Fundraising & Dating II

Wie in meinem vorletzten Eintrag erwähnt, steht mein Aufenthalt beim Fringe-Festival auf Messers Schneide. Ich brauche jetzt euren Support und Rat.

Ich habe drei Möglichkeiten:
1.) ich nehme teil, wohne in einem wahnwitzig überteuerten Apartment und finanziere dies mit Kurz-Dates, wenngleich die Rahmenbedingungen riskant sind und dort keine Wiederholungstäter im Sinne Second-Timer vorbeischneien werden. Ich bin sprachlich im deutschen wie im englischen bei der Date-Anbahnung sehr geübt und kann anhand der Ansprache im Regelfall einen seriösen Bucher von einem Idioten unterscheiden, wovon es in diesem, unser aller Hobby nicht wenige gibt. Ok, der Begriff Idiot kommt aus der griechischen Antike und bedeutete ursprünglich „Privatmann“, ein Mensch, der sich nicht so sehr um andere Menschen oder gar das Gemeinwesen schert, sondern nur seine Ego-Bedürfnisse, was bei einem Date ins Auge gehen kann. Nach all meiner Erfahrung im P6 fahre ich im Regelfall sehr gut damit, Herren zu treffen, die ich kenne, wenngleich die zunehmende Vertrautheit einen manchmal nachlässig werden lässt, man dazu neigt, zu offen, auch unangenehme private Ereignisse mit ins Date hinein zu schleppen. 😉 Also lieber wenige Herren treffen, die einem bereits gut bekannt sind und gelegentlich mal ein Abenteuer in neue Gefilde denn umgekehrt. Und letzteres wäre in Edinburgh der Fall, mit vielen Risiken und einer extrem aufreibenden Telefonie verbunden, da „neu“ vor Ort auch ziemlich viele skrupellose Leute auf den Plan ruft.

2.) ich nehme nicht teil, aus den im vorletzten Posting genannten Grund. Weil Abzocke im Kunstbetrieb wiegt gleichbedeutend wie Abzocke im Escort & P6.

3.) ich nehme teil und mache meinen Ärger über den Trouble der letzten Woche zum kurzfristigen Thema (meine anderen zwei Programm-Ideen werden nicht vor Ort realisiert) Das Szenario sieht dann wie folgt aus:

Ich kreiere aus der Nummer mit den zu hohen Mietpreisen eine Performance, nach dem Motto ich hole die Menschen dort ab, wo sie sind, hier : ankommen. In diesem Fall ist die Bühne der Flughafen Edinburgh. Ich halte wie die Chauffeure am Ankunftsterminal einen Zettel zwischen meinen Händen vor meiner Brust, worauf steht: Welcome! FRINGE fringes!

Im Sinne „der Saum franst aus“; ursprünglich wurde Fringe (= Franse) als Gegen-Festival 1947 zum Internationalen Festival (metaphorisch umschrieben als Teppich) vor Ort gegründet, also als die Franse vom Teppich: als Gegenprogramm zum elitären Festival, wo nur wenige privilegierte und etablierte Künstler zur Aufführung kommen. Zum Hintergrund bitte diesen schönen Eintrag zum Thema aus 2009 nachlesen. Im Laufe der Zeit hat sich das FRINGE an seinen vormaligen „Gegner“ leider angenähert. Erst progressiv, dann regressiv, wir kennen das alle aus verschiedenen Zusammenhängen.

Bühne I ist also Ankunftsterminal.
Outfit: Dabei trage ich meine letzte Neuanschaffung, ein elegantes, schwarzes Business-Kostüm aus der Winterkollektion (da es in Edinburgh meist kühl ist), das an den Säumen ebenfalls kleine Fransen hat (wie dafür gemacht!), darunter mein neues T-Shirt aus der Swaay-Kollektion mit dem Slogan „Sexworkers are part of our community“ und einen Haufen entsprechender Buttons am Revers (ähnlich der Medaillen am Revers der Veteranen bspw. am Armistice Day *g*.

Konsequenterweise packe ich in mein Handgepäck nur Kernseife, ein paar Slips, Nylons, Wollsocken, einen Schlafsack, Isoliermatte und nächtige auf dem Flughafen. Bis auf das Wechseln von Unterwäsche trage ich durchgehend schwarz.

Mit meinem zweiten etwas grösseren Plakat campiere ich vor dem Flughafen und winke den Touristen nach. Darauf steht:

* Performers can’t let space by affordable rates!
* Credit Crunch force unemployed houseowners and tenants to make extra cash with overpriced accomodation!
* Performing Escort refuses doing sexwork to pay over-billed rents!
* Fight Rip-Offs in Arts & Escort!

auf deutsch zusammengefasst: Schottische Vermieter wiederholen die gleiche Logik, die sie selbst in den Bankrott bzw. in die Arbeitslosigkeit führte und das als Tiger gestartete alternative FRINGE-Projekt ist als Bettvorleger gelandet.

Aus Protest gegen diese kulturellen Perversionen, und an dieser Stelle ist der Begriff wirklich angebracht, besteht meine Performance aus einer 1-Frau Demo am Airport, dies konsequent über drei Wochen.

Wie findet ihr das? Darf ich das? Ironie 🙂 on

Ich brauche dringend Entscheidungshilfe und zwar innerhalb der nächsten 24 Stunden, da ich im Fall 1.) die Kaution anzahlen muss. Und zwar asap.

liebe grüsse
Ariane


Fundraising & Dating

Die LULU-Theaterproduktion, an der ich in London mitwirke, kommt 2010 zur Aufführung; wir konnten zwischenzeitlich den erfolgreichen Produzenten Jeremy Goldstein von „London Artists Projects“ gewinnen, der derzeit ein Stück von und mit Marc Ravenhill bis Ende September promotet (wer erinnert sich nicht an Ravenhills „Shoppen & Ficken“ an der Berliner Schaubühne/Baracke unter Thomas Ostermeier?!). Er schlug vor, uns genügend Zeit zu lassen, um das enorme Potential des LULU Projekts, wie er es einschätzt, zu realisieren und im Vorlauf mehr Sponsoring zu betreiben. Dies hat eine Verschiebung notwendig gemacht. Dazu wird derzeit eine bemerkenswerte Website aufgesetzt, die das Projekt bewirbt. Wir haben bereits die definitive, auch finanzielle Unterstützung vom britischen „Arts Council“ und einiger anderer offizieller Stellen, die allerdings nicht ausreichend sind, weshalb Fundraising & Sponsoring im Augenblick an erster Stelle stehen.

Dazu habe ich meine aktuelle Aktion „Fundraising & Dating“ eröffnet:
von jedem Date in den kommenden acht Wochen werde ich einen Teil abzweigen und sie dem Funding-Topf, also der Finanzausstattung des Projekts zuführen. Selbstverständlich teile ich auch ohne Date den Spendenwilligen alle Details für einen Transfer auf das LULU-Konto per Email mit und setze die Regisseurin Elina Männi davon in Kenntnis (Spendenquittung ist selbstverständlich möglich). Alle Sponsoren werden namentlich auf der angekündigten LULU-Website erwähnt, ob grosse oder kleine Spende, jede Unterstützung ist uns willkommen.
Weitere Infos finden Sie dazu auch auf meinem Nachbarblog „Goldschwanz Ingredenzien“