Affenschau & Archetypen

Ich bin gerade in ein virtuelles Gespräch versackt, woraus ich mich selbst zitieren möchte. Es schliesst an meinen letzten Beitrag gewissermassen an.
Es gibt wohl nur drei Arten von Frauen in diesem Gewerbe, im Sinne ihrer Motivation als Hure/Callgirl/Escort zu werkeln: jene, also die Mehrheit, die es als reinen Geldverdienst betrachten (wobei eine gewisse Sympathie/Chemie/Vorlieben Bedingungen für ein gelungenes Date im Sinne Spass für den Gast oder Befriedigung für beide Seiten vorhanden sein sollte), jene, die zuhause, also in einer Partnerschaft so wie ich untervögelt nach Abwechslung suchen und Spaß mit finanziellen Nutzen verbinden (meist selbsterklärte und werbende Hobby-Huren und Escorts ohne eigene Werbeplattform, die den Anschein von Professionalität zu vermeiden suchen und sich gerne in Naturalien und Louis Vuitton Tasche oder Schuhe auszahlen lassen) sowie jene, die hoffen, über Paysex eine Beziehung zu einem Mann zu finden, der ihnen eine stabile finanzielle Basis, eine partnerschaftliche Zukunft ggf. Ausstieg ermöglicht. Darauf passen umgekehrt drei Arten von Kunden: der Gast, der realistisch und rational genug ist, eine Hure für ihre Leistung wertzuschätzen und jegliches Private ausblendet und auch nicht einfordert, dafür umso geiler ist; ein Mann, der parallel zu seiner Partnerin eine Ersatz-Geliebte sucht, die im Rahmen von P6 und Hobby-Hure im Regelfall preisgünstiger ist als eine echte Geliebte, auch komplikationsloser, hier kann ich gerne Abhilfe schaffen; und ein typischer Amorekasper, der dazu tendiert, sich in Huren zu verlieben und das Geschäftliche komplett ausblenden will. Der ist bei mir an der falschen Adresse. Warum hätte ich diesen Nebenjob wählen sollen, wenn ich auf der Suche nach dem Traumprinzen bin? Vielleicht hab ich ihn ja schon gefunden. Also auf jeden Deckel passt ein Töpfchen und ich kann mich mit dem Status der Ersatz-Geliebten oder Hobbyhure durchaus anfreunden.*g*

Natürlich gibt es auch Amorekasper, die sich mit „echtem Interesse“ an einer Hure tarnen und extrem menscheln, aber sie dann zum exklusiven Anschaffen veranlassen bzw. kostenlos vögeln wollen, meist beides. Also ich hab im Umfeld mit diesem Gewerbe mit Männern, die Herzchen in den Augen gehabt haben, keinerlei positive Erfahrung gemacht; nur mit den Realisten und rationalen Buchern, die einen unkomplizierten Weg suchen, sich zu amüsieren. Aufgrund der Erfahrungen, die eine Frau in diesem Bereich im Laufe der Zeit sammelt, ist sie ja zumeist alles, was sich ein Mann wünscht, eine Nutte im Bett, eine verständige Freundin, die zuhört und Therapeutin, die sich Probleme anhört und auf Fragen Ratschläge gibt. Nur eins ist sie nicht, eine HEILIGE. Insofern will eine Sexarbeiterin eine prüde Ehefrau auch garnicht ersetzen und kann aufgrund ihrer Fertigkeiten h garnicht hoch genug bezahlt werden, je nach Bedürfnis und Problemlage versteht sich. Sie ist „mehr“ Mensch, als es eine bürgerliche Frau wohl jemals sein kann, weil sie von allem nur ihr Bestes einbringen will; das Andere bleibt ihrem schnöden Alltag überlassen. Diese kurzzeitige Intensität zieht Männer, auch jene mit emotionaler Mangelerfahrung, Beziehungsproblemen magnetisch an. Und das ist auch gut so, weil nur eine Hure mit grossem Herz diese Lücke ausfüllen kann. In einer doch im grossen und ganzen recht erkalteten Gesellschaft. Das Dilemma, indem sich eine Hure befindet, ist es, Subjekt und Objekt zugleich zu sein, Intimität & Nähe mit einem Menschen zu ermöglichen, den man garnicht liebt.

Dies wiegt umso schwerer, da die generelle Vorstellung, P6 sei ein Konsumgut, die Wahrnehmung verändert hat, in dem Sinne, daß eine Frau aus dem Katalog, aus einer Agentur, einer Website konsummabel sei. Dies stimmt natürlich nicht, jedenfalls nicht in meiner Wahrnehmung, was Mensch-Sein und Selbstbestimmung betrifft. Selbst Huren sind in ihrem Selbstverständnis nichts Konsumables, kein Ding oder Objekt, sondern Subjekt. Das „Dinghafte“ wird nur von aussen, von anderen vermeintlichen Subjekten unterstellt und vom Markt eingefordert, leider auch von jenen, die Sex an Liebe binden bzw. sich garnicht vorstellen können, daß eine Hure oder Escort sich bei einer Begegnung ganz einbringt, mit Haut und Haar, Körper und Seele, mehr, als gelegentliche Seitensprung-Partner in One-night-Stand-Wegwerf-Affären, die sich ihres Handeln meist weniger bewußt sind; die Huren nehmen ihre Aufgabe durchaus ernsthaft wahr.*g*

Es wird allenthalben unterstellt, daß ein Mann erst dann höhere Gewinnchancen auf dem Marktplatz der Gefühle hat, wenn er einen gut bezahlten Job hat, gut aussehend ist, ein Haus, ein Boot und andere Accessoires, Dinge, die sein Leben bereichern, vorweisen kann. Dies mag unter seines- oder ihresgleichen zwar State of the Art sein, aber jeder weiss doch, daß man sich Glück nicht wie ein Pizza-Taxi bestellen kann bzw. daß es auf Bäumen wächst oder vom Himmel fällt. Es muss regelrecht erarbeitet werden, das Glück, auch das Geld, womit man eine Hure bezahlt. Ich glaube, es kann erfüllende Erotik und unverbindliche Zweisamkeit geben, jenseits von Konsum und Katalog. Viele Dates haben mir das bewiesen, daß es intensive und lustvolle Begegnungen geben kann, jenseits von Freundschaft, Ehe & Partnerschaft. Es ist also etwas Drittes, für das diese und andere Gesellschaften noch gar keinen richtigen Ausdruck gefunden hat, außer es als „Prostitution“ in eine Schmuddel-Ecke zu schieben. Was meint ihr?


One Comment on “Affenschau & Archetypen”

  1. jupiter196 sagt:

    Ein trotz der groben Klassifizierung ein m. E. zutreffendes Bild.
    Zur weiblichen „Einstufung“ fehlt mir der entsprechende umfangreiche Einblick. Außerdem ist dies ein Thema, welches ich grundsätzlich nicht anspreche.

    Die männlichen Beweggründe sind aber genauso vielfältig wie das P6-Angebot. Natürlich macht es einen Mann geil, wenn er weiß, egal in welchem Bereich, dass die Dame für den überreichten Geldbetrag bereit ist, die „Beine breit“ zu machen und ihm eine sexuelle Befriedigung zu verschaffen.

    Da ich aber auch immer noch den Mensch sehe, blieb für mich bei einer rein sexuellen Dienstleistung immer ein etwas komisches Gefühl zurück nach dem Motto, jetzt hast du diese Frau doch nur benutzt.

    Mittlerweile bin ich durch Escort-Treffen, auch Wiederholungstreffen, dazwischen Treffen mit bislang unbekannten Damen, hier auf einer ganz andere Sichtweise gekommen.

    Ich führe es daraufhin zurück, dass mich in erster Linie erst mal der Mensch interessiert. Diesen neuen Menschen zunächst etwas kennenzulernen, zu erahnen, in welche Richtung dieser Mensch geistig und dann aber auch sexuell tickt.. Da ich nicht zu den „Dauerrammlern“ zähle, gibt es zwischendurch „Erholungspausen“ in denen man sich über verschiedene Dinge / Interessen / Hobbys unterhalten kann.

    Und hier komme ich auf deinen letzten Absatz: Für mich hat es immer „höhere“ Werte gegeben, als im Beruf möglichst hoch zu klettern. Ich habe besser dotierte in anderen Städten abgewiesen, weil ich mich in meinem Arbeitsteam wohl gefühlt habe und auch als Teamleiter anerkannt gefühlt habe.

    Dies sollte auch bei einem Escort-Treffen unterschwellig durchklingen und nicht nur auf eine rein rationale, finanzielle Ebene betrachtet werden. Einfach gesagt, wenn „Mann“ mit sich selber im klaren ist, darf es unter Achtung der Grenzen m. E. nach durchaus „Menscheln“ und braucht nicht zum „Liebeskasper“ zu mutieren.

    LG


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