Mundknebel im Schnee

Vor einigen Tagen, später nach dem Verlassen eines Restaurants, wo ich mit meinem Schweinchen zu Mittag gespeist habe *grunz*, wühlte ich kurz in meiner grossen, unübersichtlichen Tasche, in der sich alles Wichtige befindet. Es war schon dunkler Nachmittag geworden und ich stakste allein auf zu hohen Stiefeln durch den Schnee, als mir ein Herr mit ausdrucksloser Miene von hinten auf die Schultern tippte und mir meinen Mundknebel überreichte, der mir beim Wühlen versehentlich aus der Tasche gefallen war. Ich grinste frech, der freundliche Herr zeigte keine Reaktion ausser Höflichkeit, was darauf schliessen liess, dass er garnicht wusste, was er mir da gerade überreichte, eine schwarze Kugel mit schwarzen Lederstrippen, um einen bequem den Mund zu stopfen. Ich musste auf meinem Rückweg die ganze Zeit lachen und stellte mir vor, wie ein schwarzer Mundknebel in frisch gefallenen Schnee aussieht.

Im übrigen fand ich es grandios, daß ich mich nach einer der letzten Theateraufführungen mit zwei Herren traf, die die Aufführung offenbar genossen hatten und auch meine Texte an manchen Stellen herauslesen konnten, ich hab sie miteinander bekannt gemacht, mit unschuldigem Blick, keiner, zumindest einer ahnte, in welchem Verhältnis wir zueinander standen; es war jedenfalls ein schöner Abend in der Kantine der Schaubühne und wir sind dann ausgelassen und vom Weisswein und anregenden Gesprächen beschwingt in eine spezielle Location spaziert, wo ich mit heruntergelassenen Lederhosen Gin-Tonic trank und einen meiner Begleiter, der mich auf die Toilette verfolgte, schön vollpiselte, als ich versuchte im Stehen … ach es war schon sehr verrückt im besten Sinne, auf weitere Details gehe ich mal lieber nicht ein, ausser das der Abend toll war und ich die Herren zu Beginn auch auf ein Gläschen einlud und im folgenden die Gläser auffüllte, schliesslich erhalte ich Mitarbeiterrabatt. Es war beim Abschiednehmen eine herrliche Winternacht mit viel Schnee, Monsieur X rutschte auf dem  Weg zum Taxi aus, machte sich aber nur die Hosen etwas nass, ich fiel sofort ins Bett, ohne piep zu sagen, es war sehr früh geworden, wir verschnupsten ein gemeinsames Frühstück, dass wir wieder zu Kräften kommen. Meine beiden Begleiter, die  Silberrücken hielten mir den ganzen Abend, Nacht die gierige Kerlchen vom Leib, die um mich herum schlarwenzelten, mir ihren Steifen vorzeigten und mich begrabbelten, die Szenerie im Darkroom war einfach herrlich. Im Grunde war ich jedoch brav, den Silberrücken geschuldet.

Und was gab es noch, ausser Theater und Texte büffeln in den letzten Monaten?

Eine herrlich stressige Zeit. Da möchte ich nicht vergessen zu erwähnen, daß ich einen wunderbaren Mann getroffen habe, der extra zwischen den Theaterproben (morgens und abends) eine schöne Suite in der Nähe meiner Arbeitsstätte angemietet hatte, wo ich ihn besuchte. Es war ein Katzensprung. Er hatte extra einen hervorragenden Rotwein mitgebracht, den wir aber erst zu später Stunde verschnabulierten. Er überraschte mich mit Musik nach meinem Geschmack, den er gut recherchiert hatte und hatte die CDs liebevoll mit Photos von mir auf den Covern verziert. Es war allerdings zwischen den Proben etwas kurz geraten, das Petting am Nachmittag, und nach den Proben war ich leicht erschöpft,  auch der anregenden Unterhaltung und seiner flinken Zunge geschuldet; ich hoffe, er mag mir verzeihen, dass ich etwas erschöpft von der Probe kam, ich habe mich aber ausgesprochen wohl gefühlt. Ich fand es bemerkenswert und ungeheuer aufmerksam, daß er den Treffpunkt so geplant hatte, daß ich es bei Schnee und Eis nicht weit zur Probebühne hatte.

Ich habe ja trotzdem über zwei Monate eine fast erotikfreie Zeit verbracht, das hat mich regelrecht vor Austrocknung bewahrt. Ich hoffe, ich treffe ihn unter entspannteren Rahmenbedingungen wieder, ohne Unterbrechungen und hektischen Aufbruch dazwischen, übereinander liegenden Strümpfen, die bei Eiseskälte zwar angebracht sind, aber die man sich heimlich, manchmal mühsam erst herunterpellen muss.

Das sind ja jetzt alles Ereignisse in den letzten zehn Wochen, knapp zusammengefasst, die meiste Zeit war ich nur am büffeln und in den Pausen am masturbieren, weshalb ich meine Fingernägel etwas kürzen musste, kein Goldschwanz weit und breit, eine sehr enthaltsame Zeit, nach meinem Verständnis. Zwischendurch musste ich auch noch kurz verreisen, was etwas anstrengend war, aber notwendig. Nach NY, nach Spanien, dann England, vielmehr aus privaten Gründen, das war wirklich Wahnsinn. Ich bin schon froh, daß ich jetzt erstmal in Berlin weile und mir einen Drink mit etwas Schnee von meiner Fensterbank befülle, während ich in die sternklare, kalte Winternacht sinniere, auch nicht sonderlich glücklich, dass mein Sehnsuchts- und Zufluchtsort in England, nicht mehr vorhanden ist, der Schlossherr, wie ich an anderer Stelle mal hier schrieb, konnte die Denkmalschutzauflagen nicht finanzieren, um das Gebäude zu erhalten, so enteignete man ihn kurzerhand. Anfang Januar muss er umsiedeln. Wo soll ich denn jetzt hin? Dort konnte ich immer in aller Seelenruhe schreiben.

Obwohl, da fällt mir noch ein, ich hatte noch ein schönes Rendez-Vous vor vielen Wochen, ein Geschäftsmann auf dem Weg nach Moskwa, er legte Zwischenstation in Berlin ein, wo wir uns einem köstlichen Abendessen widmeten, nachdem wir frühzeitig entschieden, die Paris Bar nur auf einen Aperitiv aufzusuchen. Personal und Gäste, und die Enge zum Nebentisch, sind einfach der Abtürner. Ich hatte jedoch unweit in einem meiner Lieblingsrestaurants, das ich leider viel zu selten aufsuche, einen zweiten Tisch reserviert, aber nur soviel gegessen, daß wir nach dem Essen nicht müde wurden. Ich glaube, wir haben uns sehr wohl miteinander gefühlt, wir trafen uns ja zum ersten Mal und da weiss man nie, ob das mit der Chemie so klappt …… ach ich will jetzt nicht zu sehr sinnieren, bin glücklich und dankbar, daß meine Begegnungen mit Männern nicht zahlreich sind, aber aus lauter Schlaufüchsen bestehen, die ein wenig versaut bzw. hemmungslos sind,  einen wunderschönen Lolli haben, an dem ich rumknabbern darf, wirklich, sie sind jeder für sich ausnahmslos kluge Leute, wobei wir uns dann noch lieber den nackten Tatsachen widmen. Ein schönes Frauenleben, wie ich finde.

 



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