Ich bin ganz allein

Im Prinzip hat der Staat mich auf den Strich geschickt, obwohl ich alles in meinem Leben richtig gemacht hatte und gearbeitet hab wie ein Löwe, um aus dem Dreck meiner asozialen Herkunft rauszukommen. Den Bildungsweg hab ich gegen alle familiären Widerstände erfolgreich durchgesetzt. Durch Unterstützung dritter Personen. Aber wenn man plötzlich von Staat und Gesellschaft so gefickt wird, dass jede berufliche Entwicklung versperrt ist, dann entscheidet man sich freiwillig für die Prostitution, weil man hier fürs gefickt werden wenigstens bezahlt wird und überleben kann. Und so entscheiden viele Frauen auf der Welt, meist ohne Bildung und andere Handlungsoptionen. Leider ist es so, dass nur das Patriarchat die Prostitution braucht, weil Frauen die Sexualität kontrollieren und immer ein Mangel an willigen Frauen im freien Markt besteht. Viele Männer suchen nur Sex und keine Beziehung. Gleichzeitig wird den Prostituierten von Dritten, den wahren Profiteuren der Sex Industrie, das Geld wieder abgenommen, so dass das Machtgefüge weiter erhalten bleibt. Erst jetzt in der Coronakrise haben viele Armutsprostituierte aus Osteuropa gelernt, dass man ohne Dritte Geld verdienen kann. Sie haben sich in Privatwohnungen und Hotels zurück gezogen und wer weiss, wer diesmal profitiert, ausser die arme Verwandtschaft. Es ist aber ein Zeichen von Empowerment, die alten Strukturen hinter sich zu lassen, auch wenn erst einmal nur Kostengründe den Ausschlag geben. Jetzt ist der Zeitpunkt, das Schicksal von vielen Prostituierten in Deutschland neu zu bestimmen, sie in ihrer Unabhängigkeit zu stärken, was ich versuche mit Information und Wissensverbreitung durch viele (non-profit) online Projekte zu tun, die ich bei Kaufmich.com installiert habe, da dort die meisten Sexworker im deutschsprachigen Raum unterwegs sind. Mehr kann ich aktuell nicht tun, ausser Zugangswege zu den (Amateur-) Huren über das Internet zu finden. Ich hoffe, dass ich endlich Organisationen finde, die mich unterstützen. Von der Hurenbewegung und akademischen Unterstützern ist in den letzten 10 Jahren nicht viel an Unterstützung gekommen, meine Arbeit wurde oft nicht geteilt. Mir ist auch völlig unklar, warum kaum jemand erkennt, wie wichtig das ist, Zugang mit mehrsprachigen Informationen bei den Frauen zu finden. Stattdessen wird aus einer arroganten Perspekive akademischer „Unterstützer“, die sich politisch links verorten *hüstel, auf mich herabgeschaut, weil meine Arbeit über ein Werbeportal finanziert wurde. Ich hab bei meinem Arbeitgeber mehr Menschlichkeit und Solidarität gefunden, als bei selbst erklärten Aktivisten und sog. „Unterstützern“ aus Deutschland. Übrigens ein Werbeportal wie Kaufmich trägt als Unternehmen soziale Verantwortung und setzt dies auf vielen Wegen um, im Gegensatz zu den meisten anderen Werbeportalen, die nur abkassieren, Sexworker aufgrund einer Monopolstellung abzocken und gegen die Interessen von Sexarbeitern verstoßen, wenn während Corona Anzeigen gegen ihren Willen aufgeschaltet werden, Migranten diskriminiert werden, die deutliche höhere Werbekosten zahlen sollen, um die eigenen Pferdchen zu promoten. Aber das interessiert die deutschen Aktivisten alles nicht.

Mein Arbeitgeber, der ach so böse Kapitalist, hat mich in den letzten 10 Jahren sehr unterstützt, auch als ich mehrere Male, damals noch als Freiberufler über Monate im Krankenhaus war, haben sie mich bezahlt, obwohl sie das nicht hätten tun müssen. Stattdessen wird meine Arbeit nicht von deutschen Aktivisten gewürdigt und Informationen nicht geteilt, die ich durch harte Arbeit zusammen getragen habe (was nix kostet, ist nix wert?), dämliche ideologische Debatten geführt, die alle Ressourcen auffressen und nicht nur ich wurde gesilenced, diskriminiert und ausgebremst. Nur ich lasse mir das nicht gefallen, wie andere Kolleginnen, die sich frustriert aus der Bewegung zurück gezogen haben. Nirgendwo im Ausland hab ich soviel Unwissenheit, Ignoranz, mangelnde Solidarität erlebt wie in der deutschen Hurenbewegung.

Aber das hält mich nicht davon ab, Schutzmaßnahmen und Crash Professionalisierungs Know how für Prostituierte im online Bereich zu entwickeln, denn dort sind 99% unterwegs. In deutsch und englisch liegt schon einiges vor. Weitere Sprachen müssen folgen, denn es arbeiten Prostituierte mit 65 Nationalitäten in Deutschland, die für Beratungsstellen kaum erreichbar sind. Ich hoffe, ich finde noch Menschen, die mich unterstützen. Ich kann nicht alles alleine schaffen, sondern bin auf Leute angewiesen, die das Wissen mit Kolleginnen endlich bis in alle Winkel teilen. Drückt mir bitte die Daumen.



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.