die Lust am Leben

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, am Taxistand war mal wieder kein Taxi und so bin ich schnell in die U-Bahn geswitcht, aber irgendwie hatte mich der öffentliche Nahverkehr im Stich gelassen. Bevor es zur Buchlesung ging, hatte ich noch ein Meeting mit einem extrem gut aussehenden Herrn bzgl. eines anstehenden Events im kommenden Jahr. Werde hier berichten. Irgendwie ist mir dann was dazwischen gekommen *ggg* und ich traf mit kleiner Verspätung in der  Fasanen37 ein, wo Udo Walz eine Galerie/Bar unterhält, ehemalige Galerie Bremer. Dort stellte ich fest, dass der Termin neu disponiert worden war und mich eine Schmuckpräsentation begrüsste. Hab mit ein paar Leuten gequatscht, die mir irgendwie nicht echt vorkamen. Ich trage ja wenig bis keinen Schmuck, mag Schmuck. Welche Frau mag das nicht? Vieles von dem, was ich sah, war sehr „verspielt“, nicht ganz mein Geschmack, bis auf die schlichte Jade-Scheibe. Die Gastgeberin und Designerin fand ich sehr sympathisch, eine zierliche, attraktive junge Dame mit zurückhaltendem Charme begrüsste mich: Stefanie Volkmer-Otto, die seit 2007 in Hamburg die Galerie Fuchs betreibt. Wer ein einzigartiges Geschenk für seine Gattin sucht, hier werden Sie geholfen.

Ursprünglich war ich nicht nur wegen der Veranstaltung gekommen, sondern auch, um Bekannte zu treffen, die dort arbeiten. Aber S. fehlte, einer der besten Barmänner von Berlin, den ich total gern habe. Er hat zwischenzeitlich den Job gewechselt. Schade eigentlich. Mir gefällt die Location besser als meine frühere Hausapotheke.

Es kam, wie es kommen musste, ich hab mich früh verabschiedet und die Location gewechselt. Dorthin, wo ich mich zuhause fühle. Auf dem Weg  fuhr mich ein reizender Taxifahrer und wir lästerten über geizige Schnäppchenjäger. Da erzählte er mir von einem Fahrgast, einem in Deutschland sehr bekannten Schauspieler, der ihn bei einer kurzen Fahrt von 7,40€ auf Heller und Cent auszahlte, wobei er nach Münzen in seiner Hosentasche kramte, sie dabei alle auf den Boden der Beifahrerseite plumpsten und der Schauspieler jeden einzelnen Cent aufhob. Da ist nix liegen geblieben. Ich mein, bei 7,40€ gebe ich immer 10€, und ich bin weder vermögend noch prominent. Finde das recht kleinkariert; erinnert mich an die Omis, die ich einen Sommer lang als Schülerin in Essen-Kettwig in einem Ausflugscafé bediente und die das Kännchen Kaffee und Stück Kuchen über sechs Stunden wegschnabulierten, selbstverständlich ohne Tip. Wahrscheinlich die Kriegsgeneration. Was mich wiederum an all die Typen erinnert, denen ich auch in meiner Anfangszeit in Berliner Cafés begegnete, als ich ein paar Monate in der Servicewüste als Kellnerin werkelte, zwischen schlecht bezahlten Lehraufträgen. Ich bekam regelmässig eine Rose geschenkt, die Gäste von den Rosenverkäufern kauften, um sich bei mir für meine Freundlichkeit zu bedanken. Konnte ich auch verstehen, ist ja nicht selbstverständlich.

Diese ganzen Menschen, die heutzutage schweigsam vor ihren dämlichen Laptops in Berliner Cafés rumsitzen, eine Latte über vier Stunden schlürfen, also das geht mir wirklich auf den Zeiger. Nicht nur das Rauchverbot. Da findet doch gar keine Agora, kein Austausch mehr statt. Da bleibe ich doch lieber zuhause oder verziehe mich in Gentlemen- und andere private Clubs, wo noch Zigarren geraucht werden dürfen. *gg* Kaffeehäuser, Cafés, Bars, Kneipen sind doch eigentlich soziale Orte. Jetzt hängen dort nur noch Milchcafé-Süppler herum, in manchen Kneipen schweigsame, sich vollaufende Gäste. Selbst Wirte haben mir kürzlich erzählt, dass sich die Gäste verändert haben. Früher hätten die Gäste in den Eck-Kneipen noch miteinander gesprochen. Seit der Raucher-Regulierung kommuniziert man weniger bis garnicht. Ist auch meine Erfahrung. Es gibt nur noch wenig Orte, die ich regelmässig zum quatschen und süffeln aufsuche, und das tolle ist, bei klasse Gesprächen wird man nicht betrunken. Ich zumindest. O.k. wenn ein Blödmann Schwachfug auf mich einlabert, auch Leute mit zu langen Monologen, da ist bei mir nach einem Glas Wein hängen im Schacht.

Der Abend ist dann doch sehr schön ausgeklungen, habe Bekannte getroffen, ein sehr attraktives Pärchen und wir haben uns noch köstlich amüsiert. mmhhh …. Falls ihr mitliest: kann nicht gut in fremden Betten schlafen, hab mich gegen 5 Uhr vom Acker gemacht, stellte dabei fest, dass die Haustür verschlossen war und wartete im Treppenhaus auf den ersten arbeitssamen Mieter. Und tatsächlich um Punkt 6 Uhr kam ein älteres Teenygirl im Aufzug runter und traf mich auf der Treppe vor dem Ausgang an. Sie hatte Stöpsel in den Ohren und sprach kein Wort und starrte geradeaus, ohne mich zu bemerken. Zumindest tat sie cool. Sah aus wie eine Fleischereifachverkäuferin auf dem Weg zur Berufsschule. Mit den Stöpseln im Ohr verstand sie auch nicht, dass ich sie ansprach und ihr sagte, „bitte nicht erschrecken, bin nur eine Freundin des Hauses ohne Hausschlüssel.“ Wie kann man sich morgens um 6h schon mit Pop-Musik volldrönen? Da bin ich garnicht ansprechbar.

Bin dann mit der Metro und frischen Brötchen zurück und bekam noch ein paar Stunden Schlaf, bevor ich mich zu meinem Zahnarzt aufmachte, der beste Zahnarzt in Berlin, der mich fast alles schmerzfrei überstehen lässt. Danke. Er ist auch Tenor, gerade eine Scheibe rausgebracht, und hat einen trockenen Humor, interessiert sich für Politik, eine gute Kombi,  und während ich sprach- und hilflos dalag, erzählte er ein paar amüsante Anekdoten und lästerte über KT, der sich ohne Schmalztolle und Entengang aus den USA zurück gemeldet hat. Seine neue Mitarbeiterin, Studentin der Zahnmedizin, fand ich auch sehr nett und hübsch. Wie kann man sich für einen Beruf entscheiden, wo man sein Leben lang den Leuten ins Maul schaut? Überhaupt Ärzte haben meist den besten Humor, was mich nicht sonderlich verwundert bei ihrem Alltag; die frühere Assistentin hat mir immer die Hand gehalten, was mich sehr beruhigte. Aber in diesem Fall musste mir niemand Händchen halten, weil der Humor mich ablenkte, die beste Medizin, sag ich euch. Hat auch mich schon einige Male gerettet, weshalb ich ja zeitweise selbst zum Clown mutiere, da mir die heilende  Funktion bewusst ist.

Heute vor einem Jahr ging es mir garnicht gut, da sind zeitgleich so schlimme Dinge passiert, ausgerechnet während der Proben zu LULU; mein Vater hatte zwei Herzinfarkte und ich musste ins Ausland, ihn auf der Intensivstation besuchen. Hatte einen Notknopf in seinem Haus, hatte ihn vergessen, ihn zu betätigen, telefonierte, dauerte Stunden, bis man ihn fand, er überlebte. Und andere furchtbare Horrorgeschichten. Alles auf einmal. Ich ging regelrecht auf dem Zahnfleisch. Wenn ich von meiner Theatertruppe nicht aufgefangen worden wäre und ein paar ganz besonders liebenswerten Herren, die ich in dieser Zeit traf, also ich hätte mich ins Bett gelegt und die Decke über den Kopf gezogen. Daher bin ich sehr dankbar, dass es jetzt, ein Jahr später alles ganz anders ist und ich wünsche uns allen viel Gesundheit,  erstklassige Ärzte und viel Lust am Leben.

Ciao!



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