Fehler im System

Im Nachhinein betrachte ich meine irrlichternde Karriere im Rotlicht Biz als Fehler und Unglücksfall in meinem Lebenslauf, weil ich Zeit, Geld und Verstand über 15 Jahre verplempert habe. Ich hätte 1998 einfach meine Doktorarbeit in den USA oder in Deutschland nach vier Jahren Arbeit beenden sollen; eine Assistentenstelle in Göttingen wurde mir bereits angeboten, ein Promotionsstipendium in US ebenfalls. Aber ich habe aufgrund meines Ekels gegen Apartheid, Kapitalismus einen anderen Weg gewählt, der weitaus kapitalistischer war: die Prostitution. Dort wo Körper, Integrität und Geld getauscht werden, ist die Gier nach Geld einfach grenzenlos. Ein Kuß 20 Euro Extra. Ich bin keine Prostitutionsgegnerin geworden, aber eine Prostitutionskritikerin, wie mein Buch eindeutig beweist. Mein IQ ist im Bordell von 136 auf 94 abgerutscht, da wußte ich, das etwas schiefläuft, aber ich fand keinen Weg mehr aus dem Labyrinth hinaus. Es hat jetzt 20 Jahre gedauert, bis ich nach meiner Achterbahnfahrt von ganz unten nach ganz oben endlich wieder einen Job habe, wo ich fürs Denken bezahlt werde und nicht fürs Arbeiten stupider wiederkehrender Aufgaben. Das hat mich depressiv und stumm werden lassen. Wenn man einmal zum Wildpferd ausgebildet wurde und zum Wohlergehen der Menschheit eine intellektuelle Umgebung braucht, ist der soziale Abstieg besonders hart. Genauso wie ich weiterhin darunter leide, daß ich auf dem Höhepunkt meiner Berliner Gentrifizierungskarriere meinen Wohnsitz an der Museumsinsel in Berlin aus persönlichen Gründen aufgeben mußte, um meinen privaten Frieden zu finden. Und das soll auch so bleiben. Ich werde niemals mehr eine Wohnung in der Berliner Mitte finden und muss mich damit abfinden, daß mein aktueller Wohnsitz, neo-klassizistische Wohnmaschinen der sozialistischen Moderne bald Weltkulturerbe wird. Ich habe in meinem Leben über viele Jahre vieles aufgebaut, um es zu verlieren. Nur eins hab ich als 50 Jährige gelernt: verschwende niemals Zeit, Geld und Energie mit Arschlöchern und Dumpfbacken und da bin ich jetzt radikal, meine Ansprüche durchzusetzen. Ich bin jetzt total rücksichtslos, weil meine Gutmütigkeit und Rücksichtnahme nur ausgenutzt wurden und mich keinen Schritt nach vorne gebracht hat. Mir ist es lieber in einem kapitalistischen Unternehmen innovativ mitzumischen, als mir weiterhin ideologische Scheisse, Geschichten von Krankheit, Ausbeutung und Niedertracht anzuhören. Ich war immer eine Linke, aber unter den aktuellen Bedingungen nicht und ich wechsele die Seiten, ohne Ausbeuterin und Bordellbetreiberin zu werden. Ich hatte mehrere Angebote, aber habe alles ausgeschlagen, da ich nicht an Sexarbeiter:innen profitieren möchte, die teilweise ums Überleben kämpfen. Mich ekelt das alles einfach nur noch an und ich habe einen Schlussstrich unter meine Vergangenheit gezogen und schau kämpferisch nach vorne, wo ich von wohlwollenden und wertschätzenden Menschen umgeben sein werde. Euer Primitivismus, Egoismus und Dummheit kotzt mich an!



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