Unsägliche Identitätspolitiken

Eigentlich wollte ich es mir verkneifen, weil es mich aufregt, aber heute wurde ich mit der Aussage getriggert, dass die Werbeplattform Kaufmich.com, für die ich seit 10 Jahren arbeite, transfeindlich sein soll.

Um es ganz klar zu sagen: bei der Gründung von Kaufmich wurden nur trans* Sexarbeitende und Frauen zugelassen, männliche Sexarbeitende, Travestiten, Damenwäscheträger nicht. Damals gab es noch nicht die Identitätsdebatte, wie sie aktuell kursiert. Die Bezeichnung nicht-binär war noch nicht erfunden. Deshalb kann man sich als Escort bislang nur als Frau oder Transsexuell definieren. In Zukunft wird sicher über die Kategorien nachgedacht und um nicht-binär ergänzt, aber das kann ich aktuell nicht versprechen.

Es liegt keine böse Absicht dahinter, dass man sich damals dafür entschieden hat. Es hat auch damit zu tun, dass es einen geschützten Raum für Sexworker gibt, den wir verteidigen müssen. Wir erwähnen das Forum öffentlich nicht, um keine schlafenden Hunde zu wecken, da sich Kunden bereits in der Vergangenheit Zugang verschafft hatten, indem sie dafür Sexarbeitende bezahlten. Aber ich muß es bei dieser Gelegenheit betonen, daß wir für den Zugang zum Forum gewährleisten mußten, dass sich kein Mann mit Perücke reinschleicht, was ebenfalls vorkam. Deshalb haben nur weibliche Menschen und weiblich aussehende Menschen, die sich als Sexarbeitende definieren, Zugang zum geschützten Forum.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich jedoch mal klarstellen, was ich im Rahmen der Identitätspolitik und Diskussionen rund um Rassismus der letzten Monate erlebt habe. Mir wurde Rassismus vorgeworfen, weil ich eine Reisewarnung für Escorts für den arabischen Raum ausgegeben habe, nachdem ich im Laufe der Jahre eine Vielzahl von negativen Erfahrungsberichten von Escorts erhielt. Also Moderatorin von zwei Sexworker only Foren sowie in persönlichen Gesprächen mit Sexarbeitenden bekommt man natürlich sehr viel mit. Auch, dass viele Sexworker in ihren Werbeprofilen „keine Südländer“ schreiben, was sich ebenfalls negativen Erfahrungen verdankt; ich selbst habe damit mehrfach Bekanntschaft gemacht und es ist eine Frage der (sexuellen) Selbstbestimmung, wen man in seinen Nah- und Intimbereich läßt. Das ist kein Rassismus, um es mal klar zu sagen. Selbst das Auswärtige Amt gibt Reisewarnungen raus, u.a. über Kriminalitätshotspots oder Gefahren für die LGBTIQ Community. Insofern sind Warnungen lebensrettend. So eine dämliche Diskussion wie in Deutschland hab ich bislang fast nirgendwo erlebt, wobei der Irrsinn aus den USA und England auch nach Westeuropa geschwappt ist. Die Vorwürfe, die da erhoben werden, entbehren jeder Realität und Logik. Mehr möchte ich dazu auch nicht mehr sagen. Man kann es auch in dem aktuellen Buch „Generation Beleidigt“ nachlesen, was für ein Betroffenheitsirrsinn da verzapft wird. Im übrigen kann man mit Identitätspolitik keinen strukturellen Rassismus bekämpfen, sondern nur mit knallharter Interessenpolitik.



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