Ausblicke: die Ethik des Selbst

Ich komme gerade aus Hamburg St. Pauli zurück, wo ich gestern nachmittag/abend der feierlichen

Abschlussveranstaltung der zweiten Phase des EU-Projekts INDOORS 

beiwohnen durfte.  +++ Update +++ Dazu werde ich noch andernorts ausführlich berichten und hier verlinken. +++

Im ersten Projektteil gab es eine Publikation, die u.a.  hier downloadbar ist sowie ein Video in 17 Sprachen. Manche werden es schon kennen.

Gestern abend wurde das Video sowie ein kurzes Theaterstück mit Sexarbeiterinnen mit dem Titel „A Woman’s Reality“ gezeigt sowie  die Ergebnisse des zweiten Projektteils vorgestellt, inklusive der Publikation „Pictures of a Reality“ aus neun europäischen Staaten, in der Sexworker über ihr Leben und ihre Arbeitserfahrungen im Indoor-Bereich berichten, also das, was üblicherweise als Incall firmiert (Bordelle, Laufhäuser, Wohnungen etc.). Es erinnerte mich sehr an unser Theaterstück „Lulu-Die Nuttenrepublik“ an der Schaubühne, wo wir Erlebtes gemeinsam im Chor aussprachen und vieles mehr im Programmheft verschriftlicht wurde.

Da ich mich lange mit den Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Städten und Ländern beschäftige, fielen mir aktuell zwei Blog-Einträge ein, die ich vor längerer Zeit im Kaufmich Blog veröffentlicht habe: Eine Bilanz von mir zu 10. Jahre Prostitutionsgesetz sowie zur diesjährig eingeführten sog. „Kontaktverbotsverordnung“ in Hamburg. Und bei dieser Gelegenheit fiel mir auch glatt ein längerer Blog Eintrag mit Vorträgen anlässlich des 20. jährigen Bestehens der Hamburger Fachberatungsstelle Ragazza ein, wo so viele wichtige und richtige Gedanken enthalten sind. Und Kathrin Schrader erwähnt im Zusammenhang mit der leider verstorbenen Kollegin Tracy die von mir sehr verehrten Philosophen Zymunt Bauman, Gayatri Chakravorty Spivak sowie Michel Foucault, der sich in seinem Spätwerk mit einer „Ethik des Selbst“ beschäftigte: „Ethik des Selbst“ schreibt Schrader, „das meint eine Sorge nicht nur um sich, sondern auch um andere (Foucault 2004), und sie (Tracy, Anm. v. mir) musste deshalb viele Rückschläge und Verletzungen ertragen, an denen sie trotzdem nie verzweifelte.“ Auf die Ethik des Selbst werde ich alsbald hier detaillierter eingehen.

Ein kleiner Lesetip für Leute, die mehr ausser Coffee-Table-Books und die Hofberichterstattung schätzen.

eine schöne Woche wünscht

Ariane

indoor/outdoor

ps: kleine Anekdote um 2004 ich sah hörte Zygmunt Bauman live, als ich im Rahmen eines unterirdisch schlecht bezahlten Lehrauftrags in einer englischen Provinz-Uni aufschlug und nebenbei in einem Puff werkelte. Ein Kurzbesuch. Der Puff war eine clandestine Arbeitswohnung, geteilt mit ein paar wechselnden Kolleginnen, und hatte einen unschlagbar tollen Namen „Suzy’s Ranch“, dabei gab es nur 3 Zimmer im Backsteinhäuschen. Suzy hatte Ableger in Swindon und Bristol, zwei abbezahlte Immobilien und einen flotten Sportwagen. Wir Girls verdienten ziemlich mies, aber es hatte für mein Festival-Ticket gereicht, wo ich Massive Attack, Goldfrapp, The Streets, Portishead u.a. gemeinsam hörte. Ein unvergessliches Erlebnis!


One Comment on “Ausblicke: die Ethik des Selbst”

  1. […] wird. Hilft auch bei der Entwicklung vernünftiger Gesetze weiter. Ich hatte dies schon einmal hier angedeutet. Moralisiert wird zwar genug, aber um zu des Pudels Kern vorzudringen ist mehr notwenig […]


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