Black Lives Matter

Also für mich ist die ganze Rassismus Diskussion nix neues. Seit meiner Jugend begleitet mich das. Mein Vater und meine Großmutter, die keinen Freund aus Polen akzeptierten. Ich war trotzdem 4 Jahre mit meinem Norbert zusammen und habe die polnische Küche schätzen gelernt. Mein polnischer Freund machte mir klar, dass man deutsche Frauen zwar fickt, aber nicht heiratet. Heiraten wollte ich nicht, sondern von seiner Familie akzeptiert werden. Es kam nur eine polnische Ehefrau infrage und so trennte ich mich von meiner Jugendliebe. Ich hatte auch einige schwarze und türkische/kurdische Liebhaber, mit denen ich tolle Stunden verbracht habe. Ein nordafrikanischer ONS hat mir damals Filzläuse mit 18 eingeschleppt, aber schön war es trotzdem. Ein Mann war studierter Dolmetscher, ein anderer ein Philosoph aus dem Kamerun und der andere Anwalt in Chicago. Apropos Chicago.

Als Doktorandin war ich 1997 mit einem Stipendium in den USA. Chicago – Boston – New York. Hab ich Euch noch nicht die Story erzählt, wo ich in Downtown in den falschen Zug gestiegen bin und im Ghetto von Chicago landete? Ich bin dort ausgestiegen und hatte in kürzester Zeit den Eindruck, in einem Bürgerkriegsgebiet gelandet zu sein. Ein schwarzer, dünner Jugendlicher stand in Latzhosen an der Straßenecken, neben ausgebrannten Autowracks. Es war damals 38 Grad heiß.

Plötzlich stoppte ein Taxi und der schwarze Fahrer meinte, ich soll schnell einsteigen, weil die Gegend zu gefährlich für Weiße ist. Er fuhr mich dann schnell zu meinem Studentenhaus, wo ich wohnte.

Ich hatte dann 7 Tage eine Depression und der sog. amerikanische Traum war geplatzt. Ein Professor bot mir dort eine Doktorandenstelle an, die ich jedoch ablehnte. Meinen Intellekt an ein Apartheid-System verkaufen? Mit mir nicht. Klar sind die Arbeitsbedingungen für Forscher in den USA weitaus besser als in Deutschland. Aber ich fühlte damals so eine Loyalität zu meinem Land, weil ich mich hier frei und sicher als Frau bewegen konnte. Das hat sich leider geändert. Aber das ist ein anderes Thema.

Viele Jahre später hab ich erst wieder amerikanischen Boden betreten, als ich an einer Nuttenkonferenz in Las Vegas, in der Wüste von Nevada 2010 teilnahm und später Streetwork in New York City machte.

Klar bin ich in den Augen der Gesellschaft sozial abgestürzt, von der Doktorandin mit vielversprechenden Karriereaussichten an der Universität hin zu einer Prostituierten im Billig Puff von Kreuzberg und Neukölln.

Jetzt nach 7-9 Jahren hab ich mich zu einer Journalistin hochgeackert. Das einzige, was ich kann, ist schreiben.


I can’t get no sleep

Manche Leute denken seit Ewigkeiten, daß ich auf Koks sei. Nein, das ist mein Temperament und die Psychopharmaka, die mich ruhig stellen sollen. Hehe nein die moderne Version Psychopharmaka wirkt nicht wie Haldol. Aber man muß schon einige Nebenwirkungen ertragen bis man nach langem Ausprobieren das richtige für sich entdeckt hat. Womit ich beim Thema Seelenheil und psychische Gesundheit bin. Mir persönlich ist überhaupt nicht klar, warum Leute wie ich gesilenced werden, nur weil das Thema Mental Health stigmatisiert ist. Es ist aber wichtig, darüber zu sprechen. Schließlich sind in der Bundesrepublik schon 40% in psychiatrischer Behandlung gewesen. Das scheint also ein Thema zu sein. Ich nehme das Thema auch nicht auf die leichte Schulter. Ich glaube nur, dass es wichtig ist, sich mit dieser Diagnose nicht zu verstecken. Auch wenn man dann mit Vorurteilen zu kämpfen hat. Ich gelte zum Beispiel als „unberechenbar“, dabei kann ich nur laut werden, wenn ich böse bin, aber sonst tue ich keiner Fliege was zu leide. Wäre ich ein Mann, der poltert und mal auf dem Tisch haut, würde er sein Rollenklischee erfüllen. Da ich aber eine Frau bin, wird das anders gesehen. Ich verhalte mich oft wie eine Butch. Hab jetzt auch ganz kurz geraspelte Haare. Ich brauchte mal frische Luft.

Gestern hab ich mal wieder einen Text veröffentlicht. Bitte lesen. Ist das Wahnsinn oder rational? Ich denke, ich denke durchaus logisch. https://www.mittelbayerische.de/politik-nachrichten/sexarbeit-muss-legal-werden-21771-art1916053.html


Klage gegen die Nonne

Es gibt da draußen gefährliche Prostitutionsgegner:innen. Darunter sehr radikale, rechtsextreme und evangelikale Gruppierungen. Als Sexworker Aktivist:in sollte man wissen, in welches Schlangennest man sich begibt, wenn man öffentlich für mehr Rechte von Sexworkern streiten will. Das wissen alle Sexworker auch instinktiv und halten Distanz wie bei einer heißen Herdplatte. Man muß also als Aktivist:in – auch in Deutschland – aufpassen, daß man nicht ins Visier radikaler Kräfte gerät. Daher argumentiere ich so, wie ich es am besten erachte. Ich teile Kritik an der Sexarbeit/Prostitution aus Gründen, aber man kann keine Politik ohne aufgearbeitete Leidensgeschichte und Traumatisierung machen, da es den Verstand sonst vernebelt. Man muß rational bleiben und darf seine Kräfte nicht in sinnlosen Social Media Auseinandersetzungen mit Ideolog:innen verschwenden. Diesen Rat kann ich nur jeder Sexworkerin mit auf dem Weg geben.

Ich denke häufig an die Sätze von Julie Burchill oder Julie Bindel aus UK. Die Feministin und Journalistin Burchill, die auch für die linke „The Independent“ und die „Times“ geschrieben hat, will alle Sexworker am liebsten an die Wand stellen und erschiessen, weil sie die Interessen der Frauen verraten. Julie Bindel scheint ebenfalls unter Alkohol- oder Drogeneinfluss zu stehen. Dr Lea Ackermann von Solwodi: hier wird seit Jahren die rote Linie überschritten, indem der Berufsverband BesD als „Zuhälterlobby“ diffamiert wird. Trotzdem führe ich/wir jetzt eine Unterlassungsklage gegen diese 83 Jahre alte Nonne, die offenbar im Umgang mit afrikanischen Sexarbeiter:innen ihre Lebensaufgabe und Mission gefunden hat. Auch alte Kriegsverbrecher landen gelegentlich beim Internationalen Menschenrechtsgerichtshof. Alter schützt vor Aufregung nicht. Die sogenannte Rettungsindustrie, die Laura Agustin eindrücklich beobachtet und beschrieben hat, ist mit Vorsicht zu geniessen. Nicht alles was gut gemeint ist, ist gut gemacht.

Bleibt uns mit Eurer Wohltätigkeit vom Hals. Sagte aus guten Gründen schon Kurt Tucholsky.


we win

©️ photography Merav Maroody Hurentag 2020 Berlin

Mißtrauen

Was Prostitutionsgegner veröffentlichen, interessiert mich nur noch rudimentär. Zu lange hab ich mich damit aufgehalten. Auch Online Aktivismus wird in der eigenen Filter Bubble überschätzt. Hab ich schon vor 10 Jahren geschrieben. Schnarch.

Mich interessieren derzeit eher die Auswirkungen der Corona Krise auf die Sexarbeiter:innen weltweit. Gerade ist folgender Artikel erschienen, der auch sehr interessant ist.

Fazit ist, daß sich jede Regierung in den reichen Industriestaaten einen Dreck um Sexworker in Not schert; auch viele Kunden nicht. Sexworker müssen funktionieren, um attraktiv zu sein. Ansonsten werden sie beiseite geschoben. Trotzdem möchte ich hier noch einmal auf den Nothilfe Fonds des BesD aufmerksam machen. Der Topf ist fast leer, fast 300 Sexworker wurden unterstützt.

Meine Englisch-Kenntnisse sind nicht perfekt. Und mein Bauch zu dick. Das ist das einzige Problem, was ich gerade habe. Und das ich die #blacklivesmatter Bewegung unterstütze. Ich war ja auch einige Male in den Vereinigten Staaten. So was perverses hab ich nirgendwo auf der Welt kennengelernt, außer die Deutschen mit dem Holocaust im Nacken. Wenn ich irgendwo anders geboren wäre, hätte ich in Deutschland Geschichte studiert.

Habt Ihr die letzten Zahlen des BKA gelesen? 65% Anstieg an Kinderpornografie in Deutschland. Was ist da los? Auch der aktuelle Fall Maggie spricht wieder Bände. Also bei Perversionen und Korruption sind die Deutschen immer ganz vorne dabei.

Ich war schon als Kind immer sehr mißtrauisch, wenn ich Menschen begegnete. Insbesondere Deutsche. Die wurden von mir immer auf Herz und Nieren geprüft. Ist ne Macke von mir. Auch bei Aktivisten oder Sympathisanten im Schlepptau mach ich erst einen Background Check. Ein Grund vielleicht, warum nur sog. Ausländer, Leute mit Migrationshintergrund gg, LGBTIQ Leute zu meinem privaten Bekanntenkreis zählen.

Dieses Bild möchte ich Euch nicht vorenthalten. Am 2. Juni fand der internationale Hurentag statt. Die Berliner Fraktion war standesgemäß am Brandenburger Tor. Welches Wahrzeichen für Freiheit haben die Deutschen auch sonst?

In diesem Sinne schönes Wochenende.

Ich konnte mir die Premium Version von WordPress nicht mehr leisten, weshalb ich keine Bilder mehr posten kann. Sorry.


Pfingstmontag 20.15

Heute am Pfingstmontag bin ich um 20.15 Uhr live auf Sendung.


warum ich Dona Carmen hasse

German/English

In der ganzen Welt sind Nothilfe Fonds für Sexworker aus der Community heraus selbst entstanden, weil die Staaten es ja nicht für nötig erachten, marginalisierte Menschen zu unterstützen. Natürlich gibt es Armutsprostitution im Sinne von Überlebensprostitution und viele haben keinen Zugang zu Bildung und Ausbildung, Gesundheit und Sicherheit, weil sie kriminalisiert und diskriminiert sind. Ich hab auch überhaupt kein Verständnis dafür, daß ein politischer Verein wie Dona Carmen sich seit Jahren an unserem Berufsverband abarbeitet und offenbar zu viel Zeit damit verbringt, nach Fehlern zu suchen. Wir im Verein sind allesamt Ehrenamtliche und keine Politiker. Wir dürfen auch mal Fehler machen und Dinge sagen, die anecken. Wir sind aktive und ehemalige Sexworker, die sich seit etlichen Jahren engagieren, ich seit 15 Jahren in jedweder Art. Also ich kann nicht nachvollziehen, was das immer soll. Wenn die links-liberalen Kräfte in unserer Bewegung sich gegenseitig schwächen, kann man nicht nur an Power verlieren, sondern auch an Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit. Deshalb sage ich dazu auch nichts. Es macht einfach keinen Sinn. Das wär wie Zickenkrieg. Dona Carmen muß sich endlich mit ihrer Bedeutungslosigkeit abfinden. Hetze gegen andere ist überflüssig und beeindruckt auch keine Entscheidungsträger:innen.

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All over the world, emergency aid funds for sex workers have emerged from the community itself, because the states do not consider it necessary to support marginalized people. Of course there is poverty prostitution in the sense of survival prostitution and many have no access to education and training, health and safety because they are criminalized and discriminated against. I have no understanding at all that a political association like Dona Carmen has been working on our professional association for years and apparently spends too much time looking for mistakes. We in the association are all volunteers and not politicians. We can sometimes make mistakes and say things that annoy us. We are active and former sex workers who have been involved for several years, I for 15 years in all kinds. So I can not understand what that is all about. If the left-liberal forces in our movement weaken each other, you can not only lose power, but also public credibility. That’s why I don’t say anything about it. It just doesn’t make sense. That would be like a bitch war. Dona Carmen must finally come to terms with her insignificance. Rushing against others is superfluous and does not impress decision-makers either.


Isoliert und deprimiert – die Corona Überlebenden trauern

In den USA wird man dazu aufgerufen, an einem Online Event zu Ehren der Verstorbenen an Covid 19 teilzunehmen, wo jeder Name vorgetragen wird.

Naming the Lost

http://namingthelost.com/?fbclid=IwAR0C04ZfpJFEwB0e2ujfDq8c72B5iS0pErMXnv-iDgcuHRZ8mA6HxoIbugY


Das Häuten der Zwiebel: 18 Jahre Outing in kleinen Schritten

Quelle: SWOP Chicago

Nachdem die Crowdfunding für die Anwaltskosten in der Causa Dr. Lea Ackermann erfolgreich war https://www.leetchi.com/c/gegen-verleumdung-und-falschberichterstattung-der-besd-gegen-dr-lea-ackermann

kann der Anwalt zur Tat schreiten. Tausend Dank für Eure Unterstützung.

Heute möchte ich mich einmal persönlich bei Euch, meinen treuen Lesern, vorstellen. Ihr habt ja meine Transformation vom Escort Ariane zur öffentlichen Person in den letzten 12 Jahren verfolgt – so lange blogge ich bereits, wobei 2 Blogs mittlerweile gelöscht sind leider. Hier ist die offizielle Version meiner Vita, die ich natürlich nicht bei Bewerbungsgesprächen angebe.

Über den BesD Vorstand: https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/verband/vorstand/

Über mich:
Susanne Bleier-Wilp (52) ist ehemalige Sexarbeiterin. Sie bezieht eine eher prostitutionskritische Position und kennt die Abgründe der Kriminalität und Gewalt, die es leider auch in dieser Branche gibt, aus erster Hand. Sie ist seit vielen Jahren als Aktivistin für die Rechte von Sexarbeiter*innen im In- und Ausland aktiv. Ihre Themengebiete sind unter anderem Politik, Migration und der Umgang mit Prostitutions-Gegner*innen.
Susanne war 10 Jahre in vielen Bereichen der Branche tätig, unter anderem machte sie Auto-Dates, arbeitete in Bordellen, in Terminwohnungen, als Escort und als Porno- Darstellerin. Susanne war außerdem schon in vielen verschiedenen Bereichen – von Theater und Stand-up Comedy bis hin zu Controlling und Unternehmensberatung – tätig und arbeitete auch einige Jahre als Wissenschaftlerin. Heute ist sie hauptberuflich als Autorin in der Sexindustrie tätig, steht als Redakteurin hinter dem Kaufmich-Magazin und ist als Admin für den Aufbau des Sexworker-Only Forums der Plattform verantwortlich. Darüber hinaus leitet sie das Big Sister-Projekt und vermittelt Sexarbeiter*innen Hilfe und Unterstützung.


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Dies war ein 18 Jahre langer Weg zum Komplett-Outing. Ich weiß nicht, ob irgendjemand sich vorstellen kann, was das bedeutet, sich öffentlich als (Ex-) Sexworker zu outen, mit bürgerlichen Namen und Gesicht. Jedenfalls bin ich nicht (mehr) erpreßbar, allerdings sind so meine beruflichen Perspektiven eingeschränkt. Aber das ist der Preis, wenn man in unserer Branche Gesicht zeigt. Ich hoffe, Ihr könnt das honorieren. Die Prostitutionsgegner:innen können es nicht.


Sauer auf die Nonne

Ich bin so sauer auf die Nonne Dr. Lea Ackermann. Bald gibts schwappes. Ich werde eine Crowdfunding Kampagne initiieren, um Kosten für den Anwalt durch Spenden aufzufangen. Denn den brauchen wir, um Dr. Lea Ackermann abzumahnen.

Seit 15 Jahren höre ich mir von Prostitutionsgegner:innen immer den gleichen Mist an. Dazu zählt, das Gruppen und Organisationen, Vereine, die von Sexworkern in Deutschland und international geleitet werden, als „Zuhälterlobby“ u.a. bezeichnet werden. Dagegen werden wir uns wenden.

Zu lange haben wir stillgehalten. Metoo. Das gilt auch für Prostitutionsgegner:innen im In- und Ausland. Dazu zählen Solwodi in der Person der Bundesverdienstkreuz-Trägerin Frau Dr. Lea Ackermann, Terre de Femmes, Emma, Sisters e.V., Julie Bindel, Space International und viele mehr.

Wie wir seit der Bundestagsabgeordneten Leni Breymaier SPD wissen, sind Sexarbeiter:innen keine Menschen, sondern Körperöffnungen. Und treibt das Sexkaufverbot voran.

Dem möchte ich jedoch widersprechen, auch, daß ein Sexkaufverbot in die falsche Richtung läuft. Ich habe die unterschiedlichen Rechtsprechungen und die Folgen international studiert. Seit 15 Jahren. Ich laß mir nix mehr vom Pferd erzählen. Und ich hoffe, Ihr auch nicht.

Ich zähle auf Euch. Die Crowdfunding Kampagne wird bald starten.

+++ Update +++

https://www.leetchi.com/c/gegen-verleumdung-und-falschberichterstattung-der-besd-gegen-dr-lea-ackermann