Kohle: Kapitel 37

Während Corona war die Prostitution in den Wohnungen gestiegen und leider auch die Zuhälterei und Zwangsprostitution. Darauf hatte die Hurenbewegung natürlich keine Antworten. Da sie längst den Kontakt zur Basis verloren hatten und auch keine Reichweite in die Parallelgesellschaften der Migranten hatte. Und es waren ja hauptsächlich Migranten, die in den Wohnungen arbeiteten und Ausbeutungsverhältnissen ausgesetzt waren. Aber es waren nicht alle Opfer. Viele Prostitutierte entschieden mit Kosten-Nutzen Kalkül nach der Wieder-Eröffnung der Bordelle weiter in Hotels und Wohnungen zu arbeiten, weil sie weniger Kosten hatten und keine hohen Mieten an die Betreiber zahlen mußten. Jedenfalls lief es für viele Prostituierte während der Corona Krise finanziell wie geschmiert. Prostitution ist eben das Gleitgel des Kapitalismus und die Schleuser oder Familien, die von der Prostitution ihrer Töchter und Nichten profitierten, verdienten sich eine goldene Nase. Die Erlöse aus Prostitution, die von den Migrantinnen in die Heimat geschickt wurden, waren sekundäre Entwicklungshilfe für die ärmsten Länder dieser Welt.

Prostitution lief auch großteils unterm Radar und jenseits etablierter Rotlicht Strukturen ab. Auf manchen Baustellen gab es Frauen, die für eine Kiste Bier 20 Männer über sich drüber ließen. Oder im Hinterzimmer mancher Teestuben. Wenn man genau hinsah, gab es kaum einen weißen Fleck in der Gesellschaft, wo Prostitution nicht stattfand. Deutschland war historisch geprägt von Posträubern, Wegelagerern, Geizfreiern und Blendern, die abkassierten. In den 68ern war es klarer, als die Springer Presse nicht nur vom Sofa aus bekämpft wurde. 

Die Entfremdung der Verbände war so weit fortgeschritten, dass sie weder wußten, was an der Basis los war, noch wie man politische Lösungen für die Probleme der Ausbeutung herstellen konnte. Oder vielleicht waren ihnen die armen Opfer auch einfach scheißegal. Eine politische Sprecherin empörte sich gerne ironisch darüber, daß es ja „nur für die armen Opfer und Migranten Geld gebe“ und das heisst auch Spendengelder. Ja aber für wen denn sonst?

Die Gleichgültigkeit gegenüber den Opfern ließ Nadine nicht mehr los. Genauso wie es den Party People scheiß egal war, wenn sie mit dem Konsum von Kokain Kriege finanzierten, so waren es Teile der Hurenbewegung egal, daß es keine messerscharfe Trennung zwischen freiwilliger Sexarbeit und sexueller Ausbeutung gab. So wie 12 Influencer in aller Welt für 65% Fake News verantwortlich waren, so waren ein paar wenige Sprecherinnen in der Hurenbewegung für Fake Narrative verantwortlich und die permanente Leier, daß Sexarbeit kein Menschenhandel sei. Nadine konnte in dieser toxischen Umgebung einfach nicht mehr leben und entzog sich diesen Einflüssen. Ihr war klar, daß Propaganda noch gefährlicher ist als Waffengewalt, denn die zerstörerische Desinformation höhlte die Demokratie von innen aus. 

Nadine ging bei ihren Beobachtungen immer mit Cluster Analysen vor, rief Informationen aus völlig unterschiedlichen und vertrauenswürdigen Insider Quellen innerhalb und außerhalb der Rotlichtszene ab. Deshalb war ihr klar, daß es weitaus weniger Prostituierte in Deutschland und Europa gab als offiziell vermutet. Aber an niedrigen Zahlen war niemand interessiert, weder NGOs, Verbände und Vereine für Hurenrechte noch Prostitutionsgegner, da ihnen sonst der Geldhahn abgedreht worden wäre. Und damit auch ihre Existenzberechtigung. Der ganze Schwindel falscher Zahlen und Schätzungen diente allein dazu, sich eine Legitimation zu verschaffen, um Spendengelder einzusammeln, Wind in den Medien zu machen, um dadurch das offizielle Framing und sämtliche Fake Narrative weiterhin zu stärken und eigene Machtpositionen zu zementieren. Deshalb blieb auch alles wie es ist und das sogenannte Rotlicht war der Sündenbock und Blitzableiter der Gesellschaft. Der Status Quo sah vor, dass es Opfer geben MUSSTE, auch erfundene, denn sonst hätten alle beteiligten Parteien der Hurenbewegung und Prostitutionsgegner ihre Jobs verloren.

 



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