Nuttenrepublik – Prolog

Who’s that girl?

Ich bin im „klassischen“ Sinne eine Kurtisane, also Muse, Interlecktuelle, eine akademische Hure. Muse, weil ich Politiker, Künstler, Musiker, Theaterleute, Handwerksmeister, Banker und Angestellte des Öffentlichen Dienstes als Freundin, Ehefrau oder Hure gleichsam inspiriere. Ich bin nebenberuflich Arschleckerin, weil ich hauptberuflich dazu ungeeignet bin. Mit Fug und Recht kann ich behaupten sogar eine der besten Arschleckerinnen und kann diverse Auszeichnungen vorweisen, mehrjährig Titel als Miss Fuck & Blow & positive Reviews über mein sexuelles Wirken zum Wohle der Menschheit.
Ich bin, wie die amerikanische Komödiantin Joan Rivers einmal sagte, „die am härtesten arbeitende Frau der Welt, wenn man die Strassenhure an der nächsten Ecke mal nicht hinzu rechnet“. Ich habe mir schon sehr früh, von Kindes Beinen an, das Motto zu eigen gemacht: liebe dich selbst, auch wenn dich alle anderen verachten. Später – also heute – sehe ich mich immer häufiger mit der Frage konfrontiert, wer will schon eine Nutte buchen, die intelligenter ist als mann selbst. Wie kam es dazu?

Aufgrund meines kopflastigen Vorlebens war ich immer teilnehmende Beobachterin der Redlight-Szene im In- und Ausland und bezeichne mich gerne als „Beischlafbeobachterin“. In diesen Jahren habe ich eine Menschenkenntnis erworben, die ich ganz sicherlich nicht hätte, wäre ich nur meinem angestammtem Milieu verhaftet geblieben und dem „Haifischbecken“ Wissenschaftbetrieb, der sog. Scientific Community; gewisse Familienähnlichkeiten mit der Sex Industrie sind nicht zu übersehen, was Machtspiele, autoritäre Strukturen, Hierarchien, Mindfucking und Mobbing vom Feinsten betrifft.
Die Einstellung zu Männern hat sich radikal geändert, interessanterweise eher hin zum Guten. Die Suppe konnten mir selbst zwei meiner größten Fans und Soulfuckers nicht versalzen.

Meine allergrößte Hochachtung gebürt allerdings den Frauen des Rotlichts, der Escort-Szene; ob Hotel, Straße, Wohnungsbordell, Laufhaus, Clubs oder Wanderhure, all jenen starken Frauen und empfindsamen Seelen, die sich tagtäglich einem nicht unbeträchtlichen Risiko und dem Naserümpfen wohlfeiler, bürgerlicher Biedermänner und -frauen aussetzen, mein Statement gebührt ihnen.

Denn trotz der Liberalisierung sind und bleiben wir stigmatisiert; trotz unseres nicht unerheblichen Anteils am geschmierten Ablauf des Wohlfühl-Apparats, des Stellungskrieges unter deutschen Wohn-, Bordell- und Hotel-Dächern: wir sind das Amalgam vieler Ehen und Partnerschaften, die dank ausserhäusiger Freuden so lange bestehen können.
Dabei bin ich eine loyale Patriotin und ficke gerne für mein Land, der „Nuttenrepublik“, und leiste mit unermüdlicher Hingabe Aufbauarbeit an den Väterchen dieses Landes.



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