das Unmögliche möglich machen

Sexworker spielen Theater

wenn ich genügend Kolleginnen finde …

Es ist Zeit, der medialen Präsentation von Sexarbeit, Escort die Stirn zu bieten, all jenen, die auf dem Ticket von Prostitution Meinungsmache treiben, den Opfer-Diskurs beschwören, in der Helfer-Industrie, von rechten Feministinnen und christlichen Würdenträgern, die ihre leeren Kirchen füllen müssen, von Politikern, jenen also, die kein Interesse haben, die Realität, nämlich die Existenz selbstbestimmter Sexarbeit anzuerkennen, jenen, die mit dem Thema Prostitution regelmässig Wahlkampf treiben, keine Problemlösungen anstreben, dafür weitgehend das Prostitutionsgesetz auf lokaler und kommunaler Ebene unterlaufen und somit indirekt die Sicherheit auch steuerzahlender Huren gefährden, indem sie wie bspw. in Berlin im grossen Stil kleine Wohnungsbordelle schliessen und damit die Möglichkeit für Arbeit in geschützten Räumen aushebeln. Dass all jene Politik mit Sexarbeitern machen können, liegt natürlich daran, daß sie meistens in der Anonymität werkeln, keine Lobby haben, mit Stigma und Selbststigma umgehen müssen.
Seit zwei Jahren träume ich von der Realisierung des Klassikers „LULU“, gespielt von Sexworkern, was sich aufgrund von finanziellen Einschnitten im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise in London nicht realisieren liess. Nun, Volker Lösch wagt es und ich bin stolz und glücklich, daß er mit seinem Team der Schaubühne das Thema anpackt. Dazu werden 20-30 Kolleginnen gesucht, die sich diesem Projekt anschliessen möchten. Auch Aussteigerinnen sind willkommen. Auf Wunsch kann eine Frau auch maskiert spielen.

***

Hier der offizielle Aufruf des Theater-Regisseurs von Volker Lösch & Team

***

Arbeitstitel :
LULU / NUTTENREPUBLIK

Die SCHAUBÜHNE BERLIN – eines der renommiertesten Theater Deutschlands

möchte mit dem Team um REGISSEUR VOLKER LÖSCH

der in den letzten Jahren viele Theaterprojekte mit Profis und Laien inszeniert hat

Frank Wedekinds Drama LULU

mit Schauspielern und SEX-ARBEITERINNEN

Prostituierten, Pornodarstellerinnnen, Tabledancerinnen etc.

in Berlin auf die Bühne bringen .

Dabei geht es dem Team ausdrücklich nicht darum
den bürgerlichen Theaterbesuchern
ein schlüpfriges und voyeuristisches Erlebnis zu verschaffen
sondern einen differenzierten und ehrlichen Einblick
in das vielfältige Leben von Sexworkerinnen zu vermitteln .

Welche Motivationen verbinden Sie mit diesem Beruf?
Erkennen Sie selbst Sexarbeit als Beruf oder Berufung an ?
Wie und wann üben Kunden Macht über Sie aus ?
Wann und wie wird in Ihre Privatsphäre eingedrungen ?
Wie grenzen Sie sich von Kolleginnen ab ?
Nimmt der Konkurrenzdruck in Ihrem Gewerbe zu ?
Wie vermarkten Sie sich ?
Wieviel Solidarität gibt es in Ihrem Beruf ?
Was mögen Sie an Ihrem Beruf besonders, was gar nicht ?
Wie sind Sie aufgewachsen ?
Waren Sie schon einmal in einer gefährlichen Situation ?
Wovor haben Sie Angst ?
Wie stellen Sie sich Ihre persönliche Zukunft vor ?
Was wünschen Sie sich am meisten ?

Solche und ähnliche Fragen werden wir Ihnen stellen .
Sie müssen natürlich nicht auf alle Fragen antworten.
Aus den Antworten werden wir Texte formen
die mit denen aus dem Theaterstück ergänzt werden
und die Sie mit Kolleginnen im Chor – das heißt gemeinsam – sprechen werden.
Die Antworten können ANONYM gegeben werden .

Wenn Sie mit Profis THEATER SPIELEN wollen
wenn Sie mit anderen Frauen über ihr LEBEN SPRECHEN möchten
wenn Sie finden dass es an der Zeit ist
dass Prostituierte mit ALLEM was sie ausmacht
als ganze Persönlichkeiten DARGESTELLT werden sollen
dann sind sie bei uns RICHTIG !

Wenn Sie bei uns viel Geld verdienen wollen
wenn Sie keine Lust haben
über Ihren Beruf öffentlich zu sprechen
wenn Sie sich für Theater nicht interessieren
dann sind sie bei uns FALSCH !

Wir können für die Probenzeit von
MITTE OKTOBER bis MITTE DEZEMBER – insgesamt 8 Wochen
nur ein paar hundert Euro Spesen zahlen.

Wir müssen in den ersten 7 Wochen einmal täglich
entweder vormittags oder abends
jeweils 5 bis 6 Stunden proben ( außer sonntags ).
Die Zeit wird gemeinsam verabredet
es wird wahrscheinlich vormittags bis nachmittags sein .
„Proben“ heißt : miteinander reden
und mit den Schauspielern Szenen entwickeln.
Die Proben beginnen am 20. Oktober!!

Nur in der letzten Woche – vor der Premiere am 11. Dezember
arbeiten wir täglich von 10 bis 14 Uhr
und von 18 – 22 Uhr ( außer sonntags )
um in den Theater-Aufführungsrhythmus hineinzukommen .
Proben sind dann auf der Original-Bühne mit Licht, Ton und Technik.

Die Vorstellung wird dann im Durchschnitt 4 – 5 Mal pro Monat gespielt.
Für mindestens ein Jahr. (Vorstellungsgage 80€)
Es wäre also wichtig, dass Sie im nächsten Jahr in Berlin wohnen .

Das sind hohe Anforderungen.
Wir können Ihnen aber auch einiges bieten .
Das sind unsere Zahlungsmittel :

Eine professionelle THEATER-ARBEIT
mit einem der BESTEN THEATERTEAMS Deutschlands.
Das SPIELEN einer HAUPTROLLE
in einem BERÜHMTEN THEATER mit Vollprofis .
Einen Crash-Kurs in SCHAUSPIELEREI .
Viel SPASS beim Proben, Reden und Spielen .
Das öffentliche Vertreten Ihrer GESCHICHTEN und MEINUNGEN .
Öffentliche AUFMERKSAMKEIT und AKTZEPTANZ .
Und hoffentlich : viel APPLAUS und ERFOLG !

Falls Sie Lust haben
bei diesem einmaligen Projekt mitzuwirken
kommen Sie bitte am Sonntag, den 17. Oktober um 12 Uhr in das Cafe Schaubühne
in der SCHAUBÜHNE am Lehniner Platz in Charlottenburg – Kudamm 153 .
Dort wird der Regisseur mit seinem Team anwesend sein
um Sie persönlich kennenzulernen und einen Theater-Text sprechen zu lassen, um Ihre Stimme zu testen .

Für diese letzte Vorstellungsrunde/Casting melden Sie sich bitte vorab bei Madlen an Tel. No 0171 5553745 an, wir rufen Sie zurück .

Mit freundlichen Grüßen
Volker Lösch und Team


Schaubühne


3 Kommentare on “das Unmögliche möglich machen”

  1. haveanicedai sagt:

    Grossartige Idee – viel Glück!!! Leider kann ich nicht mitmachen – Sex ist für mich noch nie Arbeit gewesen….
    Aber ich SCHAU gerne mal, wenn Du auf der BÜHNE stehst…

  2. Leider gibt es keinen besseren Begriff als den internationalen, Prostitution ist zu negativ belegt. Entscheidend ist, dass Wertschätzung und Respekt gg. den Damen gesellschaftlich betrachtet immer noch ein Manko ist und nur zufriedene Huren, Callgirls, Escorts tatsächlich Spass an ihrer Tätigkeit haben. So ist zumindest meine Auffassung. Aber das betrifft eben die Politik und das Sprechen über …

  3. stefan0815 sagt:

    Es freut mich sehr, dass sich eine neue Option für Deinen Traum ergibt. Hoffentlich klappt es. Ich drück die Daumen.


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