wenn Frauen gehen können

found this adorable clip on one of my fav sites of Violet Blue

enjoy! and happy weekend!


Kinokritik: Suizido folgt Rachels Weg

Da ich Samstag abend aus den besten Gründen nicht abkömmlich war, konnte ich die Filmausstrahlung von Scarlet Road, auf deutsch: Rachels Weg, mit Diskussion, nicht live verfolgen. Manch einem wird Suizido bekannt sein, der schon allerlei sinnige und hintersinnige Beiträge auf meinem Blog und in Foren veröffentlicht hat. Unzensiert! Er war im Kino und hat seine Eindrücke in folgendem Gastbeitrag verfasst, den ich hier gerne veröffentlichen möchte. Viel Spass beim Lesen!

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Ist doch scheiße, wenn alles Mutti macht

Ein Sonntagsausflug zum Potsdamer Platz, wo mir gleich zwei Spezies zielsicher den letzten Nerv rauben: Touristen und Kinder. Letztere sind in überraschend geballter Kreischform anwesend, weil hier gerade ein Straßenfest zum Weltkindertag stattfindet. Ich gehe ins Cinemaxx, um mir diesen Dokumentarfilm über eine Sexarbeiterin mit der Lizenz zum Dauergrinsen anzutun, die sich auf Klienten mit Behinderung spezialisierte. Es gerät eher zu einem Werbefilmchen in eigener Dienstleistungssache, den gleich hinter mir fünf junge Frauen verfolgen, die ich der Gruppe der Portemonnaiemasseusinnen zuordne. Vielleicht informieren sie sich hier gemeinsam, bei aktuell schwierigem Marktumfeld, über eine gerüchteweise noch unbefriedigte Marktlücke.Ein Vertreter von „Aktion Mensch“ sorgt mit begrüßenden Worten für ein sehr kurzes Vorspiel, worin er sich von einer Gebärdendolmetscherin simultan unterstützen lässt. „Rachels Weg – aus dem Leben einer Sexarbeiterin“. Die Australierin Rachel braucht für ihren Job Einfühlungsvermögen, denn was die behinderte Kundschaft von ihr wünscht, kann die mitunter nicht in Worte kleiden. Die Sexarbeiterin fällt unangenehm mit einem Dauergrinsen und mit einer Damenplauze auf, wobei ich genau weiß, was mich nach einer gewissen Zeit mehr stört: dieses unechte Grienen. Und offenbart so sensationelle Dinge wie „ich massiere meine Kunden von oben bis unten … und ich habe viele Dessous.“Erster heimlicher Star ist ein MS-Kunde im Rollstuhl, der sich nach eigener Aussage selbst nicht als so sexy ansähe, obwohl er ein sexuelles Bedürfnis spüre, was er nun dank der Sexualbegleitung Rachels endlich ausleben wolle. Es gäbe da eben einen nicht zu unterschätzenden Unterschied zwischen pflegerischem und erotischem Berührtwerden. Sogar ihr eigener Lebensabschnittsgefährte, der ist nicht behindert, lässt sich für diesen Film glorifizieren, da er ja mit einer Hure zusammen sei und wie er das nur aushalte. Die Kunden von Rachel sparen mitunter mehrere Monate, um sich einen einmaligen Kontakt mit ihr überhaupt leisten zu können. Die körperlich beeinträchtigte Kundschaft will sich erstmals „sexuell gegenüber einer richtigen Frau ausdrücken“, die Sexarbeiterin will Geld für eine professionelle Dienstleistung verdienen. Der Deal unterscheidet sich nicht wirklich wesentlich gegenüber der klassischen Prostitution. „Ich habe mich so normal gefühlt“, resümiert ein behinderter Klient hinterher selbstzufrieden sein erstes Mal. Und wem beichtet er diese Intimität? Seinen Eltern! Keine schöne Vorstellung.Die Sexarbeiterin inszeniert sich wegen ihrer helfenden Surrogatwichshändchen für Menschen, deren Hände dazu nicht taugen, als Heilige und behauptet bar jeder kritischen Selbstwahrnehmung: „Mein Körper besitzt kein Mindesthaltbarkeitsdatum dafür.“Nachdem die Mutter eines behinderten Sohnes mit ihm seine bevorzugten Sexualpraktiken auslotet, sie ihm eine Sexualbegleiterin zum Geburtstag schenkt und dann das Bett, auf dem der erste Akt des Sohnemanns stattfinden soll, mit Rosenblättern dekoriert, ist der Pfad des guten Geschmacks für mich endgültig verlassen. Nicht bei den eigentlich recht ästhetischen Kaufsex-Bebilderungen mit dem körperlich Beeinträchtigten, nicht bei der merkwürdigen Dämonisierung der Sexkunden, die irgendwie immer im Film mitschwingt. Aber wie die eigene Mutter sich in die Sexualität ihres Kindes einmischt, also da wird’s wirklich unappetitlich. Ein Rollifahrer bringt dies in der anschließenden Diskussion sehr anschaulich auf den Punkt: „ist doch scheiße, wenn alles Mutti macht!“Während der anschließenden Talkrunde bekommen wir die schriftliche Version des frei Geäußerten auf die Leinwand projiziert, wo das Spracherkennungsprogramm keine schlechte Arbeit leistet. Die Diskutanten sind eine Vertreterin der Spastikerhilfe, die Berliner Sexarbeiterin Alexa, engagiert bei Hydra, der ihre Nervosität einen Streich spielt, und der schon erwähnte Rollifahrer als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft selbstbestimmtes Leben schwerstbehinderter Menschen. Das von mir als Höhepunkt vermutete Streitgespräch entpuppt sich als Enttäuschung. Auch weil die Diskutanten gar keine unterschiedlichen Meinungen haben. Doch vor allem weil sie, bis auf den Behindertensprecher, kein Kommunikationstalent dafür besitzen, ihre Ansichten verständlich zu formulieren. Ein Trauerspiel. Die Sexarbeiterin behaart mehrfach darauf, ihre Kunden nicht zu taxieren. „Ich unterscheide sie nicht in kleine und große Ohren.“ Und ist damit eine Sexarbeiterin, die sich das Wort Schwanz nicht auszusprechen traut. Behinderung sei nun mal weder erotisch noch sozial attraktiv, seufzt der Betroffene. Und die Sexarbeiterin weiß den Film auf die ihre eigene Art zu kritisieren: „Mein Gott, die ist doch keine Heilige. Das ist eine Nutte, die mal ihren Job ordentlich machen soll. Die redet nur von Alltagsscheiße … mich kotzt das alles an.“

Eine Sexualbegleiterin, sagt die Frau von der Spastikerorganisation, solle im Idealfall medizinisch wie sozialkommunikativ geschult sein und von der Kasse bezahlt werden. Sex auf Krankenschein? Wer wäre da dann nicht gern behindert?

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Links:

http://www.touchingbase.org/

In der Berliner BZ gab es zum Film folgende Vorankündigungen zu lesen:

http://www.bz-berlin.de/archiv/diskussion-heute-abend-im-cinemaxx-article1547525.html

http://www.bz-berlin.de/aktuell/berliner-helden/voller-koerpereinsatz-gegen-tabus-article1547317.html

PS: wen das Thema Sex und Behinderung interessiert, ich hab im Kaufmich-Blog folgenden Beitrag vor einiger Zeit veröffentlicht


Menschen im Hotel

Keiner verlässt die Drehtür so, wie er hereinkam.


happy old year

Mit diesen Bildern und Tönen verabschiede ich mich von euch aus dem alten Jahr …

Hookers are the Best Roles in Town
by Ellen Fox
in Rotten Tomatoes Show:
rottenTomatoesShow.com

Orgasmo Retardo – Musik des verzögerten & übersinnlichen Orgasmus

thanks to Marc of Frankfurt


Das Mädchen Irma la Douce – gestern, heute

Irma la Douce im gleichnamigen Film von Billy Wilder

Vorgestern lief ja mal wieder einer meiner Lieblingsfilme „Das Mädchen Irma la Douce“ von Billy Wilder, der übrigens als Eintänzer in Berlin der 20er Jahre gearbeitet hat. Eintänzer waren üblicherweise aus der Armee entlassene Offiziere, die so ihren Lebensunterhalt verdienten. Aufgrund ihres ausgezeichneten Benehmens und eleganten Auftreten, waren sie bei den Lokalbetreibern sehr geschätzt. Z.B. in einem meiner Lieblingslokale, das es noch heute gibt, Klärchen’s Ballhaus. In der Musikgeschichte wurde aus dem Eintänzer der berühmte „Gigolo“.

So schreibt Wikipedia über den Film (Korrekturen, in Klammern gesetzte Anmerkungen von mir):
„In der Rue Casanova in Paris werden die Geschäfte des Rotlichtmilieus von der korrupten Polizei gebilligt. Bis der naive Polizist Nestor Patou in den Bezirk versetzt wird, der sofort sämtliche Prostituierte auf die Wache bringen lässt. Unter den Freiern befand sich der Polizeichef, der Nestor nun feuert. Nestor will seinen Kummer in der Zuhälter-Kneipe Chez Moustache ertränken, wo er seine Bekanntschaft Irma la Douce wiedertrifft. Falsch: Als ihr Zuhälter übel mit ihr umgeht, bekommt er von Nestor eher zufällig eine Tracht Prügel. Irma nimmt Nestor mit in ihre Wohnung und bietet ihm an, bei ihr einzuziehen.“
Richtig: Nestor lädt Irma, die regendurchtränkt hereinläuft, um sich eine Pause zu gönnen, auf einen Minz-Tee ein. Ihr Mec, der „Ochse“ genannt, gönnt ihr keine Pause und drängt sie zur Arbeit, Nestor, der sich höflich einmischt, kriegt eins auf die Nuss, läßt sich dies aber nicht gefallen und es kommt zu einer Prügelei, bei der der „Ochse“ den kürzeren zieht, er entmachtet wird und Irma den arbeits- und obdachlosen Nestor zu ihrem Mec ernennt und ihn mit zu sich nach Hause nimmt. Die beiden verbringen einen gemeinsame Nacht und verlieben sich ineinander.

Wikipedia: „Von nun an tritt Nestor als Irmas Zuhälter auf, kann es aber aus Eifersucht nicht ertragen, wenn sie Umgang mit Freiern hat. Er verkleidet sich auf Anraten des Barkeepers Moustache als reicher englischer Lord X und bezahlt Irma 500 Franc für nichts als einige Partien Patience. Sie vereinbaren, sich zweimal die Woche zu treffen, sodass Irma keine Freier mehr annehmen muss. Um das Geld aufzutreiben, arbeitet Nestor die ganze Nacht (über) auf auf dem Wochenmarkt (,während Irma nichtsahnend schläft). Weil Nestor so den ganzen Tag müde ist, vermutet Irma eine nächtliche Affäre. Sie flirtet enttäuscht mit dem Lord, der versehentlich anbietet, sie mit auf sein englisches Schloss zu nehmen. Als Nestor feststellt glaubt, dass Irma den Lord mehr liebt als ihn, lässt er dessen Verkleidung in der Seine verschwinden. Irmas ehemaliger Manager beobachtet ihn dabei und deutet den Vorfall als Mord am Lord. Nestor wird verhaftet, (Moustache) kann aber Irma davon überzeugen, (das Nestor) den Mord aus reiner Liebe begangen (hat). Im Gefängnis erfährt Nestor von Irmas Schwangerschaft und kann mit Moustaches Hilfe fliehen. Sie lassen den Lord wieder aus der Seine auferstehen, sodass Nestor Irma heiraten kann.“

Meine Version der Geschichte: Billy Wilder bringt in seiner amüsanten Komödie mit ernstem Hintergrund, den Konflikt auf den Punkt, wenn Hure und Freier sich ineinander verlieben. Irma ist eine selbstbewußte souveräne Strassendirne; dass sie für einen Loddel arbeitet, scheint für sie normal zu sein und sie offensichtlich nicht zu stören. Sie wirkt zufrieden. Sie erwähnt einmal, daß sie den Stammplatz an der Strasse von ihrer Mutter geerbt hat und macht sich über sie lustig, weil sie sich verliebte, den Job aufgab und schwanger wurde. Irma wurde unehelich geboren, der Erzeuger machte sich davon und die Mutter arbeitete den Rest ihres Lebens im Grossmarkt, um ihre Tochter und sich durchzubringen, und starb verarmt. Alleinerziehend, mit unehelichem Kind war ihr der Rückweg zum Anschaffen versperrt, eine aus Sicht der Tochter bessere Arbeit als sich auf dem Grossmarkt abzurackern.
Organisieren tun sich allein die Zuhälter, nicht die Strassendirnen, die auch eine Mec-Organisation gründen und Nestor ungefragt zum Ober-Mec ernennen, eine Ehre, weil „sein“ Mädchen den besten Umsatz macht, und zwar mit einem einzigen gut zahlenden Stammkunden – nämlich Lord X – . Wenig Kunden, maximaler Verdienst scheint schon hier erstrebenswertes Ziel zu sein. Irma freut sich, dass sie die Zeit zwischen den Terminen mit Lord X einzig und allein ihrem Liebsten widmen kann und nicht mehr auf der Strasse anschaffen muss. Nestor sitzt durch seine Doppelrolle in der Falle und muss durch harte Arbeit im Grossmarkt das Geld verdienen, Rinderhälften und Schweinsköpfe schleppen, um sie als verkleideter Lord X zu bezahlen. Die Verkleidung als einziger Ausweg, „seine“ Irma exklusiv ficken zu können.
Der Zuhälter, der Mec, wie sie in Frankreich genannt werden, taucht selbst in zwei Funktionen auf: als Ausbeuter und Faulenzer. Die Ausbeutung wird seitens der Frauen kompensiert, in dem sie ihn zum Statussymbol selbst machen: elegante Kleidung, Schmuck, jederzeit viel Bares in seiner Tasche etc. Die Frauen finden es „grosszügig“, wenn der Loddel ihnen von ihrem erarbeiteten Geld was Schönes kauft.
Vermeintlichen „Schutz“ gewährt der Zuhälter hier nicht einmal, er wird der Lächerlichkeit preisgegeben, der den ganzen Tag mit anderen Mecs das Geld verzecht und Billiard spielt, weshalb es seitens der Huren auch zu keiner Vermögensbildung und Alterssicherung kommen kann, die der SW nützt. Ähnlich ist die Lage auch in der Gegenwart, daß Huren im Alter üblicherweise verarmt sind. Nur wenigen gelingt der soziale Aufstieg und Vermögenssicherung.
Irma’s Schwangerschaft ermöglicht den „Ausstieg“ (wobei Irma ja im Glauben ist, das Kind sei von einem Kunden, nämlich Lord X, was ihre Heiterkeit und die Liebe zu Nestor aber nicht trübt). Während Nestor im Gefängnis sitzt, verdingt sich die Schwangere als Kassiererin im Grossmarkt. Durch einen gelungenen Gefängnisausbruch mit Hilfe des Multi-Talents und Wirts Moustache, kann Nestor durch „Wiederauferstehung“ von Lord X seine Unschuld zu beweisen, was die Mordanklage hinfällig werden lässt. Die Zukunftsperspektive für Irma bleibt das sittsame Frauchen an der Seite eines designierten Polizisten, der Spielplätze bewacht. Fin. Ein Ausstieg und sozialer Aufstieg scheint in dieser Zeit nur über Heirat möglich zu sein, wenn sich denn überhaupt ein bürgerlicher Mann findet, der kein Kunde ist. Inwieweit sich dies bis heute geändert hat, das muss jede/r Beobachter/In selbst entscheiden, nur soviel: nicht jede SW ist Studentin mit alternativen Handlungsoptionen und wenn sie es tatsächlich ist, gelten hier zusätzliche Sicherheitsmassnahmen – möglichst gesichtslos im virtuellen Strassenstrich auftreten, neudeutsch Sedcards -, die bei Nichteinhaltung umso leidvoller erfahren werden muss und manche Traumkarriere erledigt. Zur Erinnerung: Brooke Magnanti, ehemaliges Escort, die ihre Doktorarbeit auch durch professionelles Dating finanzierte, verwandelte ihren Callgirl-Blog „Belle de Jour“ in einen Kassenschlager, nämlich Bestseller und Verfilmung. Trotz Beherzigung aller Sicherheitsvorkehrungen – z.B. Schreiben des Blogs von wechselnden Internetcafés mit einer zweiten Identität, da sie wußte, daß Kunden und Kenner der Szene ihrer Identität erfolglos auf der Spur waren – wurde sie erst durch die Erpressung eines Ex-Freundes anlässlich ihres Bucherfolgs, der ihr dies offensichtlich nicht gönnte, im nachhinein zu einem erzwungenen Outing genötigt. Glück gehabt, ihr eingeweihter Arbeitgeber und Kollegen standen ihr bei und so kann sie nun in Ruhe als Wissenschaftlerin arbeiten und das Geld, dass sie mit ihrem Bestseller verdient, ordentlich verpulvern.