Ich bin’s, Alice

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Abb. Alice in Wonderland bei der Teegesellschaft 

Quelle

Das Bild ist eine Anspielung auf ein kürzlich stattgefundenes politisches Fachgespräch, wo es um die von der CDU/CSU eingebrachten Novellierung des Prostitutionsgesetzes geht. In dieser reichlich absurden Umfrage eines Escort-Forums, die aufgrund nachdenklicher und kluger Kommentatoren gerettet wurde, sah ich mich veranlasst, in Kurzform (#26, #28) zu reagieren. Derzeit arbeite ich an einem inhaltsvolleren Strategiepapier, das ich meinen KollegInnen im Netz sowie Kunden zur Abstimmung, Verbesserung und Ergänzung unterbreiten werde sowie in Beratungsstellen und sonstigen informativen Anlaufpunkten in und ausserhalb des Internets. Und ich bin parteilos. Pussy Party, wie woanders zu sehen und zu lesen, steht übrigens für die Entkriminalisierung von Prostitution/Sexarbeit.

***

Update 2/10: gegen diese Gesetzesnovellierung lauf ich noch gegen an und dann bin ich raus. Auch als Escort. Es ist so, wie wenn man das Rauchen aufhört. Es tut garnicht weh. Ich treffe seit langem und nur noch selten den ein oder anderen Wiederholungstäter, und dann bald nur noch einen Einzigen, den Einzigen. Das mit dem Escort verläuft sich dann so.

Ich kann seit Monaten nächtelang nicht schlafen, bis in den frühen Morgen denke ich an diese einzige Person. So ist das Leben. Es passiert halt so. Man plumpst dann halt aus dem Escort raus, einfach so, man hat es nicht geplant, nicht gewollt. Plötzlich. Man will nur noch den einen in sich und bei sich spüren. Da passt kein anderer dazwischen. So ist das jetzt bei mir. Wahrscheinlich sieht und fühlt er ganz anders, aber das ist mir egal. Ich bleibe ihm dann trotzdem verbunden. Ich fühle, was ich fühle. Vielleicht liest er hier mit und wendet sich ab. Da kann ich dann auch nichts dafür. Es ist eben meine Empfindung und ich hoffe noch lang.

FIN

Ende meiner Escort Biografie.


4 Kommentare on “Ich bin’s, Alice”

  1. wolfgang99 sagt:

    In einem Artikel in Zusammenhang mit unserer Klassengesellschaft Mittelschicht / Unterschicht war als interessanter Gedanke ausgeführt, dass die Prostituierte allgemeinen der Unterschicht zugerechnet wird mit der Konsequenz, dass sie u. a. deswegen als „minderwertig“ angesehen wird.
    Schick es dir mal als Mail.
    Gruß

  2. Ariane sagt:

    Danke Wolfgang.
    Den Klassismus-Verliebten und jenen, die sich permanent in abwertender Weise über Sexarbeit, aber auch über sog. „bildungsferne Schichten“ auslassen, empfehle ich Emi Koyama zu lesen. Part 1 and Part 2
    Leider nur in amerikanischer Sprache.

  3. alivenkickn sagt:

    Hallo Ariane

    Zum 2. Deinem Update als Erstes. Ja das ist eine spannende und wie ich finde wunderbare Erfahrung weil sie alles auf den Kopf stellt von dem man bisher überzeugt war, an das man bisher glaubte was das Escorten betrifft. Das trifft auf Frauen wie Männer gleichermaßen zu.

    Es ist eben meine Empfindung und ich hoffe noch lang . . . .

    Das ist wie so ne Tür durch die man durchgeht und einen anderen Raum betritt. Mittlerweile neige ich dazu zu sagen das es unmöglich ist dorthin zurückzukehren wo man einmal war.

    Was das ursprüngliche Thema betrifft, ich zitiere mal (in etwas abgewandelter Form im Kontext zu dem Thema Prostituition Minderheiten betreffend) eine Freundin von mir:

    „ich muss das nicht aus irgendeiner warte sehen. und schon gar nicht aus dem blickwinkel von der Gesellschaft – Mehrheit. es ist einfach nur daneben, zeitlich, inhaltlich und überhaupt: unwahr. extra unwahr. ich bin nicht dauernd in bringschuld, erklärungsnot und einfühlungsvermögen.in dem fall reicht es zu sagen: so nicht.“

    Lieben Gruß

  4. Ariane sagt:

    Für eine Fernsehsendung (Polylux, du erinnerst dich sicher) wurde ich gefragt, was mein Beruf sei.
    Wissenschaftlerin und Callgirl antwortete ich.
    Ja, aber woraus ich mein Haupteinkommen bestreite? Callgirl, weil mich 300€ für einen Lehrauftrag schlecht satt machen.
    Also sind Sie Prostituierte.
    Ich: ja auch, aber nicht nur.
    Wie man an diesem Beispiel sieht, spielt es für die Aussenwahrnehmung meist keine Rolle, was man alles ist, sofern man (auch) als Prostituierte arbeitet, ist man nur das und selbst als Frau wird man gar nicht mehr wahrgenommen, sondern zum Fickstück verobjektiviert. Und das ist für mich der entscheidende Punkt, wenn es um die Diskussion von Mensch als Ware geht und mein und der Kampf anderer, als Mensch wahrgenommen zu werden. Erstaunlich, was man da erlebt, und wie man mit unermüdlicher Aufklärungsarbeit aber auch die Perspektive von anderen auf das eigene Sein verschieben kann.


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