9/11 Nachschlag

Ok, der 11. September und das mediale Concerto darum ist vorerst verklungen, die Zeit für Nachdenklichkeit bleibt und so las ich in der letzten Nacht, gestern, heute einen Text, den eine Freundin – Escort, Hure und Mitstreiterin – zusammen mit ihrem mir ebenfalls sehr geschätzten Mann verfasst hat, die beide die University of Life besucht haben und von mir, als Vorsitzender der Muschi-Partei, dafür die Ehrendoktorwürde erhalten.

In diesem Text geht es nicht um Sex oder Erotik, ausser dass die Message lauten könnte, letztlich das Leben und jeden einzelnen Tag zu feiern, in Demut, manchmal in Euphorie, aber nicht auf Kosten anderer, eben nicht als hedonistischen, sinnlos-betäubenden Selbstzweck. Also bitte nur weiterlesen, wer jetzt nichts possierliches erwartet, der wird nämlich sonst enttäuscht.

Der Text hat mich wirklich beeindruckt, nur das Wort „degeneriert“ hat mich an einer Stelle aus bestimmten Gründen gestört, aber ich weiss, was und wie es gemeint ist und da in meinem Blog die freie Rede gilt, stelle ich hier nur unzensierte Texte Zweiter und Dritter ein.

Der Text der beiden handelt von der Bildsprache des zu trauriger Berühmtheit gewordenen Fotos „The Falling Man“ von Richard Drew.

Betrachten wir die Fernsehbilder, sehen wir einen Menschen, klein, verletzbar und in äußerster Verzweiflung, wie er an der Schnittkante zweier Fensterfronten des Nordturmes in die Tiefe fällt, hinter ihm ein flammendes Hölleninferno, aus dem es auf anderem Weg kein Entrinnen gibt.
Den qualvollen Flammentod vor Augen, nimmt der fallende Mann sein Leben in die eigenen Hände und trifft seine persönliche Entscheidung. Er sieht seine geliebte Familie, die Welt, das Leben, erlebt um sich herum das absolute Grauen, brennende Menschen, verkohlte Leiber, hört die Todesschreie seiner Mitmenschen und weiß mit einem Mal, daß er nicht Opfer sein möchte in einer Nation und einer Welt auf der permanenten Suche nach Helden. Er überschreitet die Grenzen des Erträglichen und begreift seine eigene Winzigkeit. Sein Todessprung und der Sprung vieler Anderer, der Flug in die Tiefe vor dieser Monumentalfassade, stellt die Religion und das daraus resultierende Glaubensverständnis der gesamten christlichen Menschheit auf den Kopf. Es gibt keine Wiederholungen des Kreuztodes Jesus Christus. Dessen Vorbild bedient lediglich unsere Suche nach Helden, die stellvertretend für uns leben und sterben. Der Sohn des Zimmermannes war ebenfalls ein verletzbarer Mensch und wir Mitmenschen, besonders die Kirchen, stilisierten ihn zum Erlöser und kreierten damit eine Religion der Passivität.

Jedes der Fenster in den Türmen fängt und spiegelt das Licht einzigartig und auf eigene Weise. Diese Kulisse auf einer Weltbühne des Grauens ist als Zeichen zu verstehen, besonders auch die Winzigkeit der davor fallenden Menschen. Die ganze amerikanische Nation wollte die Bilder des „Freitodes“ nicht zur Kenntnis nehmen. Bist du kein Held, passt du nicht ins aufdoktrinierte allgemeine Weltbild, dabei ist es doch gerade der „Freitod“ dieser stürzenden Menschen, der wahres Heldentum aufzeigt.
Es kann nicht darum gehen mit den Mitmenschen zu konkurrieren, sie zu überragen, zu übertrumpfen, zu besiegen. Hier, an dieser Stelle, findet der narzistische Vollkommenheitswahn, dem heute die ganze Menschheit zum Opfer fällt, ein jähes Ende. Vielleicht hatten die in den Tod Springenden den letzten Gedanken: “Ich springe in die Hände eines liebenden Gottes.“ Welcher Vater würde es zulassen, die Frage muss gestellt werden, daß sein geliebtes Kind einen qualvollen Tod findet? Was soll das für ein Gott sein, der diese Botschaft vermittelt? Doch die Kirchen kolportieren genau eine solche Gottesbestie in die Köpfe ihrer Gläubigen. Hier ist die Botschaft: “Schlägt dich jemand auf die linke Wange, so halte die Rechte auch noch hin!“ Ich nehme an, das diese Botschaft aus herrschaftstechnischen Gründen von den jeweils Mächtigen, so absurd sie auch ist, in unserer Köpfe gepflanzt wird. So verwerflich Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung auch ist, scheint mir mancher Moslem im Verhältnis ehrlicher. Die moslemische Welt fühlt sich gegenüber dem hochtechnisierten Bruder ohnmächtig und hilflos. Doch wir ach so scheinbar hochentwickelten, selbsternannten Götter stehen dieser Andersartigkeit mitleidlos und unduldsam gegenüber. Das ist die Konfrontation. Warum mischen wir uns gewaltsam ein im Irak, Afghanistan, Libyen, warum Vietnam und Korea, wo wir kollektiven Massenmord, bis auf wenige Ausnahmen, untätig oder tätig unterstützten? Wir haben wenig Mitgefühl mit unseren Geschwistern, obwohl wir doch alle eine große Familie sind. Wir bauen Gefängnisse, Psychiatrien, verachten Prostituierte und wollen diese Bereiche dennoch für uns nutzen, durch auferlegte Zwangsarbeit oder eine absurde Sexsteuer, mit der die Mächtigen zu Zuhältern und Ausbeutern avancieren unter dem Deckmantel der biederen Anständigkeit.

Luxushotels, und andere Prestigebauten, die immitten von Slums und tiefster Armut errichtet werden, sind rücksichtlos und bar jeden Mitleides. Was wundern wir uns über die begehrlichen Hungerblicke oder wenn die Ärmsten zu den Waffen greifen?
Wollen wir sie wirklich, eine zwei geteilte Welt? Wollen wir wirklich festhalten an einer infantilen Saugermentalität, degenerierte Kulturen, die den höchsten Punkt längst überschritten haben? Wir müssen unbedingt lernen, das es in dieser einen Welt, auf der wir alle gemeinsam leben, darum gehen muss zu einem Kulturverständnis des Mitgefühles und des Teilens zu kommen. Die Apokalypse hat seit dem 11.September ein weiteres Gesicht, welches unsere seelische und psychische Zerstörtheit widerspiegelt.

Nicht alles überschattende Helden sind es, die wir brauchen, nicht den schnellsten 100 Meter Läufer, den wir suchen. Wir müssen langsamer werden und uns den Kleinsten und Schwächsten anpassen. Die selbsternannten, seelenlosen Titanen sind es nicht, die uns von der eigenen Pflicht und Verantwortung der Welt und dem Leben gegenüber entheben.

Wir müssen lernen uns und anderen gegenüber geduldiger zu werden. Dieser Haltung bedarf weder Waffen noch militärischer Intervention. Nicht Bevormundung und Reglementierung sind erforderlich, sondern wie Ralph Giordano sagte: “Die Freiheit des Menschen ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“

An dieser Stelle möchte ich allen Opfern von Herrschaftstechnik weltweit mein tiefstes Mitgefühl aussprechen. Beenden wir die Zeit der Irreführung und des Erduldens, jeder auf seine eigene Art und Weise und auf der Grundlage des Respektes seinen Mitmenschen gegenüber.

Quelle: Black Roses

An dieser Stelle sei auf die Ausrufung eines eigenen Palästinenser-Staates vor der UN am 19. September hingewiesen, den ich ganz und gar unterstütze. Obama, der sein Veto dank massiven Einflusses der Washingtoner Lobby angekündigt hat, ist an dieser Stelle leider für mich out. Es kann nur einen Weg zu Frieden geben: wenn die Nuttenrepubliken dieser Welt mal nicht feige und passiv den Arsch zukneifen, sondern aktiv Stellung beziehen und gerade nicht in Anbetracht des historischen Erbes weiterhin Profit aus den Kriegen dieser Welt schlagen. Hat es denn wirklich kaum jemand begriffen, dass die Logik, die uns seit Dezennien antreibt in eine Sackgasse und Schlimmeres führt? Wir von Volldeppen regiert werden, die verächtlich auf ihre eigene Bevölkerung schauen, gelegentlich Bunga-Bunga mit 16-jährigen tanzen und wenn sie dabei gestört werden noch antworten: „was für ein scheiss Land, bei dem ich kotzen könnte.“



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.