es steht

Ich bin stolz und glücklich, verkündigen zu können, daß LULU/Nuttenrepublik zur Aufführung kommt. Eine schwierige, sich über zwei Jahre hinziehende Geburt hat nun ein glückliches Ende gefunden.

Es werden allerdings noch Darstellerinnen, Kolleginnen gesucht. Bitte liest euch die aktualisierte Ausschreibung durch und kommt am kommenden Freitag oder Samstag um 12h mittags zur Schaubühne, um den Regisseur und das Team kennenzulernen.

hugs & kisses
euer Goldschwanz


Aufruf: Kunden übernehmen Patenschaften für Huren?

Zur Info, es geht mir nicht darum, mich selbst ins Spiel zu bringen oder Karriere in künstlerischer Hinsicht zu machen (der Arbeitstitel des Projekts war ein Vorschlag des Regisseurs), ich bin Hure und Sexwork Aktivistin (und dafür benutze ich alle Mittel, auch künstlerische), nichts anderes, mich interessieren allein die sozialen Rechte und Sicherheit aller Sexworker, auch Strassenmädels, in Deutschland und überall, und das wir in sicheren Räumen arbeiten können und endlich der schwachsinnige und gefährliche Diskurs aufhört, wie Politiker und Journalisten mit uns umgehen; allein in Österrreich sind in den letzten Monaten viele Kolleginnen ermordet worden, eine Escort Kollegin liegt schwerverletzt im Krankenhaus, in den USA ist aufgrund der Verbotslage und sog. Sittenwidrigkeit auch die Hölle los, wie ich dort bei einer Nuttenkonferenz in Las Vegas lernen durfte, das war alles todtraurig (ich benutze absichtlich den Begriff, um seine Bedeutung zu verkehren). Wer sind denn eigentlich die Nutten in der Nuttenrepublik? In Europa versucht man eine europäische Politik durchzusetzen, die jeden Fortschritt der Sexarbeiter Bewegung rückgängig macht, in Deutschland wird das Prostitutionsgesetz lokal unterlaufen, die Frauen werden regelrecht für vogelfrei erklärt, überall, was ihre Sicherheit gefährdet.
Deshalb ist das Theaterstück so wichtig, weil es eine gewisse Aufmerksamkeit erhält, wenn es denn zustande kommt, und Politik, die auf unsere Kosten Karriere macht, unterläuft.
Es gibt so viele Frauen in aller Welt, nicht nur in Deutschland, die sprachlos sind, die jeden Tag von (korrupten) Polizisten mit Säure übergossen, vergewaltigt werden wie in Indien, oder die man in Outdoor-Cages, also Gefängnissen unter der Gluthitze von Arizona einsperrt, wo sie elendig verrecken; Kolleginnen, die tagtäglich den gleichen Job machen wie wir; an die müssen wir ebenfalls denken.
Und generell geht es um Fragen der Selbstbestimmung und Selbstermächtigung aller Frauen in dieser Welt und Männer, die dies unterstützen, dies nicht unterlaufen und aushebeln, sind unsere Gefährten.
Paysex ist Sex und Erotik und alles, was wir bereit sind, von unserer ganzen Persönlichkeit herzugeben, wir sind – ob 20 Minuten oder 1 Std oder Overnight-Termin – immer ganz dabei; diese Triebbeschäftigung, die der ganzen Gesellschaft und vielen Ehen nützlich ist, kann nur unter Rahmenbedingungen mit Lust und Freude praktiziert werden, wenn man uns Rechtssicherheit garantiert, und zwar allen, auch Frauen am Strassenstrich, die am liebsten auch völlig selbstbestimmt werkeln wollen. Und es gibt keinen Grund, daß manche privilegierte High-Class-Kolleginnen an dieser Stelle die Nase rümpfen, um sich abzugrenzen. Es geht um Sicherheit im öffentlichen Verkehr und das Tabu bleibt weiterhin bestehen, was uns alle auch weiterhin attraktiv macht. Dafür zu argumentieren, daß gemäss des Diskretionsgebots oder dem heimeligen Scham des „Verruchten“ die Missstände weiter unter der Decke gehalten werden und wir deshalb die Schnauze halten sollen, ist eine irrige Auffassung. Das Verruchte wird niemals verschwinden, solange Beisammensein, Sex und Intimität gegen Geld getauscht wird. Alle aufgeklärten Kunden-Männer schätzen selbstbestimmte Frauen, die möglichst frei von jeder Not ihrem Job nachgehen, denn sie wissen, das nur so ein Optimum aus einer P6-Begegnung erzielt werden kann. Auch ihr Gewissen entlasten.

Wer ist eigentlich die sog. feine Gesellschaft, die über uns den Stab bricht? Das sind „wir“ alle, auch wenn wir über manche Kolleginnen lästern – zu billig, zu teuer, Herkunftsfragen, igittigit die Osteuropäerinnen, Südamerikanerinnen, die angeblich die Preise überall kaputt machen, die einfach nur überleben wollen, dem Globalisierungsdruck geschuldet, weil sie in ihrer Heimat kaum überleben können, alle wollen sie ohne Bedrängnis und Abhängigkeiten leben und überleben, nicht nur ein paar handverlesene und selbst ernannte High-Class-Escort-Girls, deren Realität jeder anderen gleicht; wir, die Community von Sexworkern, sind keine Randgruppe, sondern Bürger und Bürgerinnen in der Mitte der globalen Gesellschaft, genauso wie unsere Kunden, die millionenfach tagtäglich unsere Dienste in Anspruch nehmen.

Klar mögen manche nicht den schnöden Begriff der „Sexarbeit“, aber Kunden können daran mitwirken, auf die ein oder andere Art, dass die Arbeit weniger nach Arbeit riecht, sondern Vergnügen. Denn es ist gar keine Arbeit im klassischen Sinne und auch nicht mit jeder anderen sog. Dienstleistung vergleichbar. Es geht um Intimität, Nähe, Wollust, Inszenierung, Befriedigung, ja sogar Glücklichsein, wie ich weiss, und das möglichst auf freiwilliger, einvernehmlicher Basis.

Ich werde mich nun um Patenschaften bemühen, für jede am Theater-Stück teilnehmende Kollegin wird ein Kunde als Pate gesucht, die ihr helfen, die Probenzeit zumindest finanziell abzufedern; die Gegenleistung ist die kulturelle Leistung und die Gewissheit, daß eine Hure, Callgirl, Sexarbeiterin ohne Nöte in einem Theaterstück sich selbst spielen kann, aus Spass, Neugier und nicht zur gesellschaftlichen Belustigung, sondern im Zuge eines Paradigmenwechsels vom Objekt zum Subjekt.

Wir sind kein „Loch“ und austauschbares „Fickstück“, sondern Menschen – geht das bitte in jeden Kopf hinein? – und möchten Gleichen begegnen. Genauso wie wir die öffentliche Definitions- und Deutungshoheit gewinnen müssen und es nicht anderen, unfähigen Journalisten und Verlegern, rechten feministischen Kreisen und christlich motivierten Prostitutionsgegnern, Provinz-Politikern überlassen dürfen, mit uns Politik zu machen, Verleger, die ihre meinungsmachenden Blätter (wobei wir die höchsten Anzeigenpreise blechen für den Schrott an redaktionellem Inhalt), ihre feuchten Träume und Mindfuck qua Bestseller mit uns millionenfach verkaufen und den Profit erzielen, jene, die ihr „Moralmonopol“ auf unsere Kosten anfüttern, sich selber den Heiligenschein aufsetzen und dabei selbst unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen, ihre öffentlich-finanziellen Stellen in „Gut-Mensch“ geleiteten Ein- und Ausstiegsorganisationen mit möglichst wenig Arbeit legitimieren müssen oder als AkademikerInnen sog. Drittmittel für Forschung an uns einwerben, mit Studien „über“ uns und meist darüber, wie „abnormal“ und „geistes/krank“ wir angeblich sind, was bei öffentlicher Lektüre unsere Selbst-Stigmatisierung noch verstärkt. Wer sind denn wirklich die Gesunden, wer die Kranken? 😉

Leider geht es immer um Geld und nicht nicht nur um Spass und deshalb muss man den Begriff Sexarbeit im Munde führen, auch wenn es einige „unpassend“ finden mögen, besonders jene, die „es“ angeblich nur zum „Spass“ machen und dabei durchschnittliche und im Regelfall hart erarbeitete Monatslöhne für ein paar Stunden aufrufen. Ich habe noch keine vergoldete Clit sehen dürfen. Wenn „ich“ will, dann treibe ich es auch kostenfrei. Und manchmal eben per Geld, wie jede Sexworkerin, die sich dazu zählt, frei zugibt.


das Unmögliche möglich machen

Sexworker spielen Theater

wenn ich genügend Kolleginnen finde …

Es ist Zeit, der medialen Präsentation von Sexarbeit, Escort die Stirn zu bieten, all jenen, die auf dem Ticket von Prostitution Meinungsmache treiben, den Opfer-Diskurs beschwören, in der Helfer-Industrie, von rechten Feministinnen und christlichen Würdenträgern, die ihre leeren Kirchen füllen müssen, von Politikern, jenen also, die kein Interesse haben, die Realität, nämlich die Existenz selbstbestimmter Sexarbeit anzuerkennen, jenen, die mit dem Thema Prostitution regelmässig Wahlkampf treiben, keine Problemlösungen anstreben, dafür weitgehend das Prostitutionsgesetz auf lokaler und kommunaler Ebene unterlaufen und somit indirekt die Sicherheit auch steuerzahlender Huren gefährden, indem sie wie bspw. in Berlin im grossen Stil kleine Wohnungsbordelle schliessen und damit die Möglichkeit für Arbeit in geschützten Räumen aushebeln. Dass all jene Politik mit Sexarbeitern machen können, liegt natürlich daran, daß sie meistens in der Anonymität werkeln, keine Lobby haben, mit Stigma und Selbststigma umgehen müssen.
Seit zwei Jahren träume ich von der Realisierung des Klassikers „LULU“, gespielt von Sexworkern, was sich aufgrund von finanziellen Einschnitten im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise in London nicht realisieren liess. Nun, Volker Lösch wagt es und ich bin stolz und glücklich, daß er mit seinem Team der Schaubühne das Thema anpackt. Dazu werden 20-30 Kolleginnen gesucht, die sich diesem Projekt anschliessen möchten. Auch Aussteigerinnen sind willkommen. Auf Wunsch kann eine Frau auch maskiert spielen.

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Hier der offizielle Aufruf des Theater-Regisseurs von Volker Lösch & Team

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Arbeitstitel :
LULU / NUTTENREPUBLIK

Die SCHAUBÜHNE BERLIN – eines der renommiertesten Theater Deutschlands

möchte mit dem Team um REGISSEUR VOLKER LÖSCH

der in den letzten Jahren viele Theaterprojekte mit Profis und Laien inszeniert hat

Frank Wedekinds Drama LULU

mit Schauspielern und SEX-ARBEITERINNEN

Prostituierten, Pornodarstellerinnnen, Tabledancerinnen etc.

in Berlin auf die Bühne bringen .

Dabei geht es dem Team ausdrücklich nicht darum
den bürgerlichen Theaterbesuchern
ein schlüpfriges und voyeuristisches Erlebnis zu verschaffen
sondern einen differenzierten und ehrlichen Einblick
in das vielfältige Leben von Sexworkerinnen zu vermitteln .

Welche Motivationen verbinden Sie mit diesem Beruf?
Erkennen Sie selbst Sexarbeit als Beruf oder Berufung an ?
Wie und wann üben Kunden Macht über Sie aus ?
Wann und wie wird in Ihre Privatsphäre eingedrungen ?
Wie grenzen Sie sich von Kolleginnen ab ?
Nimmt der Konkurrenzdruck in Ihrem Gewerbe zu ?
Wie vermarkten Sie sich ?
Wieviel Solidarität gibt es in Ihrem Beruf ?
Was mögen Sie an Ihrem Beruf besonders, was gar nicht ?
Wie sind Sie aufgewachsen ?
Waren Sie schon einmal in einer gefährlichen Situation ?
Wovor haben Sie Angst ?
Wie stellen Sie sich Ihre persönliche Zukunft vor ?
Was wünschen Sie sich am meisten ?

Solche und ähnliche Fragen werden wir Ihnen stellen .
Sie müssen natürlich nicht auf alle Fragen antworten.
Aus den Antworten werden wir Texte formen
die mit denen aus dem Theaterstück ergänzt werden
und die Sie mit Kolleginnen im Chor – das heißt gemeinsam – sprechen werden.
Die Antworten können ANONYM gegeben werden .

Wenn Sie mit Profis THEATER SPIELEN wollen
wenn Sie mit anderen Frauen über ihr LEBEN SPRECHEN möchten
wenn Sie finden dass es an der Zeit ist
dass Prostituierte mit ALLEM was sie ausmacht
als ganze Persönlichkeiten DARGESTELLT werden sollen
dann sind sie bei uns RICHTIG !

Wenn Sie bei uns viel Geld verdienen wollen
wenn Sie keine Lust haben
über Ihren Beruf öffentlich zu sprechen
wenn Sie sich für Theater nicht interessieren
dann sind sie bei uns FALSCH !

Wir können für die Probenzeit von
MITTE OKTOBER bis MITTE DEZEMBER – insgesamt 8 Wochen
nur ein paar hundert Euro Spesen zahlen.

Wir müssen in den ersten 7 Wochen einmal täglich
entweder vormittags oder abends
jeweils 5 bis 6 Stunden proben ( außer sonntags ).
Die Zeit wird gemeinsam verabredet
es wird wahrscheinlich vormittags bis nachmittags sein .
„Proben“ heißt : miteinander reden
und mit den Schauspielern Szenen entwickeln.
Die Proben beginnen am 20. Oktober!!

Nur in der letzten Woche – vor der Premiere am 11. Dezember
arbeiten wir täglich von 10 bis 14 Uhr
und von 18 – 22 Uhr ( außer sonntags )
um in den Theater-Aufführungsrhythmus hineinzukommen .
Proben sind dann auf der Original-Bühne mit Licht, Ton und Technik.

Die Vorstellung wird dann im Durchschnitt 4 – 5 Mal pro Monat gespielt.
Für mindestens ein Jahr. (Vorstellungsgage 80€)
Es wäre also wichtig, dass Sie im nächsten Jahr in Berlin wohnen .

Das sind hohe Anforderungen.
Wir können Ihnen aber auch einiges bieten .
Das sind unsere Zahlungsmittel :

Eine professionelle THEATER-ARBEIT
mit einem der BESTEN THEATERTEAMS Deutschlands.
Das SPIELEN einer HAUPTROLLE
in einem BERÜHMTEN THEATER mit Vollprofis .
Einen Crash-Kurs in SCHAUSPIELEREI .
Viel SPASS beim Proben, Reden und Spielen .
Das öffentliche Vertreten Ihrer GESCHICHTEN und MEINUNGEN .
Öffentliche AUFMERKSAMKEIT und AKTZEPTANZ .
Und hoffentlich : viel APPLAUS und ERFOLG !

Falls Sie Lust haben
bei diesem einmaligen Projekt mitzuwirken
kommen Sie bitte am Sonntag, den 17. Oktober um 12 Uhr in das Cafe Schaubühne
in der SCHAUBÜHNE am Lehniner Platz in Charlottenburg – Kudamm 153 .
Dort wird der Regisseur mit seinem Team anwesend sein
um Sie persönlich kennenzulernen und einen Theater-Text sprechen zu lassen, um Ihre Stimme zu testen .

Für diese letzte Vorstellungsrunde/Casting melden Sie sich bitte vorab bei Madlen an Tel. No 0171 5553745 an, wir rufen Sie zurück .

Mit freundlichen Grüßen
Volker Lösch und Team


Schaubühne


Landkarte der Lüste

Mein Kollege Schlaufuchs aka Marc hat mal wieder ein schönes Fundstück aus dem Netz gezaubert, gefunden auf Laura Augustins Blog, gestaltet von Franklin Veaux.

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von Sperma als Geheimtinte, Nixohrhasen und der Kraft der Liebe, Obsession und Kunst

Buch und Filmtipps zum Wochenende

Kürzlich entdeckt

Secret kann man durchaus zweisprachig verstehen, also auch als Sekret, da dieses Buch auch über Sperma als Geheimtinte Auskunft gibt. Jeder, der als Kind mit Zitronensaft experimentiert hat, wird möglicherweise als Erwachsener hier eine neue ergiebige Aufgabe entdecken. Mehr dazu hier.

Da ich ja kürzlich erst in Las Vegas war, lese ich manche Nachrichten „selektiv“, übersetzt: bei manchen Stichworten reagiere ich wie der Pawlowsche Hund. So erfuhr ich, daß Nicolas Provost, der belgische Video-Künstler, seine Hand-Kamera auf Menschen und Mengen in Las Vegas hielt, meist geheim aus dem Handgelenk, manchmal mit Genehmigung bekannter Persönlichkeiten, die vor seine Linse kamen. So sieht man in diesem Film den letzten Auftritt des kürzlich verstorbenen und grossartigen Schauspielers Dennis Hopper. Der Film heisst „Stardust“ und spielt mit dem Zusammenschnitt von Realität und Fiktion (wie ich es in meinem Blog ja manchmal auch spasseshalber tue he he), d.h. er schneidet den Ton aus realen Sequenzen heraus und unterlegt sie mit Stimmen meist bekannter Persönlichkeiten aus ganz anderen Filmen, u.a. Robert de Niro, Al Pacino und mixt dies ab, konstruiert einen fiktionalen Thriller. Originell wie ich finde und weshalb Provost in der Vergangenheit auch schon Preise abgeräumt hat.

Mehr dazu im Independent

Nicolas Provost wunderliche Homepage

Ein weiterer Film, der beim Venedig Film Festival zur Aufführung kam, ist „Black Swan“, ein Psychodrama von Darren Aronofsky, in der Natalie Portman als „Nina“ die Hauptrolle spielt, als eine einsame vom Ehrgeiz und Selbstverletzung getriebene Ballerina, die zwischen den zwei klaustrophoben Welten ihrer Garderobe und ihrem, mit ihrer dominanten Mutter geteilten Apartment taumelt. Technisch perfekt lässt sie jene Leidenschaft vermissen, die eine Primaballerina ebenfalls auszeichnet. Gestrickt ist der Plot um die Proben für Schwanensee, in einer rohen und ursprünglichen Version, wobei die harte, kräftezehrende Konkurrenz inmitten anderer Aspirantinnen im Vordergrund stehen. Sie ist nicht nur besessen von Perfektion, sondern auch von einer ihr optisch ähnelnden Rivalin der Company, die in ihrem Temperament jedoch das Gegenteil der kontrollierten Nina ist, ungehemmt und als sexuell frühreif dargestellt wird. Aronofsky scheint eine gewisse Faszination für die schmerzende, körperliche Härte der Hingabe an masochistischer Arbeit zu haben (ähnlich wie in seinem Vorgänger Film „The Whestler“ mit Mickey Rourke), fokussiert auf Selbst-Verletzungen und wie ein Fetischist auf die von Schwerstarbeit gezeichneten Füsse.

Der letzte Film, der mir eine Empfehlung auszusprechen sinnvoll erscheint, und der ebenfalls in Venedig zur Aufführung kam, ist der Film „Miral“ von Julian Schnabel, der als Maler weltbekannt wurde und als Regisseur seit vielen Jahren reüssiert. „Miral“ ist ein von Schnabels Leben selbst biographisch geprägter Film, dessen Drehbuch seine Lebenspartnerin, die palästinensische Journalistin Rula Jebreal, auf der Grundlage ihres autobiografischen Romans geschrieben hat und eine Liebesgeschichte zwischen einem israelischen Mädchen und einem palästinesischen Jungen beschreibt, eine Metapher für die Hoffnung auf einen Frieden in Nahost. Schnabel selbst, obwohl oder weil seine Mutter aktives Mitglied und Präsidentin der zionistischen Frauen-Organisation Hadassah war, setzte sich erst spät mit seiner jüdischen Identität und dem Nahostkonflikt auseinander und schreckte lange davor zurück, Israel überhaupt zu besuchen. Erst das Schlüsselerlebnis, die Begegnung mit seiner jetzigen Lebensgefährtin bei einer Ausstellungseröffnung und ihres persönlichen Schicksals, mobilisierte ihn, sich mit der Geschichte des Nahost Konflikts zu befassen. In den Hauptrollen die palästinensische Schauspielerin Hiam Abbass, die indische Schauspielerin Freida Pinto aus „Slumdog Millionaire“ sowie Vanessa Redgrave und Willem Dafoe, einer meiner Lieblingsschauspieler unter den Lebenden (besonders in „Leben und Sterben in L.A.“, der neben Marlon Brando in „Der letzte Tango von Paris“, den von der Midlife Crisis gequälten Kevin Spacey in „American Beauty“, den in „Taxi Driver“ reüssierenden Harvey Keitel, der auch in „Thelma and Louise“, „Cop Land“, „Smoke“ und „Pulp Fiction“ mein Höschen in Abständen furchtbar nass werden lässt). Also nix Keinohrhasen. „Den“ deutschen Film nach WKII gabs ja nie wirklich, um ihn noch ernst zu nehmen, ausser ein paar versprengten und ausgezeichneten Individualisten, von denen mir auch nur Rainer Werner Fassbinder meinen Verstand rauben konnte.

Ach so, am Wochenende, also gestern und vorgestern gab es „Hurenkino“ in Berlin, ein internationales Sexworker Filmfestival.

happy weekend!


Das Bordell – fordistische Werkbank oder postfordistischer Wellness-Betrieb?

Escort wird zumindest in Deutschland als Randzone privilegierter Sexarbeit verstanden, während sich in Spanien, Frankreich … im anglo-amerikanischen Sprachraum fast alle Kolleginnen so bezeichnen, nur das Honorar differiert. Auch bieten Frauen am Strassenstrich fast überall Escort an, wie ich in Las Vegas besichtigen durfte. In den hiesigen Verhältnissen verläuft die Demarkationslinie in vielen Diskussionen zwischen Strasse, Bordell, Modellwohnung, „Bums-Boxen“ (sorry, der Begriff ist nicht von mir, sondern aus der Schweiz), Wohnmobilen, Zuhause-Agenturen und sog. High-Class und 5***** Hotellerie-Escort. Die überwiegende Zahl an P6-Kontakten findet wohl in den erst genannten Bereichen statt und hier ist zu überlegen, ob und wie gewisse Privilegien nicht auch Einzug in ein selbstverwaltetes Sexworker-Haus halten könnten. Hier hat mein Kollege und Mitstreiter Marc of Frankfurt im Sexworker.at-Forum nicht nur eine Vision, sondern ein praktisches Modell entwickelt, das zeitgemässe Rahmenbedingungen moderner Sexarbeit organisieren könnte. Wellness für alle!
Bitte nicht weinen jetzt, wenn ihr das Wort „Arbeit“ hört oder „Vision“, die so furz-trocken sind. Zum Befeuchten hilft ein Blick auf meine neuen Photos, die ich gestern eingestellt habe.

Das Modell sieht also wie folgt aus:

Zu den Erfordernissen und Umsetzbarkeit im Bereich des Möglichen im einzelnen hier weiterlesen.
Bei Interesse freue ich mich über Feedback bzw. auch an der zitierten Stelle des Forums.

Euch allen einen geruhsamen Sonntag-Abend, was immer ihr auch treibt, und einen guten Start in die Woche!

PS: Weil es gerade so schön passt … When ideas have sex


the apple of your pye

My new voyeurism – hyper realism series went online on my main website. Hope you like it!