Legale Arbeitsmigration schafft weniger Opfer sexueller Ausbeutung

2014 war ich ins britische Parlament in London als Sachverständige eingeladen. Meine Rede hat nach wie vor nichts an Relevanz verloren, weshalb ich sie veröffentlichen möchte:

Prostitution ist eine freiwillige sexuelle Dienstleistung, die einen zwischen zwei Geschäftspartnern geschlossenen Vertrag voraussetzt. Wenn keine solche Vereinbarung getroffen wurde, handelt es sich nicht um Prostitution, sondern um sexualisierte Gewalt.


Weltweit migrieren viele Menschen in verschiedene Länder, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, einige von ihnen auch durch Prostitution. Diese Migration ist Teil des Globalisierungsprozesses.

Oft sind es Frauen, die diesen Weg gehen, um ihr eigenes Überleben und das ihrer Familien zu sichern. Sie arbeiten in Haushalten, in Restaurants und Bars, in der Krankenpflege – und in der Prostitution. Für diese Frauen ist es schwierig, die Landesgrenzen zu überschreiten und in die Zielländer zu gelangen. In dieser Situation sind sie auf die Hilfe anderer angewiesen.

Wenn Frauen in dieser Situation ihrer Freiheit beraubt und gezwungen werden, sexuelle Dienstleistungen für Dritte zu erbringen, handelt es sich nicht um Prostitution und somit auch nicht um „Zwangsprostitution“, sondern um ein Gewaltverbrechen.

Viele Migranten arbeiten unter schwierigen Bedingungen, da sie arbeitsrechtlich und einwanderungsrechtlich illegal sind.
Die in deutschen Publikationen kolportierten Zahlen, wonach in Deutschland zwischen 140.000 und 300.000 Frauen der „Zwangsprostitution“ nachgehen, sind stark übertrieben, entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage und deshalb nicht ernst zu nehmen.

Die Erfahrungen der in diesem Bereich tätigen Organisationen – Beratungsstellen und Polizei – legen nahe, dass die Zahl der Opfer weitaus geringer ist. Das Bundeskriminalamt zum Beispiel geht davon aus, dass es 2003 in Deutschland 1.235 Opfer gab, 2011 waren es 640, wobei 59% unter 21 Jahre alt sind. In den letzten Jahren pendelten sich die Zahlen auf 400 Fälle im Jahr ein.


Jedes Opfer von sexualisierter Gewalt ist ein Opfer zu viel. Die Verwischung der Grenzen zwischen Menschenhandel, Prostitution und Gewalt ist ein Versuch, ein politisches Klima zu schaffen, in dem sich Arbeitsmigration und Zuwanderung leichter verhindern lassen.

Gleichzeitig wird das gesamte Prostitutionsgewerbe als Quelle der Gewalt und Zufluchtsort für Gewalttäter verunglimpft und diffamiert.
Populistische Debatten um die Kriminalisierung von Kunden der Prostitution, die Streichung von Teilen des Prostitutionsgesetzes oder die Erschwerung der Zuwanderung von Frauen aus Drittstaaten nach Deutschland fördern ausländerfeindliche Stimmungen.

Damit wird weder Gewalt verhindert, noch den Opfern geholfen. Im Gegenteil, es erschwert die Bedingungen, unter denen MigrantInnen leben müssen, und blockiert die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Prostitution.


Wer den Menschenhandel wirklich bekämpfen will, muss dafür sorgen, dass legale Möglichkeiten der Arbeitsmigration geschaffen werden – auch für die Migration zur Arbeit in der Prostitution.


One Comment on “Legale Arbeitsmigration schafft weniger Opfer sexueller Ausbeutung”

  1. herzkoma sagt:

    Ich selbst hab die Arge auch erlebt als eine Institution, wo Narzissten und Sadisten beschäftigt sind. Und deshalb hab ich auch eine Arbeit in den frühen Morgenstunden bei einer Spedition angenommen, wo ich von der Arge unabhängig bin. So versteh ich deine Tätigkeit. Alles ist besser, als sich von der Arge diskriminieren lassen. Sexarbeit ist wohl wichtig. Respekt habe ich vor jeder Frau, die diese wichtige Arbeite übernimmt.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.