pussyleaks

Es gibt Menschen, die brennend interessiert sind, was im Kopf eines Callgirls, eines Escorts, einer Hure vor sich geht. Gut, ich bin alles. Für die schreibe ich meinen Blog. Ich mache mich total nackt, also fast, den Flüssigkeitsaustausch lasse ich meist aus, ausser es geht um Champagner-, Wein- oder Spermaverkostung. A.U.T.H.E.N.T.I.Z.I.T.Ä.T. ist gewünscht, ich liefere gnadenlose Einsichten und Aussichten aus der Mitte der vereinigten Nuttenrepublik. Also was gibt es neues? In diesem Moment folge ich der Life-Berichterstattung von Al Jazeera zur ägyptischen Revolution, die sich vor unseren Augen abspielt. Dem Internet sei Dank für vieles, nicht nur dafür, daß ich darüber die interessantesten Männer mit den schönsten Schwänzen treffen darf. Sowas kommt von sowas.
Ein wenig traurig bin ich allerdings, weil morgen unsere Vorstellung von LULU-die Nuttenrepublik ausfällt, eine Hauptdarstellerin ist erkrankt und wird wohl hoffentlich schnell gesunden. Also die vorerst einzige Vorstellung am Donnerstag Abend wird stattfinden, dann erst wieder Anfang April, im März wird es leider keine Vorstellungen geben, dem F.I.N.D. Festival geschuldet und auswärtigen Gastspielen unserer Schauspieler. Schaaaaaaaaadeeeeeeeeee. Die letzten beiden Vorstellungen im Januar waren wirklich Bombe, es gab zwar ein paar technische Probleme mit dem Licht, dann stürzten nicht alle Kissen in der Schlussszene, aber wir waren alle in Bestform.
Und sonst? Trübes, graues Wetter in Berlin, gruselig, genauso wie derzeit in einigen Foren die Sicht einer betrogenen Ehefrau zu Wort kommt, die sich daran abarbeitet, daß ihr Mann es mit Huren getrieben hat, sie hat auch ein Buch darüber geschrieben. Eine Debatte findet im Sexworker.at Forum statt, eine andere im gehobenen Freier/Kunden/Bucherforum MC-Escort. Vermutlich ist alles nur eine Marketing-Kampagne, um ein schlecht verkauftes Buch zu hypen. Ich mein, was soll das? Bei aller Liebe, jeder Mensch hat ein Recht auf seine persönlichen Geheimnisse, ob verheiratet oder nicht. Dieses ganzes Moralin, was dort über uns ergossen wird, soll die Männer, die gelegentlich die Dienste einer Sexworkerin in Anspruch nehmen, mit einem schlechten Gewissen belasten und uns Sexworkerinnen mit Schuld. Ich fühle mich überhaupt nicht schuldig oder als Täter, wenn ein Mann meine Dienste in Anspruch nimmt, im Gegenteil. Er wird schon seine ganz persönlichen Gründe haben, warum er mich oder eine Kollegin aufsucht, und die gehen niemanden etwas an. Ich sag ja immer, durch uns konnten schon viele Ehen gerettet werden, zumindest wenn das Sexleben daheim nicht so klappt oder die Kommunikation allgemein oder ganz einfach, weil der Mensch von Natur promiskuitär veranlagt ist und unsere christlich-jüdische Kultur uns ein monogames Moralkorsett verordnet hat. Man ist niemandes Besitz. Warum soll sicheine Hure ausgerechnet um Fragen der Moral und Schuld, persönliche Verantwortungszusammenhänge kümmern, die nur ein Paar persönlich angehen? Ich denke lieber über Ethik nach, was durchaus kompliziert ist. Ich sehe es ähnlich wie eine Kollegin; mal wird man interessegeleitet als Sexworker zum Opfer, mal zum Täter „gemacht“. Warum sich virtuellen, anonymen Forenwelten zuwenden, um Beziehungsprobleme auszudiskutieren? Hier wäre eine Einzel- oder Paartherapie zielführender. Ich empfinde es als äusserst unangenehm – im englischen „intimidating“ – wenn man als virtueller Beichtstuhl missbraucht wird. Man kennt doch einander nicht persönlich. Beziehungsprobleme bespricht man mit seinem Partner persönlich und mit Freunden und holt sich Rat ein. Ok, gelegentlich sind persönliche Gespräche auch Inhalt eines Dates, hat aber Grenzen, wenn jemand sich ratsuchend an einen wendet und geht die (virtuelle) Öffentlichkeit ebenfalls nichts an.
Nun kümmere ich weiter um die Life-Berichterstattung aus Kairo, ich bin ja schliesslich eine politische Hure, die nicht immer nur an Sex denkt.*g*

PS: mein Internet-Hobbyist Suizido hat sich Himmel sei Dank zu Wort gemeldet: mit einer „lebensbereichernden“ Theaterkritik, die im Lusthaus erschienen ist. Wer sich die Zugangsmodalitäten und anderes dort ersparen möchte, klickt einfach hier
PPS: ein Interview zu LULU in der aktuellen Februar-Ausgabe der Berlin-Intim-Zeitung; in der vollständigen Fassung vorab zu lesen hier


2 Kommentare on “pussyleaks”

  1. Petra sagt:

    Bin ich der erste Kommentator?

    Danke für den Einblick, Ariane, in die Tiefen deiner Seele.

    Grüße von einer sich abarbeitenden Ehefrau auf Buch-Vermarktungstour

  2. Goldie sagt:

    Du bist aber schnell!!


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