Susan Sontag on Love

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5 Kommentare on “Susan Sontag on Love”

  1. lust4fun sagt:

    Eine wundervolle Frau.
    Ich staune bei ihren Beschreibungen darüber, wie nah mir das vorkommt. Über den Genarationsabstand und über die verschiedenen Geschlechter hinweg.

  2. Ariane sagt:

    Erstaunlich? Beschreibung von Realität für viele.

  3. lust4fun sagt:

    Doch, eher „staunen“, nicht so sehr „erstaunlich“, – im Sinne der Freude darüber, eine Freundin im Denken und Fühlen zu treffen. Staunen nicht als Verwunderung oder Irritation, sondern als Gebanntsein im Wiedererkennen. Wie das Staunen am vorletzten Wochenende beim Anblick eines lichtdurchfluteten Herbstbaumes. Das Gestaltwerden innerer Bilder, nicht die Entdeckung von Neuem oder Ungewöhnlichem. Das Spüren von Wahrheit, die nicht jederzeit greifbar oder sagbar ist. Die Ruhe im Unterschied zum Alltagsrauschen…

    Sicher werden sich in Susan Sontag viele wiederfinden. Aber wie oft triffst du Menschen, bei denen dieses Gemeinsame explizit wird? Wo gelingt dieses Gespräch? Das Reden beim Wein bis zum frühen Morgen, dieses Reden, bei dem die Sprache immer präziser wird? Ich kenne einen (!) Menschen, dem ich den Text zeigen könnte, der dann lächeln würde, mich dann – ohne zu reden – umarmen würde. Und dann beschreiben, was es ist.

    Der Charme des Textes: Einzelne, in sich abgeschlossene Gedanken aus dem persönlichen Zettelkasten/Tagebuch, handgeschrieben in der Eile, damit sich der schlüssige Gedanke nicht verflüchtigt. Aber dann komponiert aus den Momenten über viele Jahre. Und alles auf einem Blatt Papier. Das ist schön. Kein Text aus einem Guss. Fertig und offen zugleich. Kein „Werk“. Kein Liebesbrief. Kein Posting in einem Forum. Es lädt ein, provoziert aber keine Antwort.

    Einzelsätze sind banal. Jeder „weiß“, dass man einen anderen Menschen nicht bitten oder auffordern kann, „sein Gefühl“ zu ändern. Aber dies zu sagen und dann zu fragen, wie man nicht-besitzergreifend lieben kann; dann den Anspruch zu erheben, dass der andere ein eigenes Projekt der „Self-Transformation“ verfolgen müsse – das macht es spannend.

    Wie viele Menschen reden so? Mit einer Dialektik, die kein Kompromiss ist?

    Wunderbar das Gedankenspiel „Qualities that turn me on“. At least two or tree – Kombinationen ausprobieren. Bei zwei Qualitäten bleibt es schwierig, bei drei wird es spannend. Köstlich!

    Widerspruch bei „being willing to ruin yourself for the other person“. Luft anhalten als Zaungast bei quälenden Fragen der Verliebten „the self dwindles“ und über allem die Sehnsucht nach Fliegen.

    Danke fürs Posten!

  4. Ariane sagt:

    Ja natürlich, da hast du Recht, die Freude über den Wiedererkennungswert; hatte ich vor einiger Zeit auch, als mir der Text entgegen geflogen kam. Interessanter weise oder auch nicht, traf ich in meinem Leben immer wieder auf Menschen, wo diese Gespräche gelingen. In anderen Fällen folgte auch schnell der Versuch der Vereinnahmung oder Kontrolle, weshalb ich immer scheu wie ein Reh reagiere. Das fängt schon mit der Sprache und Ansprache an. Ich finde eine gewisse Distanz und Fremdeln durchaus angebracht, wenn man Menschen begegnet. Meine Lebenserfahrung zeigt auch, dass überschwengliche Begeisterung und Idealisierung, die sich eines Nicht-Verstehens, sondern Projektion verdankt, schnell ins Gegenteil umkippt. Aber dafür kann die Projektionsfläche ja nix.
    Nicht besitzergreifend zu lieben oder zu verlieben ist wohl eine Kunst für sich. Ist schwierig, aber nicht aussichtslos. Die biologische Eifersucht, die m.E. auf Reproduktion geeicht ist, spielt sich zumeist nur in der ersten Zeit des Kennenlernens und Verliebens ab. Das mit dem Wiedererkennen beruht ja auch oft auf einer Projektion, die nicht so viel mit der Person, auf die sich richtet, zu tun hat, sondern auf Codes der Gemeinsamkeit. Ich sag nur „Spiegelneuronen“. Manch einer lebt in Ansprüchen (alle o.g. 7 qualities und mehr), die praktisch unerfüllbar sind und wundert sich, wenn er die Blume am Wegesrand übersieht, alternativ zertrampelt, pflückt und sich dann wundert, wenn sie welk wird und leblos. Ach ja, die Liebe, ein grosses Thema. Kennst du von Niklas Luhmann „Liebe als Passion?“ Einer der wenigen Texte von ihm, den man leichtfüssiger lesen kann. Übrigens: mit einem Flügel kann man auch fliegen, wenn es ein Propeller ist. hihi

  5. lust4fun sagt:

    Ähm, wo rührst du da bei mir rum? Vor ein paar Tagen hatte ich „Liebe als Passion“ in der Hand und wollte dich schon fragen, warum du es in deiner Liste für die „Ethik des Selbst“ nicht anführst. Ich habe Luhmann gelesen, aber das ist acht Jahre her. Damals im Gespräch mit einer Frau, mit der das wiedererkennende Gespräch ebenfalls „passierte“. Du stößt mich da gerade ziemlich tief in Erinnerungen hinein…
    Die Projektionen sind so ein Thema. Warum berühren uns Menschen? Wir entscheiden uns für sie wegen eines Wortes, eines Satzes, oder eines Blickes, eines Lächelns, einer Geste… Und verfallen nicht ihnen, sondern unseren Projektionen, die im Grunde genommen mit dem wahren Menschen nichts zu tun haben?
    Die Kehrseite davon ist diese merkwürdige Unachtsamkeit. Da ist jemand Feuer und Flamme für mich und ich merke es nicht. Wenn ich es dann wahrnehme, bin ich nicht berührbar davon. Oder es berührt mich so, dass ich mich schützen muss. Vielleicht meinen wir Ähnliches…
    Auch wieder Staunen. Dachte eigentlich, dass das alles zurzeit nicht so sehr mein Thema ist. Bin mehr als Einzelflügler (aber Propeller?) unterwegs, manchmal durchaus fliegend…


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