Selbstliebe ist Widerstand

„Self Care is Resistance“ las ich kürzlich bei Instagram, wo ich mehrere Profile manage. Ehrlich gesagt habe ich mich mit dem Thema Selbstliebe in der Vergangenheit nicht explizit auseinandergesetzt. Seit ich keine politischen Ämter mehr habe, kann ich in meiner Freizeit viele Dummheiten anstellen und neue Interessen entwickeln. Deshalb hab ich angefangen, auch vegane Seifen zu sieden, dafür Kräuter zu sammeln und Kräutermischungen zum Räuchern zu produzieren wie eine Kräuterhexe. Ich habs nicht so mit Esoterik, aber ich weiß, dass bestimmte Kräuter heilen und wirksam sind. Derzeit beschäftige ich mit Kräutern vor meiner Haustür, wobei ich beim Sammeln darauf achte, dass kein Hund drauf gepisst hat, sie quasi für Pipi unerreichbar sind. Auf die Idee, Kräuter zu sammeln und mich damit in meiner Freizeit zu beschäftigen kam ich, als ich eine Freundin in Hamburg besuchte, die das bereits seit längerem macht. Wir sind dort immer spazieren gegangen in der grünen Umgebung und meine Freundin hat Brennnessel gezupft und ich hab dabei fotografiert. Man kann Brennnessel zupfen, ohne sich die Pfoten zu verbrennen. Gewusst wie.

Jedenfalls habe ich kürzlich meine erste vegane Hanf Seife produziert, die nach grüner Wiese duftet. Dazu hab ich einen Workshop in Berlin Neukölln bei Erica besucht, wo man uns alles fein erklärt hat. Es gab noch eine weitere Teilnehmerin mit ihrer Tochter und sie hat uns alle genervt. Das war der Typ Akademikerin, die ständig andere belehrt und bevormundet. Kürzlich beim Frauenarzt war auch so eine Frau, die ihre Versichertenkarte vergessen hatte. Die Arzthelferin bat sie freundlich, die Krankenkasse zu kontaktieren, um eine Versicherungsbescheinigung zu schicken. Mein Gott, hat sich die Schnepfe aufgeregt: sie rief „ich bin Professorin, Sie wissen nicht, mit wem Sie es zu tun haben! Da muß ich mich doch nicht extra ausweisen, mein Wort reicht“ und nicht wie andere Menschen behandelt werden. Arrogante Leute gibts.

Aber ich hab eh noch nie viel von Akademikern gehalten, obwohl ich selbst eine bin. Aber ich komme aus einem anderen Stall. Quasi aus der bildungsfernen Arbeiterschicht, wo immerhin mein Vater es geschafft hat, sich mit wenig Bildung und ohne Privilegien zum erfolgreichen Unternehmer hochzuarbeiten. Der Motor war offenbar die Flucht aus der DDR. Im Wissenschaftsbetrieb hab ich über viele Jahre die Eitelkeiten von Akademikern kennengelernt und ihren versteckten Antisemitismen und Rassismen, die sie dezent in kryptischen Literaturhinweisen verkleideten und verklausulierten, sodaß nur eingeweihte Leute aus ihrer Zunft den Dreck entschlüsseln konnten. Ich bin froh, dem akademischen Betrieb den Rücken gekehrt zu haben. Das war schon ein Akt der Selbstliebe, daß ich meine Seele nicht an den Teufel verkauft habe. Damals war dieser Bruch mit meiner beruflichen Laufbahn Grund für eine tiefe Depression. Heutzutage, 20 Jahre später, ist mir klar, dass dieser Bruch notwendig und gesund war. Natürlich hab ich unter dem Verlust von Privilegien gelitten und der Sprung in die Prostitution und Outing ist natürlich mit einem Verlust von sozialem Status und Bekannten einhergegangen. Ich kenne viele Leute, die mich immer bemitleideten, weil ich für Kaufmich gearbeitet habe, so schlecht ist das Image meines ehemaligen Arbeitsplatzes. Aber es war auch eine Art berufliche Zauberküche, wo ich 10 Jahre lang tolle und nachhaltige Projekte vollbracht habe. Allerdings hab ich um meine Erfolge nie viel Wind gemacht, weil ich genügsam und zurückhaltend bin und niemandem etwas beweisen muß, außer mir selbst.

Jedenfalls fühlte ich mich auch wie befreit von einer schweren Last. Ich kann mich leider nicht gesellschaftlich anpassen und bin nicht dazu geeignet, mit den Wölfen zu heulen, um Karriere zu machen. Allerdings hatte ich das Thema Selbstliebe dann lange Zeit vergessen und mich zu sehr als Mutti um andere Menschen gekümmert. Es ist auch so viel Hilfe notwendig. Ich kenne inzwischen drei Menschen in meinem Bekanntenkreis, die wohnungslos in Berlin sind und bei Bekannten schlafen. Sie haben kaum eine Möglichkeit, jemals bezahlbaren Wohnraum zu finden. Am Samstag findet wieder eine Mietendemo und ich hoffe, dass es wieder viele Unterstützer:innen gibt.

So, jetzt freu ich mich, dass Geld ins Haus kommt. Meine ganzen neuen Hobbies kosten ja auch Geld. Also als Kräuterhexe hatte ich kürzlich meine Wohnung ausgeräuchert und ein Ritual durchgeführt, damit Geld reinkommt. Und heute bekam ich plötzlich einen Anruf der UFA, um meine Wohnung als Drehort zu nutzen. Juchhe! Ich hab zwar Kameraerfahrung, aber in diesem Fall gehts nicht um mich, sondern um die Wohnung. Ich werde sie jetzt erstmal aufräumen und zum glänzen bringen, damit das alles gut über die Bühne geht. Wer meine Kräutermischung „Money Magnet“ haben will, kann sich gerne bei mir melden. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die sind mit dem Verstand nicht nachvollziehbar. Das sind die kleinen Wunder des alltäglichen Lebens.



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