Ich bin im Arsch

Bitte keine Leidensgeschichte! Höre ich schon. Nein, ich erzähle Euch nicht, dass ich seit 3 Tagen 24h Kopfschmerzen habe. Hab mit dem Arzt telefoniert. Er meint, ich solle abwarten, wie sich das entwickelt und dann einen Termin für einen Corona Test vereinbaren. Nun hoffe ich, dass die Kopfschmerzen, die atypisch für mich sind, nachlassen; es kann sein, dass zwei gleichzeitige Impfungen die Ursache sind.

Ich hab ja wegen Corona schon mein Testament verfasst und beim Notar hinterlegt, mir eine Grabstelle ausgesucht und Vorsorgevollmachten mit meinem Partner getroffen. Der dreht auch wegen Corona am Rad und traut sich kaum das Haus zu verlassen. Da bin ich ja abenteuerlustiger. Ich gehe maximal 1x die Woche vor die Türe, um den Müll weg zu bringen und einzukaufen. Manchmal auch ein Arzttermin. Ansonsten wird im Home Office 16 Stunden geklotzt. Die Hälfte ehrenamtlich. Aktuell laufen bei mir Zoom Konferenzen, Meetings auf Hochtouren. Ich hab schon den Überblick verloren. Ist gerade emergency angesagt, da Sexworker weltweit leiden müssen und alle marginalisierten, stigmatisierten Gruppen am allermeisten.

Wegen Corona und Isolation im weitesten Sinne liegen die Nerven blank, weshalb ich etwas empfindlich bin. Außerdem sorge ich mich ja um meine kranke Mutter und kann sie nicht besuchen. Ich warte jetzt die nächsten 2 Monate ab, wie sich das entwickelt und entscheide dann, ob ich sie besuche. Anders geht es jetzt nicht.

Ich bin ja nicht völlig untätig. Ich mache demnächst ein Interview mit der Bestseller Autorin Emma Becker über ihren Roman La Maison. Sie hat im gleichen Puff gearbeitet wie ich. Ok ich hab allein in Berlin in ca. 20 Bordellen gearbeitet. Ich verrate jetzt aber nicht, welcher Puff gemeint ist. Das bleibt das Geheimnis von mir und Emma. Das Interview könnt Ihr voraussichtlich Anfang November im Kaufmich Magazin lesen.

Als Trost in diesem Horror Jahr, das schon mit dem Brand im Krefelder Affenhaus scheisse angefangen hat, hab ich mir ja ein paar Möbel für mein Zimmer gekauft und erfreue mich jeden Tag daran. Ausserdem habe ich meine Fenster bepflanzt und bin das erste Mal in meinem Leben häuslich geworden.

Früher bin ich etwa alle 4 Jahre umgezogen. Das ist jetzt wegen der Gentrifizierung und dem Rückgang bezahlbaren Wohnraums leider nicht der Fall. Gestern war ich auf dem Friedhof Alt Stralau, wo ich eines Tages in einem Erdloch verschwinde. Die Lage ist Bestlage und das wissen auch die Einwohner, die in trostlosen Mehrfamilienhäusern und Eigentumswohnungen dort leben. Die Architektur gefällt mir nicht, sie ist zu eckig, nicht organisch. Schade, damit eine Halbinsel Alt-Stralau zu verschandeln. Aber die Lage…. was würde ich darum geben, direkt an der Spree zu leben. Ich hab ja mal dort gelebt mit Blick auf die Spree in Kreuzberg. Warum ich da leider weg gezogen bin, ist eine andere Geschichte. Jetzt ist die Cuvry Brache zugebaut mit Bürohäusern und die Aussicht im Arsch.

Dies wird mir in diesem Leben nicht mehr vergönnt sein. Aber dafür habe ich dann Bestlage nach meinem Ableben. Ätsch.

PS: Ansonsten züchte ich Pflanzen und fotografiere Blumen. Ficken war gestern.

Berlin im Oktober 2020



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