Sprachlos

in Berlin. Sorry, bin derzeit etwas ruhig hier, dafür umso rühriger anderswo. Gestern abend habe ich mal wieder ein wenig Krawall gemacht; war für die Eröffnung einer Vernissage als Krawallschachtel eingeladen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Habe tolle Leute kennengelernt und einen Bekannten wieder getroffen, den ich noch aus meiner Heimatstadt kenne. Mit ihm habe ich vor ca. 2 Jahren mein erstes Tape aufgenommen, also ein Performance Tape meiner ersten Schritte in Stand Up Comedy. Ihm habe ich gestern erzählt, dass ich dies an den Quatsch Comedy Club eingeschickt habe und dort die Antwort erhielt, das sei kein Comedy und viel zu traurig vom Thema und so … die deutsche Comedy Kultur ist auch eine völlig andere, als was ich darunter verstehe. Ich langweile mich bei Mario Barth und Co und auch der Fingerzeig und die Volksaufklärung im politischen Kabarett geht mir in Deutschland auf den Keks. Ich mag Stand-Up-Comedy im ursprünglichen Sinne, wo es diese Grenzen garnicht gibt und diese Tradition ist anderswo angesiedelt, nur nicht in Deutschland und Berlin. Ein Escort, eine Frau, die sich über sich selbst lustig macht und dies mit politischen Themen vermischt, darüber lachen eher Londoner oder New Yorker. In Berlin wird meist die Frage gestellt, ist das jetzt eine Rolle, die ich spiele oder bin ich quasi authentisch. Grübel, grübel. Anderswo war und ist jedem klar, dass ich authentisch bin, sonst könnte ich ja nicht so luzide darüber sprechen und auch die bebende und zittrige Stimme manchmal zeugt von einer gewissen Authentizität. Das Publikum gestern abend war jedenfalls sehr wohlwollend und sympathisch; vorher habe ich die Kinder rausgeschickt, Adults only he he … nee die blieben aber, hab auch keine vulgären Kraftausdrücke gebraucht und ähnliches. Jedes Kind oder Jugendlicher ist doch dankbar für Erwachsene, die etwas anders sind. Das unterscheidet die Kindheit und Jugend, wo nicht jede Differenz platt gemacht wird, eher neugierig macht. Es gibt nichts schöneres als mit Kindern, Jugendlichen und neugierigen, offenen jungen Menschen zu kommunizieren. Die stellen immer die richtigen Fragen. Gott sei Dank haben sich diese Fähigkeit auch einige Ältere bewahrt, aber soviele sind es dann doch nicht. Meine Einschätzung.

War jedenfalls sehr schön gestern und ich hoffe, mehr dieser Abende in Berlin zu erleben. Hab auch keine Lust mehr, zum Lachen ausser Landes zu fliegen.

Mehr fällt mir gerade nicht ein, ausser euch ein schönes, behagliches Wochenende zu wünschen.

eure Krawallschachtel


Goldschwanz Award

+++ breaking news +++ Hope everyone had a happy holiday break! +++ Next week I return to my regular availability +++ oral proceedings at Bellevue +++ Goldschwanz prize a collective effort +++
extract of the speech held today

 

Gentlemen!

This week I have the pleasure and privilege to be allowed to deliver the laudatory speech to the prizewinning Gentlemen Clients who will receive the Goldschwanz Triple A Award.

I am delighted that the prizewinning Collective of Gentlemen Clients were able to attend today. The first prize awarding ceremony is being held at China Club Berlin while thousands gentlemen clients are listening through the Internet and all over the planet.

The selection of award winners is based on the criteria of personality, kindness, reliability, trustfulness, function, aesthetic, sustainable and memorable experiences. Furthermore trustfulness and sensitivity are essential companions of each individual encounter that starts right from the beginning with a personal phone chat or a mail request.
The awarding of prize is the result of decision-making of a qualified expert already, by myself, Madame Goldschwanz, founder of the Goldschwanz Foundation for greedy and needy girls and their opponents.

People have been disqualified in the contest if they could not fulfill the criteria mentioned above.

It is an honour for me to hand this prestigious prize to the Gentlemen Clients Collective Worldwide who showed the courage to meet an escort lady like me, a woman that is used to tell the truth and dirty jokes and who is always kept digging into socially sensitive and explosive topics thanks to my strengths and weakness.

Each single man is someone extraordinary with a special character and a sharp intellect, distinguished manners and a respectable citizen of hooker republic.

I may say that each of them share the common interest to explore the highest intimate level and the thirst for knowledge. They don’t live in a box and value independency and difference. They appreciate aesthetics, quality and comfort, invest time and money to find the right one. The gentleman client keeps always in mind that an escort lady is not a living doll and wants to make sure that she is not driven by coercion and offers her services in total free will and independently.

Gentlemen Clients don’t complicate communication, don’t confuse dialogue with interrogation; they keep an eye on hygiene and smell formidable and don’t tend to overintellectualise and questioning authenticity. The one-eyed snake shows them the right path.

With this in mind I say thank you to all participants and I wish you every success in upcoming dates, with or without me, and a cheerful new punting future!

Goldschwanz Award


Breaking News * Vorwärts Muschi!

Berlusconi sucht für seine Partei „Volk der Freiheit“ einen neuen Namen. „Vorwärts Muschi!“ hat bislang die besten Erfolgchancen. Siehe Newsticker hier.

Warum nicht gleich mein Partei-Name, die Muschi-Partei? (aus meinem Kabarett-Programm)  Immerhin hat er bei seinen Bunga-Bunga Parties die Girls immer ordentlich bezahlt. Da will ich mal nicht so sein.;)


Sachen gibt’s …

Berlin +++ Newsticker +++ det is Berlin, Berlin …

Ich hatte ja mehrfach das Vergnügen, auf die Theaterproduktion „LULU – die Nuttenrepublik“ unter der Regie von Volker Lösch aufmerksam zu machen, in der ich auf verschiedene Weise mitwirke, zu sehen – voraussichtlich letztmalig *heul* – am 1./2. Juni an der Schaubühne Berlin. Der Titel meines Blogs und manches mehr waren hier Namensgeber, neben LULU von Wedekind.

Aber nun haltet euch schön fest: es gibt  eine zweite Theaterproduktion von Planet Porno „Die Nuttenrepublik“, Premiere am morgigen Donnerstag in den Sophiensälen in Berlin, Regie: Patrick Wengenroth (und quasi Schaubühnen-Kollege von Volker Lösch), der gerade dort mit „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ punktete.

Inwieweit seine Version der „Nuttenrepublik“ überzeugt, die die merkwürdige Trias aus Jörg Kachelmann, Volker Lösch und Alice Schwarzer sowie einen zwei-köpfigen Josephine Mutzenbacher-Chor anleitet, werde ich morgen zur Premiere erfahren. Ich freu mich drauf! 😆


dont miss out

Berlin +++ Newsticker +++

Lulu – die Nuttenrepublik

nach der Urfassung LULU von  Frank Wedekind mit Texten und performt von Berliner (Ex-) Huren, Tantra-Masseusen, BDSM-Actricen, Escorts, Kurtisanen, Sexworker

Regisseur: Volker Lösch

Premiere war 11.12.2010 Schaubühne Berlin

kommende Vorstellungen in dieser Woche und die endgültig letzten Aufführungen dieses grossartigen Theaterstücks am 1. und 2. Juni jeweils 20 Uhr

siehe Querverweis im Sexworker-Forum:
www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?t=7051

Schaubühne Berlin/Ticketing

winke, winke euer Goldschwanz

aka
Ariane

click the pic


vom Guggenheim in die Bronx

Ich bin jetzt auf dem Weg von Brooklyn ins  Guggenheim Museum, wo die Ausstellung Chaos and Classicism:  Art in France, Italy, and Germany, 1918–1936 laeuft – mehr dazu hier – und anschliessend gehts in die Bronx, wo ich eine Freundin treffen werde, die dort als Streetworkerin in einem Outreach Programm arbeitet. Ich brauche eigentlich nicht ueberlegen, ob ich meine pink- oder himmelblaufarbende kugelsichere Weste tragen soll, da die Bronx groesstensteils gentrifiziert wurde und Gangster dort weitgehend ausgedient haben.

Bis jetzt war ich auch ganz brav, gestern hat es geregnet wie aus Eimern, blieb dann zuhause und habe relaxt, um mich dann auf meinen Auftritt vorzubereiten. Lief alles gut, hatte kein Lampenfieber, merkwuerdig, vielleicht lag es an dem Wodka-Soda, den ich vorher weggeschluerft habe. Totales Rauchverbot natuerlich in NYer Bars, bei meinen Freunden in Brooklyn habe ich das Fenster heute runtergekurbelt und aus dem Fenster gepafft, waehrend singende Kindergaertnerinnen mit froehlichen Kids am Wegesrand vorbeiliefen. Ein kleiner Morgenspaziergang ums Karee muss natuerlich auch sein, nicht nur um mir ein lecker Bagel mit Gefluegelsalat und die NY Times kaufen, marschiere dann, gestern, heute und wahrscheinlich morgen in den ums Eck herum gelegenen Prospect Park, mit Schwaenen, Pferdestaellen, Enten und allem drum und dran. Zur Tarnung trage ich eine Adidas Hose ueber meine Cowboystiefel, um mich sportlich zu geben, klappt nicht, weil ich einen Pelz trage, aber ich gehoere auch nicht zu den armen Joggern, die sich durch saemtliche Parkanlagen quaelen. Weder in Berlin noch sonstwo. Ach ja, Sonntag ist New York Marathon.

Lieber setze ich mich auf eine Bank, schau den doesenden Schwaenen zu und lese Zeitung und geniesse das buntgefaerbte Laub und rieche die frische Luft, waehrend ich gelegentlich an meinem Zigarettchen nuckel und einen Kaffee dabei schluerfe. So ganz kann ich es dann auch nicht lassen. Das liegt natuerlich daran, dass ich eindeutig oral fixiert bin. Schmeckt mir halt, besonders in netter Gesellschaft mit Schwaenen und bei einem Glas Wein. Hach, ich mag diese Umlaute …

In der aktuellen Village Voice Ausgabe, die unter dem Titel „Best of NYC 2010“ steht, werden die Red Umbrella Diary Events als the „Best Way to meet sex workers (for free)“ angekuendigt und erhielt kuerzlich einen Best of Award fuer die besten Podcasts. Ich habe tolle Auftritte der anderen Performerinnen erlebt, z.B. Desiree Burch, die ich sofort in mein Herz geschlossen habe. Witzig und klug, in NY gibt es mehr von dieser Sorte, weshalb ich ja auch hier bin, die Frauen hier sind wie Drogen fuer mich, der Austausch, die gleichen Interessen, intelligente Gespraeche und manchmal eben schoen ordinaer witzeln, herrrlisch ….

Hier ein Schnappschuss von meinem Auftritt gestern Abend

goldschwanz

goldschwanz performanz


Einladung zur Vernissage 12.11.2010

Hier möchte ich gerne auf die kommende Ausstellung von Kathrin Grissemann aufmerksam machen:

„Sex ist Arbeit!“ Portraits in Bild und Ton

10.11. bis 24.11.2010

Ausstellungseröffnung: Freitag, 12.11.10 um 19 Uhr

Pantocrátor  Gallery, Almstadtstrasse 43, 11034 Berlin (Nähe Rosa-Luxemburg-Platz)

bitte dazu hier weiterlesen

mit einem Geleitwort von mir

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Die Vorstellung von Prostituierten und ihrer Bewertung in unseren Köpfen gehen immer Bilderwelten voraus, die historisch und medial im zeitgenössischen Diskurs eingewoben sind. Fast jeder bekannte oder unbekannte Fotograf und Künstler hat sich dem Thema schon angenähert und gleichsam an einem Mythos mitgestrickt, der das Thema Sex als Arbeit überformt.

Kathrin Grissemann hat einen anderen Weg gewählt, sich an das Thema heran getastet und dabei Menschen kennengelernt. In gewisser Weise hat sie die Bildsemantik überwunden, wie sie uns in der standardisierten und massenhaften Verwendung von Abbildungen zum Thema Prostitution und Prostituierten entgegentritt. Menschen wie du und ich kommen zum Vorschein, Frauen und Männer, denen man es nicht „ansieht“.

De-Kontextualisiert, aus gängigen rot ausgeleuchteten Settings herausgelöst, Strasse, Limousine, Pseudo-Glamour, den Farben rot und schwarz, Stigma und Puff, dem allmächtigen Opfer-Diskurs, bringt sie Individuen zum Vorschein, die üblicherweise verborgen als Escort, Callboy, Stripper, Empfangsmodell, Domina arbeiten.

Der gesellschaftliche Blick reduziert Sexarbeiter selbst auf den Körper und die Bildsprache verweist eindimensional auf willenlose Objekte. Sämtliche Medien zitieren in einer Endlosschleife historische Prototypen, die die Hure, Freudenmädchen, Prostituierte seit ehedem konstitutiert und entstellt. Rechte Feministinnen, konfessionsgebundene Verhaltensmuster radikaler Gegner, auch re-vitalisierte patriarchiale Strukturen haben die Deutungshoheit übernommen, eine Allianz, die Sexarbeiter auf ihren Platz verweist, nämlich Opfer und Objekt zu sein.

Die „Prostituierte“ ist Knotenpunkt von Machtverhältnissen geworden, als „Problem“ definiert, die eine Selbstbestimmung im Handeln üblicherweise negiert. Sexarbeiter werden als sexuelle Konkurrenz wahrgenommen, einer Störung im öffentlichen Raum, sie dienen als Forschungs“objekte“ im medizinhistorischen, psychiatrischen, soziologischen, repressiv-feministischen und Rechts-Diskursen, der Drittmittel- und Arbeitsplatz-Beschaffung in der Helferindustrie. Verbote, Kriminalisierung, ökonomische Ausbeutung, Zwang, Abhängigkeit, Menschenhandel bestimmen den Tenor über eine im verborgenen ausgeübte Tätigkeit.

Die Vorstellungswelt, weniger die Realität ist brutal: alle melken sie ab und profitieren von den dämonisierten Sex-Fratzen und willenlosen Opfern.

Eine Tätigkeit, die selbstbestimmtes, verantwortliches Handeln unter Bedingungen strukturell ökonomischer Notwendigkeiten, konsensualer Sexualität, respektvoller Intimität, eine Tätigkeit, die Nähe und Menschlichkeit zulässt – jenseits von Ausbeutung und Zwang -, diese Möglichkeit scheint kaum in Erwägung gezogen zu werden.

Der gesellschaftliche Blick selbst ist es, der Sexarbeit in toto pervertiert, zu einem „Unsittlichkeitstatbestand“ gerinnen lässt und einer Viktimisierung das Wort redet, als self-fulfilling prophecy reproduziert. Ein „legitimate human being“ sieht anders aus.

Dazu die amerikanische Performance-Künstlerin und Sexworkerin Sadie Lune: „Stop punishing me just because you may not be able to imagine being me.“

Not policing the bodies, but „noticing that the diversity of experience is enormous“. Laura Augustín

Die Vielfalt und Verschiedenartigkeit von Erfahrungen, die Mannigfaltigkeit sexueller Erfahrung jenseits privatistischer Ein-ver-leib-ung und Ver-Öffentlichung des Sexes, ein Gedanke, der auch jenseits von Sexarbeit nachdenkenswert ist.