pandoras box ?

Kürzlich las ich einen interessanten Artikel von India Knight in der Sunday Times zum Thema „Killing Privacy“ im Internet. Nichts wirklich neues, aber sie bringt das Dilemma schön auf den Punkt, das Internet als Ausstellungsfläche eigener Befindlichkeiten zu nutzen und damit sich und der Welt seines eigenen Geheimnisses zu berauben. Sie beklagt wie „pathologically confessional our culture has become over the past five or so years. We must all share, all the time, whether the news is good or bad. Sharing has become the default setting, the knee-jerk reaction. It’s hard to know what to do with the concept of protecting privacy when so many people worldwide … take such pleasure in invading their own.“ Und weiter: „Emotional incontinence has gone from beeing the antithesis of acceptable behaviour to beeing normal, to the point where not sharing is indicative of being secretive or weirdly uptight. Some people would argue that this is a good thing: that eventually everyone will come to be accepted for what they really are – no secrets, no embarrassment, no shame … everything on the table and therefore a great deal less interesting than everything artfully concealed. Of course, that presupposes that the notion of privacy is ridiculously old-fashioned and outdated … But it doesn’t really matter what I think, because its too late. If privacy were a ship, it would have sailed some time ago, heading straight for the rocks.“

Ich hab manchmal das Gefühl, das schnell das Kind mit dem Bad ausgeschüttet wird. Wir haben es mit neuen Technologien zu tun und der Mensch bastelt gerne, probiert aus, stellt eigene Filmchen ins Netz, die Millionen zum lachen bringen. Ich denke, daß nach der ersten Probier- und Bastelphase sich zunehmend das Bewußtsein Bahn bricht, umsichtiger mit persönlichen Daten umzugehen, Profile in Netzwerken privat zu schalten, nicht wahllos sog. Freunde zu adden, sondern wählerischer vorzugehen. Und diese Entwicklung ist schon auf dem Weg. Das ein grosses Tam-Tam um Google-Street View gemacht wird, leuchtet mir persönlich nicht ein. Im Grunde geht es doch um das Anlegen dreidimensionaler Strassenkarten und üblicherweise sieht man nur die Häuserfassaden zu einem Zeitpunkt X, es wird abfotografiert, ist doch kein Lifestream, wo jede individuelle Bewegung festgehalten wird. Dies wird ja längst anderweitig organisiert, über Konsumentenprofile und die Vernetzung zwischen Suchmustern, die hauptsächlich darauf abzielen, auf einzelne Individuen abgestimmte Werbung zu lancieren. Die sog. Zielgruppe hat fast ausgedient. Grössere Zusammenhänge, das Kollektiv, der Staat, die Gruppe, der Familienverband verabschieden sich zunehmend zugunsten eines radikalen Individualismus, wie man es nennen könnte. Der Lack von Kirche, Staat und Familien“oberhaupt“ ist ab und mancher Mythen beraubt. Aber das kann für alle Beteiligten, die weniger regiert werden wollen, sondern lieber selbst agieren, nur vorteilhaft sein. Es gibt nun Möglichkeiten, Freundschaften und soziale Netzwerke über grosse Entfernungen hinweg zu pflegen, politische Kampagnenarbeit intelligenter zu steuern und Menschen zu mobilisieren, die sich zuvor noch als Couch-Potatoes zuhause eingegraben hatten.
Wenn man das Internet kreativ nutzt, die „richtigen“ Leute mit ähnlichen Interessen trifft, kann es durchaus innovativ sein, wie die Kampagnenarbeit von parkschuetzer.de um Stuttgart 21 zeigt. Es ist wohl so, daß das Internet von jenen optimal ausgeschöpft wird, die eh schon über sog. Medienkompetenz verfügen, den Spreu vom Weizen unterscheiden und sich dieses Mediums ergänzend zur Tageszeitung und zum Radio bedienen bzw. ihre Lieblingssendungen über eine einzige Plattform hören und sehen können. Es macht die Intelligenten intelligenter, sofern sie von diesen Ressourcen gezielt Gebrauch machen. Ob es auch die Dummen dümmer macht, wie ich kürzlich anderswo las, kann ich nicht beurteilen. Verhält sich wahrscheinlich ähnlich wie mit dem Konsum von Nachmittagstalkshows, die man schon mal streift, wenn man mit Fieber im Bett liegt. Ich glaube nicht, daß das Internet die Privatheit abschafft, das sind so Phrasen, die aus Ressentiment herrühren, die sich immer neuen Entwicklungen entgegen stellen und noch garnicht begriffen werden. Ausser dass das Internet für das publizistische Gewerbe ein echtes Problem darstellt und damit auch mit der Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes einher geht. Ich finde diesen neuerlichen Strukturwandel der Öffentlichkeit durchaus spannend und bin froh, Zeitgenossin dieses Prozesses zu sein. Wo, wenn nicht im Netz habe ich die Möglichkeit, als Escort die richtigen Männer kennenzulernen? Jene, die auch mich neugierig machen? Die eigene Internetpräsentation wirkt an sich schon selektiv, das was man schreibt und im Vorfeld austauscht ebenso. Ich sehe hier nur Vorteile, was auch die völlige Selbständigkeit und kreativen Entfaltungsmöglichkeiten von Callgirls und Escorts betrifft. In gewisser Weise stehen das Bordell und das generelle Abarbeiten auf Zuruf noch für das fordistische Zeitalter, an der Werkbank. Das selbstbestimmte Callgirl, die sich selbst vermarktende Escortdame bestimmt über ihre Zeit- und Energieressourcen, kommuniziert mit ihren (potentiellen) Spielgefährten und bestimmt gleichfalls mit, mit wem sie sich trifft und mit wem sie es besser bleiben lässt. Das nenne ich das post-fordistische Zeitalter selbstbestimmter Sexworker, Huren, Callgirls whatever. Auch hier zeigt sich, daß eine Menge Eigenverantwortung, Schutz von Privatheit, Achtsamkeit, die Essentials sind, um „unabhängig“ zu sein. Dies trauen sich viele (noch) nicht zu, ist aber langfristig der bestmögliche Weg, mit dieser doch sehr speziellen Tätigkeit umzugehen und dabei „heile“ zu bleiben. Dies ist auch im Interesse der Männer, die Escorts und ihre ganz besondere intime Leistung wertschätzen und respektieren. Und nur die will ich ja auch treffen.

Beispiele zeitgemässer Kommunikation im Zeitalter des Internet:

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