10€ für eine Hochzeitsnacht

Kürzlich las ich den Erlebnisbericht eines Kunden. Die geschilderten Arbeitsbedingungen einer jungen Frau waren grenzwertig und machten mich nachdenklich, was Preisdumping,  Sprachverständigung und Kontrolle durch Dritte betrifft. Preise, Service und Tabus sollten in gegenseitigem Einvernehmen vereinbart werden können. Bei den beschriebenen Begleitumständen und den Verhandlungen mit einer Agentur hätten eigentlich jedem Leser Zweifel kommen müssen, dass dort alles mit rechten Dingen vonstatten gegangen ist. Doch die Resonanz war gering.

Die Verlängerung des Dates wurde nicht mit der jungen Frau vor Ort vereinbart, sondern über Dritte. Kommandoton und Gebrüll am Telefon, die Erleichterung der jungen schüchternen Frau, länger bleiben zu dürfen … das zu einem Honorar, das auf Ausbeutung hinausläuft: 250€ für 24 Std. Was bleibt nach Abzug der Agenturprovision dann wohl für die junge Frau noch übrig? Oder wurde gar das Geld komplett von der Agentur einkassiert, da von Seriosität keineswegs auszugehen war? Welcher menschliche Preis wird tatsächlich für Sonderpreise gezahlt?

Es wird von einigen argumentiert, dass Niedrigstpreise bei Migrantinnen in der Sexarbeit doch akzeptabel seien, weil dem im Devisentausch ein höherer Wert gegenübersteht, von dem sie sich ein Häuschen in ihrer Heimat kaufen können.

Für mich beschreibt das Beispiel eher Ausbeutung. Ausserdem wirken sich unfaire und prekäre Arbeitsbedingungen auf das regionale Preisgefüge aus.

Wenn wir von Ausbeutung sprechen, müssen wir berücksichtigen, dass alle Wirtschaftsbranchen von Lohndumping und unterschiedlichen Privilegien im Zugang zum Arbeitsmarkt betroffen sind. Billigpolitik in fernen Ländern, deutsche Zeitarbeitsfirmen als Vorreiter des Lohndumpings, Subunternehmertum: Sollen wir grossen Konzernen danken, die ein Vorreiter dafür sind? Wenn nicht die Politik die Rahmenbedingungen für Armutsprostitution schaffen würde, dann hätten wir nur noch „Huren aus Berufung“ im Angebot, die von ihrem Einkommen gut leben können. 

Zu dieser Logik passt auch, dass man XL Leistung zu XXS, also Schnäppchen Preisen erwartet. Ergebnis: manch eine wirbt auch heute noch mit „Preisen wie zu 1977″. 



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