Warum Spenden jetzt notwendig sind

Ich habe mir bereits einen Überblick über ähnliche Spendenaufrufe im Ausland verschafft, die über das Wochenende reinkamen und hier zu finden sind:

https://janeraider.nl/2020/03/15/covid-1…0jSCdP3784

Bei den meisten Fonds können sich migrant sex worker, marginalisierte sexworker per email bewerben. Wie die dann tatsächlich die Bedürftigkeit prüfen, ist unklar. Da es z.B. in den USA kein großes Beratungsstellennetzwerk wie in Deutschland gibt, haben die SWOP Projekte und andere sex worker geführte Projekte, die outreach Arbeit (also aufsuchende Sozialarbeit am Strassenstrich und anderswo) betreiben, den besten Überblick, über die bedürftigen Personen.

Wir haben das nicht, aber die Fachberatungsstellen für Prostituierte in Deutschland. z.B. Olga am Straßenstrich Kurfürstenstr. Berlin oder Ragazza in Hamburg. Die Sozialarbeiterinnen können die wirklich bedürftigen Sexworker identifizieren. 

Jetzt ist zudem der Härtefall eingetreten, daß viele durch Bordellschließungen obdachlos werden und illegal in Wohnungen weiter arbeiten wollen. Diese Frauen benötigen sofort ein Dach über den Kopf, damit sie aus Überlebensnotwendigkeit keine faulen Kompromisse machen und weiter Gäste empfangen. 2 m Sicherheitsabstand ist geboten! #FlattentheCurve. Nach Polen, Rumänien oder Bulgarien etc. wollen viele nicht zurück bzw. können es nicht, weil sie kein Geld für ein Rückflugticket haben oder weil diese Staaten ihre Grenzen dicht gemacht haben und Einreisende in staatliche Quarantäne schicken.

Für einen Hilfsfonds kann ich meinen Kopf nicht hinhalten, also die finanzielle Haftung übernehmen. Das ganze muß seriös und vernünftig abgefedert sein, wenn der Aufruf im Namen des BesD erfolgt. D.h. wir müssen asap einen Anwalt/Notar wg der Übernahme der finanziellen Haftung konsultieren. 

Bedürftig sind all jene, die keinen Anspruch auf staatliche Grundsicherung sowie Hartz4 haben und in der Beschaffungs- und Überlebensprostitution (survival sex work) arbeiten, hauptberuflich Sexarbeitende mit chronischen Erkrankungen oder/und älter als 55 Jahre sind und über keine Einkünfte und Rücklagen verfügen.

Über die Fachberatungsstellen für Prostituierte – und das sind mehr als die im Bufas vernetzten Beratungsstellen – können wir die Zielgruppe von Sexworkern erreichen. Auch indem Erotik- Werbeportale wie Kaufmich mit 140.000 registrierten Sexarbeiter:innen und mehr als 1.2 Millionen Kunden – diese Kampagne kommunizieren. Besonders bei Kaufmich sind viele Frauen selbständig tätig, die allein in der Wohnungsprostitution arbeiten oder H/H Besuche anbieten und mit ihrer Entscheidung allein und isoliert sind. Was die Kunden betrifft: nur die rücksichtslosen Egoisten, Narzissten bleiben als Kunden übrig, die die Preise unter Not von Sexworkern drücken wollen, beleidigen, Tabus/Grenzen verletzen, AO einfordern etc. und aus denen jetzt schon die BAD LIST im Sex Worker only Forum besteht (ca. 16.000 verifizierte Forum Mitglieder).

Die Realität bedeutet:
– Bereitstellung für Notunterkünfte für obdachlose Sexarbeitende
– Grundsicherung für Sexarbeitende
– Sexworker dürfen nicht wegen Gelddruck weiter arbeiten, um sich und andere nicht zu gefährden. 2 m Sicherheitsabstand ist das Gebot der Stunde.
– Aufklärung aller Sexarbeitenden auf allen Kanälen über die Übertragungsrisiken und warum #flattenthecurve jetzt notwendig ist. Die Eindämmung der Epidemie kann in einigen Wochen erfolgreich sein, wenn es Solidarität mit den vulnerablen Gruppen gibt, die besonders gefährdet sind. Man kann selbst Träger und Überträger von Covid sein, auch wenn es (noch) keine sichtbaren Symptome gibt, weder bei sich selbst noch bei Kunden. Beim Sex ist logischerweise kein Sicherheitsabstand von 2 m möglich. Es muß also eine offizielle Fick- & Corona Warnung raus. Dies betrifft übrigens alle Dating-Portale, wo Sex gesucht wird. Auch wenn es den Betreibern dieser Portale nicht schmeckt, sie müssen ihre wirtschaftlichen Interessen eine Weile zurückstellen und die Eindämmung der Pandemie unterstützen. Jetzt sind alle Community Leader UND Business Leader gefordert.

+++ Hier der Text, den ich für den Spendenaufruf entwickelt habe +++

Helfen Sie uns, einen Härtefonds für Sexarbeiterinnen in der Krise aufzubauen
Während des aktuellen COVID-19-Ausbruchs in Deutschland stellen viele Sexarbeiterinnen einen dramatischen Rückgang bei Kunden und Arbeit fest. Viele Sexarbeiter:innen werden obdachlos, weil Bordellschließungen dazu führen, dass sie keinen Schlafplatz mehr haben. Ca. 80% aller Sexarbeiter:innen in Deutschland sind Migrant:innen. Sie können auch nicht einfach in ihre Heimatländer zurückkehren und bei ihren Eltern Urlaub machen, weil ihnen 1. die Finanzmittel für ein Rückflugticket fehlen und 2. die Grenzen geschlossen sind (z.B. Polen, Bulgarien, Rumänien).

Da sich in den kommenden Wochen immer mehr Menschen selbst isolieren werden, wird es besonders auch für Sexarbeiter:innen mit chronischen Erkrankung schlimmer, die unter dieser Situation leiden. Diese Extrem Situation belastet auch viele Menschen mit psychischen Erkrankungen (z.B. Angststörungen). 

Wie andere prekär beschäftigte Arbeitnehmer:innen haben Sexarbeiter:innen kein monatliches Gehalt, auf das wir uns verlassen können. Wir bekommen kein Krankengeld. Viele von uns existieren ohne Ersparnisse jeglicher Art.

Die am stärksten ausgegrenzten, mehrfachstigmatisierten und marginalisierten Sexworker sind am stärksten gefährdet. Wir können uns oft an niemanden wenden, wenn Kunden nicht mehr zu uns kommen und wir von Armut oder Obdachlosigkeit betroffen sind. Wir sprechen auch oft kein Deutsch oder Englisch.

Unsere Community steht vor einer Krise.

Deshalb lanciert der BESD einen Härtefonds, um den bedürftigsten Sexarbeiter:innen zu helfen. Alle Spenden, die vom 17. März bis 30. April an den BESD gehen, gehen direkt an diesen Fonds und helfen Sexarbeiter:innen in Deutschland, die sich in einer schweren finanziellen Notlage befinden.

Wir bitten Verbündete, Organisationen und andere Sexarbeiter:innen, die sich in der Lage fühlen zu helfen, um Spenden.

Bitte unterstützen Sie die Sexarbeiter:innen-Gemeinschaft in dieser ungewissen Zeit.

Wir wissen, dass die Zeiten derzeit für alle hart sind, und wir freuen uns über Spenden jeder Größe. Hier sind einige empfohlene Mengen:

Diejenigen, die etwas übrig haben: € 5

Diejenigen, die weniger als 30.000 € pro Jahr verdienen: 10-20 €

Diejenigen, die 30-80.000 € pro Jahr verdienen: 20-100 €

Diejenigen, die mehr als 80.000 € pro Jahr verdienen: Wir bitten Sie, eine erhebliche Spende von € 200 + und mehr zu erwägen.

Bitte spenden Sie jetzt.

Für Verbündete ist dies oft der effektivste Weg, um uns beim BESD zu helfen.

Ihre Spenden tragen dazu bei, dass der BESD am Laufen bleibt, und ermöglichen es uns, weiterhin für die vollständige Entkriminalisierung der Sexarbeit zu kämpfen und sichere Räume für Sexarbeiter:innen zu schaffen.susanne@besd-ev.de
https://twitter.com/hauptstadtdiva

Das ist der Entwurf. Verbesserungen bitte als Kommentar. Danke.



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