Neuer Fortsetzungsroman: „Kohle“ von Martyra Peng

Hier erscheint exklusiv die Vorabveröffentlichung des Fortsetzungsromans „Kohle – die Geschichte einer Entfremdung“

– von Martyra Peng

Kapitel 1

Als Nadine 6 Jahre alt war, begann sie Tagebuch zu schreiben. Ihre Großmutter hatte ihr schon vor der Einschulung Lesen und Schreiben beigebracht. Sie las, was sie zwischen die Finger bekam. Ob Zeitungen oder Produktverpackungen, alles wurde neugierig durchgelesen und kommentiert. Oma kaufte sich jede Woche neue Zeitungen. Yellow Press. 

Überall stand das gleiche und Nadine fragte sich, warum das so ist. Sie suchte bei allen Zeitungen nach weiteren Gemeinsamkeiten und fand heraus, daß alle Zeitungen vom gleichen Verlag herausgegeben wurden und deshalb überall die Inhalte identisch waren. „Der Bauer Verlag ist die Lösung !“ rief sie euphorisch und klatschte in die Hände. Die Oma wunderte sich nur. Das gleiche machte sie bei Musik im Radio. Sie merkte sich das Muster einer Melodie und klimperte es auf einem kleinen Plastik Xylophon nach, weil der Vater kein Klavier im Haus haben wollte. Überhaupt hasste er Musiker und Künstler, auch Intellektuelle. 

Als er noch auf dem Bau arbeitete, freute er sich diebisch, wenn er morgens um 7 Uhr übermäßigen Lärm verursachte, um das faule Studentenpack aus dem Bett zu holen.

Bei Nadine gab es keine Bücher. Weil das was für Schwächlinge ist, sagte der Vater. Deshalb gab es auch keinen Musikunterricht, so sehr Nadine auch darum bettelte, ein Instrument zu lernen. Bei der Oma durchforstete sie auch alle Geschichten und Kurzromane in den Frauenzeitungen. Sie merkte sich die wiederkehrenden Muster in den Kurzgeschichten und schrieb eine eigene Geschichte mit gleicher Dramaturgie. Die Oma wunderte sich. „Du solltest beim Geheimdienst arbeiten“, meinte Oma.

Sobald sie etwas neues lernte, war sie gelangweilt und suchte nach einer neuen Herausforderung. In der Schule war Kunst das einzige Fach, dass sie gerne besuchte. Später im Gymnasium Politik. So nahm alles seinen Anfang. Dazwischen stand allerdings ihre Verrücktheit und schon früh wurde sie verhaltensauffällig, wenn sie andere Mädchen verkloppte, ins Gebüsch, wahlweise in die Mülltonne warf oder den Nachbarsjungen in den Arm biß. Viele Eltern beschwerten sich und es hagelte Backpfeifen. Die Mutter meinte, dass das Kind von einem Psychologen untersucht werden sollte, aber der Vater wollte dafür kein Geld ausgeben.

Nadine war ein neugieriges Mädchen und war das, was man wohl frühreif nennt. Schon früh zog sie die kleinen Jungen ins Gebüsch oder unter den geparkten Mercedes von Opa, um zu knutschen. Bei jeder Gelegenheit und Kindergeburtstag mußte man mit Nadine im Dunklen Verstecken spielen. Um zu knutschen. Auch später bei Geburtstagsparties von Klassenkameraden bestand sie darauf, das Licht auszudrehen und im Dunkeln Blues zu tanzen. 

Nadine nahm sich, was und wen sie wollte und schaffte es, ihre kleinen Verehrer mit ihrem überbordenden Temperament für sich einzunehmen. Schon früh war klar, dass sie eigentlich nichts mit anderen Mädchen anfangen konnte. Besonders wenn sie sehr devot waren. Das änderte sich auch später nicht. Freundschaften mit Mädchen schloß sie keine.

to be continued

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