Der Schrei

Eine Erzählung

Für mich gehören Blogs zu moderner Literatur, so auch Tweets. Im Prinzip hab ich über viele Jahre ein Gesamtkunstwerk auf meinen sozialen Medien geschaffen. Es ist wie ein Labyrinth, wo man dem Ariadne Faden folgen muß. Manches wurde mittlerweile gelöscht. Manchmal hilft lesen rückwärts.

Kapitel 1

Ich blicke aus dem Kabinenfenster. Unter mir öffnet sich der Atlantik. Tiefes Blau, wo man Schaumkronen erahnt. Mit jeder Sekunde komme ich meinem Ziel näher: Die University of Chicago. Die Elite-Universität mit der höchsten Suizid-Rate fand ich heraus. Ort des Untergangs.

Juli 1998. In Chicago erwartet mich eine schwüle Hitze, der ich mit einem klimatisierten Taxi entkomme. Mein Ex-Liebhaber erwartet mich in seinem Apartment am Lake Shore Drive. Ich schlafe dort 1-2 Nächte, bevor ich mein Zimmer im International House of Chicago am Campus beziehe.

Abends geh ich mit GW chinesisch essen. Ich sehe das erste Mal Glückskekse. Auf dem winzigen Zettel steht: „Das Glück, das im Auge des Denkenden aufgeht, ist das Glück der Menschheit.“

GW ist der erste und letzte Professor, mit dem ich eine Beziehung habe. Natürlich hatte er nie erwähnt, dass er verheiratet ist. Das war ein Schock, als ich es herausfand, und Grund mich zu trennen. Ich will Symbiose Tag und Nacht und nicht Mätresse sein.

Ich nannte GW immer mein Michelin-Männchen. Wegen seiner Leibesfülle. Durch seine Einladung nach Chicago und den Empfehlungen meiner Doktorväter gelang es mir, die gläsernen Decken zu berühren. Der erste Schritt war getan. Nur durchbrechen musste ich sie noch.

Ich lernte GW bei einem Nietzsche Kongress 1996 kennen. Ich beobachtete ihn heimlich, wie er nervös an seinen Fingernägeln kaute, bevor er sich plötzlich erhob & einen Vortrag frei & ohne Zettel hielt. Anders als deutsche Wissenschaftler, die alles von Papier ablasen.

Sein Vortag über Nietzsches Buch „Vom Nutzen und Nachteil der Historie über das Leben“ war so beeindruckend, dass ich ihn ansprach & wir uns abends auf ein Glas Wein verabredeten. Später besuchte er mich in Duisburg. Er war US-Amerikaner, lebte in Florenz und sprach 8 Sprachen.

Die Hitze in Chicago erdrückte mich. Ich verabschiedete mich von GW & zog in mein Zimmer, dass nun mein Zuhause für die nächsten Monate werden sollte. Keine Klimaanlage, dafür ein klappriger Ventilator, der die warme, feuchte Luft durchpflügte. Es sah aus wie eine Gefängniszelle.

Von dieser Studierkammer aus unternahm ich nun meine Ausflüge in die Bibliotheken & Buchhandlungen, diskutierte mit Professoren meine Forschungsergebnisse & lernte andere Doktoranden kennen, die mich nachhaltig beeinflussen sollten. Aber es lief nicht so reibungslos wie gedacht.

Zunächst wurde meine Kreditkarte durch ein Fehler des Verkäufers gesperrt, als ich auf einem Kunstmarkt Fotografien kaufte. In den USA ohne Kreditkarte dazustehen ist mörderisch & ich musste meinen Vater per R-Gespräch bitten, mir aus der Klemme zu helfen.

Ausserdem stieg ich an einem Nachmittag in Downtown in den falschen Zug ein & landete nicht am Campus, sondern im Ghetto von Chicago, wo ein Aufenthalt für Weiße Lebensgefahr bedeuten kann. Ich irrte umher, bevor mich endlich ein Taxifahrer einlud & sicher zurück brachte.

Der schwarze Fahrer, der sein Taxi von innen verriegelte, war außer sich und schimpfte. Bei mir hatten sich die Bilder eingeprägt, von der Southside, wie nach einem Bürgerkrieg. Mit ausgemergelten schwarzen Gestalten und hoffnungslosen Blicken, die sich in mein Gehirn frästen.

Diese absolute Armut hatte ich noch nie in einem Industriestaat gesehen. Ausser die Slums in Kalkutta Jahre später, wo ich mich anläßlich der Welt Aids Konferenz befand & zusammen mit 5000 Sexarbeiter:innen im grössten Rotlichtbezirk Südostasiens Sonagachi demonstrierte.

Die Slums von Chicago: Wohnbaracken, Löcher statt Fenster, Autowracks, Menschen, aus deren Augen Resignation und Hoffnungslosigkeit sprachen, machten klar, dass die USA noch ein Apartheid Regime war. Mein amerikanischer Traum war geplatzt, ich durchlitt eine schwere Depression.

Eine Woche blieb ich im Bett, starrte  auf den ächzenden Ventilator. Tausende Studenten müssen in diesem Zimmer Qualen durchlitten haben, bevor sie sich nach erfolgreichem Abschluss in alle Winde verstreuten. Andere blieben zurück. Die Uni hatte die höchste Suizidrate in den USA.

Ich wollte herausfinden, warum das so ist. Ich sprach darüber mit anderen Student:innen, auch über die Slums von Chicago. Ich freundete mich mit einer schwarzen Studentin an, Ami. Ihre Eltern waren Lehrer in Chicago, sie bekam ein Stipendium, wie ich.

Mit den osteuropäischen Student:innen machte ich Party. Wir besuchten die Jazz Clubs in Downtown, hörten den Soundtrack von Trainspotting rauf und runter. Ihre Eltern, alle Akademiker, hatten ein Leben lang gespart, um ihren Kindern das Studium in den USA zu ermöglichen.

Ich beneidete sie um ihre Eltern. Mein Vater war immer der Meinung, dass man sich alles selbst erarbeiten muss. Unterstützung und Fürsorge hatte ich nie erhalten, weshalb die Sperre meiner Kreditkarte ein Drama war, weil ich ihn um etwas bitten musste, der freiwillig nie was gab.

Als ich die Möglichkeit bekam, ein Jahr in NYC ein Praktikum bei den UN zu machen, weil ein Bundestagsabgeordneter mich förderte, sagte mein Vater, dass er mir nicht meinen Urlaub finanzieren wolle. Er drohte, den Unterhalt zu streichen, den ich Jahre zuvor einklagen musste.

Kapitel 2:

Mein berufliches Ziel war eine internationale Karriere als Wissenschaftlerin oder bei den Vereinten Nationen. Ich war nicht nur der erste Mensch, der im Ghetto von Duisburg aufwuchs, Gymnasium und Universität gegen alle familiären Widerstände besucht hat, sondern auch die erste Frau, die promovierte. Meinen Großmüttern und meiner Mutter hatte ich schon im Alter von 17 Jahren in radikalfeministischer Manier erklärt, dass ihr Frauenschicksal niemals für mich in Frage käme. 

Kein Eigenheim mit Kiesauffahrt oder Versorger Ehe, die Beine auf Kommando breit machen, und wöchentlich um ein knappes Haushaltsgeld betteln. Wenn der Herr dann mal großzügig war und gute Laune hatte, ließ er vielleicht etwas Taschengeld springen, um sich ein hübsches Kleid zu kaufen und dem Herrn zu gefallen.  Aber Mann ließ nur etwas springen, wenn die Frau sexuell verfügbar war. Manche lassen sich von ihren ungeliebten Männern bis ins hohe Alter unter Schmerzen in den Arsch ficken, um nicht in der Altersarmut zu verelenden. 

Keine Mutterschaft, das ist der Tod von wissenschaftlicher Erkenntnis und Karriere. Ich habe die Entwicklungen vieler Frauen meiner Generation beobachtet. Alles endete in der Sackgasse, in Scheidungen und in alleinerziehenden und neurotischen Müttern, die verzweifelt versuchten, Unterhaltsansprüche gegen ihre Ex-Männer durchzusetzen. Die allerwenigsten zahlen und machen sich aus dem Staub. Da ist eine Weicheier-Generation herangewachsen, die Verantwortung nicht kennt, sondern nur radikalen Egoismus. 

Mutterschaft bedeutet das Ende jeder großen Karriere zwischen 25 und 35 Jahren. Ich hätte auch gerne Kinder gehabt, aber alle Männer, die ich kennenlernte, waren für die Vaterschaft völlig ungeeignet, da sie entweder eine narzisstische Störung auszeichnete, die sie hoch manipulativ macht oder ihre Karrieren sind von Geiz, Geldgier & Geltungssucht motiviert. Manche hatten durch frühkindlichen Mißbrauch Persönlichkeitsstörungen entwickelt, die zu Armut, Alkoholismus und Gewalt führten. Allen fehlte Empathie. Sie umkreisten nur ihr Selbst.

Ich finde Mutterschaft schön, wenn man zuversichtlich in die Zukunft schauen kann und eine finanzielle Unabhängigkeit erreicht hat, die finanziell auch eine Nanny oder ein Internat erlaubt. Helicopter Eltern, deren einziges Leben sich nur noch um den Nachwuchs dreht, ist eine deutsche Eigenart. Im bürgerlichen Frankreich und anderswo sind die Kinder in Ganztagsschulen und werden von Nannys betreut. Die Begegnungen der Familienmitglieder sind auf ein minimum reduziert, aber eben Quality Time mit gemeinsamen Essen und Gesprächen und keine Schreierei.

Über vier Jahre habe ich an meiner Doktorarbeit geschrieben, Vorträge gehalten und unterrichtet. Aufbau Ost. Mittelmäßige westdeutsche Wissenschaftler:innen machten an ostdeutschen Provinzuniversitäten Karriere & ich mußte ostdeutschen Lehrern Demokratie erklären.

Aus der Distanz einer US-amerikanischen Elite-Universität betrachtet, sieht man die Unterschiede zu Deutschland & Europa ganz deutlich. Lazy Nations meinte ein indischer Geschäftsmann in London einmal zu mir. Das ist Europa, und der Anschluß an die Globalisierung längst verpasst.

Die Musik wird woanders gespielt. Deutschland kommt mir vor wie ein fett gefressenes Schwein, das nicht mehr aufstehen kann. Agilität, geistige Offenheit und Innovation findet woanders statt. In Deutschland gibt es nur Copy & Paste. 

In Chicago lernte ich Doktoranden kennen, die intellektuell in Sieben-Meilen-Stiefeln voranschritten; ganz anders als die in Deutschland gepamperten Nachwuchswissenschaftler, deren Opportunismus aus allen Poren kroch und Wegbereiter jeder durchschnittlichen Karriere ist. 

Aber auch ich bin als Tiger gestartet, um als Bettvorleger zu landen. Meine internationale Karriere endete im Bordell als Prostituierte. Wie konnte es dazu kommen konnte, wurde ich häufig gefragt. Ganz einfach: wenn Du linke Positionen vertrittst – und da habe ich einiges an Nachhilfe ausgerechnet an der berühmten Chicago School erhalten – , sind die Türen in Deutschland verschlossen, weil immer noch die Antikommunismus-Doktrin gilt, die die Geister vernebelt. 

Meine Doktorväter zensierten meine Dissertation und zwangen mich, meine theoretischen Positionen aufzugeben, mit denen man in den USA sogar Professuren ergattern kann. Nicht so in Deutschland. Für mich war die Entscheidung einfach: wenn ich gegen jede bessere Erkenntnis Wissen produzieren soll, dass nur Schwachsinn optimiert, bin ich in Deutschland an der völlig falschen Adresse. 

In Chicago erhielt ich das Angebot, meine Dissertation mit einem Stipendium zu beenden. Das hätte noch einmal 5 Jahre Ph.D. Studium bedeutet, was nicht so schlimm gewesen wäre. Aber bei der Vorstellung, mein Know How an ein Apartheid Regime wie den USA zu verkaufen, das die Menschenrechte mit Füßen tritt, schrillten meine inneren Alarmglocken. Anpassung um welchen Preis? Vor 20 Jahren stand der Begriff Neoliberalismus auf dem wissenschaftlichen Index, zumindest in Deutschland. Neoliberale Ökonomie zu kritisieren war des Teufels. Soll es Ziel einer Karriere sein, alle persönlichen Überzeugungen und hart erkämpften und erarbeiteten Positionen aufzugeben? Mein Interesse war nicht Status, Geld und Karriere um jeden Preis, sondern eine Nische zu finden, in der ich unabhängig bleiben, überleben und forschen kann. 

Ausgerechnet ein kleines Startup hat mir genau diese Möglichkeit geboten, nachdem alle Bewerbungen nach meinem Ausstieg aus dem Wissenschaftsbetrieb scheiterten. Zuvor war jedoch noch ein anderer Weg für mich bestimmt: der Weg in die Prostitution, der für hochsensible und gutmütige Menschen wie mich nicht nur eine Sackgasse bedeutet, sondern auch eine Gefahrenzone ist. Zwar bin ich nicht darin umgekommen, aber ich habe soviel Gewalt erlebt und gesehen, dass ich mich im Nachhinein mit Schaudern abwende. 

Gewalt und Sexismus führten schon in jungen Jahren zu meinem Widerstandskampf. Später wurde ich eine internationale politische Aktivistin für die Rechte von Sexarbeiter:innen. Normalerweise versauert man mit diesem Background irgendwann in einer NGO. Die meisten Hilfsorganisationen sind reine Gelddruckmaschinen, wie die katholische Kirche. Hilfs- und Spendengelder wandern im Regelfall nicht in die Hände von Menschen, die um ihr Überleben kämpfen, sondern in die Taschen der Funktionäre und man schiebt sich gegenseitig die Pöstchen zu. Das habe ich schon an einer westdeutschen Provinz-Universität beobachtet, wie das läuft.

Kapitel 3

Eine prominente deutsche Aktivistin hat mal zu mir gesagt: Prostitution ist nicht für jeden geeignet. Frauen, die von Loverboys zur Prostitution genötigt werden, hätten kein Selbstbewußtsein und werden deshalb Opfer von Ausbeutung. 

Das denke ich auch, aber aus anderen Gründen. Sie glaubt, dass die Frauen selbst schuld seien, weil bei ihnen Opfer auf der Stirn steht. Professionelle, selbstbestimmte und selbstbewusste Dominas wie sie können deshalb garnicht Opfer werden und sind quasi unverletzbar. 

Wenn man allerdings ein sensibler und achtsamer Mensch ist, ist Ficken im Akkord die Hölle, weil Ficken Genuss sein soll und kein Leistungssport. Bei mir stand nicht Opfer auf der Stirn. Ich war nur eine „deutsche Schlampe“, die es nicht anders verdient, als schlecht behandelt zu werden. 

Mein Selbstbewußtsein hat mir auch nichts genützt, um mich vor Gewalt zu schützen. Es handelt sich auch nicht um einen „kleinen Betriebsunfall“, sondern um drei Übergriffe mit lebenslangen Folgen und gesundheitlichen Schäden, die ich davon getragen habe. 

Und wenn man ein sogenanntes dickes Fell hat und viele Schläge abkann, ist das der Himmel der Prostitution? Nur weil man sich selbst für unverletzbar hält, weil man sich nicht ficken läßt und die Sklaven unter Kontrolle hat, kann man also kein Mitgefühl für Frauen empfinden, die naiv und verliebt sind und deren Gutmütigkeit mit einem Schlag in die Fresse belohnt wird? 

Meistens kann man sich sein Schicksal nicht aussuchen. Besonders, wenn man in Not ist. Und Not und Armut sind es hauptsächlich, die Menschen in die Prostitution treiben. Und auch mich getrieben haben. In Deutschland und überall auf der Welt. 

Menschen, die zu viel romantische Rotlicht-Literatur gelesen oder Pretty Woman und andere Märchen gesehen haben und die über die Medien und Filme lernen, daß man als Escort Lady oder Domina mit wenig Arbeit und Ausbildung viel Geld verdienen kann, fallen allesamt auf das Happy Hooker Marketing rein. 

Sie alle finden dadurch ihren Einstieg in das Business. Ihre Online Präsenz ist durch permanentes Selbst-Marketing bestimmt, dass das Happy Hooker Narrativ beschwört. 

Das ihre Kunden einseifen soll, dass Sexarbeit keine Arbeit ist, sondern ein Hobby und pures Vergnügen. Alles ist Marketing, aber völlig lebensfremd. 

Wenn politische Aktivist:innen in der Öffentlichkeit bei jeder sich bietenden Gelegenheit beschwören, wie glücklich und selbstbestimmt sie sind, ist das kein politischer Aktivismus, sondern die komplette Idiotie. Wieso für etwas kämpfen, wenn es allen doch gut geht? 

Diese Leute repräsentieren jedoch politischen Aktivismus in Deutschland, und nicht nur hierzulande. Der Geburtsfehler dieses Denkens ist die geistige Verblendung und die fehlende Empathie mit den schwächsten Mitgliedern der Community, zu denen sie überhaupt keinen Kontakt haben, deren Interessen sie jedoch vertreten wollen. 

Hier betreiben Leute Selbst-Marketing, indem sie das Leid und die Gewalt in der Prostitution einfach ausblenden. Diese Lobby-Politik ist nicht anschlußfähig an die Kommunikation und Repräsentation all derer, die in keiner privilegierten Position sind, die mehr als 25 Sprachen sprechen, aber kaum deutsch und englisch, die  unsichtbar sind und gemacht werden, für die das Happy Hooker Narrativ, hochschwellige Diskurse und Politik ein Fremdwort ist. 

Ein politischer Aktivist ist nur dann vertrauenswürdig, wenn er den Kontakt zur Basis nicht verliert. Wenn er weiß, was auf der Strasse und in den Bordellen, Fickwohnungen los ist. Wo man durch persönliche Gespräche erfährt, wo der Schuh drückt. 

Diese Mühe muß man sich trotz Sprachbarrieren machen, sonst wird man überhaupt nicht ernst genommen. Politischer Aktivismus für Hurenrechte sollte nicht durch einen von der Basis entkoppelten Verband repräsentiert werden, der hochschwellige Texte veröffentlicht und Angebote macht, die die Mehrheit überhaupt nicht erreicht. Das Leben in der Bubble führt zu einer völlig falschen Selbst- und Fremdwahrnehmung und man ist von sich selbst so überzeugt, das Gute zu tun, das jegliche Kritik abprallt.

Geldnot oder Geldgier sind keine ideale Basis für Solidarität mit den schwächsten Mitgliedern der Sexworker Community.

 In der Realität gibt es keine Romantik. Prostitution bedeutet harte Konkurrenz, ist ein Business und es geht immer nur ums Geld, wie überall. Da hauptsächlich Bargeschäfte gemacht werden, ist es auch Anziehungspunkt für Kriminelle, von denen die meisten ebenfalls Armutskarrieren hinter sich haben. 

Aber manche von ihnen fangen ja schon an, mit Kryptowährungen ihre Geschäfte abzuwickeln, während andere Länder noch mühselig das Bargeld aus dem Markt ziehen. Da müssen sich auch Kriminelle umstellen und am Beispiel Schweden sieht man, dass die Politik der Saubermänner dazu führt, dass Cyberkriminalität steigt und Menschen in der Illegalität überhaupt nicht erreicht werden. 

Ich hab in den letzten 15 Jahren nicht nur Sozialforschung gemacht und Statistiken entwickelt. Sondern auch meine Schreibblockade nach dem Ende meiner wissenschaftlichen Laufbahn überwunden. Heraus kommt bei meiner Forschung und Analyse, dass ich als politische Aktivistin für Hurenrechte ungefähr soviel Macht und Einfluss habe wie ein Fliegenschiss, sowohl innerhalb als auch außerhalb von Verbänden. 

Mit den Huren wollen sich die wenigsten verbünden oder anfreunden, ausser um sie kostenlos zu ficken. Da wir als allgemeiner Bürgerschreck gehandelt und meist durch gesellschaftlich angepasste Aktivistinnen in der Politik vertreten werden, die das Hohelied der Selbstbestimmung singen, werden Prostituierte nicht ernst genommen. 

Die Kehrseite der Prostitution, Gewalt und Ausbeutung, wird hartnäckig ignoriert oder relativiert. Man kann die Ausbeutungsverhältnisse nicht auflösen, wenn man sie noch nicht einmal aufrichtig anerkennt und analysiert. Darauf wissen unsere privilegierten Aktivistinnen keine Antwort. Prostitution liegt auch quer zu staatlicher Reproduktionspolitik und ist der Stachel im Fleisch jeder Ehefrau, die seit Jahren den Sex verweigert.

Bei seriös gezählten 100.000-150.000 Sexarbeiter:innen in Deutschland, in einem Business mit hoher Mobilität und Fluktuation, haben wir es also mit einer organisierten Gruppe von etwa 600 Sexarbeiter:innen und einer Handvoll Verbündeter zu tun, die kaum Reichweite außerhalb ihrer Bubble erzielen.

Etwa 25% aller Huren arbeitet in Bordellen und bieten Full Service, das bedeutet sie ficken und blasen, und können kaum Distanz zu ihren Kunden schaffen, was den Tantra Ladies oder Dominas, die aber die Deutungshoheit haben, vorbehalten ist. 

Diese 25% sind quasi mit den 40.000 registrierten Sexarbeiter:innen identisch. Die Mehrheit will sich aus vielen Gründen nicht registrieren und outen, sondern verständlicherweise anonym bleiben, solange sie nur Pflichten haben und ihre Rechte nicht kennen. Die Anonymität ist Fluch und Segen zugleich. 

Bei 82 Millionen Einwohnern in Deutschland mit Meldeadresse arbeitet die Mehrheit der 80% mobilen und migrantischen Sexarbeiter:innen ohne festen Wohnsitz in Deutschland und haben kaum Zugang zu staatlicher Unterstützung. 

Für sie fällt auch in der Corona Krise keine warme Suppe aus der Armenküche ab, da die meisten Hilfsorganisationen ihren Betrieb eingestellt haben. Der Anteil empowerter Sexarbeiter:innen an der Gesamtbevölkerung repräsentiert weniger als ein Promille und bewegt sich faktisch gegen Null. 

Prostitutionspolitik ist politisch irrelevant, außer Kriminalität und Ausbeutung entwickelt eine kritische Masse. Bei der Identifizierung und Unterstützung von Opfern arbeitet der Staat zu langsam und mit den falschen Mitteln, der Opfer auch nicht zu einer Aussage motiviert. 

Zwar versuchen Behörden und Wissenschaftler in den USA und Großbritannien Muster zu identifizieren, um grenzüberschreitende Kriminalität zu entdecken, aber es bleibt an der Oberfläche. Tatsächlich würde hier künstliche Intelligenz helfen, Muster im Netz zu identifizieren & Kinderpornografie schon beim Upload aus dem Netz zu fischen. Tatsächlich agieren die meisten Kriminellen nicht im Dark Net, sondern vor den Augen der Behörden.

Das Startup war meine Rettung, wie das Internet überhaupt. So konnte ich mit meinen Freunden im Ausland in Verbindung bleiben und konnte als Prostituierte völlig selbständig und professionell arbeiten und mir die Kunden aussuchen. 

Das Internet bot mir auch die Möglichkeit, mit klugen Selbst-Marketing-Tricks und mehrstufigen Kundenscreening alle Sadisten und emotionalen Kunden abzuschrecken und gleichzeitig die großartigsten Menschen, also Kunden, kennenzulernen. Viele meiner Fans waren wie ich, nämlich Einzelgänger. Sie waren der einsame Samurai in der Wüste der Business Welt. Ich schenkte ihnen Lebensfreude und sie sicherten mir mein Überleben als freie Frau.

Kapitel 4

Meinen Mann traf ich woanders. Als ich ihm Weihnachten 2003 begegnete, in einem alten zerlumpten Mantel mit Hut, beeindruckten mich seine intelligenten und wachen Augen. 

Ich war sofort in Ekstase, ich erkannte einen ungeschliffenen Diamanten. Eine Verbindung, die trotz neidischer Prophezeiungen und Störmanövern auch 16 Jahre später nicht enden sollte. 

Normalerweise dauert die Phase der Verliebtheit nur 6 Wochen bis 3 Monate. Der Hormonschub ist ja eigentlich nur zeitlich befristet, um die Nachkommenschaft zu sichern. Aber bei uns war alles anders.

Als wir das erste Mal miteinander sprachen, faßte er mir wie einem Fohlen an die Fesseln, um sich zu überzeugen, dass ich keine Stampfer hatte. Dann frug er: „Wo bist du die ganze Zeit geblieben?“

Erst drei Monate später sahen wir uns per Zufall wieder. Ich feierte gerade meinen Geburtstag in einem Weinladen, als er unerwartet erschien. Das war mein Geburtstagsgeschenk. 

Ich hatte auf diesen Augenblick so lange gewartet und bin deshalb sogar von London nach Berlin zurück gezogen, um eine Chance auf ein Wiedersehen zu bekommen. 

In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so einem großzügigen, bescheidenen, intelligenten, witzigen und gut duftenden Mann kennengelernt, der auch noch gut kochen kann. 

Mit Duft meine ich kein aufdringliches Herrenparfum, sondern den Stallgeruch. Wir sind unter dem gleichen Stein hervor gekrochen, sind in der gleichen Region aufgewachsen, haben die gleichen Kämpfe geführt. Wir sind kontinuierlich und diszipliniert unseren Überzeugungen trotz massiver Widerstände gefolgt, obwohl wir verschiedenen Generationen angehören. 

Wir sind beide Pioniere und Außenseiter, verstehen sehr viel von Politik und Wirtschaft, haben jedoch kein Talent und Interesse, damit Geld zu verdienen. Wir fahren kein Auto und niemals in Urlaub, da unsere Arbeit unser Vergnügen ist. Ich reise nur, um Freunde und Familie wieder zu sehen oder um an spannenden Konferenzen teilzunehmen. 

Liebe bedeutet für mich, Eros zu finden und damit Erkenntnis. 

Im klassischen antiken Verständnis. Wenn Du mit einem Menschen eine Einheit wirst und trotz aller Widerstände solidarisch bleibst, bis in den Tod. Das ist eine Liebe, die auf echter Freundschaft basiert. Wenn Geld nicht zwischen Menschen steht. 

Ich wollte meine Lebenszeit nicht mit dem Warten auf Kunden verplempern, sondern sie mit meinem Geliebten verbringen. Dafür habe ich in Kauf genommen, wenig Geld zu verdienen und keine Eigentumswohnung zusammen zu vögeln wie die Besten meiner Zunft. Laut meiner Rentenversicherung werde ich zum Altersprekariat gehören und die Frage ist, wo ich dann noch überleben kann. Falls ich das Rentenalter jemals erreiche.

Niemals bin ich von meinem Mann kritisiert, gemaßregelt, korrigiert oder gedemütigt worden, wie ich es sonst kennen gelernt habe. Die meisten Menschen kennen einen überhaupt nicht, meinen aber, sich eine Meinung bilden zu können. Ich nenne das immer die Tyrannei der Intimität. 

Jeder akzeptiert den Anderen, wie er ist. Nur am Anfang habe ich seine Wohnung mal kritisch beäugt, die aussah, als ob eine Bombe eingeschlagen hatte. Mit einem Trampelpfad zwischen Bett und Schreibtisch. Wenn Du einen Mann aus dem Katalog willst, dann bestell’ dir einen, war die Antwort. 

Ich lernte ihn zu einem Zeitpunkt kennen, wo er täglich die Kohlenhydrate durch zählte und die Kosten für das Minimum an notwendiger Kalorienaufnahme am Tag berechnete, um zu überleben. Deshalb mußte der Bewegungsradius sehr klein sein, um nicht unnötig Energie zu verbrauchen. Auch ich hatte beim Jobcenter Demut und Enthaltsamkeit gelernt und es wurde regelmäßig Wassersuppe oder Reis gekocht. 

Wenn der Staat beschließt Dich auszuhungern, weil Du keinen Mehrwert abwirfst, dann wird man still und zieht sich in ein Hamsterloch zurück. Wenn man denn überhaupt noch das Glück hat, bezahlbaren Wohnraum zu finden. 

Jeder lernt vom andern. So kam es, dass ich im Alter von 35 Jahren Bekanntschaft mit der Schönheit der Mathematik gemacht habe, der ich bis dato konsequent aus dem Weg gegangen war, weil ich glaubte, zu dumm zu sein. Das hat mein Mathematik Lehrer vor der ganzen Klasse über mich behauptet, weshalb ich ihn im Anschluß auf Igno setzte und jeden weiteren Unterricht konsequent verweigerte. Systemsprenger eben. 

Ich weiss sehr gut, was pädagogischer Eros bedeutet: Man begreift ein Kind als ganzheitliches, selbständig denkendes  Wesen, das Grenzen lernen muß, um zu überleben und Wissen, um ein an ethischen Maßstäben orientiertes Leben zu führen. Dies habe ich auch in Vorbereitung auf meine Lehrtätigkeit gelernt.

Mein Mann ist bildender Künstler und in seinem Werk feiert er die Schönheit der Mathematik und Malerei. Die Freunde seiner Generation sind alle tot oder abwesend, seine treue Anhängerschaft meist junge Menschen, die an seinen Lippen hängen. 

Ich war schon immer sehr ruhebedürftig, auch weil in meiner Kindheit dauernd geschrien, kommandiert, geschlagen und dauernd kontrolliert wurde. Man braucht ein Leben lang, um sich von diesem Lärm zu erholen. 

Bei Lärm, Gekreische und autoritärem und schulmeisterlichen Verhalten meiner Mitmenschen schalte ich innerlich komplett ab. Aus reinem Selbstschutz. Manchmal ertappe ich mich bei meiner Arbeit dabei, dass ich einfach nicht mehr zuhöre, wenn das Gegacker für mich wird. Ich bin kein Typ für Kegelclubs und andere gemeinschaftlichen Ausflüge. Ich bin lieber allein, lese und reise allein, ich geniesse das allein sein. Für Menschen wie meinem Vater ist es die Katastrophe, wenn er nicht beschäftigt ist und täglich Zerstreuung sucht. Es macht ihnen Angst das Alleinsein. Denn dann müßten sie sich mit sich selbst beschäftigen und mal in die innere Einkehr gehen. Viele begreifen nicht, dass man auch Zerstreuung mit anderen nur in Maßen geniessen sollte, weil sonst die Lebensenergie verpufft. So ist es auch mit falschen Freunden. Lerne früh, Arschlöcher und Energievampire zu identifizieren und ihnen aus dem Weg zu gehen. Die Masken der Niedertracht lauern überall.

Ich mußte häufig in meinem Leben wegen Arschlöchern umziehen, weil Lärm und Autoabgase die Hauptursachen waren. Ich bin vor Babygeschrei geflüchtet und vor intoleranten Studenten, die meine Musik nicht ertragen konnten oder weil ich als Frau nächtelang unterwegs war. Ich bin in Lärm aufgewachsen. Aber Musik stimmt mich friedlich. Auch viele Nachbarn brüllten ihre Kinder an, es schien in meinem Umfeld völlig normal zu sein, Kinder wegen Nichtigkeiten anzuschreien und zu verprügeln. Weil man zum Beispiel nicht schnell genug den Müll raus brachte oder sogenannte Widerworte gab, wenn man die Eltern kritisiert. Selbstverständlich durften mich auch keine Schulfreunde besuchen. Der Grund, warum ich immer auf Trebe war.

Ich hasse Autos. Ausser Oldtimer zum angucken. Ich lernte, einzelne Wagentypen am Motorengeräusch erkennen. Auch weil ich meine Jugendliebe immer im Kleiderschrank nachts verstecken musste, bevor mein Vater nach Hause kam. 

Ich konnte den Motor unter 1000 anderen erkennen und hätte damit bei Wetten daß … auftreten können. Falls ich schon eingeschlafen war, war mein inneres Ohr darauf programmiert, hellwach zu sein, wenn der Alte in den Hof fährt. 

Manchmal wäre mein Freund fast in seinen Verstecken entdeckt worden. Das war kritisch. Aber wir hatten Glück gehabt und während mein Vater die Morgendusche einnahm, schmuggelte ich ihn aus der Wohnung. Meine Jugendliebe war ein Pole, der attraktivste Junge weit und breit. Er erinnerte mich mit seinem göttlichen Aussehen an italienische Bademeister, die Touristinnen verführen. Ich verbrachte meine gesamte Jugend mit ihm. Bei einem Gespräch in einem Café vier Jahre später machte er mir klar, daß er niemals eine Deutsche heiraten würde, sondern nur eine polnische Katholikin. 

Man fühlt sich so als „deutsche Schlampe“ gebrandmarkt und ganz klein. Die deutschen Schlampen ficken, das können sie. Aber eine Ehe oder ernsthafte Liebesbeziehung riskieren, kommt für solche Männer nicht in Frage. 

Ich finde ja auch den Sextourismus bei Frauen interessant und wie sehr sich die Wahrnehmung von Sextouristinnen und ihrer Kunden im Ausland unterscheidet. Es geht bei den Männern immer nur ums Geld und Wohnsitz in Deutschland, bei den einsamen Frauen geht es um die große Liebe. Aber es scheint eine Win-Win Situation für manche zu sein. Ein Hoch auf die allumfassende Prostitution, die uns Armen ein Überleben und die Ökonomie zwischen den Geschlechtern sichert. 

Ich habe durch Corona viel gelernt. Vor allem, wo meine Grenzen sind. Ich habe mich von Altem verabschiedet. Ich habe wieder angefangen zu bloggen. Ich blogge seit 2005. In Chicago habe ich meine erste Email Adresse eingerichtet. Sowas kannte ich vorher nicht. Wenn ich gewußt hätte, wie wichtig das geistige Umfeld für die Entwicklung ist, wäre ich doch in Chicago geblieben und hätte auf der Seite der Bürgerrechtler und Schwarzen gekämpft. Aber der Schock über meinen geplatzten amerikanischen Traum saß zu tief, um noch klar denken zu können. Chomsky hat Jahrzehnte später darüber geschrieben und gesprochen. Das Urteil war gesprochen: Lebenslang Deutschland.

So kam es, daß ich noch einmal einen Neustart hinlegen wollte und mich um einen Studienplatz für Jura bewarb, der im Zweitstudium nur talentierten Personen vorbehalten ist. Zu dieser Zeit arbeitete ich in einem Bordell in Wedding und ich konnte nicht an der Universität präsent sein, wie ich wünschte. Ich mußte schweren Herzens dieses Studium abbrechen, weil ich dauernd arbeiten mußte, um zu überleben. Damals wußte ich noch nicht, dass man als freie und unabhängige Escortdame mit einem einzigen Termin den Wochenverdienst im Bordell verdienen konnte. 

Kapitel 5

Ich bin gewissermaßen aufgrund meiner strengen Erziehung zur Perfektion verurteilt und keine Freundin der langen Rede. Ob es die Wissenschaft ist, die Freundschaft oder das Rotlicht. Ich kann nur denken und bin unsportlich. Meine Achillesferse ist das Gehirn. Deshalb bin ich schizophren. Bei meinem Mann das gleiche, auch ein Kopfarbeiter. Er hatte vor 11 Jahren einen Schlaganfall. Daher bin ich etwas atemlos, weil ich nicht weiß, wann ich endgültig den Verstand verliere. 

Ich wollte unbedingt in ein Internat, aber mein Vater wollte eine Sklavin, die ihm den Arsch nachträgt und die er permanent kontrollieren kann. Da mir fast alles verboten wurde, habe ich natürlich heimlich Wege gefunden, kleine Fluchten und bin oft von zuhause abgehauen, weil ich die Schreierei und die Demütigung nicht mehr ausgehalten habe. Ich hab mich sogar ans Jugendamt gewandt, aber die haben mich auch hängen lassen. Am Schluß blieb nur noch der Suizid als Ausweg aus der Katastrophe, aber ich habe alle Suizidversuche überlebt. Ich bin zwar hypersensibel, aber auch zäh. Leider habe ich nachhaltig Schäden davon getragen, die zu einem sehr kräftezehrenden Leben geführt hat, und da mich niemals Geld interessiert hat, auch zu keinem erfolgreichen.

Wenn Du versuchst, Deinem Milieu zu entkommen, bekommst Du es mit extremen Widerständen zu tun. Niemand möchte Dich auf einem Gymnasium sehen, niemand wünscht sich eine freche, intelligente und vorlaute Göre, die intelligenter ist als die Eltern und alles durchschaut und Fragen stellt, die niemand beantworten kann. Du wirst ein Feind im eigenen Haus. 

Die Typen hauen Dir einen in die Fresse, weil Du eine deutsche Schlampe, wahlweise eine Nutte bist.  Zuhause wirst Du mundtot gemacht. Du mußt Dich irgendwie daran gewöhnen. Aufstehen, Krönchen auf und Weitergehen sagen meine schwulen Freunde immer, wenn man scheitert. Das gelingt auch eine Weile, aber irgendwann krachst Du einfach zusammen, weil Du diesen Wahnsinn um Dich herum einfach nicht mehr aushältst. Wenn Du nicht respektiert wirst und nicht wie ein Mensch behandelt wirst. Du wirst zum Außenseiter, weil Dir Deine Umwelt keine andere Wahl läßt.

Schließlich wirst Du verrückt an der Realität. Und als Dank dafür wirst Du ausgegrenzt. Wenn Dich irgendwelche Schläge, auch verbale Schläge noch nicht haben verstummen lassen, drehst Du irgendwann frei. Die sogenannten psychischen Störungen sind alles Schutzmechanismen, um Krisen und Traumata zu überleben. Das habe ich aus der Verrücktheit gelernt. Und dass die Irren garnicht irre sind, sondern die Nuttenrepublik da draußen. 

Im Grunde ist alles seitenverkehrt. Man muß nur genau hinsehen. Meist ist das Gegenteil drin als auf dem Deckel steht. 

Die Liebe ist das Wichtigste auf der Welt. Ich meine damit nicht nur die Liebe zu Menschen, sondern auch die Passion für eine Sache. Das ist schon lange meine Erkenntnis. Deshalb ist man auch gefährdet, wenn man umschmeichelt wird und die Absichten eines Loverboys nicht durchschaut. Das hat nichts mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun, sondern mit mangelnder Lebenserfahrung und Menschenkenntnis und Gutmütigkeit, wenn Dir einer ne Geschichte auftischt, um Dir Geld aus der Tasche zu ziehen.  

Bleibt uns mit Eurer Wohltätigkeit vom Hals, sagte schon Kurt Tucholsky. 

Das gilt für manche Hilfsorganisationen, die nicht halten, was sie versprechen. Man sollte sehr mißtrauisch bleiben. Auch das ist ein Überlebensmechanismus. Besonders bei den Saubermännern sollte man auf der Hut sein. Wenn man den Deckel anhebt, fängt es meist an zu stinken.

Ich liebe meine Eltern. Sie konnten nicht anders handeln, als sie es taten, weil sie selber eine lieblose Kindheit hatten. Sie haben nur erlerntes Verhalten an die nächste Generation weiter gegeben. Ich habe noch drei Geschwister.

Meine Mutter wird immer schwächer. Sie hat seit 13 Jahren Krebs, der sich durch den ganzen Körper gefressen hat, vom Eierstock bis in den Kopf. Bald stirbt sie und ich kann nicht bei ihr sein wegen Corona. Die Zeit läuft davon, die meiner Mutter und meine eigene. Deshalb hab ich auch keine Zeit, diesen Text erst durch einen Verlag oder Lektoren prüfen zu lassen, sondern er muss jetzt raus. Und zwar sofort. Deshalb hab ich diese Form gewählt. Und weil ich soziale Medien und das Internet liebe. 

Tweets sind wie Maschinengewehr-Salven, wenn sie schnell hintereinander abgeschossen werden. Das gefällt mir. So muß der Text gelesen werden. Ich hab keine Kraft einen Roman zu schreiben. Aber ich habe Lust, ein Überraschungsei zu legen. Ich möchte ein neues Projekt starten, das in jeder Hinsicht erfolgreich ist. 

Fin



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