Sisyphos … Part 2 …

Fortsetzung zu meinem kopfschüttelnd-machenden Blog-Eintrag aus April (Nachtrag; nur die Braut von Hugh Hefner ist zwischenzeitlich stiften gegangen) bzgl. Escort-Alltag. Wer’s wirklich wissen will …

Nun, was habe ich nach Wohnungssuche und Umzug mal wieder gelernt:

„Man muss sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

Meditatives Putzen auf den Knien, mehrfaches Weissen von Wänden, Renovieren zweier Wohnungen, zigfacher Ärger mit Dienstleistern rund um diesen „Event“ (Makler, Umzug, Handwerker u.a.), das lässt mich demütig werden; dennoch … es ist vollbracht.

Meine Nachbarschaft: ein bezauberndes Restaurant, das gelegentlich auch den Rotary-Club beherbergt, eine Eck-Kneipe, die sich zum Fussball-schauen vorzüglich eignet und die ihr Nichtraucher-Zimmer „Klein-Bayern“ nennen; meine frühere Friseurin Uli ist noch da und hat mich bzgl. Kiez-Klatsch geupdatet, der Holzschnitzer Charlie schnitzt stoisch seine Skulpturen, habe eine hochinteressante Begegnung und Gespräch mit einer intelligenten Frau, eine Café-Besucherin gehabt, weshalb ich mich noch einmal eingehend mit Mediation beschäftigen werde, habe Vorhänge zum Umnähen zur türkischen Schneiderin gebracht und mich etwas blamiert, als ich nach der Begrüssung nachfragte, ob denn die frühere Inhaberin nicht mehr da sei, erklärte ihr, dass ich vor vielen Jahren regelmässige Kundin war und sehr zufrieden. Darauf sie: „Erkennst du mich etwa nicht mehr?! Ich bins immer noch …“ Ich musste laut lachen, sie auch. Sie trägt mittlerweile traditionelle Kleidung und Kopftuch, auch die Brille war mir neu, ich hab sie wirklich nicht mehr wieder erkannt. Ich meinte dann noch, wer weiss, wenn ich älter werde *g*, vielleicht verändere ich meine Optik ebenfalls … dahingehend, der Unauffälligkeit zuliebe. Also ich dachte so in Richtung Nonne oder orthodoxer Mutti, man kann ja nie wissen.

Es gibt auch Gutes zu berichten; die neue Wohnung ist sehr schön, lasse sie gerade mit kostspieliger Sicherheitstechnik versehen, man weiss ja nie … in meiner letzten, weil gut gesicherten Wohnung wurde versucht einzubrechen, ohne Erfolg, immerhin, ausserdem setzte ein schwachsinniger Nachbar seine Wohnung versehentlich in Brand und die Bewohner mussten evakuiert werden, weshalb ich danach eine kleine Paranoia geschoben habe und mir schwor, nie wieder unterm Dach zu wohnen, ohne Notausgang etc. Dies und die fortschreitende Gentrifizierung von Berlin-Mitte hatten mich bewogen, einen Ortswechsel vorzunehmen. Jedenfalls bin ich gut gelandet.

Befinde mich im August in Edinburgh und bin total aus dem Häuschen, allerdings frage ich mich mal wieder, was mich bewogen hat, bei dieser waghalsigen Unternehmung mitzumachen, die auf Einladung zustande kam: in einer Comedy-Show beim Fringe-Festival zu performen, immerhin dem einzigen wichtigen internationalen Open-Arts Festival. Exhibitionismus kann es nicht sein, da ich eigentlich introvertiert bin, was mir kaum jemand glaubt, nur manchmal im Umgang mit Menschen in Nahkontakt bin ich extrovertiert, in anderen Gefilden soziophob, gleichzeitig geniesse ich unverbindliche Nähe mit Fremden und Bekannten, ein sehr eigenartiges Tierchen bin ich schon. Es gibt garnicht genügend Schubladen für mich. Wie schrieb mir mal ein liebgewordener Herr & Kunden-Mann ins Gästebuch der Zeitgeschichte: „wer was zu sagen hat, soll auch sprechen …“, ich ergänze: sagen muss. Also sag ich’s. Treibt mich irgendwie an. Ich kann halt nicht anders. Blasen und sprechen, geht’s noch?!

Merkwürdige Anfragen in letzter Zeit, die ich nicht erfüllen konnte/wollte, eine Hoffnung realisiert sich jedoch am kommenden Wochenende, da habe ich ein sehr gutes Gefühl und bin gespannt. *grinsekatzesmiley*

Apropos Escort: habe kürzlich eine High-Class-Diskussion auf tiefstem Nivea verfolgt und mich zutiefst deprimiert; Kommunikation, die parallel zwischen einer Chat-Box, einem Escort-Agentur-Thread in einem Freierforum mit gehobenen Ansprüchen und eines Twitter-Accounts einer Agenturbetreiberin stattfand. Das war wirklich schlimm kann ich nur sagen. Pussyleaks, aber niederste Schublade. Ich kam mir vor wie eine Zuschauerin in einer römischen Arena. Ein Grund mehr, dort nicht mehr vorbei zu surfen. Es tat mir sogar körperlich richtig weh, wie auch vieles andere, was ich in den letzten Wochen las. Das zieht einen völlig runter. Wie soll ich mir da Pointen für mein Programm im August ausdenken? Wie soll ich da noch geil werden? Die Auswirkungen des Mitlesens stellen gewissermassen meine gesamte Existenz in Frage, wenn sich Entsetzliches in mein Gehirn einbrennt. Ich bin nicht masochistisch, sondern nur neugierig, wissbegierig und scharf auf interessante Menschen, Männer und Konversation, gerne vor und nachdem mir der Mund mit einer saftigen Fleischpeitsche gestopft wurde. Also eigentlich eine ganz normale Frau. In diesem Sinne …

Wünsche uns allseits schöne Momente und stimmungsvolle Sommertage!

Ariane

ps: noch was, Theater-Tip zum Wochenende: PUFF die wirklich allerletzten Vorstellungen:

Letzte Vorstellungen am 08/09 Juli um 20:30h im Stadtbad Steglitz
Bergstr. 90 12169 Berlin *
* U Schlossstr. U/S Rathaus Steglitz *

Karten 15, – / 10, – Euro, 030 547 731 18 oder 797 480 28

Stadtbad Steglitz Bergstraße 90 12169 Berlin U/S Rathaus Steglitz

***
Shopping-Tip * Rubrik: Dinge, die wir unbedingt brauchen …

Wer sich immer schon die Nase seines Lieblingshundes oder Katze mit persönlicher Gravur als Kette um den Hals legen wollte wird hier fündig. Zwischen 240-270$. Zu bestellen hier.
Strange, aber niedlich irgendwie.


One Comment on “Sisyphos … Part 2 …”

  1. Suizido sagt:

    … Ariane spricht und schreibt wieder. Juhu!

    Hast du also „rübergemacht“ und bist wieder eine West-Berlinerin. Gute Entscheidung. Schnell noch eine wahre Begebenheit (als ich neulich im Hell-oder-Dunkel in der Güntzelstraße war). Zwei normiert im gutsitzenden Anzug bzw. Hosenanzug Gekleidete und sich Liebende sitzen sich gegenüber. Er streichelt ihr zärtlich die Wange und sagt: „Schatz, jetzt sag mir doch bitte mal ganz ohne Rumzuzicken, was du willst?“ Mein Bier schluckte ich daraufhin mit einem breiten Grinsen runter. Die Fragestellung bringt den Beziehungsalltag aus Sicht eines Mannes doch ganz gut auf den Punkt.

    Mit den besten Wünschen für gute Pointenfindung, empfehle ich zur Abklärung deiner temporären Soziophobie: http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Phobie

    Ich litt lange Zeit an dieser Angststörung: http://de.wikipedia.org/wiki/Paruresis – bringe es jedoch heute fertig, nächtens sogar an Bäume zu pinkeln, in deren Nähe sich Wilmersdorfer Witwen aufgrund ihrer senilen Bettflucht aufhalten … man entwickelt sich eben.


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