mein Interview mit Laura Lee

Kaufmich ist nicht nur ein soziales Netzwerk für Dienstleister und Kunden aus der Escort Branche, sondern wir unterstützen auch die Mission, Sexarbeit als legitime Erwerbstätigkeit anzuerkennen. Daher bieten wir im Magazin auch Escorts und AktivistInnen regelmässig die Möglichkeit für ihre Interessen zu werben. In dieser Woche möchten wir Euch die Escort Lady Laura Lee im Interview vorstellen, die sich als Aktivistin besonders im angelsächsischen Raum einen Namen gemacht hat und aktuell gegen das Sexkauf Verbot in Nordirland kämpft.

Hallo Laura! Du bist nicht nur Callgirl, sondern politische Aktivistin. Ich folge Deinem politischen Engagement für die Rechte von SexarbeiterInnen in Grossbritannien und Nordirland schon seit geraumer Zeit. Du hast es sogar zu Anhörungen beim höchsten Gericht von Nordirland geschafft und dafür eine Crowdfunding Kampagne gestartet. Deshalb möchte ich Dir einige Fragen stellen und Dich auch bei deutschen Sexworkern und Aktivisten vorstellen, damit sie einen Überblick davon bekommen, was für eine grossartige Arbeit Du machst. 

Laura, warum bist Du sozial engagiert und kämpfst für die Rechte von SexarbeiterInnen?

Ich glaube, dass es sehr wichtig ist für die Menschenrechte einer Gruppe zu kämpfen, die so häufig übersehen und angeprangert wird. Die LGBT Gemeinschaft (LGBT=Lesbisch, Gay, Bisexuell, Transsexuell; Anm. von mir) ist in Bezug auf Anerkennung ihrer Rechte schon so weit gekommen und es ist für mich nicht verständlich, warum wir so hinterher hinken.

Seit wann widmest Du Dich den Rechten von SexarbeiterInnen?

Ich begann 2008, nachdem ich in einem kleinen Dorf in den Highlands geoutet wurde und meinen Job bei einer Bank verlor. Ich war wütend und entschied mich für einschneidende Veränderungen.

Bist Du Mitglied bei Scot Pep und/oder SWAI (Sexwork Alliance Ireland)? Unterstützen sie Deine Arbeit? Auch finanziell? (Scot Pep und SWAI sind schottische bzw. irische Interessenvertretungen für die Rechte von SexarbeiterInnen, Anm. v. mir)

Ich bin Mitglied von SWAI und sie haben mich so weit wie möglich unterstützt, auch finanziell. Aber die finanziellen Mittel gehen zur Neige, weshalb Crowdfunding notwendig wurde.

Ich finde Deine Arbeit beeindruckend und Deine laufende Crowdfunding Kampagne sehr wichtig, um für die Rechte von SexarbeiterInnen zu kämpfen. Aktuell kämpfst Du gegen das Sexkauf Verbot (Schwedisches Modell) in Nordirland. Kannst Du mir sagen, was Deine Aufgabe und Ziel am Höchsten Gericht von Nordirland ist?

Danke! Mein Ziel beim Höchsten Gericht ist, das im Juni 2015 eingeführte Sexkauf Verbot abzuschaffen. Ich bin auch gegen ältere Bordellgesetze, die, wenn sie aufgehoben würden, eine sicherere Zusammenarbeit von SexarbeiterInnen ermöglichen.

Wann tagt das Gericht wieder?

Wir sind ab dem 6. Februar wieder da, um Termine für eine umfassende Anhörung zu erhalten, welche voraussichtlich 3-4 Tage dauert.

Welcher Art Regulierungen würdest Du zustimmen, um Sexarbeit sicherer zu machen? Und wie ist Deine Meinung über das Neuseeländische Modell, wo es eine Entkriminalisierung von Sexarbeit gibt?

Ich beantworte alle beiden Fragen zusammen: Neuseeland, obwohl nicht perfekt, ist nahe an einer vollständigen Entkriminalisierung dran, für die wir kämpfen. Vollständige Entkriminalisierung bedeutet die Rücknahme aller Strafgesetze, die mit Sexarbeit verbunden sind. Das würde uns erlauben, sicher zusammen zu arbeiten. Auch müssten die Verbote von Kerb Crawling (Kunden drehen im Auto am Strassenstrich ihre Runden; Anm. v. mir) und öffentliches Werben zur Kontaktanbahnung zurückgenommen werden. Ausserdem würde es uns erlauben, unsere finanziellen Einkünfte mit unseren Partnern zu teilen, ohne dem Zuhälterei Verdacht ausgesetzt zu sein.

Was denkst Du über das Engagement von SexarbeiterInnen im Kampf gegen Menschenhandel? Könnten SexarbeiterInnen hier eine Schlüsselrolle übernehmen? Ich hörte, dass das Justizministerium von Nordirland den Rat von SexarbeiterInnen einholt. Korrigiere mich bitte, falls ich falsch liege.

Das stimmt. Ich bin Mitglied der Arbeitsgruppe zu Menschenhandel in Nordirland und wir haben schon grossen Erfolg: sowohl Sexworker als auch Kunden kommen nach vorne und berichten darüber. Sexworker, die an vorderster Front stehen, können am besten Opfer von Menschenhandel entdecken und auch Informationen unserer Kunden weiterleiten.

Du hast Dich vollständig als Sexarbeiterin geoutet oder? Bekommst Du Unterstützung von Familie und Freunden?

Ja, ich bin vollständig geoutet. Ich traf diese Entscheidung, um meine politische Arbeit besser voranzutreiben und weil ich denke, dass viele der Prostitutionsgegner sich auf unserem Stigma ausruhen, dass uns zum Schweigen bringt, und sie weiter ihre Lügen verbreiten können, um ihre Finanzierung zu sichern.
Meine Freunde sind grossartig, die Reaktion meiner Familie war gemischt. Sie wissen, dass ich sehr leidenschaftlich bin, bei dem was ich tue und ich nicht aufhöre, bis ich es erreicht habe. Letztlich ist Familie Familie und in manchen Fällen sprechen wir einfach nicht darüber.

Wenn Du gesetzliche Regelungen schaffen könntest, die Sexworkern am besten dienen, was sollte es beinhalten?

Die vollständige Entkriminalisierung und nichts anderes. Ich würde gerne sehen, dass von Sexworkern geführte Organisationen im Hinblick auf Wohnraum, staatliche Sozialleistungen, Arbeitsvermittlung usw. unterstützt würden, anstatt Geld in „Sensibilisierungs“ – Organisationen zu stecken, die letztlich nichts bewirken.

Ich fand die jahrelange politische Arbeit in Bezug auf Sexworker Rechte total anstrengend und kräftezehrend. Zum Schluss litt ich an einem Burn Out. Hast Du ein Rezept für uns, um stark zu bleiben? Was können andere AktivistInnen von Dir lernen?

Ich habe ein ausgezeichnetes Unterstützungsnetzwerk von Freunden, Familie, SexarbeiterInnen und AktivistInnen um mich herum. Ich denke, es ist sehr wichtig, das Telefon für einige Tage auszuschalten und zu verschwinden; ich liebe Geister Jagd, glaub oder glaub es nicht! Eine Nacht in einem Geisterschloss zu verbringen und der Stress fällt von mir ab. Das und zusammen mit Freunden ausgehen, ohne Telefonanschluss.

Wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?

Zu kämpfen und beim höchsten Gericht den Fall zu gewinnen. Die Kampagne solange fortsetzen, bis Entkriminalisierung Realität in ganz Europa ist. Persönlich möchte ich mein Studium und Promotion abschliessen sowie Vorträge halten, etwas, nachdem ich mehr und mehr gefragt werde, das gefällt mir sehr.

Vielen Dank Laura für das Interview und viel Erfolg bei Deiner Arbeit!

Das Interview wurde in Englisch geführt, die Übersetzung ist von mir.

  • Wenn Ihr Lauras Crowdfunding Kampagne unterstützen wollt, um weiter für die Rechte von SexarbeiterInnen zu streiten, dann spendet bitte hier! Bei ihrem Engagement ist das Geld wirklich gut angelegt.
  • Laura ist ja nicht nur Aktivistin, sondern Independent Escort und Callgirl. Wenn Ihr neugierig seid, dann schaut mal auf Lauras Website!


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