von Sperma als Geheimtinte, Nixohrhasen und der Kraft der Liebe, Obsession und Kunst

Buch und Filmtipps zum Wochenende

Kürzlich entdeckt

Secret kann man durchaus zweisprachig verstehen, also auch als Sekret, da dieses Buch auch über Sperma als Geheimtinte Auskunft gibt. Jeder, der als Kind mit Zitronensaft experimentiert hat, wird möglicherweise als Erwachsener hier eine neue ergiebige Aufgabe entdecken. Mehr dazu hier.

Da ich ja kürzlich erst in Las Vegas war, lese ich manche Nachrichten „selektiv“, übersetzt: bei manchen Stichworten reagiere ich wie der Pawlowsche Hund. So erfuhr ich, daß Nicolas Provost, der belgische Video-Künstler, seine Hand-Kamera auf Menschen und Mengen in Las Vegas hielt, meist geheim aus dem Handgelenk, manchmal mit Genehmigung bekannter Persönlichkeiten, die vor seine Linse kamen. So sieht man in diesem Film den letzten Auftritt des kürzlich verstorbenen und grossartigen Schauspielers Dennis Hopper. Der Film heisst „Stardust“ und spielt mit dem Zusammenschnitt von Realität und Fiktion (wie ich es in meinem Blog ja manchmal auch spasseshalber tue he he), d.h. er schneidet den Ton aus realen Sequenzen heraus und unterlegt sie mit Stimmen meist bekannter Persönlichkeiten aus ganz anderen Filmen, u.a. Robert de Niro, Al Pacino und mixt dies ab, konstruiert einen fiktionalen Thriller. Originell wie ich finde und weshalb Provost in der Vergangenheit auch schon Preise abgeräumt hat.

Mehr dazu im Independent

Nicolas Provost wunderliche Homepage

Ein weiterer Film, der beim Venedig Film Festival zur Aufführung kam, ist „Black Swan“, ein Psychodrama von Darren Aronofsky, in der Natalie Portman als „Nina“ die Hauptrolle spielt, als eine einsame vom Ehrgeiz und Selbstverletzung getriebene Ballerina, die zwischen den zwei klaustrophoben Welten ihrer Garderobe und ihrem, mit ihrer dominanten Mutter geteilten Apartment taumelt. Technisch perfekt lässt sie jene Leidenschaft vermissen, die eine Primaballerina ebenfalls auszeichnet. Gestrickt ist der Plot um die Proben für Schwanensee, in einer rohen und ursprünglichen Version, wobei die harte, kräftezehrende Konkurrenz inmitten anderer Aspirantinnen im Vordergrund stehen. Sie ist nicht nur besessen von Perfektion, sondern auch von einer ihr optisch ähnelnden Rivalin der Company, die in ihrem Temperament jedoch das Gegenteil der kontrollierten Nina ist, ungehemmt und als sexuell frühreif dargestellt wird. Aronofsky scheint eine gewisse Faszination für die schmerzende, körperliche Härte der Hingabe an masochistischer Arbeit zu haben (ähnlich wie in seinem Vorgänger Film „The Whestler“ mit Mickey Rourke), fokussiert auf Selbst-Verletzungen und wie ein Fetischist auf die von Schwerstarbeit gezeichneten Füsse.

Der letzte Film, der mir eine Empfehlung auszusprechen sinnvoll erscheint, und der ebenfalls in Venedig zur Aufführung kam, ist der Film „Miral“ von Julian Schnabel, der als Maler weltbekannt wurde und als Regisseur seit vielen Jahren reüssiert. „Miral“ ist ein von Schnabels Leben selbst biographisch geprägter Film, dessen Drehbuch seine Lebenspartnerin, die palästinensische Journalistin Rula Jebreal, auf der Grundlage ihres autobiografischen Romans geschrieben hat und eine Liebesgeschichte zwischen einem israelischen Mädchen und einem palästinesischen Jungen beschreibt, eine Metapher für die Hoffnung auf einen Frieden in Nahost. Schnabel selbst, obwohl oder weil seine Mutter aktives Mitglied und Präsidentin der zionistischen Frauen-Organisation Hadassah war, setzte sich erst spät mit seiner jüdischen Identität und dem Nahostkonflikt auseinander und schreckte lange davor zurück, Israel überhaupt zu besuchen. Erst das Schlüsselerlebnis, die Begegnung mit seiner jetzigen Lebensgefährtin bei einer Ausstellungseröffnung und ihres persönlichen Schicksals, mobilisierte ihn, sich mit der Geschichte des Nahost Konflikts zu befassen. In den Hauptrollen die palästinensische Schauspielerin Hiam Abbass, die indische Schauspielerin Freida Pinto aus „Slumdog Millionaire“ sowie Vanessa Redgrave und Willem Dafoe, einer meiner Lieblingsschauspieler unter den Lebenden (besonders in „Leben und Sterben in L.A.“, der neben Marlon Brando in „Der letzte Tango von Paris“, den von der Midlife Crisis gequälten Kevin Spacey in „American Beauty“, den in „Taxi Driver“ reüssierenden Harvey Keitel, der auch in „Thelma and Louise“, „Cop Land“, „Smoke“ und „Pulp Fiction“ mein Höschen in Abständen furchtbar nass werden lässt). Also nix Keinohrhasen. „Den“ deutschen Film nach WKII gabs ja nie wirklich, um ihn noch ernst zu nehmen, ausser ein paar versprengten und ausgezeichneten Individualisten, von denen mir auch nur Rainer Werner Fassbinder meinen Verstand rauben konnte.

Ach so, am Wochenende, also gestern und vorgestern gab es „Hurenkino“ in Berlin, ein internationales Sexworker Filmfestival.

happy weekend!


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