Tatort Schlauchboot

„Seit wann haben die Frauen eigentlich begonnen, sich wie Prostituierte zu stylen?“ So ein Theaterkritiker zu einer Journalistin in der Sunday Times im letzten Winter. Sie spekulierte „seit Donatella Versace“, ich würde ergänzen Pam Anderson. Allerdings hätte ich den Theaterkritiker darauf aufmerksam gemacht, daß viele Prostituierte ihr ästhetisches Vorbild in Porno-Darstellerinnen finden, mit standardisierten Silikon-Welten. Ähnlich wie manche Fußballergattin, Nur-Hausfrau, Schauspielerin oder Kosmetikerin.

Warum ich das Thema anspreche? Nein, ich bin noch nicht einmal neidisch, weil ich mit Porno-Optik nicht mithalten kann. Ich finde es nämlich nicht wirklich …. äh …  schön.  Da könnte ich mir ja gleich eine Gummi-Puppe ins Bett legen, die klaglos hinhält. Letzteres ein Grund in der bürgerlichen Bett-Ritze, warum Frauen „wie wir“ überhaupt aufgesucht werden. Wir schützen keine Kopfschmerzen vor und dürfen auch mal oben sitzen.

Das, was mich an dem Thema interessiert, ist auch nicht das Gejammere einer neuen Generation von Feministinnen über die Pornofizierung der Gesellschaft. Hinhalten oder der Weg zum Chirurgen kann auch selbstbestimmt erfolgen, für viele dieser Klageweiber undenkbar.

Was ich originell finde, ist die Beobachtung, daß die allermeisten Frauen, die sich die Lippen aufspritzen lassen, sich damit mehr Sex-Appeal versprechen (Callgirls, Escorts und Wohnungs-Modelle Mehr-Einnahmen, hier geht die Rechnung meist auf); ein geschürzter Mund mit Blas-Maul-Optik soll diesen Traum von XL erfüllen und möchte der jüngeren Geliebten oder Hure, je nachdem, Konkurrenz machen.

Tatort-Thomalla, Angelina Jolie und die Sehnsucht nach einem jüngeren Liebhaber à la Ashton Kutcher sind hier zielführend mitzudenken.

Das ganze wirkt auf mich irgendwie trostlos, wenn Frauen regelrecht danach süchtig werden und der nächsten Falten- und Lippenunterspritzung, der nächst höheren Körbchengrösse hinterher jagen, man sieht die „Masken“ ja ungefragt auf allen TV-Kanälen mit It-Girls und Celebs oder wie sich das nennt. Schon in dem Film „Eat the Rich“ der End-80er Jahre, ein Klassiker,  wurde diese Groteske herrlich dargestellt. Daran erinnert mich auch  ein operiertes schwules Transgirl,  die im englischen Big Brother Container  vor 4 Jahren durch die Kulisse stolperte und so auf ihren medialen Durchbruch hoffte. Sie konnte noch nicht einmal mehr aus einem Glas trinken und schob sich den Strohhalm seitlich in den aufgespritzten Mund, um Cola, Café oder Suppe zu schlürfen. Vorgestern erzählte mir ein schwuler Freund, der eine neue Schicki-Micki-Bar in Berlin Charlottenburg managt, folgende Szene: ein Schönheitschirurg mit Promi-Status wurde vor einigen Tagen nach Berlin eingeflogen und empfing seine High-Class-Klientinnen in der Suite eines 5*-Hotels. Der Chirurg spritzte im Akkord, er schneidet nicht nur. Jedenfalls kamen die Damen nach der Botox-Behandlung und Lippen-Unterspritzung  in die besagte totschicke Bar, eine nach der anderen, um sich etwas Ruhe zu gönnen, bevor sie zum vereinten Power-Shopping abhoben. Und da sassen sie nebeneinander, Mitt-Dreissiger bis Mitt-Fünfzigerinnen, wie die Hühner auf der Stange; man sah ihnen an, daß sie nicht die erste Behandlung hinter sich hatten. Alle konnten sie nicht mehr auf normalen Wege aus einem Glas oder Tasse schlürfen. Es muß wohl eine sehr bizarre Szene gewesen sein, so, wie mein Freund sie beschrieb. Da frage ich mich, eigentlich schon länger, wie kann man mit XXL-Schlauchboot-Lippen noch blasen, wenn schon kein Schlürfen mehr möglich ist.  Ok, einen Schwanz reinschieben kann man quasi in jede Körperöffnung, aber Blasen setzt doch eine gewisse Technik, Saug-Technik voraus. Es hat den Anschein, das genau das Gegenteil passiert, was ursprünglich angestrebt wurde: Schlauchboot-Lippen können nicht blasen. Das nenne ich mal Fake! Denn mit reiner Hinhalte-Taktik ist auf Dauer kein Mann zu halten, erst Recht kein hübscher, junger Liebhaber *ätsch*

herzlichst

eure naturbelassene Schlampe mit Stil

PS: die einzige Frau, wo eine Gesichts-OP wirklich Sinn machen würde, wäre Angela Merkel: „einmal die Lefzen bitte hochziehen“, lautet der Auftrag, eine echte Herausforderung für den Chirurgen. Das deutsche Volk wäre dankbar.

PPS: ich spekuliere auf einen neuen Trend, Hängebusen statt Monstertitten, da könnte ich in 10 Jahren evtl. eine echte Nische besetzen.


One Comment on “Tatort Schlauchboot”

  1. das Film-Festival in Cannes pausiert für 1 Jahr, … was bleibt zurück ???
    PLASTIK, SILICON, AUFBLASS-PÜPPCHEN …
    im alltäglichen Strassen-und Strandbild stört mich das nicht mehr sehr, bei ständiger Konfrontation stumpfe ich ab, und ‚Gott-sei-dank‘ fliessen meine Vorstellungen, Träume, wahrend meiner kreativen Arbeit noch ‚Plastik‘-frei …
    „Sehnsucht nach einem jüngeren Liebhaber“(in)
    … muss ich mir mit bald 47 Jahren echte Sorgen machen das sich mein Verstand, meine Libido, mein Verlangen zum Pubertätsstadium rück-entwickelt ???
    Im Mai des Jahres 2010 kann ich dieses noch nicht erkennen, unterschreiben oder bestätigen. Mein Interesse richtet sich immer noch auf Frauen meiner Generation, plus minus 5-8 Jahre. Auch wenn hier und dort noch Anfragen aus einer viel jüngeren Generation kommen, die mir nur noch selten schmeicheln, da sie zu provokant und aufdringlich vorgebracht werden, fühle ich mich in und um mein Alter herum sehr wohl.
    alles alles liebe nach Berlin ‚et gros gros bisous de Cannes‘,
    martin


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