Nuttenrepublik – Chapter V

Teil V Mein Leben als Frau oder: „My way“

„Troubled Times Deutschland“ (TTD) ist eine unabhängige Wirtschaftszeitung und erscheint wöchentlich.
Anläßlich der Vergabe der „Merkelschen Innovationsplakette für kluges Wirtschaften“ stellen wir Ihnen heute die Unternehmerin Ariane DSP vor.

TTD: Sie sind kürzlich zur Unternehmerin des Jahres 2010 gekürt worden und erhielten die Merkelsche Innovationsplakette für „Sexwork Entrepreneurialism“.
Sie haben in den letzten Jahren mehrere erfolgreiche Unternehmen gegründet und umsatzstarke Marken mit Nischenprodukten weltweit lancieren können. Was treibt Sie an und vor allem, wollen Sie die ganze Welt umkrempeln?

A DSP: Es wurde in der Tat Zeit, einiges von den Füssen auf den Kopf zu stellen. Ich habe mir Frau Dr. Angela Merkels Innovationsdiktum und das Credo vom „Livelong Learning“ zu eigen gemacht. Zugleich lag mir mein Vater jahrelang in den Ohren, warum ich nicht meinen Verstand benutze und mein Wissen zu barer Münze mache, ich sei doch schliesslich intelligenter als er und er hätte immerhin im Alter von 29 Jahren seine erste Million verdient. Auch bestand nach wie vor das Vorurteil, daß Huren alle faul und geldgierig sind und ausser vom shoppen & ficken, zwar vom Blasen, aber nichts vom Tuten verstehen. Ich wollte diesen Kritiken Lügen strafen und so gibt es nun die Goldschwanz Productions, ein Firmenkonglomerat, das alle Labels unter einem Dach vereint.

TTD: Stellen Sie uns doch kurz Ihre innovativen Produkte vor.

A DSP: Ich begann mit der Ariane Escort Tours Reisegesellschaft und biete Einzel- und Gruppenführungen durch gentrifuckte Rotlichtbezirke in europäischen Metropolen erfolgreich an. Wir sind in Berlin, Hamburg, Amsterdam, London und Paris vertreten, demnächst auch in Mumbai, Bangaloore und Peking. Die Idee war mir bei einem Blowjob in einer Tiefgarage gekommen. Politische und soziale Umstände machten es notwendig, moderne Sexarbeit neu zu konzipieren. Ich komme noch darauf zurück.
Reiseleiterinnen sind verifizierte, ehemalige Sexarbeiterinnen mit Ortskenntnissen und eingetragener Lizenz, die die Historie ihrer ehemaligen Wirkungsstätten und Bezirke aus dem FF kennen.
Exklusiv reisen läßt es sich mit unseren intergalaktischen Reisen und Begleiterinnen unserer Space-Agentur „Models on Mars“. Dazu sind wir eine Kooperation mit Virgins Galactic und Jet Escort eingegangen, die zahlungskräftige Touristen ins All befördern bzw. begleiten. Außerdem kennt modernes Weltraumrecht kein Prostitutions- oder Escort-Verbot.

Die nächste Gründung war die Goldschwanz Foundation, eine Stiftung, die auch weitere innovative Ansätze fördert. Die Stiftung selbst finanziert sich aus den Erlösen der Tochterunternehmungen und auch die Sexworker Open University ist hieran angeschlossen und wird co-finanziert. Stipendien erlauben Sexarbeiterinnen barrierefreies Lernen.

Die erfolgreichsten Nischenprodukte, die den umsatzstärksten Teil des Firmenimperiums ausmachen, ist meine Kosmetikserie „Ariane Facials“, Anti-Ageing Produkte, die in limitierter Version von jeweils 50ml für 500€ auf den Markt gehen, da der Rohstoff extrem kostbar ist. Dann gibt es noch mein Parfum, die Bestseller „Lubricant“ und „eccentric“, die die Quintessenz aus gelebten Leben, Pussy-Duft-Essentials, Schweiss und Tränen vereinen. Sie erscheinen jährlich in einer Auflage von 500 Stück à 10 ml zu jeweils 500.000€ und wird von Celebs, It-Girls und abgewrackten Showstars wie Pam Anderson oder Courtney Love stark nachgefragt. Trotz Vorbestellung besteht ein Jahr Wartezeit.

Dann gibt es die Champagnermarke „Triple A Champagne“, die derzeit teuerste Marke auf dem Champagnermarkt; die ersten 25 Flaschen wurden als Sammler-Objekte für 250.000€ verkauft. Diese Marke habe ich den Natursekt-Connaisseuren gewidmet.

Desweiteren habe ich das Mode-Label „Redlight Fashion“ auf den Markt gebracht; die Haute Couture firmiert unter „Aaaah Aimée“ und ich konnte John G. Galliano verpflichten, für unser Haus tätig zu werden; es gibt auch ein preiswerteres Prêt-a-Porter Label, die „Escort Collection“. Selbstverständlich sind die Designerinnen und Schneiderinnen hier alles ehemalige Sexarbeiter, Escorts und Strassennutten, da sie etwas von diesem Geschäft verstehen und Berufskleidung, z.B. Corsetts, optimieren konnten, im Sinne, daß sie tragbar sind und bequem, trotz Wespentaille. In diesen High-Tech-Corsetts kann man sogar Eislaufen und Berge besteigen, wurde natürlich von Happy Mountains Escort, powered by Sarina getestet.

Die beschäftigungsintensivste Unternehmung ist meine Firma Ariane Rakete Apparatebau, die Sexroboter und Dolls produziert, natürlich scheinende Nachempfindungen der berühmtesten und besten Sexarbeiterinnen aller Zeiten, die sich um das Gewerbe verdient gemacht haben: die Modelle Lucy Maximum, Dajajana, Katrina de Luxe, Tara VB, AdsP, Anna-Lena-Superstar, Veronique XL, Heidi v. Fleiss, Maxi Berlin, Christa Camille, Margret KFS und Felicitas von Weigmann und Schirow sind seit der Einführung der Renner und ich habe ihnen gleichfalls ein Denkmal gesetzt, vergleichbar nur mit den wichtigsten realistischen Nachempfindungen von Menschen unserer Zeit, zu sehen bei Mme Tussauds.

Ariane Apparat unterhält auch eine Entwicklungsabteilung, die 4-D Cyberporn-Private-Environments entwickelt, sog. Wichs-Templates für den Hausgebrauch mit verschiedenen Devices wie Absaugvorrichtung, Headset und Spezialhandschuhen, natürlich abwaschbar, und so die individuelle Teilnahme an interaktiven Porn möglich macht. Wir nennen das „Augmented Realities“, die echte befriedigende Sex-Simulationen versprechen. Unser Devices-Partner ist Wiiii, die das gesamte Set in ihrem Sortiment aufgenommen haben und weltweit vertreiben.

Bei der Entwicklung von menschengleichen Robotern bedienen wir uns der künstlichen Intelligenz aus unserer Forschungsabteilung Tink Tank, die unter dem Dach der Sexworker Open University angesiedelt ist. Wir haben dort auch das bekannte Applet, das IBed, entwickelt. Das Applet ermöglicht Escort-Buchern das schnellste Auffinden der besten zertifizierten Escorts in jeder Stadt rund um den Globus. Steve „Hand“ Jobs war von der Idee sehr angetan, obwohl er Kalifornien nie verläßt, und hat persönlich das Produkt-Marketing übernommen.

Die sexy 4D-Simulakren sind als Environments für den diskreten Hausgebrauch gedacht, zudem haben wir unsere Apparate zur Serienreife entwickelt, schöne Sexroboter finden auch in unserer Ladenkette „milking maids inc.“ regen Zulauf, die nach Franchise-Verfahren in jeder Stadt rund um den Globus in den letzten Jahren eröffnet haben wie auch unsere Starfucks-Promi bzw. Celebs Linie, die ersten Puppen mit Promi-Antlitz, beiderlei Geschlechts. Besonders das Modell Prinz Frederic von Anhalt, den wir als Kandidaten im Kampf um das Gouverneursamt in Kalifornien ins Rennen geschickt haben, um die Legalisierung der selbstbestimmten Sexarbeit auch dort durchzusetzen, läßt sich derzeit gut verkaufen. Auch das Modell Heidi von Fleiss ist sehr beliebt und war kürzlich Gast bei der englischen Ausgabe von Big Brother. In unseren Shops kann der Kunde die Robots mit oder ohne Voranmeldung und anonym sehr preisgünstig ab 20-30€ für 10min benutzen, was ja auch der Wirtschaftsentwicklung geschuldet war. Als besonderes Feature und Lockangebot kann der Kunde 10€ einsparen, wenn er die Robots anschliessend reinigt. Das dauert im Regelfall 2-3 Stunden, kommt darauf an, wie er sich dabei anstellt. Putzsklaven arbeiten bei uns sonst im Akkord, sie brauchen auch mal Ruhezeiten.

Unsere neuesten Kreationen, wie derzeit die Cyber-Schicksen, präsentieren wir in unseren Showrooms in Berlin, London, New York und Tokyo, wo sie auch die Puppen der ersten Generation besichtigen können, die Serie „Human Dingsbums“ neben den aufblasbaren Entsaftungsanlagen und drei-loch-begehbaren Tier-Toys mit zertifiziertem PETA-Stempel selbstverständlich.

TTD: Wer sind denn die Zielgruppen Ihrer Apparate?
A Dsp: Die Dolls werden insbesondere von zwei Zielgruppen angefragt: arme und verarmte Singles, Prekarianer einerseits, die sich keine echte Partnerin leisten können oder wollen sowie Gefühlskrüppel andererseits, die auf dem von uns entwickelten Ariane-Index (A-Index) ganz unten rangieren.

TTD: Moment, A-Index?
A Dsp: Der A-Index setzt sich aus dem individuellen Vermögen bzw. Unvermögen zusammen, partnerschaftlich und respektvoll Sex zu praktizieren. Es werden dazu folgende Variablen zugrunde gelegt: Humor, Empathie & Compassion Faktor HECQ, die Intelligenz IQ und Schwanzlänge gemessen und daraus die Quadratwurzel gezogen. So wird die Sprungvorhersage berechnet und trennt die Spreu vom Weizen. Ein Beispiel: Herren, die Worte wie „Verrichtungsstätten“, „blöde Nutten“, „nur Kaffee trinken“ verwenden und Bordelle bislang mit öffentlichen Bedürfnisanstalten verglichen, ohne das humane Kapital wertzuschätzen, schicken wir in die Melkstudios, international bekannt als „milking maids coop“. Alternativ ist unser Service über die mobile Agentur Mietmaul buchbar und die Modelle ins Haus liefert; und die übrigens von der Kooperation mit Samenbanken absieht; das ging ja durch die Presse, war jedoch ein Gerücht, das uns schaden sollte. So ein Quatsch, dazu ist die Spermaqualität einfach nicht gut genug bzw. genetisch uninteressant. Wenn der HECQ-Faktor allzu hoch ist = A oder AA, besteht Liebeskasper- und Stalkingrisiko, auch als Rettersyndrom bekannt, die stehen auf dem A-Index ganz unten. Der Faktor Schwanzlänge ist nicht so oberflächlich quantifizierbar, wie es den Anschein hat, eine Mindestgröße sollte vorhanden sein, um Verkehr überhaupt praktizieren zu können. Hinderlich sind auch übergrosse Fleischpeitschen, die von einer natürlichen Durchschnittsmuschi kaum verarbeitet werden können. In all unseren Entwicklungen und Unternehmungen sind Erfahrungen aus 2.500 Jahre Prostitutionsgeschichte und -praxis eingeflossen. Wir haben nur die Einbahnstrassen, die regelmässig für Unruhe sorgten, mit ein paar Umleitungsschildern versehen. Letztlich geht es allen Teilnehmern im bezahlten Verkehr besser und das ist schliesslich die Hauptsache.

Herren, die auf dem Index übrigens ganz oben rangieren = AAA, empfehlen wir als Spielgefährten mit „echten“ Menschen, Frauen wie Männern und Escorts, mit oder ohne Erotik ist pupe.

TTD: Das riecht nach Ausschlußverfahren und Klassenkrampf, elitäres Denken….
A Dsp: Das haben viele nicht verstanden, also eigentlich jene, die von unseren Angeboten gar kein Gebrauch machen. Praktisch ist es so, daß es allen nur besser geht, obwohl der Weg zum Ziel mit ein paar Umleitungen versehen ist. Ich bekomme jede Woche eine Tonne Dankesschreiben. Auch ist niemand von der Anbieterseite arbeitslos geworden. Ehemalige Puffbetreiber werden bei der Franchise-Lizenzvergabe der Melkstudios bevorzugt behandelt und dürfen unsere Marke „milking maid – cum in and find out“ bzw. im deutschsprachigen Raum bekannt unter „Melkstudio – Rein und Raus“ führen und sie machen mächtig Umsatz sag ich Ihnen. Das überflüssig gemachte Bordellpersonal hat die Möglichkeit entweder mit Puppen zu konkurrieren, wobei der Preis tiefer als im Keller ist, oder sich an der Sexworker Open University weiterzubilden und sich zu Erotik-Begleiterinnen umschulen zu lassen und erhalten eine Lizenz, die sie dann auch öffentlich und werbewirksam auf der Werbeplattform und Interessenvereinigung „Voices of Escorts“ nutzen dürfen. Dies garantiert dem Kunden wie auch der Escort-Anbieterin höchste Qualität, die Beibehaltung von Sicherheitsstandards, Diskretion und ein hohes Dienstleistungsbewußtsein, das beim Akt selbst nicht in den Vordergrund tritt, z.B. durch Dollarzeichen in den Augen. Die Umschulungen verlaufen weitgehend erfolgreich und die Damen verdienen mit einem einzigen Date in der Woche im Durchschnitt das Gleiche wie in fünf Tagen Puffbetrieb.

TTD: Und diese Entwicklung war ohne weiteres durchzusetzen, ohne Murren z.B. von Zuhältern?
A Dsp: Das war doch eh eine aussterbende Spezies. Auch ist denen doch egal, womit sie ihr Geld verdienen, Hauptsache der Umsatz stimmt. Diese Korruptheit führte dazu, daß sie ebenfalls Lizenzen für die Melkstudios erwarben und Gummipuppen für sich arbeiten lassen.

TTD: Und die anderen Weiterbildungsangebote, Studiengänge, werden ebenfalls angefragt?
A Dsp: Ja natürlich; jetzt, wo die meisten Damen nur noch einen einzigen Termin in der Woche haben, bleibt genügend Zeit, sich anderweitig fortzubilden. An unserer Sexworker Open University bieten wir Kurse in Multimedia Studies, Marketing Your Self, Auto-Erotronik, digitale Kunst & Design, auch philosophische Sprechstunden an der Akademie Aspasia; an der SWOU werden auch unsere Templates und Apps entwickelt. Und sie ist tatsächlich „offen“ für „alle“ ehemaligen Sexarbeiter oder noch aktiven Escorts, egal, ob sie über einen Schulabschluss verfügen oder nicht. Klassenloser sowie barrierefreier Zugang zu höherer Bildung mit Praxisbezug. Die Ausgeglichenheit der Damen ist so am höchsten, die finanzielle Sicherheit durch Stipendien abgefedert und die Aussicht, gelegentlich mit Herren mit hohem A-Index zu verkehren äußerst verlockend. Sie haben somit beim Sex auch Spass und auf beiden Seiten interessante Gesprächspartner; so konnten sich nebenbei schon viele Beziehungen und Ehen anbahnen. Wir wollen doch in Zukunft keine weiteren ADHS und PISA geschädigten Generationen generieren oder?!

TTD: Das ist ja regelrecht revolutionär, was sie beschreiben.
A Dsp: Einige positive Entwicklungen gab es bereits schon vorher, die wir aufgegriffen und weitergeführt bzw. verfeinert haben. Entscheidend war, daß wir viele Probleme lösen konnten, die sich unter dem Satz „Sex als Ware“ zusammenfassen lassen. Männer, die noch dieser traditionellen Vorstellungswelt verhaftet sind, werden in unserer Ladenkette glücklich bzw. geniessen die verschiedenen Applikationen wie die Cyberporn Environments für den Hausgebrauch.
Unmenschliche oder nicht einvernehmliche Praktiken, sexuelle Nötigung, Gewalt, Soulfucking wurden im Escort-Kontakt zwischen echten Menschen überflüssig gemacht, „Sex als Ware“ damit abgeschafft. Unsere Sex Roboter und Cyberdolls können nämlich garnicht entmenschlicht werden, ihnen ist es egal, wenn man sie benutzt, abwertet, den Hals zudrückt …. Allerdings könnten die quasi übermenschlichen Cyberdolls in Zukunft ein Eigenleben und damit Emotionen entwickeln, da sie mit künstlicher Intelligenz und mit enormen Kräftepotential von mir programmiert wurden. Auf diese Entwicklung blicken wir gespannt.

Seien wir doch ehrlich, der Puff als Werkbank selbstentfremdeter Sexarbeit im Akkord hatte schon lange ausgedient, im Sinne, daß die Erfüllungsgehilfinnen zumeist einseitige Lüste befriedigten. Demnach entfällt nun auch der Begriff der „Sexarbeit“, der ja im angelsächsischen Raum erstmalig am Ende des letzten Jahrhunderts zum Einsatz kam, um den Dienstleistungscharakter zu betonen und die ersten globalen Rechte und Sicherheitsstandards für alle am Verkehr Beteiligten durchzusetzen. Lustvolle Gesellschafterinnen und Erotik-Begleiterinnen identifizieren sich in ihrem Selbstverständnis mit dem Leitbild, das über Jahrhunderte unter dem Begriff ‚Kurtisanerie‘ geführt wurde; sie sind lustvoll, intelligent, gebildet und nicht geldabhängig. In ihrem eigenen Interesse nehmen sie nie mehr als 1-3 Termine im Monat an, damit genügend Zeit und Raum für eigene Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten bleiben.

TTD: Sie haben auch ein eigenes Plattenlabel gegründet und eine eigene Boygroup am Reissbrett entworfen und die Sounds vorprogrammiert, sprich die Sounds programmieren sich nach einem bestimmten Schema von selbst, sog. eingängige Ohrwürmer der Popmusik als auch der Volksmusik, ähnlich wie die Texte, die aus Textbausteinen bestehen und variabel anpasst werden. Auch der seichte Grundton wurde beibehalten, bei den Texten der Volksmusik setzen sie traditionell weiterhin auf schwülstige Doppeldeutigkeiten.
A Dsp: Das Plattenlabel heisst „Hyper Dolls Productions“, die Boygroup „The Wankers“, die gerade auf Welttournee ist; wir haben einen neuen Sound etabliert, der Muschis aller Länder zum Schmelzen bringt und harte Schwänze weich werden läßt. Ich höre mir die Musik selbst nicht an, da ich sonst einen Hörsturz erleide. Bookings und Tickets werden ebenfalls über unsere halbautomatische Agentur Mietmaul abgewickelt.

TTD: Kurz zu Ihrem Werdegang, der sich ja abenteuerlich liest. Sie haben eine erfolgversprechende internationale Hochschullaufbahn geschmissen, um als Sexarbeiterin einzusteigen. Warum das?
A Dsp: Nun, jeder kennt den Traum oder Wunsch, noch einmal 10 oder 20 Jahre zurückzudrehen, jünger zu sein, aber mit der Lebensweisheit von heute, um falsche Entscheidungen und Fehlplanungen rückgängig zu machen, auch was die Wahl von Partnern, Freunden betrifft. Man möchte gleichfalls nicht auf wichtige Erfahrungen und Wissen verzichten. Ich hab das einfach gemacht. Ich schlief als Studentin, später als Dozentin mehrfach ein, sei es durch das stupide Ablesen alter Vorlesungsskripte durch Professoren, die den internationalen Forschungsstand ignorierten, weil sie kein English sprachen – das berühmte Westerwelle-Oettinger-Syndrom -; oder beim Zuhören schlechter Referate durch gelangweilte, meist mittelmässige Studenten, für die ich den Kasper spielen sollte, um eine gewisse Aufmerksamkeit auf den Lehrstoff zu erzwingen. Irgendwann schlief ich ganz ein und wachte auf einer Toilette im Kit Kat Club Berlin wieder auf, schaute in den Spiegel und war um 10 Jahre verjüngt, ein sogenannter Zeitsprung hatte sich ereignet, sie kennen das sicher noch aus dem Physikunterricht. Ach nee, Sie gehören ja der Generation PISA an.
Ich trug einen enganliegenden Latexanzug, aus denen meine kleinen prallen Möpse sprangen; meine Pussy juckte …. natürlich nicht im klinischen Sinne, da ich zuvor jahrelang kaum bis keinen Sex praktizierte; ich mußte mir erst einmal ein paar leckere Jungs vorknöpfen, die in der Nähe der Toilette rumlungerten und mich auch sofort und freiwillig besprangen. Eine Art Jungbrunnen!! Ich fragte mich, wie ich dies zum Dauerzustand machen könnte und der einfachste Weg führte in die Sexarbeit, schließlich hatte ich ja noch den Kühlschrank meiner Loved-Ones zu füllen. Ich war emotional und körperlich unausgeglichen, völlig unterfickt, nach jahrelanger Lernerei und dem Leben an der Seite narzißtischer, weichgespülter Mindfucker, das Erbe einer Generation vor PISA, die meine Leere auch nur geistig füllen konnten. Es hatte noch einen seltsamen Nebeneffekt: einige meiner Forschungsschwerpunkte, die Identitätsforschung, künstliche Intelligenz, aber auch die Vorurteils- und Stigmaforschung konnte ich als teilnehmende Beischlafbeobachterin empirisch ausbauen bzw. am eigenen Leibe erspüren. Ich konzentrierte mich nach jahrelangen Mindstudies auf meinen Body. Derzeit befinde ich mich in der dritten Entwicklungsphase, dem Zusammenführen von Mind und Body, also Körper und Geist, eine Syntheseleistung, die sich zunächst ihren Weg parodistisch bahnte, als cocksucking comedian und politisch als Sexwork-Aktivistin, beides unter dem Label Goldschwanz, worunter ich auch meine ersten noch recht angepassten, wenig subversiven Kolumnen verfasste. Zu meiner Stand-Up Karriere haben mich meine schönsten und intensivsten Erlebnisse mit meinen Gästen im P6-Bereich, aber auch einige Querschläger inspiriert, letzteren widmete ich auch meine ersten beiden Performance-Programme „Soulfuckers“ und „Liebe kostet extra“, sehr persönliche Arbeiten, extrem unterhaltsam.

Mit den wenigen Mitteln, die mir zur Verfügung standen, baute ich nach und nach das Goldschwanz Imperium auf, 48% der Anteilseigner sind ehemalige und bekennende Sexworker, aktive Erotikbegleiterinnen sowie Klienten und Freunde mit A-Index Higher Level, natürlich.

TTD: Hat Sie Ihre Arbeit sexuell stark beeinflusst?
A Dsp: Ja, aber nicht nur sexuell stark gemacht. Auch konnte ich in frühen Jahren mit Nähe generell nicht gut umgehen, also in der Mindfuck-Phase, auch hatte ich Angst vor Menschen; ich konnte eine Fleischpeitsche nicht von einer Leberwurst unterscheiden, wußte nicht, wie man einen Schwanz auch nur festhält geschweige denn lutscht. Habe im Sinne des „Livelong Learning“ dazu gelernt und manche Grenze überschritten.

TTD: Und dabei moderne Sexarbeit neu erfunden bzw. revolutioniert …. Wie kamen Sie auf die Entwicklung von und Apparaten?
A Dsp: Ganz einfach, die technische Entwicklung spielte mir in die Hände; dies war ein Novum in der Geschichte. Puppen als Lebenspartner gab es schon vereinzelt, nicht erst seit Oskar Kokoschka; auch für Polyamoristen. Warum diese technische Neuerung für die Sexarbeit nicht fruchtbar machen? Aufblasbare Schweinchen und Lämmchen, Dolls gab es zwar in billiger Qualität, aber fanden wenig Anklang bei den Herren der Schöpfung. Die meisten Symbian-Maschinen waren auch nicht körperfreundlich, die Bewegungen zu mechanisch. Ich habe viele Männer und Frauen in diesem Segment mit doch sehr unterschiedlichen Bedürfnissen kennengelernt und daraus meine Schlüsse gezogen. Auch war mir ein Gespräch mit einer befreundeten Puffmutter und ehemaligen Anschaffbraut haften geblieben, die einmal von einer russischen Anfängerin in Berlin gefragt wurde, wie sie sich gegenüber den deutschen Kunden verhalten solle. Sie hatte praktisch keine Deutschkenntnisse. „Ganz einfach“, sagte Margit, „alle 20 Sekunden sagst du Ja, alle 40 Sekunden Ja, du hast Recht und alle 60 Sekunden Du bist so klug, und dann wieder von vorne beginnen.“ Dass es sich um Erfahrungswerte im Umgang mit Klienten A-Index-Lower Level handelte, fand ich erst später heraus. Diese Geschichte erinnerte mich zugleich an eine andere und an die zweite Frau meines Vaters, der eine 19 Jährige – wir waren damals gleichaltrig – geheiratet hatte. Anlässlich ihres ersten Besuchs beim Bundespresseball fragte sie mich zuvor, was sie denn sagen solle, ohne sich zu blamieren. Die Sorge war mehr als berechtigt. Ich schlug ihr vor, besser den Mund zu halten, nur zu lächeln und zu nicken; als perfekte Zuhörerin kann man eigentlich nix falsch machen. Diese beiden Ereignisse inspirierten mich dazu, die ersten Bänder einzusprechen und einfache Programme für meine Sex Robots zu schreiben. Hörbücher bzw. Stöhnbücher für die Autofahrt als MP3-Downloads, meine wöchentlichen Podcast-Kolumnen auf Goldschwanz TV schlossen sich an. Sammler haben die Möglichkeit, meine Hörbücher in limitierter Ausgabe als Vinyl-Schallplatte zu bestellen, da werden Kindheits- und Jugenderinnerungen ans erste Petting wach, sie erinnern sich noch an die erfolgreichen Schallplatten für Kinder und Teens aus dem letzten Jahrhundert, produziert von Europa wie Räuber Hotzenplotz oder Hui Buh das Schlossgespenst, die drei ???. Die sind heute sehr gefragt.

TTD: Sie erwähnten vorhin „Angst vor Nähe“? Wie passt das denn mit Sexwork zusammen?
A Dsp: Freudianisch gesprochen kann man das Lotterbett ja auch mit der Psycho-Couch vergleichen, gilt manchmal für beide Seiten, es kommt darauf an, wer gerade zuhört. Eine sogenannte Regression kann durchaus in einem Hotelbett mit einem sehr sympathischen und durchaus netten Menschen erfolgen. Dadurch konnte ich meine Probleme mit Nähe überwinden, indem ich sorgfältig auswählte, mit wem ich meine Zeit teile und neben wem ich regrediere. Erinnerte mich an Zeiten meiner Kindheit, wo ich und meine Schwester unter die Decke unseres Vaters krochen und sonntags mit ihm spielten. Nein, nicht was Sie denken. Es war so ein Gefühl der Heimeligkeit, der Geborgenheit. Im nachhinein waren für meinen nackten Ambitionen doch einige prägende Erlebnisse aus meiner Kindheit und Jugend ausschlaggebend: der Fall Bärbel, meine frühkindlichen Studien zur Masturbation und die Aufklärung von Kommilitoninnen über die Faktizität des G-Punkts, und den man mit dem richtigen Eintrittswinkel auch mit dem Dildo erreicht, der jedoch nicht so verbreitet zu sein scheint wie ursprünglich angenommen. Zur Zeit gibt es dazu neuere Mindfuck-Forschung, sehr tendenziös, aus Großbritannien und Frankreich; die einen, das King’s College London, leugnen generell die Faktizität des G-Punkts, Paris hält dagegen. Sie sollten zur Entspannung lieber gemeinsam das Museum aufsuchen: The joy of sex – an ancient guide, kann derzeit in einer Ausstellung in Athen betrachtet werden, die ganz dem Eros gewidmet ist, und selbstverständlich gehören frühgeschichtliche Bordelle, Kurtisanen, Huren alle zum Spass am Sex dazu und ist kein Privileg des Privatmanns oder -frau.
Was mein aufklärerisches Interesse betrifft, das war schon immer da. Sie sehen, es ändert sich wenig … und doch alles; nur eine Frage der Perspektive und der Perspektiven-Übernahme, also ihrer Anwendung, und nun habe ich eben auch Applets im Programm.

TTD: Sie erwähnten ihr parodistisches Frühwerk. Warum und wieso kam dieses zustande?
A Dsp: Im Netz, also Internet, erlebt man ja so einiges, auch was völlig absurd erscheint. Auch manch verheirateten P6-Kunden, Bucher, der doch tatsächlich die Frage stellt, ob eine Hure, ein Escort einen Partner haben darf. Das ist doch komisch oder? Springen selbst in fremde Betten, obwohl verheiratet oder anderweitig verpaart, und wünschen sich Huren nach einem Reinheitsgebot. Am besten darf sie auch nur einmal im Monat oder alle drei Monate einmal vögeln, um sich für „den“ einen Kunden aufzusparen. Einfach herrlich! Dann erlebt man auch einiges im konkreten Umgang: zum einen lernt man wirklich tolle Männer kennen, äußerst attraktiv, inspirierend, ich rede nicht von 20jährigen. Dazwischen auch schon mal den einen oder anderen Irrläufer, im wahrsten Sinne, die ihren Frust einfach nur ablassen wollen, einen mit Fragen statt mit ihrem Schwanz löchern; Fragen der Authentizität, der Illusion, der Wahrheit beim Stöhnen oder meinem letzten Friseurbesuch auf der Spur sind. Geht’s noch? Mein „wahres“ Wesen? Das kenne noch nicht einmal ich selbst. Wen interessiert das? Mein Leben, meine Welt, in der ich lebe, ist nicht so spektakulär. Manche Zumutungen in Message-Boards oder Foren hebel ich parodistisch aus, es ist vergleichbar mit einem selbstreinigenden Prozess. I m taking the piss out of myself … ich entblösse und entblöde mich fortlaufend, inklusive nackter Tatsachen, ohne wirklich etwas über mich zu verraten. Meine einzige passende und geeignete Antwort auf den löchrigen Käse, mit dem ich virtuell, manchmal in Echtzeit zugeschissen wurde. Man macht sich ja verletzbar, wenn man wirklich etwas von sich preisgibt und sich einer anonymen Meute, die sich im Netz hinter Nicks verschanzt, zum Frass vorwirft. So wirft der eine ein Stöckchen, ich manchmal eine Keule. Und überhaupt … was hat die Frage der Wahrhaftigkeit und Authentizität beim Paysex zu suchen? Das ist doch Thema einer Philosophie-Stunde, After-Eight-Philosophie besser gesagt, vergleichbar mit mancher Küchenpsychologie, die im Netz rumgeistert, die gerne mit Pauschalurteilen über X oder Y um sich wirft. Aber das ist ein Zeichen unserer Zeit; völlig unwissend zu sein, aber ne dicke Lippe riskieren, die Verblödung wird ja auch gesellschaftlich gefördert, ob durch die eigenen Eltern oder mediale Role-Models. Fast jeder meint, zu allem was sagen und über alles urteilen zu müssen, anstatt einfach mal dezent zurückzutreten und nachzudenken, bevor man das Maul aufmacht oder in die Tasten haut.

Paysex ist eine Frage der Performance. Man kann so viel hinterfragen wie man will, man kommt mit der Fragestellung nur zu dem Ergebnis, was man als Ressentiment schon in sich trägt. Entweder es klappt zwischen zwei Menschen bei einem Date gut, das spürt man doch, oder es klappt eben nicht. Die Herren lernen einen im Regelfall doch nur von einer angenehmen Seite kennen; als Privatperson sieht man zumeist zerrupft und unausgeschlafen aus, ist ungeduscht und unhöflich, schlecht gelaunt. That’s why I chase men … sozusagen aus den Pantoffeln in den String-Tanga und raus aus dem Stimmungstief, die Muschi erwacht und die Hormone orchestriert, widme ich genüßlich einem Mann mit Schwanz, Verstand und gutem Herzen meine Zeit, und zwar in der Poole-Position, zwischen seinen Beinen, liegend, knieend, damit er mir dabei tief in die Augen sehen kann, wenn ich an ihm kaue und langsam verschlucke; das funktioniert in der Regel prächtig, da ich zumeist sehr angenehme Menschen treffe. Natürlich mit einem A-Index Higher Level. Das ist mein Schicksal, das Einzige, was mich neben Erkenntnisliebe wirklich glücklich macht. Und Geld ist ein praktischer Nebeneffekt.
Ok, ich gestehe, Sensibilität ist zu unterschiedlichen Graden bei jedem Menschen vorhanden, bei dem einen mehr, beim anderen weniger, manche fühlen auch garnix, weder sich selbst, noch einen anderen. Wie dem auch sei … die Frage der Performance, dem Thema Illusion konnte ich mich daher ernsthaft nur noch künstlerisch nähern.

TTD: Was können Sie als ehemalige Sexarbeiterin, nun lifestyle courtesan, den Menschen mit auf den Weg geben?
A Dsp: „Fail again, but fail better“, also sich im Scheitern früh üben und perfektionieren. Habe eine Idee, glaube daran und folge noch deinen niedrigsten Instinkten. Man sollte sich, mit allem, was man tut, wirklich identifizieren können, um beruflich erfolgreich zu sein. Menschen von neuen Ideen zu überzeugen braucht Zeit und Hartnäckigkeit. Sexwork 2.0 ist mein Baby, ich konnte es nicht alleine verwirklichen, ich brauchte ein Team von Unterstützern, aufgeklärten Sexworkern und Gästen, quasi als Avantguarde-Bewegung, die etwas Neues möglich machten.

TTD: Vielen Dank für das Gespräch.



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.