Als ich mit meiner Mutter im Kit Kat Club war

Ich komme aus keiner bürgerlichen Familie. Ich war die erste Frau, die die Universität besuchte. Manchmal hab ich mich für meine Eltern geschämt, weil sie total peinlich sein konnten. Aber ich hab dann viele andere Eltern kennengelernt, die total spießig waren. Tauschen wollte ich nicht.

Jedenfalls bin ich schon als Kind mit meinen Eltern um die Häuser gezogen und durfte als Kleinkind schon mit in Clubs und Bars. Deshalb hab ich die Urlaubsreisen sehr gemocht. Mein Vater hat ein Haus in Spanien seit der Franco Diktatur, was mir als Kleinkind nicht weiter auffiel.

Einmal hat er mich wieder geärgert und versuchte mich zu fangen, um mich in den Pool zu werfen. Da war ich 4. Jedenfalls ist er ausgerutscht und hat sich auf die Fresse gelegt. Er jaulte vor Schmerzen und ich mußte mitten in der Nacht Hilfe bei Nachbarn holen, die ich nicht kannte.

Einmal ist uns der Zweit Motor vom Motorboot draussen im Mittelmeer abgesoffen und der Erst Motor sprang nicht an. Ich bin dann mit der Luftmatratze über den offenen Ozean Hilfe holen. Normal ist das nicht oder?

Jedenfalls denke ich in diesen Tagen oft an meine Kindheit, vor allem die schönen Zeiten. Meine Mutter ist sehr krank und wir wissen nicht, wie lange sie es noch schafft. Sie hat mich mehrere Male in Berlin besucht. Einmal, als ich noch meine Doktorarbeit schrieb. Ein weiteres Mal, als ich depressiv war, weil ich mich mit dem Wissenschaftsbetrieb überworfen hatte. In dieser Zeit lud ich meine Mutter ins Kit Kat ein. Ihr wißt schon, dieser Fetisch Club in Berlin. Damals war er noch ganz klein und großartig in einem Kreuzberger Hinterhof gelegen. Die Chefin war total cool. Ich habe dort wirklich tolle Parties gefeiert. Auch auf der Toilette.

Jedenfalls war meine Mutter das erste Mal in ihrem Leben in so einem Fetisch Club und hat Bauklötze gestaunt. Vor allem hat sie sich die Prachtärsche schwuler Freunde von mir angeschaut, die Harneß und Chaps trugen.

Meine Mutter war auch immer so etwas wie eine Freundin, weil sie alles von mir wußte. Alle Abgründe. Ich hoffe, sie wird noch lange leben. Demnächst besuche ich sie – trotz Corona. Die Zeit läuft uns gewisserweise davon.

Jetzt geniesse ich meinen Urlaub in Berlin und fliege nächste Woche nach Barcelona. Dort bin ich zu einem geheimen Ritual eingeladen.

Einen schönen Sommer wünsche ich Euch noch.



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