juveniler schwachsinn

Ich werde in verschiedenen P6 Foren gelegentlich Zeugin absurder Altersdiskussionen. Seien es Anfragen und Umfragen von jungschen Anbieterinnen, die es nicht fassen können, was an erwachsenen, reifen, älteren Escorts so besonders sei oder despektierliche Äusserungen über Bucher jenseits der 50 sind zu hören, Fragen zu Äusserlichkeiten, Übergewicht bla blubb. Die diskriminierende Altersdiskussion ist selbstverständlich auch im P6 ein Thema, wie auch der Run auf „Tagesjungfrauen“ und „Anfängerinnen“, die noch nicht gelernt haben, Grenzen zu ziehen und mit sich selbst achtsam umzugehen. Zumindest wird dies unterstellt. Da dieses Thema permanent und überall durchgekaut wird, inkl. Anti-Ageing-Marketing und Schönheitsideale, die man meist nur durch Hungern und selbstverstümmelnder OPs erreicht, die einen letztlich botoxiert noch entstellen, möchte ich doch mal meinen Unmut zum Thema kund tun, da es mir echt auf den Zeiger geht.

Ich selbst habe im Alter von 35 Lenzen mit P6 und Escort begonnen. Und bin froh darum, mit etwas Lebenserfahrung, Bildung und gewisser sexueller Expertise begonnen zu haben. Zunächst in kleinen Berliner Wohnungsbordellen vor 7,8 Jahren. Überall wurde ich anfangs von Gästen nach meinem richtigen Namen (sic!) und Alter gefragt und wenn ich damit herausrückte, meinten sie, ich solle bloss nicht die Wahrheit sagen, da ich zehn Jahre jünger aussehe.  Ok. Da ich das Biz noch nicht kannte und ich die Sorge hatte, dass mich dann niemand mehr bucht oder mit mir aufs Zimmer geht, habe ich mein Alter entsprechend manipuliert und bin einige Jahre auf der „um die 30er-Schiene“ gallopiert. Als ich dann 40 wurde, setzte ich mein Alter auf Mitte 30 und so weiter und so fort. Im nachhinein ärgere ich mich wie Bolle, da es nicht nur die einzige Lüge war, die mich begleitete und persönlich nervte, sondern auch, weil ich der Panik verfallen war, dass mich kein Mann mehr treffen wollen würde, wenn ich mein wahres Alter öffentlich kommuniziere.

Erst letztjährig und auch mal kurz davor habe ich mein Alter in einem Forum öffentlich korrigiert und manchen Portalbetreibern, wo eine Sedcard hinterlegt war,  dazu Meldung gemacht (die haben die Mail geflissentlich ignoriert hi hi).

Scheiss der Hund drauf, ich hab keine Lust mehr, mein Alter zu verleugnen. Ich sehe nur einfach nicht so aus, wie man sich eine Frau Mitte 40 vorstellt. Ich bin ein altes, weises, zorniges Kind mit Aprikosenhaut im Schildkröten-Gang. Soll ich das etwa auf meine Webpage pflanzen?

Ich werde im März 44 Jahre alt und habe mir auch keine Gedanken über einen sog. „Ausstieg“ gemacht, warum ?!  Wenn ich auch in manch kritischen Momenten den Rückwärtsgang einschalten musste. Mein Leben ist durch P6 und vielen tollen Begegnungen sehr bereichert worden, ich habe viel gelernt, Eier lecken zum Beispiel,  und treffe immer wieder die tollsten Kerle, die ich als private Frau so nicht treffen würde. Mein Leben ist selbstverständlich nicht stehen geblieben, sondern ich habe mich weiter entwickelt, wie man so sagt. Manche haben echt krude Vorstellungen, dass man mit P6 in der Falle sitzt und das „eigentliche“ Leben aufhört. Vielleicht möchten das viele so sehen, weil sie selber in der Falle sitzen und projizieren und andere zu Opfern machen. Das ist nicht meine Realität und nicht die Realität vieler anderer Frauen, die ich im Escort,  Bordell, über Foren, bei Parties in all den Jahren kennenlernen durfte.

Ok, es gibt genügend Leute, die bleiben hocken und warten, das was passiert, eine Revolution, ein Traumprinz, whatever, das sie vom Profanen erlöst. Aber das ist nicht sexwork spezifisch. Dazu gehöre ich definitiv nicht und die „Ausbremser“ und ihr ewiges Lamento können mir gestohlen bleiben und sonstwas den Buckel runter flutschen. Im übrigen hab ich soviel Liebe, die teile ich auf unterschiedlichste Weise mit verschiedenen Menschen und Passionen. Aber auch sparsam und nicht verschwenderisch, sondern achtsam.

Daher Jungs und Mädels, die ihr die zweite Lebenshälfte durchschreitet, schreibe ich euch ins Poesiealbum, dass einzig und allein eure Lebenszufriedenheit und Freude, die richtigen Menschen an eurer Seite zu haben, zu treffen, euch schön, selbstsicher, charismatisch, verrückt, erfahren und attraktiv macht. Und bitte gebt nichts auf diese fürchterlichen Alters- und Schönheitsdiskussionen, die uns medial bespielen; das sind marketing technisch und politisch betrachtet nur Brot- und Spiele Diskussionen, damit wir uns sch**** fühlen und der Schönheits- und Kosmetikindustrie die Taschen vollmachen sollen. Ich halte es da lieber mit meiner Oma und Nivea und guten, dreckigen Witzen. Lachen macht schön.

In diesem Sinne sollen zwei Damen nicht unerwähnt bleiben, die sich selber und ihren Klienten bis ins hohe Alter Freude schenken. Da ist einmal Doris Borg aus Malta, 100 jährige Kollegin, mit schelmischen Lachen und wachen Augen, die viel gesehen haben,

 

und Milly Cooper, 96 Jahre alt, Las Vegas, gebürtige Britin, mit aufregender Lebensgeschichte, die als Escort immer noch bzw. wieder aktiv dabei ist. Dazwischen hat sie eine Agentur geleitet und war gänzlich untervögelt, weshalb sie wieder als Escort aktiv wurde.

LONDON – Eine 96-jährige Britin, die schon seit Ende des Zweiten Weltkriegs als Prostituierte arbeitet, verdient mit dem Job noch immer ihr Geld.Ein netter Nebenverdienst, denn Milly Cooper verdient auf diese Weise noch immer 60.000 Euro im Jahr, berichtet die Daily Mail. Im Alter von 27 Jahren verliebte sich Cooper in einen Amerikaner. Sie heiratete ihn und zog von London nach Las Vegas. Auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges kam ihr Mann jedoch ums Leben.Milly blieb mit ihrer Tochter und vollkommen ohne Einkommen zurück. Mit ein wenig Erfahrung als ehemaliges Revuemädchen fing sie an, als Prostituierte zu arbeiten. Als Eskortdame für Menschen aus gehobenen Kreisen verdiente sie schnell ein kleines Vermögen.Der Lockruf der ‚Feldarbeit‘

Nach einigen Jahren im „aktiven Dienst“ wurde Milly Cooper zur „Madame“. Damals hatte sie zehn Mädchen unter ihren Fittichen. 25 Jahre lang betrieb sie diesen Escortservice.

Allerdings fiel es Milly nicht leicht, dem Lockruf der „Feldarbeit“ zu widerstehen. So begann sie erneut, selbst als Prostituierte zu arbeiten. Laut eigener Aussage hatte sie in ihrem bisherigen Leben mehr als 3.500 Männer im Bett.

Kein Schnäppchen

Heute nimmt sie sich etwas zurück, empfängt aber noch immer im Schnitt zwei Kunden pro Woche. Und die kommen nicht bilig davon. Bis zu 900 Euro kann das „volle Programm“ schon kosten. Ihre Kunden sind zwischen 29 und 92 Jahre alt.

„Heutzutage haben die Mädchen pralle Brüste und magere Körper“, konstatiert die erfahrene Expertin. „Sie laufen bevorzugt halb nackt durch die Gegend. Zu meiner Zeit haben wir solche Frauen als Schlampen bezeichnet. Ich werde die Latte auch weiterhin hoch legen. Ich bin immer elegant gekleidet und meine Kunden sind Gentlemen.“

dnews 23.02.2011

Ich halte es wie Milly: „I always dress elegantly and my clients are gentlemen“.

xx Ariane, eure Schildkröte


7 Kommentare on “juveniler schwachsinn”

  1. haveanicedai sagt:

    Ariane,
    Du schreibst ja immer sehr auf den Punkt – und bei diesem Thema, das Dir offensichtlich SEHR am Herzen liegt, argumentierst Du so scharf, wie Du aussiehst 😉
    Ich habe diese Art von Diskussionen immer genauso unnötig empfunden, wie die, mit welchen Nationalitäten man(n) gut auskommt oder auch nicht. Gottlob sind Menschen Individuen, die ihre Stärken und Schwächen, aber vor allen Dingen eben eine einzigartige Mischung darstellen. Hoffentlich verändert sich diese Mischung über die Zeit. Den Spruch „Du hast Dich gar nicht verändert“ empfinde ich für mich als Frechheit – vgl. dazu Brecht… Als man Herrn Käuner sagte, er habe sich gar nicht verändert, erschrak dieser….
    Das Leben passiert nicht einfach. Es ist das Resultat der Summe der Entscheidungen, die man(n)/frau getroffen hat. Insofern ist es durch einen selbst zu steuern.
    By the way – ich entscheide mich gerne wieder für ein Date mit Dir – zu Drinks, Dinner, Diskurs und… nun ja, das entscheiden wir dann später….

  2. lederschaft sagt:

    Ich sage es doch immer wieder: Du biste eine atemberaubene Frau und mit Deiner Offenheit immer wieder so was von auf den Punkt, toll!
    Bleibe einfach Ariane! Bitte!

  3. Goldie sagt:

    @Mr Lederschaft; danke du Schlimmfinger! Bin auch gar nicht mehr sauer übrigens, nur etwas überspannt, hoffe, dir geht es saugut! 😉
    Habe mir heute zauberhafte Lederhandschuhe gekauft, 2 Paar, in Dunkel-Violett und Braun, passend zur neuen Handtasche. Ich bin jetzt ganz Dame und weiss mich zu benehmen.

  4. Goldie sagt:

    Der Herr Brecht, den schätze ich auch sehr. Ja, diese Angewohnheit nach Herkünften, Abkünften zu fragen ist ganz furchtbar. Könnte dazu ein Buch schreiben. Früher im Gespräch wurde mir oft nicht geglaubt, dass ich Deutsche bin, wenn man mich nach meiner Herkunft gefragt hat. Dabei habe ich mich extra blondiert und bin auf diesem eigenartigen Planeten einigermassen assimiliert. Das tolle an den Menschen ist doch die Differenz, weshalb mich so ein Schubladen-Gequake total abturnt. Ich will doch wohl hoffen, dass ich dich bei einem Wiedersehen noch erkenne? he he he … wahrscheinlich bist du noch attraktiver geworden.

  5. haveanicedai sagt:

    sollte ich attraktiiver geworden sein, dann nur, um mit Dir Schritt zu halten. Denn Dein Schritt ist und bleibt das Mass aller Dinge… ich meine das natürlich rein intelektuell ;-))
    CU – hopefully soon
    Übrigens grüße ich auch heute nicht mit Alaaf oder Hellau

  6. wolfgang99 sagt:

    Ich denke, dass diese Diskussion sehr viel über die mentalen Schranken der Beteiligten aussagen.
    LG

  7. Goldie sagt:

    W. Det haste abba schön jesacht!


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