Reich der Freiheit

Wenn ich über meine Zeit in der Sexarbeit nachdenke, dann muß ich über meinen Einstieg nachdenken. Beruflich war es zuvor bergab gegangen. Erst wurde ich in den Wissenschaftshimmel hoch gelobt, dann fallen gelassen. Ein Einstieg in andere Berufe blieb mir verwehrt. Am Schluß war ich arbeitslos und verzweifelt. Sexarbeit war wie ein Geschenk, eine Offenbarung. Ich genoß Freiheit, Würde, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Trotz gewaltvoller Erfahrungen in meiner Anfangszeit. Die Erfahrungen halfen mir, mich zu professionalisieren und nur noch liebe Kunden zu treffen.

Die Quittung erhielt ich später, als ich krank wurde. Das Ende vom Lied ist also, daß ich mich auch weiterhin für die vollständige Entkriminalisierung für Sexarbeit engagiere. Nur so kann man auch die Kriminalität aus diesem Business hinausdrängen, und das bedeutet auch die Gewalt. Je mehr Rechte Sexworker genießen, umso weniger sind Verletzungen wahrscheinlich. Das ist zumindest meine These. Letztlich schau ich auf meine vielen Reisen zurück, auch in Länder mit Prostitutionsverboten. Je kriminalisierter die Sexarbeit, umso mehr Gewalt. Auch deshalb ist die Freierbestrafung, das Schwedische Modell, das in Schweden bereits 1999 Einzug gehalten hat und in weiteren Staaten Nachahmer gefunden hat, ziemlich entbehrlich. Das einzige, was ich bereue ist, daß ich meine Doktorarbeit und zwei Blogs gelöscht habe. Da ist ein Teil meiner Biographie verloren gegangen.



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