Kohle: Kapitel 12

Jedenfalls wurde und wird die internationale Hurenbewegung von Milliardären finanziert, über ihre Stiftungen, die widerum NGOs finanzieren und Teile der Berichterstattung im angelsächsischen Raum. Das wissen die meisten selbst ernannten linken Aktivistinnen überhaupt nicht, das ihnen ihre Arbeit durch die Mächte des Bösen und der Finsternis ermöglicht wird. Im Kapitalismus kann man sich als linke und kapitalismuskritische Kraft nicht außerhalb des Systems bewegen. Man kann nur von innen an den Stellschrauben drehen, durch den Marsch in die Institutionen und ins Gravitationszentrum politischer Macht. Nadine hatte es als Escortdame immer vermieden, die Oberschicht zu bedienen und deshalb auch den Preis im Mittelfeld belassen, dem Milieu, aus dem sie selbst stammte. Sie hatte keine Lust, von durchgeknallten und perversen Millionären und Akademikern mit Koks im Kopf gefickt zu werden, von Bankern und anderen Vasallen des Systems. Sie wollte nicht Unterhaltsdame spielen für Männer, die auf der anderen Seite der Macht standen. Deshalb verstand sie es in ihrem Marketing, nur Kunden aus ihrer eigenen sozialen Klasse und Milieu anzusprechen. Die Unterschicht, die sie im Bordell kennen lernen durfte, war ihr zu brutal.

Es gibt auch linke Prostituierte, die privat in der Wagenburg leben und die Schwänze von Millionären lutschen. Hauptsache die Kohle stimmt und bedient wird immer. Kapitalismus und Prostitution sind eineiige Zwillinge, Prostitution ist Kapitalismus. Als in der Geschichte der USA neues Land erschlossen wurde, waren es immer die Banker und Prostituierten, die zuerst an der Front waren und schauten, was es zu verdienen gab.

Allerdings ist es so, daß in der Prostitution alle sozialen Klassen aufeinanderprallen, wie sonst nirgends. Die minderjährigen Roma Huren in Berlin oder afro-amerikanische Frauen am Straßenstrich von New York, sind bei weißen Männern mit Limousine besonders nachgefragt. Im Clash der Kulturen liegt das Faszinosum der Prostitution begründet. Sie hatte das auch in England beobachtet, wo Männer aus der weißen Mittelschicht besonders gerne Kontakte zu den Underdogs aus der Unterschicht suchten. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, daß Frauen aus der Unterschicht besonders vulgär, viril und leicht zu haben sind. Offenbar sind es ordinäre Schlampen, die die männliche Fantasie anregen, und keine schwäbischen Hausfrauen am Prenzlauer Berg

Manche Aktivisten glauben, man kann die Hurenbewegung auf links bürsten, indem sie sich Bordellbetreibern widersetzen und ihre Arbeitsrechte neu organisieren. Zumindest in Deutschland ohne Bordellverbote und mit eingeschränktem Weisungsrecht von Bordellbetreibern ist es zumindest ausgeschlossen, da einfach die Rechtsgrundlage dafür fehlt. Das Gesetz verbietet den Weisungscharakter und damit alle Merkmale eines klassischen Arbeitgebers, der die Arbeitszeit und die Aufgaben für Angestellte vorschreibt. Und 99% aller Prostitutierten arbeiten in einer prekären Selbständigkeit. Bleibt nur noch die Rolle des Betreibers als Vermieter, der darüber entscheidet, wer bei ihm zu welchen Konditionen arbeiten darf. Die Prostituierten gehen dieses Verhältnis freiwillig ein und stimmen den meist hohen Mietzahlungen zu, auch weil es kaum eine Branche gibt, wo man ohne Vorwissen, Bildung, Sprachkenntnissen viel Geld verdienen kann. Dies macht Prostitution besonders für arme und benachteiligte Menschen attraktiv, weshalb auch die Mehrheit der Prostituierten sonst in der Armut gefangen wäre. Prostitution ist eine der wenigen kapitalistischen Wirtschaftsweisen, wo der Sprung aus der Armut gelingen kann. Kein kapitalistischer Betreiber und Vermieter käme aber auf die Idee, freiwillig die Mieten zu senken. 

Nadine hatte oft den Eindruck, daß viele linke Aktivisten beim Kampf um Entkriminalisierung und im Kampf um Fördermittel, Spenden und Positionen in den vorderen Reihen der Bewegung, linke Ziele aus dem Auge verloren und die Frage der Identität in den Mittelpunkt stellten. Manche glaubten, daß sie allein aufgrund von Stigma und Marginalisierungs-Erfahrungen als psychisch oder körperlich beeinträchtigte Personen, mit einer anderen Hautfarbe oder Geschlechtsidentität automatisch Anspruch auf politische Posten haben würden.

Anstatt auf dem mühsamen Rechtsweg Sperrbezirks-Verordnungen und andere problematische Strukturen zu bekämpfen, drehten sich die meisten Linken nur im Kreis und standen in einem Wettbewerb bei Fragen der Identität. Das Menschen mit Mehrfach Stigmatisierung, fehlenden Sprachkenntnissen, Geschlechtsidentitäten und Hautfarben innerhalb der Hurenbewegungen gleichzeitig benachteiligt wurden, war der Gipfel dieser entsetzlichen Entwicklung. Leistung und Kompetenz zu Fragen wie Arbeitsschutz, Verwaltungsstrukturen, Gesetze wurden beim Stellenmonopoly kaum abgefragt und so glich die Hurenbewegung häufig einem nervösen Hühnerhaufen; es fehlte an Strategie und klaren, reflektierten Zielen, dem Mut zu handeln und unbequeme, arbeitsintensive Wege zu gehen. In der Politik ist allerdings Mut, Kompetenz, Disziplin, Hartnäckigkeit und Schnelligkeit gefordert. Politik ist Staatskunst und Prostitutionspolitik ist der unermüdliche Kampf als Aktivist, nicht unsichtbar gemacht zu werden und auf Augenhöhe mit Politikern sprechen zu können. Wenn man aufgrund von falschen Narrativen und mangelnder Kompetenz nicht ernst genommen wird, läuft man gegen die Wand. 

Wenn man sich lange genug im Maschinenraum einer sozialen Bewegung aufgehalten hat, weiß man, daß auch selbst ernannte Aktivisten nicht fehlerfrei agieren und genauso egoistisch handeln, wie in anderen sozialen Gruppen auch. Leider hatten es sich viele Sprecher in dieser Bewegung zu eigen gemacht, das sexpositive Happy Hooker Narrativ zu betonen, was an den Geburtsorten der Hurenbewegung, USA und Frankreich, längst abgeschafft worden war und nur noch in den deutsch-sprachigen Ländern ständiges Thema in der Berichterstattung war. Wo sich Sprecher darum drängelten, der Welt zu beweisen, wie glücklich sie als Hure waren. Dies hat mit politischer Arbeit nichts zu tun und folgt dem, was man in den USA Respectability Politik nennt, nämlich als ausgegrenzter Underdog Salonfähigkeit in der bürgerlichen Gesellschaft zu erreichen, indem man sich an den Mainstream anpaßt und unterwürfig kleine Kompromisse anstrebt, um sich zu beweisen. Und das geht nur mit Opportunismus an staatlichen Vorgaben. Je mehr die Huren um ihre Anerkennung in einer diskriminierenden Umwelt kämpften, umso lächerlicher machten sie sich, wenn sie auf Themen wie Gewalt, Ausbeutung und Zwangsprostitution keine Antworten hatten.

Deshalb entschied sich Nadine, das Zepter selbst in die Hand zu nehmen und konkrete Lösungen für praktische Probleme zu entwickeln. Diese Lösungen durften nicht kompliziert sein und mussten jeden Deppen-Test durchlaufen. Alles was akademisch und hochschwellig war, wurde von 99% der Huren ignoriert. Das war den meisten leider nicht klar, die akademisch anmutende Elaborate in der Öffentlichkeit oder im Netz absonderten.

Man kann mit dem akademischen Diskurs kaum Reichweite erzielen, weshalb sich Aktivisten, die sich ein wenig Basis Know How angeeignet hatten, nur im Kreise drehten und mit ihrer Rede zwar in den Diskurs, aber nicht in die Basis eindrangen, was es von außen umso abgehobener erscheinen ließ. Vielleicht ist es ja das Ego in der Hurenbewegung, nicht verstanden werden zu wollen und sich auf Ewigkeiten auf einen Opferstatus auszuruhen, der Legitimation verheißt. Letzten Endes machten sie es mit ihrem öffentlichen Auftreten den Prostitutionsgegnern leicht, sie zu zerpflücken. Wenn man sich hauptsächlich auf sexpositive und Happy Hooker Narrative zurückzieht, ist für jeden Außenstehenden völlig unklar, wofür man eigentlich kämpft. Und das sind ja die eigentlichen Schmuddelthemen wie Gewalt in der Sexarbeit, Mord und Totschlag, Kriminalität und Ausbeutung, Betrug und Belästigung im Netz, fehlender Gesundheitsschutz und keine Rechte. Im Prinzip kann man sagen, daß die Hurenbewegung in Deutschland den Anschluß an die europäische und globale Hurenbewegung lange verloren hatte und geistig nicht auf der Höhe der Zeit war.



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