegnung in London im März 09, rätselte noch, ob Money zwischen uns geflossen war *lach* ihm hätte ich es auch umsonst besorgt bzw. er umgekehrt mir, er hatte ja in früheren Jahren als Callboy gearbeitet und es wäre sicher ein feiner Tauschhandel geworden.

Jedenfalls lud er mich bei meinem nächsten London-Aufenthalt zu sich nach Soho ein, nur leider kam ich nicht auf seine Einladung zurück, obwohl ich mir jedes Mal fest vornahm, ihn anzurufen, war meine Zeit vor Ort immer so kurz und ausgefüllt, daß ich keine Zeit für einen vergnüglichen Abend fand. Dies rächt sich nun wie auch manches andere, was man zu entscheidenden Zeitpunkten versäumt und unwiderbringlich verloren ist.

Seine Biographie läßt sich am besten als „Philosophy of the Boudoir“ bezeichnen, wie es The Chap bezeichnet hat. Sie ist nichts für schwache Nerven, da er mit einem gewaltigen Rundumschlag ausholte und von seiner Wiege bis heute schnörkellos seine eigenen Up and Downs beschrieb und auch mit seinem frühen Ableben kokettierte. Gewollt hat er es allerdings nicht, die Umstände seines Todes lassen keinen Schluss auf einen Suizid zu, er war sehr heiter und fröhlich in den letzten Monaten, nicht nur weil seine Biographie zur Aufführung kam, und er politisch gegen die Säuberungs- und Gentrifizierungspolitik von Soho mobil machte, auch Aussagen seiner Weggefährten lassen darauf schliessen.

Bekannt wurde er übrigens über die britischen Grenzen hinaus nicht nur wegen seiner Biographie, sondern auch, weil die USA ihm die Einreise „wegen moralischer Verkommenheit“ nicht erlaubte. Er hatte sich als Performancekünstler zuvor auf den Philippinen ans Kreuz nageln lassen und sich zu Drogenkonsum bekannt und dass er gern mit Prostituierten schlief. Übrigens hatte er ein Problem mit „Nähe“, führte meist on-off-Beziehungen und fühlte sich wohl deshalb in den Armen von Huren mit am wohlsten, Begegnungen in klar umrissenen, auch zeitlichen Grenzen, die Intimität und Nähe gewährten, denen aber keine Besitzansprüche von vereinnahmender Natur folgten. Ähnlich gehts mir übrigens umgekehrt und macht Callgirling für mich attraktiv. In der Liebe verliert man zumeist immer, insbesondere Energie, die man als ruheloser und rastloser Mensch, Künstler zum (Über-) Leben und Werken braucht.
I ll miss you Sebastian!!

Sebastian Horsley, performance artist, writer, meinem Bruder im Geiste
* 8. August 1962 † 17. Juni 2010 London


Sein deutscher Blumenbar-Verlag schrieb u.a. über ihn: „Seine Memoiren sind unbedingt lesenswert – denn »sie handeln davon, wie man im Rettungsboot tanzt. Cha-Cha-Cha!« Verena Lugert, NEON

Notiz im Independent: theres-a-fine-line-between-the-rebellious-and-the-farcical-2004813.html


new old books

Diese Bücher muss ich unbedingt haben; kennt die bereits jemand? Oder hat sie als File vorrätig? Fehlen noch in meinem Bücherregal *g*

The Hedonism Handbook: Mastering The Lost Arts Of Leisure And Pleasure by Michael Flocker

find out more here


the "good" and the "ugly"

Heute bin ich über einen interessanten Twitter-Eintrag gestolpert; den ich unbedingt kommentieren musste, auch in Bezug auf die nachgereichten Kommentare, auf englisch.

Sorry my comment was too long for the entry on Bust magazine. Check out the discussion here:
TheGood #SexWorker ‚marginalizes all of the women who arn’t doing sexwork2put themselves thru college‘ (blog comments meanwhile have been deleted)

This article was overdue! but …
I ve recognised since two years now that there are tendencies to segregate not to solidarise within the sexworker-scene itself; its a kind of a monetary class-system inside the sw-scoop, driven and disguised by some virtual clients & sexworkers themselves and at the same time, i.e. more escorts; it reminds me to the german differenciation between mistresses who are touchable und who arent resp. that many believe they are no sexworkers. The segregation you can find more in the virtual battlefields of message boards directed to escort girls and their clients, a lots deny that escort belongs to sexwork and prostitution, esp. escorts who offer bookings from 3 or 4 hrs minimum. In my understanding its a „regime of purity“ to satisfy clients needs; escorts with higher rates and their clients dont want to identify with prostitution resp. „Johns“ & punters. Thats why escorts advertise not only with highest rates but also with exclusiveness, wishlists and sophistication, that must not necessarly exist in real-time. Its to marketing their target-groups. I wish all sexworkers would call higher rates to manifest the worth of intimacy. But in many views sexworkers and punters are „others“, so called hookers or callgirls who do also incalls or bookings with a limited time from 1 hr. They are „cheap“ in their minds and men who ask for a shorter service seem to be the same, in the view of the „highers“ and „longers“. I m a sophisticated, intelligent, self-determined escort girl, inside/outside, I stand up for sexworker rights, I confess publicly to act as a sexworker and their rights, I ve no advantages and because of this kind of coming-out & speech just very few bookings with bright men who are worth to meet; I ve a higher degree and I m proud to say because it was a lot of work, but this was never a reason to look down on others, more the opposite, because I am a sexworker among other activities and I know that its work, in particular because I know the very different fields. I worked as a dominatrix, in brothels, later on in hotels, as a callgirl and independent escort. I solidarise with all sexworkers world-wide: hookers, whores, streetgirls, queer sexworkers, high-middle-low-escorts (?!), women who work in brothels, parlours, flats and so on. I took a stand to show up with my face on the internet and describe myself in my blog as a sexworker and sexwork rights activist. The thing is, my experience is that many clients dont feel attracted to women who act self-determined, intelligent, who confess to be a sexworker, because they dont like the word „work“ in sexwork and dont want deprived of the illusion that escorts just do it for money and not (only) for fun. Its not only the discretion thing … They think that prostitutes/sexworkers just do it for money whereas escorts do it for fun; funny that the rates are on the highest levels on the side of the called high-class-escorts who seem to do it just for fun. In german & british escort message boards I follow these discussions over years and I m really fed up with it. The male virtual logic, so far I could follow, means that higher rates are justified by an understanding of escort as „no work“ and follows the logic that escorts who call higher rates are „pure“ like an angel, not too busy and ve just a very few of clients a month, i.e. 2 or 3 escort dates whereas a callgirl who works also from a flat (in UK it is quite normal because business men are usually very busy and use their lunchbreak and spare time for some relaxation) and offer hourly sessions must be very very busy and therefore are not pure enough and make „it“ just for money. We all know that the reality looks quite different. A lots of women are happy if they have two hourly bookings who do escort just two days a week. The frequency is not dependent from high and low. You cannot quantify high & low and availability. Whereas a so called horny housewife who works professionally just 2 weekends a month, in the sense of availability, a single callgirl with higher rates can may be available 7 days a week with 15 encounters, depends not how she looks like but where she is located, New York, London or Berlin. Ok during the credit crunch all looks the same.

The segregation is also moving downwards, that means a lot of women who work in brothels and do so called quickies or half-hour-services look „down“ to streetgirls and also to their flat-mates from Eastern-Europe, some for racist reasons but more because they struggle; a lots of trafficked girls work with lowest rates and we know that many of them are sex-slaves and earn almost nothing, only their madams and pimps. The impact of dumping rates and recession makes the rates lower and lower so that many sexworkers are struggling, also so called high-end-escort girls. I think the discussion around „sophistication“ is not the point. The point is, that sexwork means foremost money and for the majority existential survival, to feed their loved-ones and not to live a life with luxury goods and Gucci Pucci, thats an illusion. The diaries of callgirls tend to idealise the escort world while the media coverage, abolitionists tend to scandalise. These are the extreme modes how the sexworkers world becomes reshaped in public and virtual life. The question is not if there are other options than sexwork, as commented. Only the sexworkers themselves can answer these questions individually and privately, must not do in public. To say sexwork/escort is just fun, a hobby, sounds in my ears like a marketing strategy to held the rates on a higher level. In my understanding fun & companionship is only thinkable with awareness and has nothing to do with „exclusiveness“.
Of course there are a lot of former sexworkers and allies situated in the „carer-industry“, some for good reasons (i.e. Laura Augustins book „Sex at the Margins“), others more with a kind of help-or missionary-syndrome, offered by institutions mostly organised by abolitionists (reminds me to the rescuer-syndrome by so many clients). But the overwhelming majority I know are self-determined women and men with friends, families, partners, a social network and need not to be rescued. Because self-determined sexworkers are no victims, in contrast to sex-slavery and exploitation, thats are two different shoes usually mixed up.

The question of education:
There are some former sexworkers who work as academics and are now allies of sexworkers and their rights, try to give support as activists, i.e. legal battles. There are women who write books or blogs about the sw-industry also for very different reasons; for some of them it is a kind of mental hygiene or therapeutic writing as it is for me; others want to make some money and finalise their sexworker career with a book and confession. Why not? If they have something new and different to tell … The fewest have the talent to work that issue in a very differentiated way; the most tend to write for a wider audience, fulfill publishers wet dreams and the voyeuristic move of the hypocritical audience who feels attracted to the so called redlight. The hypocrisy works from the inside and the outside; clichés are more marketable than the idea of a self-determined sexworker life.
The real problems are the lack of solidarity and the stigma from the outside, of society, but also from the inside as described above. I think we need all support we can get and I invite all true sophisticated sexworkers with higher degrees to come forward and to articulate; knowledge is a privilege and hard work we can use to follow our targets to support sw-rights; others, on a global space, have not the ability, time and power to fight verbally or legally, they sucked by existential needs. Knowledge is not only a symbolic power and sophistication makes more sense to advertise our needs than high-street-bags & beauty, self-awareness and knowledge is power itself.