Nuttenrepublik – Chapter I

I Mein Leben als Escort oder: „money makes the world go round?!“

Interview und Vorabdruck in The Callgirl Review (TCR)

Ariane de Saint Phallus ist in Westdeutschland geboren, heute arbeitet sie in Berlin und London als Escort. Ein Gespräch über professionelle Begleitung, Luxus und die Folgen

Ariane, 30, ist ein höflicher Mensch. Sie lässt dem Gast beim Eintritt in einem Berliner Café den Vortritt. Das ist ungewöhnlich in einer Stadt, in der sonst alle einem die Tür vor die Nase zuschlagen. Ariane wirkt locker und unkompliziert. Rasch merkt man, daß ihr Geld persönlich nicht soviel bedeutet, obwohl sie täglich mit Millionären und Milliardären zu tun hat.

TCR: Fräulein Ariane, reden wir über Geld. Sie kommen gerade aus Dubai. Was haben Sie dort gemacht?
Ariane: Ich hatte Kontakt zu einem wohlhabenden Scheich. Er suchte eine Escort-Dame mit Vorleser-Qualitäten, da er sehr kurzsichtig ist. Eine sehr verantwortungsvolle Position, da ich ihm ja schliesslich was-weiss-ich vorlesen kann. Schließlich soll diese Dame auch das gesamte Harem anleiten. Ich bin beauftragt, das Harem zu coachen. Ich habe den Scheich persönlich gesprochen, damit er mich erkennen konnte, hab ich ihm vorsichtshalber meine Brille von Tom Ford gereicht.

TCR: Sie vermitteln auch Coaching-Dienste?
Ariane: Ja, ich habe mich auf das Coaching beratungsresistenter Politiker, frustrierter Ehemänner und Paare, unterfickter Hausfrauen und lernwilliger Studentinnen spezialisiert. Zusätzlich kann man mich als professionelle Vorleserin für gehobene Privat-Haushalte in aller Welt engagieren und dafür auch die Website http://www.pimpmyhome.com geschaffen. Der Arbeitsmarkt für seriöse, hochqualifizierte devote Dienerinnen expandiert. Da will ich mit meinem Geschäft dabei sein. Leider gibt es auch viele schlecht ausgebildete Hausfrauen und Dienerinnen. Die schädigen unseren Berufsstand. Mittlerweile expandiere ich sogar in den berühmten „Bible Belt“ in U.S. und bibeltreue Familien geraten in den Genuss, beim Sex sogar Spass zu haben und „es“ nicht nur für Reproduktionszwecke zu tun.

TCR: Sie betreuen die Reichen und die Schönen dieser Welt. Reizt Sie das grosse Geld?
Ariane: Mit Reichtum und Geld habe ich kein Problem. Im Gegenteil: Wer es sich leisten kann, soll sich sein Leben bequemer machen. Ich bin eine Dienstleisterin und betrachte dienende Berufe als Privileg. Ich bin gerne mit erfolgreichen Menschen zusammen und geniesse es, meine Kundschaft zu verwöhnen.

TCR: Ob Reichtum immer mit ehrbarem Erfolg zu tun hat, ist ja angesichts der Finanzkrise zweifelhaft. Banker und Broker haben auf Kosten der Allgemeinheit geprasst. Milliardensummen sind durch unseriöse Geschäfte verbrannt worden.
Ariane: Aus dieser Debatte halte ich mich mal fein raus. Die Finanzkrise wird vorübergehen. Die Zahl der Millionäre und Milliardäre wird weiter steigen. Da bin ich zuversichtlich. Meine Aufgabe ist auch nicht nachzuforschen, woher das Geld stammt, mit dem ich bezahlt werde. Natürlich würde ich nicht für einen Mafia-Boss arbeiten, obwohl das sicherlich auch ein reizvoller Gedanke ist, immer mit kugelsicherer Weste im Bett zu liegen. Aber als Dienerin an Mann & Haus bin ich der Neutralität verpflichtet. Dabei habe ich durchaus ein Helfersyndrom. Meine reiche Klientel ist oftmals gestresst. Ich sorge dafür, ihr Leben weniger kompliziert zu machen. Eine höchst spannungsreiche und anspruchsvolle Aufgabe.

TCR: Also der alte Spruch, daß Reichtum nicht glücklich macht?
Ariane: Das ist richtig. ich beobachte immer wieder, dass bei vielen Reichen die Angst mit einhergeht, ihren Wohlstand zu verlieren. Das kann sogar eine Obsession werden und führt dazu, daß im Haus Kameras installiert sind, um zu überprüfen, daß der Wasserpegel für die Yukka-Palme nicht zu hoch, das Haushaltsgeld für die Ehefrau so knapp bemessen ist, dass sie seit Jahren in Second-Hand-Läden ihre Kleidung kauft, die Putzfrauen nicht die teuersten Scheuermittel verwenden. Sie ziehen sich dann von ihrer Umgebung immer mehr zurück, spielen einsam an ihrem Puller und sind sogar gegenüber Tanten aus dem Internet misstrauisch, weil die ja auch auf ihr Geld aus sein könnten. Ich kenne einen sehr vermögenden Witwer, der deshalb sehr einsam geworden ist. Insofern bin ich durchaus glücklich, dass ich nicht reich bin.

TCR: Was verdient eigentlich eine persönliche Leibeigene?
Ariane: Das sind in Grossbritannien im Schnitt 60.000 GBP (68.000 Euro) pro Jahr. Aber die Spanne ist sehr weit. Eine Kollegin von mir in den Diensten eines Hedge-Fonds-Managers in London hat ein Gehalt von rund um die 100.000 Euro, Kost und Logis inklusive. Nun wurde allerdings sein Konto eingefroren; wie es mit ihr weiter geht ist noch unklar. Ich habe gerade ein Angebot reinbekommen, wo jemand in Paris eine anschmiegsame Hauskatze sucht und werde sie wohl dahin vermitteln.
Das Gehalt hängt von der Berufserfahrung und den Arbeitszeiten, selbstverständlich von der Gefügigkeit und Anpassungsbereitschaft in diesen Vermittlungsfällen ab. Ob der Herr einen 24 std/7Tage die Woche Bereitschaftsdienst wünscht, also Stand-By abruft oder ob es nur einige Stunden am Tag sind, in der Woche oder ob die Anwesenheit der Haussklavin nur während eines Dinners benötigt wird. Vor kurzem konnte ich für einen speziellen Event eine Hauskatze auf die Ranch von George W. Bush vermitteln, um den es sehr einsam geworden ist. Kaum einer möchte noch mit ihm reden, noch nicht einmal sein Vater. Die Hauskatze ist einzig und allein von ihm angestellt worden, damit er beim Suff ein wenig Gesellschaft hat. Ich freue mich immer, Gutes zu tun und Menschen in ihrer Einsamkeit mit ein wenig Katzenfell die Füsse zu wärmen.
Im übrigen gibt es noch Prämien bei erfolgreicher Vermittlung. Üblich sind Reisen in der Tauchkapsel in den Mariannengraben oder auch mal eine Kreuzfahrt mit dem Catamaran um den Globus, daher bin ich auch die meiste Zeit des Jahres entweder auf oder unter Wasser. Hab im Zuge dessen auch Unter-Wasser-Blowjobbing gelernt, wurde früher in Berlin häufig angefragt.

TCR: Sie sind im Westen geboren. Ihr Vater im Osten und hat rübergemacht und ihre Mutter geschwängert. Können Sie sich noch an diesen Überfall erinnern?
Ariane: Das war ja noch bevor die Mauer fiel, mein Vater, die Grosseltern, Onkels, Tanten enteignet wurden, mein Vater die letzten Schulden bei den Kunden eintrieb, während die anderen schon längst drüben in Unna-Massen auf ihn gewartet haben. Er ist dann mit dem ganzen Geld auf dem Moped nach Ostberlin und von dort aus in den Westen, hatte Helfer alle mit Geld bestochen, den Rest für Porno-Hefte ausgegeben. Als er in Unna eintraf, war er blank und geil, da lief ihm meine Mutter kurze Zeit später im Ruhrgebiet über den Weg und dann war ich geboren, aber gezeugt wurde ich an einem Strand von Helgoland. Das ist jedenfalls die Überlieferung.

TCR: Bilden Sie sich weiter?
Ariane: Ja, klar. Ich lese viel über Luxusmarken, damit ich mitreden und einen Golf- von einem Tennisschläger unterscheiden kann. Mit Autos kenne ich mich aus, in meiner Familie wurden immer Luxusmarken und Oldtimer gefahren. Ich informiere mich auch über die neuesten Modetrends und sitze bei den internationalen Modeschauen in der ersten Reihe, um dann anschliessend für meine Klienten und ihre Ehefrauen einzukaufen. Sie trauen sich nämlich noch nicht einmal mehr fürs Power-Shopping aus dem Haus und haben Angst vor Paparazzi. Ich bin also auch so etwas wie eine Lifestyle-Beraterin. Auch auf dem Kunstmarkt schlag ich zu und ersteigere im Auftrag meiner Klienten schon mal den einen oder anderen Gerhard Richter, HC Wilp oder Francis Bacon, Cézanne. Während des Transports sorge ich dann für den Austausch in Kopien, die dann in den Villen und Schlössern hängen werden. Die Originale hab ich bei mir Zuhause gebunkert. Bezüglich Weiterbildung habe ich mir für meine Coaching-Dienste und Workshops für gestresste Hausfrauen und Hartz IV Empfänger eigens Nina Hartleys DVD Serie Liebesschule 1-4 zugelegt.

TCR: Sie verwirren mich. Ich dachte, Sie seien nur für eine internationale reiche Klientel tätig?
Ariane: Ja hauptsächlich, aber irgendwie hab ich kaum Lust, meine Einnahmen zu versteuern und hab deshalb eine Stiftung gegründet. Meine Charity versorgt somit auch mittellose oder alleinerziehende Frauen mit drei und mehr Kindern, denn auch sie sollen voll auf ihre Kosten kommen.

TCR: Kommen wir noch einmal auf ihre Zeugung zurück. Glauben Sie, daß der Zeugungsakt am Strand unter heisser Sonne gewisse, sagen wir es vorsichtig formuliert, Auswirkungen auf ihre weitere Entwicklung gehabt hat?
Ariane: Ja selbstverständlich. Mein Vater hat später unter Franco Zeiten in Spanien Grundstücke gekauft und gebaut. Mit jeder Frau, die er nach meiner Mutter heiratete, wurde ein neues Haus gebaut. Ich war immer sehr stolz, meine Schulferien in Spanien verbringen zu dürfen. Nach der Anreise im Porsche 911, auf den Notsitzen sassen ich und meine Schwester, 16 Stunden Fahrt, zum Tanken wurde gehalten, aber nicht zum Pinkeln, sind wir immer mit voller Blase in unserer Kitschvilla angekommen, wo ich das erste Mal die Toilette besuchen konnte. Aber auch daran war eine Bedingung geknüpft: ich hatte zuerst das Haus, Boot und Auto zu putzen und zwar komplett, aussen wie innen. So wurde meine Gefügigkeit und mein Ordnungssinn geboren. Putzen bis der Arzt kommt – später eben Poppen bis der Arzt kommt. Und alles mit Gummihandschuhen. Ich habe seitdem eine Vorliebe für Latex in jeder Variante entwickelt. Selbst die Wände meines Boudoirs äh Wohnung habe ich mir von einem berühmten Malermeister aus Westfalen mit Latex versiegeln lassen, natürlich schwarz, damit ich mich über jede Staubfaser aufregen kann. Auch sind die Latexwände ganz praktisch. Ich lasse alle meine Kunden beim Eintritt in die Wohnung erstmal gegen die Wand wichsen, eine hübsche Signatur zeichnet sich da ab, als Eintrag in mein Gästebuch, hinterher lässt sich dann gemütlicher plaudern und beraten und keiner steht mehr …. so unter Druck.

TCR: Dienerinnen oder Escorts wirken in vielen Filmen und Dokumentationen ziemlich einfältig, naiv, geldgierig, manchmal geradezu lächerlich, wenn man alleine schon an den Film „Pretty Woman“ denkt. Stimmt das mit der Wirklichkeit überein? Wie ist ihre Erfahrung. Ärgert sie das?
Ariane: Überhaupt nicht. Dank dieser Filme und Dokus, die auf die Quote und die voyeuristische Gier der Zuschauer setzen, bieten die Filme regelrecht Einstiegshilfe, sodaß immer genügend „Frischfleisch“ auf den Markt kommt, was ich dann in die verschiedenen Kühlräume dieser Welt vermitteln kann. Mir tuts nur manchmal leid, wenn so ein Hanswurst dabei ist, der so etwas Schönes garnicht verdient hat. Daher tausche ich die Frau dann gegen einen Serrano Schinken aus, den ich vorher mit einem Tonbandgerät ausstatte. Mit dem kann er sich dann unterhalten und er merkt den Unterschied nicht einmal.
Überhaupt wird von Escort immer noch ein veraltetes Image transportiert. Eine moderne Dienerin serviert ihrem Herrn nicht mehr nur in Stöckelschuhen den 5-Uhr-Tee, sondern kippt ihm schon mal etwas über die Hose, insbesondere wenn ihr Herr masochistisch veranlagt ist. Sie ist auch so etwas wie eine persönliche Assistentin, sollte sprechen, denken, lesen und schreiben dürfen und ihm einen vorbörslichen Bericht über Insiderhandel mitteilen können. Bevor es dann aufs Parkett geht hat der Herr dank seiner P.D. (P.D.=persönliche Dienerin, die Redaktion) schon die ersten Insidergeschäfte getätigt und mal eben ein paar Milliönchen verdient und auf den Bahamas oder Bermudas zur Seite geschafft. Dahin reicht bislang der Arm des deutschen Finanzministers nicht. Dienerinnen übernehmen auch Chauffeurdienste und kutschieren ihre Herren gerne durch Tiefgaragen, weil sie so schön dunkel sind und ein BJ auf der Hinterbank diskret möglich ist (BJ=Blow Job, die Redaktion, und bittet sich aus, von Leserbriefen abzusehen und zu fragen, was ein Blow Job ist). Und natürlich ist man auch da, um dem Boss mal einen diskreten Ratschlag zu geben. Wer z.B. die Toilette in England sucht, fragt zum Beispiel nicht nach der „toilet“ und in Berlin nicht nach der „Pissrinne“, sondern nach dem „gentlemen’s room“, dem „lavatory“ oder dem KLO. Alles was über dem KLO angesiedelt ist, wird von Berliner Gastronomen oder Kneipenbesitzern eh nicht verstanden; wenn man dort nach der „Toilette“ fragt, würden sie nur verständnislos mit dem Kopf nicken und denken, was hat der feine Pinkel bloss in dieser scheiss Stadt verloren?

TCR: Und Sie führen Ihre Klientel in die High Society ein?
Ariane: Ja, das mache ich sehr gerne, aber vorher schicke ich sie alle zum Benimmkurs. Dies gilt auch für meine Dienerinnen, damit sie lernen,
in Stöckelschuhen zu laufen und Haltung zu entwickeln. Denn nur eine Frau, die gerade gehen kann und das Kinn etwas höher trägt, hat eine Chance auf eine Festanstellung. Einer meiner Damen habe ich geholfen, daß sie beim berühmten Pferderennen in Ascot Menschen kennenlernt. Sie trägt seither Hut, spricht mit Pferden in fünf (sic!) Sprachen und ist nun staatlich-diplomierte Pferdeflüsterin geworden. Auf einem Acker in der Nähe von Nürnberg hat sie nun ihr Gnadenbrot gefunden. Was meine Klienten betrifft, ich habe zum Beispiel einer reichen chinesischen Unternehmerin das Essen mit der Gabel beibringen lassen und dass man beim Essen nicht furzt. Einem russischen Unternehmer, dass er in der feinen Gesellschaft nicht mit allzu viel falschen Banknoten um sich werfen soll.

TCR: Welche grossen immateriellen Wünsche haben sehr reiche Menschen noch?
Ariane: Eine Villa, ein Luxusauto, eine Yacht, ein Privatjet und 50 Golfschläger gehören ja mittlerweile in jeden gut sortierten Haushalt einfach dazu. Sich eine P.D. zu leisten bzw. leisten zu können, ist daher für viele das Nonplusultra. Insofern dienen P.D.’s mit ihrem professionellen Service auch als Statussymbol, anders als eine gecoachte Hausfrau, die gerade mal den Rang der Kaltmamsell erreicht und nicht vermittelbar ist. Es zeigt: Aha, der oder die kann sich sogar eine persönliche Arschleckerin leisten! Dies findet immer mehr Nachahmer.

TCR: Woher kommt ihre Klientel?
Ariane: Zu meinen Kunden zählen adelige und industrielle Personen, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie Vorstandsmitglieder, Unternehmer und Top-Manager aus der ganzen Welt.

TCR: Sind sie unterwürfig?
Ariane: Nein. Es ist sicherlich ein schmaler Grat zwischen Service-Einstellung und Unterwürfigkeit. Letzeres passt nicht zu mir und wird maximal in Rollenspielen inszeniert. Irgendwann hat eine reiche Herrenrunde mich gefragt, ob ich bei einem Junggesellenabschied als „nackte Dienerin“ auf dem Tisch tanzen könnte, das habe ich natürlich abgelehnt.

TCR: Madame Ariane, ich danke für das Interview!

Interview: Arty Schulze


One Comment on “Nuttenrepublik – Chapter I”

  1. sokol sagt:

    awesome


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