Heute ist schon wieder alles anders

Derzeit stürzen wieder soviel Neuigkeiten auf mich ein. Mußte meine Barcelona Reise wg steigender Corona Zahlen absagen, dafür verbringe ich meinen Urlaub in Berlin und reise nächste Woche zu meiner Mutti, die seit 13 Jahren Krebs hat, mittlerweile Palliativ behandelt wird. Zu ihren Gehirntumoren hat sich jetzt auch noch Krebs in der Gebärmutter breit gemacht, wo der Krebs an den Eierstöcken vor 13 Jahren seinen Ausgang nahm. Meine Mutter ist wirklich zäh. Es war für mich zwar immer ein schwieriges Verhältnis seit meiner Kindheit, aber ich habe trotzdem Respekt und Liebe für sie. Sie hatte auch kein leichtes Leben. Montag reise ich in den Ruhrpott, wo wir uns in meinem alten Studentenlokal bzw im Garten dort treffen. Auch eine alte Freundin aus der Kindheit wird vorbei kommen. Sie hat gerade ihre Mutti verloren.

Aber ich düse dann am Dienstag schon zu einer Pressekonferenz in einem Domina Studio nach Duisburg und am Mittwoch zu einem Sexworker Protest auf der Domplatte nach Köln, wo ich eine live Reportage über Instagram und Facebook machen will. Dort werde ich auch das Duft Museum und das 4711 Haus besuchen, da ich ja ein großer Duft- und Seifen Fan bin.

Das ganze wird auch überschattet, weil ich den Kontakt zu meiner Schwester abbrechen mußte, was mich traurig macht. Aber es ging nicht anders. Sonst hätte ich sie besucht. Jedenfalls bin ich durch die Traurigkeit in einen Shopping Wahn verfallen und hab mir ein paar neue Möbel bestellt. Made in Italy. Ich lebe seit Jahrzehnten nur mit gebrauchten Designer Möbeln und sammele die Schätzchen schon mein Leben lang. Schreiben tue ich immer an meinem alten Bauhaus Schreibtisch aus massivem Eichenholz. Ich mag keine Wegwerf Produkte und es tat mir in der Seele weh, als ich meine komplette Garderobe austauschen mußte, weil ich nun fett geworden bin.

Jedenfalls hab ich mir zum Trost ein paar Geschenke gemacht. Leider kann ich mir eigentlich Made in Italy z.B. Prada Mode nicht leisten und laufe wie der letzte Looser rum. Jetzt wo ich Urlaub habe, chille ich den ganzen Tag zuhause in meiner Lounge Ware und lasse alles online liefern. Ich trage einen grünen Kimono, ein weißes Neglige und laufe auf violett farbenen Schlappen rum.

Bei Made in Italy muß ich immer an Zucchero und seine Musik denken und wie ich mit Anfang 20 und meinem damaligen Freund, einem Weinhändler, durch die Toskana und die Emilia Romagna gedüst bin. Dort hab ich den besten Wein der Welt getrunken und italienisches Design gekauft und bin Italien seitdem treu verbunden.

Italien ist durch die Corona Krise ja arg gebeutelt und ich denke in diesen Tagen an meine italienischen Freunde und Aktivist:innen. Deshalb ist es auch eine Geste der Solidarität, italienische Produkte zu kaufen. Auch dort gibt es einen Corona Nothilfe Fonds von und für Sexworker.

Der Berufsverband hat übrigens den Vogel abgeschossen. Ich hatte ja seit Februar Druck gemacht und wir setzten erfolgreich einen Nothilfe Fonds auf. 126.000 Euro haben wir durch Spenden gesammelt und an 400 Sexworker in Not verteilt. Allerdings ist die Krise nicht zu Ende und wir müssen weiter sammeln. Dazu auch unser aktueller Bericht!

Jedenfalls wird mein Mann mit mir schimpfen, wenn die Möbel kommen, weil er denkt, dass ich mein Geld zum Fenster rauswerfe. Aber für mich haben Designer Möbel einen eigenen Wert. Sie sind zeitlos und Sammler Objekte. Es ist gewissermaßen Kunst im Raum und der Anblick tröstet mich in schwierigen Zeiten. Genauso wie italienische Liebeslieder von Zucchero oder Lenny Kravitz, der zusätzlich Design entwirft und auch Interior Design für Hotels ausstattet. Unter anderem für eins meiner italienischen Lieblingsunternehmen Kartell hat er einen Bezug für den Philip Starck Klassiker Stuhl „Mademoiselle“ entworfen. Den Stuhl hab ich auch, nun in zweifacher Ausfertigung in grün/transparent von Ettore Sottsass sowie Leo Print von Dolce & Gabbana, den ich allerdings vom vielen Sitzen am Schreibtisch nach 13 Jahren abgerockt habe.

Generell ist Kunst ein großer Trostspender, weshalb ich auch mit einem Künstler zusammen lebe. Das ist zwar mitunter schwierig, wenn zwei temperamentvolle Menschen, die sich eigentlich nichts aus Geld und sozialen Status machen, aufeinander treffen. Aber für mich bedeutet das Lebensqualität. Ich habe die Freiheit immer der Sicherheit vorgezogen.

Hab mir jetzt Spezialmasken gegen Corona gekauft. Und muß nächste Woche Zug fahren. Ich hoffe, ich komm durch.


Ackermann in Afrika

Wie Ihr wisst, gab es kürzlich die Unterlassungsklage gegen die Ordensschwester Dr. Lea Ackermann, die den Berufsverband Sexarbeit BesD als „Zuhälterlobby“ bezeichnet hat.

Ackermann ist 83 Jahre alt und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, weil sie sich für arme afrikanische Sexarbeiterinnen aufgeopfert hat. Ihrer Mission folgend hatte sie Solwodi aufgebaut, eine Organisation, die sich der Rechte von Frauen verschrieben hat.

Jedenfalls habe ich internationale Kontakte und hab mal einen der führenden Sprecher der internationalen Sexworker Bewegung in Afrika angesprochen, ob er schon mal was von Lea Ackermann und ihrem Kampf um die Rechte von afrikanischen Sexworkern gehört hat. Ja, hatte er. Ackermann war lange in Mombasa tätig. Allerdings hat sich ihre Hilfe offenbar auf das Missionieren konzentriert. Auf die Frage, was Ackermann vor Ort geleistet hat, antwortete mein afrikanischer Kampfgefährte: „Nichts“! Und war verwundert, dass sich Ackermann hier in Deutschland einen Namen gemacht hat.

Also Leute, ich werde da noch weiter in die Story einsteigen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.

Übrigens hat der Anwalt von Ackermann reagiert und gemeint, dass es den Welt Artikel nicht gibt. Also man wisse nichts über den Vorgang des Interviews in der Welt. Seltsam. Ist man mit 83 schon so greise, dass man seine eigenen Interviews vergißt?

Update: jetzt wurde mitgeteilt, dass die Beschreibung „Zuhälterlobby“ für den Berufsverband ok sei. Mal schauen, welche Schritte jetzt folgen.


10€ für eine Hochzeitsnacht

Kürzlich las ich den Erlebnisbericht eines Kunden. Die geschilderten Arbeitsbedingungen einer jungen Frau waren grenzwertig und machten mich nachdenklich, was Preisdumping,  Sprachverständigung und Kontrolle durch Dritte betrifft. Preise, Service und Tabus sollten in gegenseitigem Einvernehmen vereinbart werden können. Bei den beschriebenen Begleitumständen und den Verhandlungen mit einer Agentur hätten eigentlich jedem Leser Zweifel kommen müssen, dass dort alles mit rechten Dingen vonstatten gegangen ist. Doch die Resonanz war gering.

Die Verlängerung des Dates wurde nicht mit der jungen Frau vor Ort vereinbart, sondern über Dritte. Kommandoton und Gebrüll am Telefon, die Erleichterung der jungen schüchternen Frau, länger bleiben zu dürfen … das zu einem Honorar, das auf Ausbeutung hinausläuft: 250€ für 24 Std. Was bleibt nach Abzug der Agenturprovision dann wohl für die junge Frau noch übrig? Oder wurde gar das Geld komplett von der Agentur einkassiert, da von Seriosität keineswegs auszugehen war? Welcher menschliche Preis wird tatsächlich für Sonderpreise gezahlt?

Es wird von einigen argumentiert, dass Niedrigstpreise bei Migrantinnen in der Sexarbeit doch akzeptabel seien, weil dem im Devisentausch ein höherer Wert gegenübersteht, von dem sie sich ein Häuschen in ihrer Heimat kaufen können.

Für mich beschreibt das Beispiel eher Ausbeutung. Ausserdem wirken sich unfaire und prekäre Arbeitsbedingungen auf das regionale Preisgefüge aus.

Wenn wir von Ausbeutung sprechen, müssen wir berücksichtigen, dass alle Wirtschaftsbranchen von Lohndumping und unterschiedlichen Privilegien im Zugang zum Arbeitsmarkt betroffen sind. Billigpolitik in fernen Ländern, deutsche Zeitarbeitsfirmen als Vorreiter des Lohndumpings, Subunternehmertum: Sollen wir grossen Konzernen danken, die ein Vorreiter dafür sind? Wenn nicht die Politik die Rahmenbedingungen für Armutsprostitution schaffen würde, dann hätten wir nur noch „Huren aus Berufung“ im Angebot, die von ihrem Einkommen gut leben können. 

Zu dieser Logik passt auch, dass man XL Leistung zu XXS, also Schnäppchen Preisen erwartet. Ergebnis: manch eine wirbt auch heute noch mit „Preisen wie zu 1977″. 


Als ich mit meiner Mutter im Kit Kat Club war

Ich komme aus keiner bürgerlichen Familie. Ich war die erste Frau, die die Universität besuchte. Manchmal hab ich mich für meine Eltern geschämt, weil sie total peinlich sein konnten. Aber ich hab dann viele andere Eltern kennengelernt, die total spießig waren. Tauschen wollte ich nicht.

Jedenfalls bin ich schon als Kind mit meinen Eltern um die Häuser gezogen und durfte als Kleinkind schon mit in Clubs und Bars. Deshalb hab ich die Urlaubsreisen sehr gemocht. Mein Vater hat ein Haus in Spanien seit der Franco Diktatur, was mir als Kleinkind nicht weiter auffiel.

Einmal hat er mich wieder geärgert und versuchte mich zu fangen, um mich in den Pool zu werfen. Da war ich 4. Jedenfalls ist er ausgerutscht und hat sich auf die Fresse gelegt. Er jaulte vor Schmerzen und ich mußte mitten in der Nacht Hilfe bei Nachbarn holen, die ich nicht kannte.

Einmal ist uns der Zweit Motor vom Motorboot draussen im Mittelmeer abgesoffen und der Erst Motor sprang nicht an. Ich bin dann mit der Luftmatratze über den offenen Ozean Hilfe holen. Normal ist das nicht oder?

Jedenfalls denke ich in diesen Tagen oft an meine Kindheit, vor allem die schönen Zeiten. Meine Mutter ist sehr krank und wir wissen nicht, wie lange sie es noch schafft. Sie hat mich mehrere Male in Berlin besucht. Einmal, als ich noch meine Doktorarbeit schrieb. Ein weiteres Mal, als ich depressiv war, weil ich mich mit dem Wissenschaftsbetrieb überworfen hatte. In dieser Zeit lud ich meine Mutter ins Kit Kat ein. Ihr wißt schon, dieser Fetisch Club in Berlin. Damals war er noch ganz klein und großartig in einem Kreuzberger Hinterhof gelegen. Die Chefin war total cool. Ich habe dort wirklich tolle Parties gefeiert. Auch auf der Toilette.

Jedenfalls war meine Mutter das erste Mal in ihrem Leben in so einem Fetisch Club und hat Bauklötze gestaunt. Vor allem hat sie sich die Prachtärsche schwuler Freunde von mir angeschaut, die Harneß und Chaps trugen.

Meine Mutter war auch immer so etwas wie eine Freundin, weil sie alles von mir wußte. Alle Abgründe. Ich hoffe, sie wird noch lange leben. Demnächst besuche ich sie – trotz Corona. Die Zeit läuft uns gewisserweise davon.

Jetzt geniesse ich meinen Urlaub in Berlin und fliege nächste Woche nach Barcelona. Dort bin ich zu einem geheimen Ritual eingeladen.

Einen schönen Sommer wünsche ich Euch noch.


Recherchen

Wo meine Recherche begann

https://www.ruhrbarone.de/hedwig-porschuetz-die-stille-heldin/174918?fbclid=IwAR1PpxOoTRa4gJ7VYVTnw4eo4WEOvuVj4reRW11CyMhRZdP42W0jlMEWzzw


Black Lives Matter

Also für mich ist die ganze Rassismus Diskussion nix neues. Seit meiner Jugend begleitet mich das. Mein Vater und meine Großmutter, die keinen Freund aus Polen akzeptierten. Ich war trotzdem 4 Jahre mit meinem Norbert zusammen und habe die polnische Küche schätzen gelernt. Mein polnischer Freund machte mir klar, dass man deutsche Frauen zwar fickt, aber nicht heiratet. Heiraten wollte ich nicht, sondern von seiner Familie akzeptiert werden. Es kam nur eine polnische Ehefrau infrage und so trennte ich mich von meiner Jugendliebe. Ich hatte auch einige schwarze und türkische/kurdische Liebhaber, mit denen ich tolle Stunden verbracht habe. Ein nordafrikanischer ONS hat mir damals Filzläuse mit 18 eingeschleppt, aber schön war es trotzdem. Ein Mann war studierter Dolmetscher, ein anderer ein Philosoph aus dem Kamerun und der andere Anwalt in Chicago. Apropos Chicago.

Als Doktorandin war ich 1997 mit einem Stipendium in den USA. Chicago – Boston – New York. Hab ich Euch noch nicht die Story erzählt, wo ich in Downtown in den falschen Zug gestiegen bin und im Ghetto von Chicago landete? Ich bin dort ausgestiegen und hatte in kürzester Zeit den Eindruck, in einem Bürgerkriegsgebiet gelandet zu sein. Ein schwarzer, dünner Jugendlicher stand in Latzhosen an der Straßenecken, neben ausgebrannten Autowracks. Es war damals 38 Grad heiß.

Plötzlich stoppte ein Taxi und der schwarze Fahrer meinte, ich soll schnell einsteigen, weil die Gegend zu gefährlich für Weiße ist. Er fuhr mich dann schnell zu meinem Studentenhaus, wo ich wohnte.

Ich hatte dann 7 Tage eine Depression und der sog. amerikanische Traum war geplatzt. Ein Professor bot mir dort eine Doktorandenstelle an, die ich jedoch ablehnte. Meinen Intellekt an ein Apartheid-System verkaufen? Mit mir nicht. Klar sind die Arbeitsbedingungen für Forscher in den USA weitaus besser als in Deutschland. Aber ich fühlte damals so eine Loyalität zu meinem Land, weil ich mich hier frei und sicher als Frau bewegen konnte. Das hat sich leider geändert. Aber das ist ein anderes Thema.

Viele Jahre später hab ich erst wieder amerikanischen Boden betreten, als ich an einer Nuttenkonferenz in Las Vegas, in der Wüste von Nevada 2010 teilnahm und später Streetwork in New York City machte.

Klar bin ich in den Augen der Gesellschaft sozial abgestürzt, von der Doktorandin mit vielversprechenden Karriereaussichten an der Universität hin zu einer Prostituierten im Billig Puff von Kreuzberg und Neukölln.

Jetzt nach 7-9 Jahren hab ich mich zu einer Journalistin hochgeackert. Das einzige, was ich kann, ist schreiben.


I can’t get no sleep

Manche Leute denken seit Ewigkeiten, daß ich auf Koks sei. Nein, das ist mein Temperament und die Psychopharmaka, die mich ruhig stellen sollen. Hehe nein die moderne Version Psychopharmaka wirkt nicht wie Haldol. Aber man muß schon einige Nebenwirkungen ertragen bis man nach langem Ausprobieren das richtige für sich entdeckt hat. Womit ich beim Thema Seelenheil und psychische Gesundheit bin. Mir persönlich ist überhaupt nicht klar, warum Leute wie ich gesilenced werden, nur weil das Thema Mental Health stigmatisiert ist. Es ist aber wichtig, darüber zu sprechen. Schließlich sind in der Bundesrepublik schon 40% in psychiatrischer Behandlung gewesen. Das scheint also ein Thema zu sein. Ich nehme das Thema auch nicht auf die leichte Schulter. Ich glaube nur, dass es wichtig ist, sich mit dieser Diagnose nicht zu verstecken. Auch wenn man dann mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Ich gelte zum Beispiel als „unberechenbar“, dabei kann ich nur laut werden, wenn ich böse bin, aber sonst tue ich keiner Fliege was zu leide. Wäre ich ein Mann, der poltert und mal auf dem Tisch haut, würde er sein Rollenklischee erfüllen. Da ich aber eine Frau bin, wird das anders gesehen. Ich verhalte mich oft wie eine Butch. Hab jetzt auch ganz kurz geraspelte Haare. Ich brauchte mal frische Luft.

Gestern hab ich mal wieder einen Text veröffentlicht. Bitte lesen. Ist das Wahnsinn oder rational? Ich denke, ich denke durchaus logisch. https://www.mittelbayerische.de/politik-nachrichten/sexarbeit-muss-legal-werden-21771-art1916053.html


Klage gegen die Nonne

Es gibt da draußen gefährliche Prostitutionsgegner:innen. Darunter sehr radikale, rechtsextreme und evangelikale Gruppierungen. Als Sexworker Aktivist:in sollte man wissen, in welches Schlangennest man sich begibt, wenn man öffentlich für mehr Rechte von Sexworkern streiten will. Das wissen alle Sexworker auch instinktiv und halten Distanz wie bei einer heißen Herdplatte. Man muß also als Aktivist:in – auch in Deutschland – aufpassen, daß man nicht ins Visier radikaler Kräfte gerät. Daher argumentiere ich so, wie ich es am besten erachte. Ich teile Kritik an der Sexarbeit/Prostitution aus Gründen, aber man kann keine Politik ohne aufgearbeitete Leidensgeschichte und Traumatisierung machen, da es den Verstand sonst vernebelt. Man muß rational bleiben und darf seine Kräfte nicht in sinnlosen Social Media Auseinandersetzungen mit Ideolog:innen verschwenden. Diesen Rat kann ich nur jeder Sexworkerin mit auf dem Weg geben.

Ich denke häufig an die Sätze von Julie Burchill oder Julie Bindel aus UK. Die Feministin und Journalistin Burchill, die auch für die linke „The Independent“ und die „Times“ geschrieben hat, will alle Sexworker am liebsten an die Wand stellen und erschiessen, weil sie die Interessen der Frauen verraten. Julie Bindel scheint ebenfalls unter Alkohol- oder Drogeneinfluss zu stehen. Dr Lea Ackermann von Solwodi: hier wird seit Jahren die rote Linie überschritten, indem der Berufsverband BesD als „Zuhälterlobby“ diffamiert wird. Trotzdem führe ich/wir jetzt eine Unterlassungsklage gegen diese 83 Jahre alte Nonne, die offenbar im Umgang mit afrikanischen Sexarbeiter:innen ihre Lebensaufgabe und Mission gefunden hat. Auch alte Kriegsverbrecher landen gelegentlich beim Internationalen Menschenrechtsgerichtshof. Alter schützt vor Aufregung nicht. Die sogenannte Rettungsindustrie, die Laura Agustin eindrücklich beobachtet und beschrieben hat, ist mit Vorsicht zu geniessen. Nicht alles was gut gemeint ist, ist gut gemacht.

Bleibt uns mit Eurer Wohltätigkeit vom Hals. Sagte aus guten Gründen schon Kurt Tucholsky.


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©️ photography Merav Maroody Hurentag 2020 Berlin

Mißtrauen

Was Prostitutionsgegner veröffentlichen, interessiert mich nur noch rudimentär. Zu lange hab ich mich damit aufgehalten. Auch Online Aktivismus wird in der eigenen Filter Bubble überschätzt. Hab ich schon vor 10 Jahren geschrieben. Schnarch.

Mich interessieren derzeit eher die Auswirkungen der Corona Krise auf die Sexarbeiter:innen weltweit. Gerade ist folgender Artikel erschienen, der auch sehr interessant ist.

Fazit ist, daß sich jede Regierung in den reichen Industriestaaten einen Dreck um Sexworker in Not schert; auch viele Kunden nicht. Sexworker müssen funktionieren, um attraktiv zu sein. Ansonsten werden sie beiseite geschoben. Trotzdem möchte ich hier noch einmal auf den Nothilfe Fonds des BesD aufmerksam machen. Der Topf ist fast leer, fast 300 Sexworker wurden unterstützt.

Meine Englisch-Kenntnisse sind nicht perfekt. Und mein Bauch zu dick. Das ist das einzige Problem, was ich gerade habe. Und das ich die #blacklivesmatter Bewegung unterstütze. Ich war ja auch einige Male in den Vereinigten Staaten. So was perverses hab ich nirgendwo auf der Welt kennengelernt, außer die Deutschen mit dem Holocaust im Nacken. Wenn ich irgendwo anders geboren wäre, hätte ich in Deutschland Geschichte studiert.

Habt Ihr die letzten Zahlen des BKA gelesen? 65% Anstieg an Kinderpornografie in Deutschland. Was ist da los? Auch der aktuelle Fall Maggie spricht wieder Bände. Also bei Perversionen und Korruption sind die Deutschen immer ganz vorne dabei.

Ich war schon als Kind immer sehr mißtrauisch, wenn ich Menschen begegnete. Insbesondere Deutsche. Die wurden von mir immer auf Herz und Nieren geprüft. Ist ne Macke von mir. Auch bei Aktivisten oder Sympathisanten im Schlepptau mach ich erst einen Background Check. Ein Grund vielleicht, warum nur sog. Ausländer, Leute mit Migrationshintergrund gg, LGBTIQ Leute zu meinem privaten Bekanntenkreis zählen.

Dieses Bild möchte ich Euch nicht vorenthalten. Am 2. Juni fand der internationale Hurentag statt. Die Berliner Fraktion war standesgemäß am Brandenburger Tor. Welches Wahrzeichen für Freiheit haben die Deutschen auch sonst?

In diesem Sinne schönes Wochenende.