leicht brauner Bomber

Da bin ich wieder, erholt und ausgeglichen, oder etwa nicht? Doch, hab mich in die Fluten des Mittelmeers gestürzt, aber meist im Schatten gesessen, deutsche Zeitungen gelesen und Berge von Salat verzehrt, abends caña oder roten Wein. Dies war ein kleiner Reisehinweis. Genau, ich war in Spanien. Seit 1972 bin ich mit diesem Land verbandelt bzw. hab ich dort als Vierjährige erstmalig meinen Fuss aufgesetzt. Noch unter Franco. Mit Schrecken ist mir drei Tage vor meiner Abreise aufgefallen, dass ich 8 Jahre keinen Urlaub hatte und spontan die Reise geplant und gebucht. Gereist bin ich viel in all den Jahren, aber nicht, um Urlaub zu machen. Ich dachte immer, ich brauche das nicht, das brauchen die Arbeiter und Angestellten, also die mit den 9-5 jobs, die sich täglich abrackern im Büro oder so. Irgendwie hatte ich da völlig ausgeblendet, das ich in all den Jahren ja nicht untätig war, im Gegenteil, summa summarum komme ich auf eine  80 Std. Arbeitswoche und das allermeiste davon un- oder unterbezahlt, ich schätze 60 Stunden for nothing … heilige Scheisse. Daher überlege ich auch schon seit geraumer Zeit, einiges neu zu justieren. Irgendwie läuft da was falsch, ist mir vorher überhaupt nicht aufgefallen. Erst jetzt, wo ich kurz vor einem Burn-out dingenskirchen stand.

War natürlich nicht völlig untätig, hab ethnologische Studien betrieben, und zwar an den vielen Residentes der Urbanizaciones. Nein, nicht als Escort, hab nur zugehört, wie sich das als teilnehmende Beobachterin gehört, worüber sich die Altersresidenten und ein paar junge Zugezogene so austauschen. Möchte nicht zu explizit, also privat werden, aber eines hab ich mal wieder gemerkt. Glück und Zufriedenheit sieht für mich anders aus. Soviel Gemaule, fast wie in Berlin. Vor vielen Jahren schon hatte ich mir mal überlegt, eine Studie über westeuropäische Residenten in Spanien anzufertigen. Da fand ich bei meinen Recherchen folgendes Buch von Andreas Huber, Sog des Südens, der sich des Themas schon angenommen hatte. So brauchte ich mir darüber keinen Kopf mehr zu machen und hab es ad acta gelegt. Huber konzentriert sich hier auf die Schweizer Community dort unten, aber es ist doch vieles sehr ähnlich, wenn auch die Mentalitäten … räusper …. der Briten, Franzosen, Schweizer und Deutsche einige Unterschiede aufweisen. Die meisten Deutschen, wenn sie denn nicht dort arbeiten oder (nicht und) ihr kriminell erworbenes Geld ausgeben, sind von einem enormen Freizeitstress gekennzeichnet. Es gibt vier Typen von Deutschen in Spanien. Die Aussteiger – also auch junge Leute, die sich dort eine Existenz aufgebaut haben und „ehrliches“ Geld verdienen, im Handwerk, in der Kneipe, als Ärzte u.a., dann die Senioren, die dort ihre Rente verfrühstücken, meist Mittelstand und ehemalige Unternehmer/Selbständige und die Kriminellen. Damit meine ich Leute, die mit internationalem Haftbefehl gesucht werden, nicht nur Mörder, sondern Steuerflüchtige und andere Betrüger, die den Bessergestellten mit irrwitzigen Geschäften und Arschkriecherei das Geld aus der Tasche ziehen. Ich hab das über Jahrzehnte beobachtet, ist also empirisch gesättigtes Erfahrungswissen. Und die vierte Gruppe sind natürlich die Touristen, einige davon werden irgendwann mal Residentes, weil ihre Eltern dort schon ein Häuschen hatten oder Urlaub machten oder so. Dort, wo ich war, hab ich hauptsächlich Familien angetroffen und junge und alte Senioren, also vom Strassenbild aus betrachtet. Hab in kürzester Zeit zwei Heiratsanträge bekommen, bei einem Weinchen in meiner Lieblingsbar, wo besoffene Damen zu später Stunde das T-Shirt lupfen, also eine ganz normale Bar, keine Animierbar oder so. Also alle Escorts, die auf der Suche nach einem Sugardaddy sind, ich kann euch Orte nennen. Hab beide Anträge negativ beschieden, zum äussersten, also Sex ist es auch nicht gekommen. Ein Escort hat ja auch mal Urlaub. Die Briten und Iren waren es, die mich mal wieder verrückt gemacht haben; der Ire, ein Berufssoldat, der gerade aus- und beruflich umsteigt und einen Tag, bevor ich ihn traf, aus Afghanistan zurückkehrte und mir einiges zu erzählen hatte – Wahnsinn, kann ich nur sagen, er arbeitete seit 18 Jahren bei einer Spezialeinheit und war überall dort im Einsatz, wo man üblicherweise nicht Urlaub macht und wo es viele Tote gibt. Ich hab ihm ein wenig den Rücken massiert, damit er runter kommt. Dabei ist er eingeschlafen, in meinem Hostal, hab ihn am Morgen heimlich rausgeschmuggelt, damit meine katholischen Vermieter nix mitbekommen. Hostal war angesagt, nicht Finka. Konnte auf die Schnelle keine bezahlbare Finka anmieten und meine frühere Gastgeberin hat ihre unter Preis verkauft und ist zurück nach Deutschland ins Seniorenheim. Bei meinem Vater wollte ich auch nicht unterkriechen, ich bin lieber unabhängig und so. Ach ja, und der andere Verehrer unter den Jüngeren, ein Kneipenbesitzer aus den Midlands, der gerade mit einem Freund zusammen eine eigene Bar aufgemacht hat, ein Jungspund und pfundiger Kerl mit der Figur eines Snooker-Spielers, den ich ebenfalls massierte und der mir beichtete, das er normalerweise für Sex zahlen müsse. Naja ich war ja im Urlaub und es war auch nur eine kurze Massage ohne Zahneinsatz *gg* Ich steh auf diese Typen, also respectable working class people sind mir sehr sympathisch, das hatte ich ja mal in der Geschichte von dem Feuerwehrmann und dem Milchmann in Kent nebenbei erwähnt. Ansonsten mag ich die Workoholics, die meist um die Welt jetten, dieses Nomadenhafte und Ehrgeizige, das ist der gemeinsame Nenner. Nicht Reihenhaus oder so. Wobei nicht alle Nomaden sind Cosmopoliten. Viele verkaufen auch nur die gleiche Leberwurst am anderen Ende der Welt.

Mit dem Internet hatte ich so meine Probleme, da der Zugang etwas hinderlich war. Bei meiner Hotspot Suche bin ich dann auch in einem Internet Café in einem Nachbar-Kaff gelandet, wo man mir 8€ für eine Stunde abknöpfte. Das britische Paar, dass das Café betreibt, hat wohl Probleme mit der Zahlung der Interest-Rates ihres gemortgage’ten Häuschens. Ich fand das wirklich unmöglich und hab mich als Deutsche natürlich beschwert. Sie meinten, das hier so viele Reiche leben, denen das scheissegal ist. Was wohl meine arbeitslosen hochqualifizierten spanischen Freunde dazu sagen?!

Bei Interesse schreib ich mehr über Spanien, Kneipen, die Bla Bla heissen und die entsprechenden Gespräche sowie die deutsche Suche nach dem Paradies. Adios!


One Comment on “leicht brauner Bomber”

  1. alivenkickn sagt:

    hallo ariane

    ja, so ein tapetenwechsel hat schon was. nicht täglich immer die selbe oder sagt man gleiche? tapete sehen, eine andere umgebung, örtlich – baulich wie auch andere menschen sehen – treffen, trägt dazu bei die neugiere und lust am entdecken zu beleben, neues zu entdecken. örtlich – outside wie auch bei sich selbst – inside . . . . . .

    lieben gruß . . .


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