Kohle: Kapitel 33

Das einzige soziale Aufstiegsversprechen, das in Deutschland noch funktionierte war es, nach oben zu heiraten. Das ganze Wirtschaftssystem baute auf Übervorteilung und den Einsatz von sexuellem Kapital. Das hatte sie auch im Wissenschaftsapparat beobachtet, wo Professoren ihre jungen und begabten Studentinnen heirateten, damit sie im Alter nicht so allein sind. Die Besetzungscouch funktionierte ja nur deshalb einwandfrei, weil es genug Frauen gab, die leistungslos nach Status und Macht gierten und die ihre Männer sofort abservierten, wenn sie arbeitslos wurden und ihre berufliche Existenz, ihr Haus an die Bank verloren oder in Schulden untergingen. Dann waren die Frauen ganz schnell weg. Ein erweiterter Suizid war häufig die Antwort. 

Die Kerlchen konnten einem auch sowas von leid tun. Die drehten durch, wenn sie von ihren Frauen als Verlierer klassifiziert und auf den Müll der Geschichte geworfen wurden. Gerade taugten sie noch als Märchenprinz, der alle Konsumwünsche erfüllen durfte, und im nächsten Moment wurden sie in die Wüste geschickt. Insofern war der Escort Bereich auch eine gute Partnerbörse, wo Damen noch eine gute Partie machen konnten, wenn sie durch Wohlverhalten glänzten.

Nadines Vater war ja nicht nur ein viertes Mal verheiratet. Als Nadine sechs lange Jahre bei ihrem alleinerziehenden Vater aufwuchs, gab es noch weitere Damen, die der Vater im Schlepptau hatte. Nach zehn Damen, die sie persönlich kennen lernte, hörte Nadine auf zu zählen. Er schleppte die Weiber abends in einer Bar ab und nahm sie mit nach Hause. Nadine schlich dann nächtens aus ihrem Zimmer und prüfte die Ausweispapiere der Damen, um die Identität rechtzeitig festzustellen, falls in der Wohnung etwas fehlen sollte. Das Mißtrauen war berechtigt, denn ihr Vater war auch schon mehrmals von Huren und Freundinnen beklaut worden. 

Einmal lernte Nadines Vater eine Frau aus Dortmund kennen, deren Vater ein Konsul war, was Nadines Vater mächtig beeindruckte. Die Frau sprach vier Sprachen und trug nur Garderobe von Yves Saint Laurent. Sie zeigte ihrem Vater, was Tisch Etikette bedeutet, das man bei Tisch nicht schmatzt und furzt, wie man die Gabeln richtig zu halten hat und vor allem, wo sich die Reichen und Schönen treffen. An der italienischen Riviera, bei Pferderennen, auf internationalen Golf- und Tennisplätzen.

Das war aber garnicht so die Kragenweite ihres geizigen Vaters, ein einfacher Mann aus dem Volke. Wobei man dazu sagen muß, dass er im Hinblick auf die Erfüllung eigener Wünsche durchaus großzügig war. Seine Tochter wurde an einer extrem kurzen Leine mit geringfügigem Taschengeld gehalten, während der Alte das Geld ohne Ende verprasste. Da durften auch schon mal tausende Euros im Casino oder bei Prostituierten versenkt oder vor einem internationalen Boxkampf die VIP Tickets geordert werden. Er kaufte sich und seinen Ehefrauen auch teuren Schmuck, der ihm zum Verhängnis wurde, weil die Frau aus Dortmund eine Hochstaplerin war und ihren Vater um Goldschmuck, Brillanten und Goldmünzen erleichterte. Schon ihre Mutter hatte heimlich ein paar Goldmünzen mitgehen lassen, genauso machten es die weiteren Ehefrauen. 

Ihr Vater hatte leider so gar keine Menschenkenntnis und umgab sich vorzugsweise mit Menschen, die sich finanzielle Vorteile durch seine Bekanntschaft erschlichen. Auch von Habenichtsen in der eigenen Verwandtschaft wurde er wie eine Weihnachtsgans ausgenommen, erst von seinem kriminellen Schwiegersohn und später von seinem Neffen um große Geldsummen erleichtert. 

Von Frauen hatte Nadines Vater generell keine hohe Meinung, weshalb sie auch nicht als Ratgeberinnen taugten und er alle wichtigen Entscheidungen in seinem Leben ganz alleine mit sich selbst ausmachte. Von den vielen Frauen, die Nadine kennenlernte und mit denen ihr Vater sexuell verkehrte, heiratete er in zweiter Ehe die jüngste und skrupelloseste Schlampe mit Bauernschläue aus dem Ghetto von Duisburg.

Die junge Dame war 18 Jahre alt, als sie mit Freundinnen eine Wette erfolgreich abschloß, dass sie sich Nadines Vater, den reichen Geldsack, schnappen würde. Und zwar indem sie ihm ein Kind anhängte, der spätere Halbbruder von Nadine, der dann Drogen dealte, sich in Online Sex Chats als Frau anbot, um Männern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Sohn hatte den Charakter seiner Eltern geerbt. Geiz, Niedertracht, Mißtrauen, Rassismus und leistungsloser Geldverdienst, selbstverständlich unversteuert.

Diese Frau war niederträchtig, intrigant und log, dass sich die Balken bogen. Sie hatte sogar heimlich Nadines Tagebücher gelesen und ihre Spielsachen auf den Müll geworfen. Sie manipulierte Nadines jüngere, dumme und gutmütige Schwester, die gemeinsam mit ihrer Schwangerschaft und einem Appell an das moralische Gewissen Nadines Vater erpressten und Druck ausübten, sie zu heiraten. Diese Goldgräberin war gleichaltrig wie Nadine und wollte Nadine natürlich aus dem Haus haben, da sie bei ihren Plänen im Weg war. Sie erfand die schlimmsten Geschichten über Nadine, um damit den Vater zu beeinflussen und gegen Nadine aufzuhetzen. Die Rechnung ging auf und Nadine verließ mit Pauken und Trompeten und einer gebrochenen Nase das Elternhaus.

Man darf ja nicht schlecht über Tote sprechen. In diesem Fall meinte Nadine später nur, dass sie natürlich keinen weiteren Kontakt zu dieser jungen Frau wollte und deshalb bei ihrer Beerdigung auch nicht anwesend war. Was hatte die bucklige Verwandtschaft eigentlich gedacht? Nur weil jemand Krebs bekommt und stirbt, sind alle Sünden vergessen? Nachdem Nadine ihren Vater auf Unterhalt verklagt hatte, sie eine Ausbildung abschloß und ein Studium absolvierte, übten der Vater und seine Frau erheblichen Druck auf Nadine aus und sie mußte monatlich Leistungsnachweise vorlegen, sonst wäre der eingeklagte Unterhalt gestrichen worden. Das war die ständige Drohung, weshalb Nadine ihr Studium auch in kürzester Zeit mit einem Einser-Diplom abschloß, um sich aus dieser Abhängigkeit zu befreien.

Bei jeder Gelegenheit erfand diese Frau Lügengeschichten, um den Vater gegen Nadine aufzuhetzen. Zum Beispiel behauptete sie, daß Nadine Mietschulden hätte, was überhaupt nie der Fall gewesen war, da Nadine in Geld Dingen genauso penibel und zuverlässig wie ihr Vater war. Jedenfalls drangsalierte diese sogenannte Stiefmutter Nadine bis aufs Messer, auch als sie längst in Berlin lebte. Nadine war schließlich einfach nur erleichtert, als eines Tages das Lebenslicht der gleichaltrigen Stiefmutter erlosch, die mit 28 Jahren von ihrem Krebs aufgefressen wurde. Sie hatte nämlich jahrelang unter der Sonnenbank gebrutzelt, um wie Pam Anderson auszusehen, und sich dabei schwarzen Hautkrebs eingefangen.



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