material girl * part two

Der 7. Juli 2005, der Tag des Terroranschlags auf die Londoner.
Als ich das ganze Ausmass des Horrors gewahr wurde, hatte es mir in der Folge schön den Boden unter den Füssen weggerammt; meine Lieblingsstadt und Wahlheimat wurde verwundet und ich mit ihr; die Engländer, die mir immer Obdach gewährt hatten, meine Freunde und Companions im Geiste. Lebenslang Deutschland war also die Perspektive? Ich reagierte panisch, die Zuversicht, sich im öffentlichen Raum ungehindert und frei zu bewegen, war futsch. Und ich traute mich nicht mehr, eine U- oder S-Bahn, einen Zug zu besteigen, hier wie dort, beäugte mißtrauisch asiatische Männer mit Rucksäcken und vermutete überall Attentäter, selbst in Berlin, als ein Pakistani einen Koffer vor der Bar abstellte, um unbeschwert die Toilette aufzusuchen. Ich reagierte wie alle anderen, mißtrauisch, voller Ressentiment und …. Angst.
Und auf diesem Ticket machen deutsche Politiker Wahlkampf, einfach ekelhaft. Kurz und gut, der Londoner Terror Anschlag, inklusive der unerfreulichen Berliner Ereignisse, Kasper und Stalkerin, die seit Monaten an mir nagten, führten summa summarum zu einer posttraumatischen Belastungsstörung oder wie sich das nennt. Es hatte sich in meinem Hirn festgefressen und trotz Terror in London bot Berlin weder Schutz noch Heimat. Die Ohnmacht suchte sich ihren gewaltsamen Weg. Ich zerstörte meine Wohnung und damit alle Dinge, die mir kostbar und heilig waren, inklusive Notebook, Fotoapparat, Mobil-Telefon, Möbel, über Jahre gesammelte Lampen, den Rest meiner Radiergummi-Sammlung und meine Lieblingsklamotten… nur meine Bücher und ich überlebten. Zum Schluss dieser zwei stündigen Berserker-Aktion mit Hilfe meines Schiefer-Meister-Hammers, rheinische Form, meiner Herkunft geschuldet, schnitt ich mir meine langen blonden Babe-Haare ab. Ein trauriges kleines Mädchen starrte mich mit Entsetzen im Spiegel an.

Nichtsdestotrotz gab ich mir nur zwei Wochen Quarantäne-Zeit und bin natürlich wieder zurück nach London; als paradoxe Intervention geplant; zumindest war die statistische Grösse für einen weiteren Anschlag sehr gering. Aber nein, es war wieder ein Donnerstag, als die Stadt lahm gelegt wurde, nur die Zünder nicht zündeten und panische Polizisten einen unschuldigen Brasilianer erschossen.
Erst nach zwei Monaten begab ich mich dann wieder nach Good Old England, mit kurzen Haaren bliess es sich auch bei einigen Bukkake Parties ganz gut; in dieser Zeit meine einzige Freude. Man bescheinigte mir grosses Talent, weshalb ich diese Aktivität nach Berlin verlagerte. Jedenfalls gefiel den Herren meine neue Frisur, die Engländer sind unter allen Umständen princes of charming. Und um die Ausgangsfrage zu beantworten: in dieser Zeit lernte ich bei einer Blase-Party in London auch meine amerikanische Escort-Freundin Christine kennen, die sich im Castle eingemietet hatte. Zuletzt lebte und arbeitete sie viele Jahre in Las Vegas.

Zusammen mit ihrem Great Dane, einer deutschen Dogge namens Caesar. Sie führte mich dort ein; praktischerweise war und ist der Schlossherr ein exzentrischer Deutscher, der sein Leben lang im Ausland verbrachte, bevor er es vorzog, sich in die englische Countryside zurückzuziehen, er verbrachte nur die ersten Lebensjahre in Deutschland, wuchs in Rio de Janeiro und Baden-Baden auf, arbeitete in der Schweiz, in den USA, in Jordanien, wo er Freundschaft mit dem damaligen König schloss und selbst Arafat persönlich kennenlernte, arbeitete wenig später in Paris und seit 1968 auf den Bermudas, Manager in der gehobenen Hotellerie.
Meine Freundin ist dann mit dem Hund in die USA abgeschoben worden, weil ihr englischer Ex-Boyfriend, dem sie aufgrund häuslicher Gewalt den Laufpass gab, sie als „Prostituierte“ bei der Polizei verpfiff. Sie wollte dann in New Mexico eine Hundezucht mit Great Danes beginnen und kaufte Caesar noch eine Herzdame namens Kleopatra hinzu. Christine hatte auch eine Tochter und Enkelkinder in New Mexico, genau genommen in Albuquerque, wo ich sie einmal besuchte. Sie ist eine junge und schöne Grossmutter, 42 Jahre alt, mit langen roten Haaren und sehr heller Haut, in England ist dieser Frauentyp auch als „English Rose“ bekannt.
Aus der Hundezucht wurde dann nix; Kleopatra war viel zu jung und sie mußte immer aufpassen, nicht von Caesar vergewaltigt zu werden. 1,5 Jahre ging alles gut, dann sah Caesar in einem unbeaufsichtigten Moment seine Chance und bestieg Kleopatra, verletzte sie leider dabei so arg, daß sie notoperiert werden musste und keine Kinder mehr bekommen kann. Christine ist im letzten Winter mit den Hunden nach Montana umgezogen.

Fortsetzung folgt …



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