Ein Plädoyer für das Geheimnis und: warum mich manche selbst ernannten Sexworker-Menschenrechtler, die selber Sexworker sind am Arsch lecken können und sich selbst die Nille bzw. das, was davon übrig blieb

Ob Escorts, Taschengeld-Ladies, Hobbyhuren, sogenannte Professionelle mit eingetragener Steuernummer, und was es noch für Bezeichnungen gibt, die alle das gleiche meinen. Seit Jahren frage ich mich, warum sich viele interessierte Aussenstehende, aber auch Kunden, so schwer damit tun, zu akzeptieren, das Escorts ein Privatleben haben, wie jede andere Frau auch, und das der Job und ein Teil ihres umtriebigen Lebens nicht von bezahltem Sex regiert wird. Viele von uns haben Familie, sind Mütter. Das Private wird in vielen einschlägigen Foren und Diskussionsrunden, bei Dates und sonstigen Anfragen immer und immer wieder zum Thema gemacht. Darüber habe ich lange und tief nachgedacht.

Ist es der Gegensatz Engel – Hure? Reinheitspostulat vs. ausserhäusigen Schmuddelsex? Ist es Kontrolle und der omnipotente Wunsch, alles über Prostituierte wissen zu wollen? Ist es nur Neugier und Voyeurismus? Ist es die Illusion der Dauerverfügbarkeit und die Idee der Verfügbarkeit an sich, die Huren umkreisen? Ist es die Vorstellung, dass alle Huren Opfer sind, isoliert und verstossen von der bürgerlichen Welt, nur auf Anrufe und Kunden wartend, eventuell auf einen Retter, der sie in ihrem Schicksal erlöst?
Gibt es auf Kundenseite tatsächlich die Vorstellung, das ein Escort exklusiv sein muss, im Sinne, sich nur für den allereinzigen bereit hält? Und falls ja, warum wird diese Illusion immer wieder in Frage gestellt, wenn ein Escort so tut als ob? Also bei bezahltem Sex. Warum fragt man privates ab, den richtigen Namen, obwohl man sich des Sinns eines Künstlernamens doch durchaus bewusst ist? Dem Schutz der Identität und all das.
Warum sind die Medien, Journalisten, Wissenschaftler, Studenten häufig so erpicht darauf, das Leben einer Prostituierten auszuleuchten? Warum gibt es soviele Aussteigerinnen-Romane oder „Bekenntnisse“ ehemaliger Zuhälter, Betreiber usw.? Gut, das meiste ist kaum lesbar, da erzählerisch anspruchlos, aber keine Ladenhüter.

Das Verruchte und Faszinierende, dass was man dem P6, dem Rotlicht zurechnet, spielt sich doch im Geheimenab, diskret und hoffentlich geschützt, erhält durch die Tabu- und Grenzüberschreitung und damit indirekt von eigenen bürgerlichen Moralvorstellungen genährt erst den Charme des Verbotenen.

Und dafür möchte ich einfach mal plädieren, und zwar öffentlich. Für das Geheimnis, nicht die Hosen runterzulassen, bei allen Fragen, die das Private berühren. Es sei denn, das Callgirl hat ein dringendes Mitteilungsbedürfnis und den Wunsch aufgrund einer gewissen Vertrautheit mit einem bestimmten Kundenmann, ihr Privates preiszugeben, mit dem er doch verantwortungsvoll umzugehen weiss, wie auch umgekehrt.

Meiner Meinung liegen die Ursachen für all diese Fragen, die an eine “öffentliche” Frau und quasi potentiell für jedermann “verfügbaren” Frau in einem Besitzanspruch und der zunehmenden Aufweichung der Grenzen zwischen privat – öffentlich, wozu das Internet nicht unerheblich beiträgt. Es gibt einen Punkt, über den ich immer stolpere, wenn ich darüber nachdenke: die Vermischung von privat und öffentlich kommt auch dadurch zustande, indem persönliche, rein menschliche Bedürfnisse nach sozialem Kontakt, Nähe, Sex, Austausch zunehmend im privaten nicht mehr befriedigt werden und werden können. Der bezahlte Sex ist nicht mehr so ohne weiteres abgrenzbar von Privatheit, ausser künstliche und persönliche Grenzen zu definieren und durchzusetzen; aufgrund der Intimität und der Bedürfnislage.
Viele Grenzen, die das Geschäft in früheren Tagen bestimmten, sind gefallen. Küssen war ein Unding, Falle schieben weitverbreitet. Heute werden alle Praktiken, auch tabulos und ohne Schutz angeboten, der hohen Nachfrage und des ökonomischen Drucks offenbar geschuldet, die gesundheitlichen Risiken verdrängt.
Hinter der Girlfriend-Experience steht immer auch der Wunsch und das Angebot von Zungenküssen, um garnicht erst den Anschein zu erregen, dass man es mit einer sog. Professionellen zu tun hat. In der Selbstwahrnehmung vieler Escorts, in der Selbstwahrnehmung als Kunde und im Blick auf das Escort. Das Girlfriend ist sprachlich eng mit der Rede über den Sugardaddy verwoben, beides deutet auf den ersten Blick nicht auf Prostitution hin; dabei ist das Phänomen selbst nichts neues, nur eine Mode, die es wieder und neuerdings am laufen hält. Ob es ein Trend unserer Zeit wird, Prostitutionsportale in Sugardaddy-Portale wie in den USA umzufirmieren, ursprünglich der Rechtslage dort geschuldet? Oder der Tatsache, den negativen Beigeschmack der „Käuflichkeit“ ausblenden zu wollen, die Intimität an dieser Stelle zu privatisieren? Die Affäre, die Geliebte, die für einen Beitrag X über den Zeitraum Y finanziell ausgehalten wird, sich allerdings nur für den Einzigen bereit hält. Üblicherweise eine Illusion, manche haben auch mehrere Sugardaddies am Start, viele werben in Escort-Portalen und Dating Portalen unter verschiedenen Namen gleichzeitig und mit unterschiedlichen Geschichten, die meisten Männer suchen überall. Ihrer Natur geschuldet.
Hat die Frau ausserhalb der Sexarbeit Angst, keinen Mann und Samenspender mehr zu finden, um Ehepflichten einzugehen und ist die Hure tatsächlich ein Schreckgespenst und Konkurrenz für die Frau an sich geworden? Oder könnte man nicht sagen, dass Hurerei in der ein oder anderen Weise ein gesellschaftliches Gesamtphänomen ist und die exklusive Liebe und der Sex verbunden mit einer Treue-Vorstellung von den Wirklichkeiten längst überholt wurde? Das es auch völlig normal ist, geldwerte Vorteile rauszuschlagen und den Umschlag durch eine Prada-Tasche, also durch Geschenke zu ersetzen?

Die Vorstellungen von Beziehung und Partnerschaft weichen völlig auf, sind nicht mehr der Ehe oder eingetragenen Partnerschaft vorenthalten; Sex und Liebe wird mit zunehmendem Alter, Erfahrungswissen immer weniger exklusiv gedacht. Mann hat seine Stammfrauen in Bordellen oder im Escortbereich, viele wollen nicht permanent wechseln. Scheidungen allerorten, mehr als jede dritte Ehe wird geschieden,
http://www.focus.de/panorama/welt/jeder-fuenfte-lebt-als-single-jede-dritte-ehe-wird-geschieden-deutschland-die-nation-der-gebrochenen-herzen_aid_780251.html

Häufige Trennungen und Beziehungswechsel, Frauen, die einen anderen Lifestyle bevorzugen werden selbstbewusster und sind häufiger anzutreffen. Ein Emanzipationsfortschritt könnte man sagen. Auch für jene, die sich eine lebenslange Partnerschaft mit dem gleichen Mann, der gleichen Frau nicht mehr vorstellen können oder die Suche nach dem passenden Partner längst aufgegeben haben.

Vielleicht sind deshalb viele Ehefrauen den Huren gram, die anderswo über den „Betrug“ durch Sexarbeiterinnen diskutieren und weniger über die Ursachen des “Fremdgehens”? Werden sie überflüssig gemacht ,die Ehefrauen, die Ehe als Institution selbst? Und was treibt die Männer aus dem Haus? Sind nicht viele Frauen froh, nicht selbst sog. eheliche Pflichten erledigen zu “müssen”? Frag ich mal blasphemisch.
Und selbst ernannte Frauen-Beschützer, auch die, die wie viele Prostitutionsgegner und Feministinnen im Namen von Frauenrechten sprechen, laufen ihre Argumente nicht längst ins Leere, nämlich, dass wir Huren alle Opfer sind, waren und immer sein werden? Davon mal abgesehen, dass es überall Gewalt in der Gesellschaft, in Partnerschaften in höchstem Masse gibt, gegenüber Frauen, aber auch gegenüber Männern von Frauen. Auch ein Tabu. Warum konzentriert man alle Reserven darauf, die Prostitution auch weiterhin als nicht gesellschaftsfähig zu brandmarken? Eine Blitzableiterfunktion?!

Wenn also Frauen, die selbstbestimmt und mit Steuernummer gegen Geld gelegentlich lustvoll vögeln, sehr bewusst ihren Charme, ihre Attraktivität, ihre ganze Persönlichkeit einzusetzen wissen, öffentlich durch Helferlein denunziert werden, dann schwindet doch letztlich der Einflussbereich dieser selbsternannten Retter, Frauenversteher und in der Helferindustrie schwinden die finanziellen Zuwendungen, wenn es kaum noch Opfer gibt. Und warum werden mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht Strukturen gefördert, die die Selbständigkeit von Sexworkern unterstützen? Werden rechte Feministinnen also arbeitslos und ist das nicht der eigentliche Grund, das sie uns zu Opfern “machen”? Eine Schublade, in die die meisten von uns überhaupt nicht gehören. Und entzieht diese Realität nicht genau den Boden und damit die Legimationsgrundlage selbsternannter Retter und Beschützer, das sie nur so toben?
Man muss daran erinnern, das „Helfen“ sehr viel Geld einspielt, ich und viele andere sprechen daher von einer Helferindustrie, die leider häufig ihr Geld damit verdient, das sie uns schadet und nicht schützt bzw. ihre Klientel garnicht erreicht. Möglichkeiten und Mittel nicht sorgsam eroiert, wo Hilfe dringend erforderlich ist, und die sich ihrer Ansprache nicht nur entziehen, sondern an denen Hilfestellungen völlig vorbei gehen. Ein Kommunikationsproblem.

Die Wahrnehmung, das eine Prostituierte potentiell für jeden verfügbar ist und sich daraus die Vorstellung ableitet, dass sie als Frau und Mensch kein Eigenleben und Entscheidungshoheit über ihre Lebensentscheidungen besitzt, sagt in dieser Perspektive vieles über sie selbst aus, weniger über die Prostituierten. Wer macht wen zum Objekt? Also nicht konsensuell im Bett meine ich. Zu Sex gehört auch eine gehörige Portion Animalisches.
Und ein Job, der mit Animalischem Geld verdient, der Natur der Menschen geschuldet, ist dann also kein Beruf? Weshalb sie für das mangelnde soziale Ansehen bluten müssen, also weiterhin stigmatisiert sind?
Summa summarum besteht wohl bei vielen Menschen die Vorstellung, das uns privat niemand begehrt und liebt, „weil“ wir Huren sind und in ihren Augen nicht gesellschaftsfähig. Nonsense.

Eben aufgrund des geringen gesellschaftlichen Ansehens und dem Schutz ihres Privat- und Intimlebens können und wollen die allermeisten Frauen und Männer sowie Kunden nicht öffentlich werden und ihr privates und intimstes austauschen, wie manche in anonymen Forenwelten tagein, tagaus damit ihr Geschäft am laufen halten. Daher lebt der Markt von Erfahrungsberichten, die Bewertung “der Performance” einer Anbieterin und der intimste Sexakt wird öffentlich gemacht. Darüber haben wir Nutten keine Kontrolle, obwohl es unser Selbst, unsere Würde berührt und nicht Teil der bezahlten Dienstleistung ist. Eigentlich sind wir gar keine öffentliche Frauen, auch wenn ein paar Bilder im Netz rumstehen. Wir lieben still und heimlich und treffen unsere Kunden diskret.

Selbst Porno-Darsteller haben ein Privatleben. Öffentlich in Bildern aufgeführte und für jeden per Mausklick entfernte zugängliche Sexualität, verführt offensichtlich dazu, zu glauben, dass diese Zugänglichkeit und Allverfügbarkeit von bunten Bildern, diese Objekthaftigkeit dargestellter Lust und Möglichkeiten, die den Kick ausmachen, dass also die Menschen, die ihre Haut öffentlich aufführen, auch nur Dinge sind, die man sich nicht nur anschauen kann, die man nicht nur begehren kann, sondern, die man kontrollieren und besitzen kann.

Die Vorstellung von der „reinen Sexualität“, die im Bild des Engels, dem Teeny-Model und der Jungfrau die Entsprechung findet, zusammen mit einem Treuepostulat versehen, wirkt entsprechend in den bezahlten Sex hinein. Der einzige Kunde, der erste Kunde, die Frau, die man noch “formen” kann, die Angst vor selbständigen Frauen; all die bürgerlichen Moralvorstellungen und heimlichen Leidenschaften spiegelt auch das BIZ.

Genauso wie Jugendlichkeit als Schönheitsideal und die alte Fregatte, die sich im Bordell gelegentlich noch ein Zubrot verdienen kann, ist hier mitzudenken. Im Prinzip ungeheuer spiessig das ganze Rotlicht, so gar kein Geheimnis.
Eins, was man nur mit einer einzigen Person, der verpartnerten oder verehelichten, teilen möchte, danach muss man suchen. Die Realität ist doch beziehungs-ideologisch im tiefsten 19. Jahrhundert gefangen, wir leben aber im 21. Jahrhundert. Selbst im alten Rom und teils in der griechischen Antike war man da schon weiter. Das dort die allermeisten Huren Sklavinnen und leicht ausbeutbare Menschen waren, aufgrund ihrer sozialen Not, und nur in Ausnahmefällen Hetären, spiegelt ein Kontinuum bis heute wider. Die Snobs wollen davon natürlich nichts wissen. So richtig weiter gekommen ist man also nicht in der Neuzeit. Die weisse Sklavin und Ausbeutung im Zusammenhang von Prostitution war schon vor 100 Jahren in den USA ein grosses Thema und ist es seit ehedem. Weil sich die Strukturen kaum geändert haben.
Ok, die Mehrheit von U.S. amerikanischen Sexarbeiterinnen sind heute keine Sklavinnen.
Sexworker leugnen auch gar keine Sklaverei: sowohl in der Prostitution als auch in anderen Wirtschaftsbereichen gibt es diese Verbrechen und es braucht klugen, rationalen Nachdenkens und Handels, wie man diese Verbrechen ausfindig macht und unterbindet, den Menschen tatsächlich hilft, die nicht nur in die Sexsklaverei gezwungen werden. Stattdessen hat man international Strukturen geschaffen, die diesen Verbrechen Vorschub leisten. Kriminalisierung und Repression, Prostitutionsverbote allerorten. Frauenlobbies in aller Welt und in Europa beklagen zusammen mit schlecht recherchierenden Journalisten und eingekauften Wissenschaftlern jedoch weiterhin das Gegenteil: dass die Liberalisierung von Prostitution, also Sexarbeit, in den klitzeklein wenigen Staaten, wo Prostitutionspolitik etwas liberaler gehandhabt wird, zu mehr Menschenhandel geführt hat. So wird die Öffentlichkeit völlig über die Realitäten getäuscht, mit Junk Science und falschen Statistiken, um falsche Verbindungslinien in Ursachen und Wirkungen zu konstruieren. Dabei ist laut BKA die Zahl verurteilter Menschenhändler seit Einführung des deutschen Prostitutionsgesetzes stetig gesunken.

Das Interesse der Regierenden am Rotlicht und die Kontrolle unserer Sexualität ist nicht der Schutz der Prostituierten, sondern ein anderes: Steuern kassieren, Rechtsunsicherheiten fortführen, um Staatsbankrotte zu refinanzieren, Menschen in einem Beruf ohne gesellschaftliches Ansehen durch Sonderverordnungen, Sondersteuern, Kontrollen und Zonierung ihrer Arbeitsgebiete zu drangsalieren, ihnen Räume geschützter Arbeit und ohne Ausbeutung streitig zu machen. Ja, sie selbst sind es, die Ausbeutungsstrukturen verursachen und unterstützen, volljährige berufstätige Frauen ab 18, die nach deutschen Rechten der Prostitution volljährig und völlig legitim werkeln, unter die Knute zwingen, Ausländerinnen, Migrantinnen illegalisierte Prostitution unterstellen, Menschen, die gar keine Sklaven sind, die ohne oder mit wenigen Sprachkenntnissen ausgestattet mündige Bürger sind und wissen, was sie tun, sich bewusst für Sexarbeit entschieden haben. Durch die Konstruktion, dass in vielen Herkunftsländern der Migrantinnen, wo Prostitutionsverbote herrschen und ein höheres Jugendschutzalter, nämlich 21, besteht, werden diese in der Statistik als Menschenhandelsopfer deklariert. Cui bono? Um aufgrund der weggefallenen Grenzen und der krassen Armut und den Einkommensunterschieden in aller Welt, die in die Sexarbeit tätigen Wanderarbeiterinnen als Opfer und/oder Kriminelle zu klassifizieren, die sich aufgrund diverser Grenzüberschreitungen des staatlichen Zugriffs zu entziehen versuchen, am Schluss sie ihrer Existenzgrundlage berauben. Auf neudeutsch nennt man das “Deportation” und politikwisschaftlich: die “Steuerung” der Migrationspolitik.

Wenn den selbsternannten Rettern das Wohl der in der Sexarbeit tätigen Menschen so am Herzen liegt, dann sollten sie sich um optimale Rechtssicherheit, den Schutz von Menschenrechten, gute Arbeitsbedingungen und Gesundheitsvorsorge für sie einsetzen und im Rahmen der Politik dafür, dass die Männer und Frauen, die räumliche Grenzen überschreiten, auch in ihren Herkunftsländern eine existentielle Erwerbsgrundlage finden, sie durch die heimische und internationale Politik, Repression und Gewalt, nicht zur Flucht oder Auswanderung gezwungen sind, weil sie vor Ort sonst verhungern würden.
Warum kümmert sich die sog. Helferindustrie und Schadensoptimierer nicht darum? Und warum nur so wenige Politiker, die man zitieren möchte?
Und warum nutzen grosse Teile dieser Gesellschaft unsere Dienstleistungen, aber können sich nicht vorstellen, mit einer von uns, eine private Beziehung zu führen oder in unserem Interesse Politik zu machen? Warum handeln so wenig selbst ernannte Retter und Beschützer von Frauen-, Menschen- und Hurenrechten und diskutieren lieber Litaneien an runden Tischen und im Internet? Warum gibt es selbst in NGOs so viele Ideologen und Agitatoren, die im Gegensatz zu ihren selbst gesetzten Heilsversprechen ihre Kolleginnen denunzieren, Sexarbeiterinnen bedrohen, gar von ihrer Rede ausschliessen wollen, nicht verständigungsorientiert handeln und die Integration aller in der Sexindustrie Beteiligten herbeiführen wollen? Und warum gelingt es so wenigen SexarbeiterInnen untereinander solidarisch zu sein? Offensichtlich geht es immer um Macht und häufig weniger um das vermeintlich tatsächliche Interesse, die Arbeitsbedingungen für Sexarbeiterinnen positiv zu beeinflussen. Und das geht nur, indem man “gemeinsam” handelt. Für Narzissten und Macht-Pokerer selbstverständlich ein Fremdwort. Das so viele in „unserem“ Namen in- und ausserhalb der Szene und in „unserem“ Interesse sprechen, bedeutet nicht automatisch, dass ihnen das Wohl unserer Berufsgruppe am Herzen liegt, sondern zunächst ihrem eigenen Selbstbild und ihrer Eitelkeiten. Genauso wenig wie bei manchen Sexworkern selbst, die sich breitmachen und sich selbst als Sexwork-Versteher verstehen, ohne einen einzigen Finger, ausser die Maus zu berühren. Sexarbeiter bei Debatten nicht einzubeziehen, gesellschaftlich, aber auch in Sexworker Kreisen und sie damit zu entmündigen, gehört bei diesem Verteilungswettbewerb von Deutungshoheit, Eitelkeiten und Pfründen ebenfalls dazu. Warum sollte es hier anders sein?!


7 Kommentare on “Ein Plädoyer für das Geheimnis und: warum mich manche selbst ernannten Sexworker-Menschenrechtler, die selber Sexworker sind am Arsch lecken können und sich selbst die Nille bzw. das, was davon übrig blieb”

  1. […] habe ich mir zur Guten Nacht ein Iggy-Album gegönnt und auf meinem abendlichen Blogspaziergang das hier gelesen. Ich finde diese Schreibe/Frau toll. Empfehlung. Share this:Gefällt mir:Gefällt mirSei […]

  2. alivenkickn sagt:

    Hallo Ariane

    Deine Fragen die Du in den Raum stellst werfen noch mehr Fragen auf, stellen vieles in Frage und forden zur Nachdenken und zur Reflexion auf. Ich will nicht schreiben „Selbstreflexion“ weil da würden zu viele Sicherungen durchknallen . . . . 🙂

    Diese „Pseudo“ Legalisierung der Prostituition wie wir sie hier in Deutschland haben, dient in der Tat nur einem Zweck: Dem zahlen von Steuern und weiteren Abgaben. Ansonsten wird nichts getan das Sexworkerinnen ihrem „Beruf“ Selbstbestimmend und mit der entsprechenden Rechtssicherheit im Rücken nachgehen können. Das Gegenteil ist der Fall. Die meisten Frauen die diesem Job nachgehen bejubeln dies und sehen nicht das sie sich in eine Systembedingte, ja gewollte Abhängigkeit begeben haben. So hat sich an der gesellschaftlichen Stigmatisierung und Diskriminierung der Prostituition nichts geändert.

    Du fragst „warum gelingt es so wenigen SexarbeiterInnen untereinander solidarisch zu sein?“ Nun diese Legalisierung die bedingt sich den einen oder anderen Wunsch zu erfüllen, bringt ja de jure erst mal Rechtssicherheit mit sich. Und darauf ruht man sich aus.

    „Und warum werden mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht Strukturen gefördert, die die Selbständigkeit von Sexworkern unterstützen? Das frage ich mich auch. Andererseits, Selbststigmatisierung ist ein bekanntes Faktum.

    Was die Machtstrukturen Kunden SexworkerIn im Kontext zu dem „Berichte“ schreiben und weiter geführt in dem Bewerten die im WWW stattfindet betrifft, auch hier: Abhängigkeit pur. Oder anders ausgedrückt: Menschenverachtend und Würdelos weil durch das Bewerten der Ausübung einer Dienstleistung – schon dieses Wort ist ein Unding – einE SexworkerIn verdinglicht wird. Dieses Berichte schreiben hat zur Folge das sich Frauen noch mehr verbiegen, entmenschlichen müssen, wollen sie weiter „im Geschäft“ bleiben. Ein Greuel.

    Ja es geht um wie Du schreibst „um optimale Rechtssicherheit, den Schutz von Menschenrechten, gute Arbeitsbedingungen und Gesundheitsvorsorge, um eine Ent-Stigmatisierung und diskriminierung ihres Tuns. Von einem Recht auf ein selbstbestimmes Leben in Würde zu führen sind wir noch Lichtjahre entfernt. Und in anderen Ländern ist es noch weitaus schlimmer. Du hast es ja in Indien erlebt.

    Eines muß man imo aber auch sehen. Wir sind in einer Art und Weise sozialisiert, konditioniert, erzogen worden, das es schon einiges an Anstrengung und guten Willen bedarf um sich durch den Müll von Generationen den wir mit uns herumschleppen und dessen man sich auf den ersten Blick gar nicht gewahr ist durchzukämpfen und über Bord zu werfen. Und das meine Liebe ist ein ongoing Prozess. Wir Menschen sind irgendwie so ne Art Zwiebel. Wenn man sich durch eine Schale durchgekämpft und sie abgelegt hat dann durchströmt einem erst mal ein befreiendes gutes Gefühl. Doch nach ner Weile stellste auf ein Mal fest, „Fuck the Duck . . .da is ja noch ne Schale . . . .“

    Respekt vor der Tiefe deiner Gedanken

    Ach, erwähnte ich bereits das Du ne gute Schreibe hast? Nein? Nun denn, so sei es hiermit getan . . . . 🙂

    LG Dennis aka . . . .

  3. wolfgang99 sagt:

    Ich denke, du liegst gar nicht so verkehrt, dass ein großes Problem immer noch im „Besitzdenken“ liegt.
    Ich habe es vor Kurzem wieder im größeren Freundeskreis erlebt. Wie Partner den Anderen als Besitz ansehen. Ich war da zwischendurch sehr frustriert, wie engstirnig noch die Vorstellungen mancher sind.
    Ich habe einige Mal versucht darzulegen, dass ich auch bei einer Partnerschaft / Ehe den Anderen nie besitzen kann, für mich „Besitzansprüche“ total daneben sind. Auch wenn man sich eine lebenslange Partnerschaft versprochen hat, sollte weiter die Achtung vor der Persönlichkeit des Anderen bestehen bleiben.

    Und im P6, warum sprechen manche davon, jetzt kaufe ich mir eine Nutte. Dann wird erwartet, dass fürs Geld alle Wünsche erfüllt werden. Da der Prostituierten jegliche intellektuellen Fähigkeiten abgesprochen werden (sonst würde sie dies nicht machen, sondern eine ehrenwerte Tätigkeit) weiß der Freier kein anderes Thema, als private Dinge zu fragen.
    Das „Besitzdenken“ ist auch die Ursache dafür, dass die Prostituierte für eine Ehefrau das „Feindbild“ ist, da sie ja etwas von ihrem Mann nimmt. Die Prostituierte verkauft ja dabei auch ihren Körper.

    Gruß Wolfgang

  4. Ariane sagt:

    @Wolfgang, zur Erleuchtung trägt vielleicht folgendes Interview Kluge-Baecker bei, warum es ist, wie es ist. Simmel, Parssons. Schreib gerade an einem Artikel über Geld.
    http://www.dctp.tv/filme/parsons_erfolgsmedien_herzlosigkeit-des-tauschs/

  5. wolfgang99 sagt:

    Danke Ariane, werd mir den Beitrag noch einige Mal ansehen; da werden Gedanken, die mir immer wieder durch den Kopf gehen, gut formuliert.
    Gruß Wolfgang

  6. Ariane sagt:

    Vielleicht ist es garnicht „Besitzdenken“ als solches, hab lange drüber nachgedacht, vielleicht ist es einfach der Wunsch nach Liebe.

  7. wolfgang99 sagt:

    Ariane, wenn ich frisch verliebt, also regelrecht verknallt in eine Frau bin, dann möchte ich diese Frau ganz haben, also praktisch auch besitzen.
    Wenn der erste Rausch abgeklungen ist, eine Liebes-Beziehung dauerhaft sein soll, braucht aber jeder seinen Freiraum, sonst fehlt jedem auf Dauer die Luft zum Atmen.
    Im P6-Bereich freue ich mich, wenn ich eine gemeinsame Basis finde, die ruhig auch emotionsgesteuert /-belastet sein kann. Daraus kann sich eine gute Freundschaft (Stammbucher) entwickeln. Da werden aber weiter die Grenzen beachtet; es ist eben Freundschaft, aber keine Liebe.
    Deswegen bin ich ja auch ein Gegner vom Begriff „Liebe“ in diesem Bereich (z. B. Geliebte auf Zeit).

    Gruß Wolfgang


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