mein "erstes" Mal

Mein „erstes“ Mal fand in einem Bordell statt. H/H & Escort kam etwas später. Ich muß gestehen, daß ich Huren – soweit sie sichtbar waren – schon immer reizvoll fand, seit meiner Jugend, wenn ich sie vor einschlägigen Häusern hab stehen sehen oder an der Strasse. Ich fand sie sexy und irgendwie stark, das Outfit gefiel mir ausgesprochen gut, die Lackstiefel, die Pelzjäckchen, die Provokation „Sex gegen Geld“. Selbst im tiefsten Winter haben sie eine gute Figur gemacht und sich nicht anmerken lassen, daß es eisekalt ist; auch hab ich sie für ihr Vertrauen bewundert, in fremde Autos zu steigen und einem völlig Fremden gegen Geld den Schwanz zu lutschen … Das war mein Bild vom Rotlicht, als triebhafte Aussenstehende. Die erste Hure, die ich persönlich kennenlernte, war die Schwester eines langjährigen Ex-Freundes, die seit 30 Jahren ganz alleine an einer bestimmten Strasse im Ruhrgebiet anschaffte. Sie war damals schon 45, sah extrem gut aus und eine sehr liebenswerte und warmherzige Frau. Sie hat nie über ihren Job geredet, nur mein Freund, der sich Sorgen machte, nicht nur, weil die Strasse keinen Schutz bietet, sondern auch, weil sie ihr Geld immer verjubelte und nichts fürs Alter zurückgelegt hatte. Langjährige Kunden durften sie in ihrer Privatwohnung besuchen, die Kunden alterten mit ihr. Mein Freund ging erfolgreich einem sog. bürgerlichen Job nach und hatte mit dem sog. Milieu ansonsten nichts zu tun.

Mich persönlich hat das Rotlicht immer gereizt, weil ich es viel interessanter fand als die akademische Welt, in der ich kopfgesteuert „funktionieren“ mußte und langjährig lebte. Wahrscheinlich genau deshalb. Ich hatte mich schon seit dem 18. Lebensjahr in der BDSM Szene umgeschaut, da ich Spielereien, die einen gewissen Kontrollverlust versprechen, durchaus reizvoll fand und entsprechend alle Literatur wie die Geschichte der O. etc. verinnerlicht und bei meiner ersten Paris-Reise die bizarren Comics von Eric Stanton an den antiquarischen Ständen an der Seine entdeckt und verschlungen. Von meinen merkwürdigen Phantasien motiviert, bewarb ich mich auf eine Stellenanzeige einer Domina in Düsseldorf, die Gräfin, das Studio gibt es heute noch. Ich war 19 Jahre alt, als ich mich bei ihr vorstellte und um eine Ausbildung zur Domina bat. Sie hatte gerade einen Gast in einem ihrer Studios und bat mich einzutreten, um mir das Szenario persönlich anzuschauen, ein eigenartiger Geruch umfing mich, nach Leder, nach Schweiss … Ein Geruch, den ich als Duft empfand und mich kirre machte. Ein Mann lag auf einer Streckbank, gefesselt, eine Ledermaske über sein Gesicht, sein Schwanz erigiert in einem kleinen Leder-Harness gefangen. Die Gräfin mit ihren grossen Brüsten, die ich durch ihre enganliegende weisse Bluse erspähen durfte, ihre schwarzen Lederstiefel und ihre Reiterhose waren das Aufregendste, was ich an einer Frau jemals life sehen durfte. Leider kam ich aufgrund meinen jungen Alters für sie nicht als anzulernende Domina in Betracht, sie forderte mich auf, als Zofe zu arbeiten bzw. zu dienen und mich „hochzuarbeiten“. Als Zofe, fragte ich? Was ist das? Sie machte mir klar, daß ich dann zur Verfügung stehen muß, mich ficken lassen muß und ggf. auch fesseln uvm. Da hab ich Angst bekommen und bin geflüchtet und hab mir in der Schicki-Micki-Bar an der nächsten Ecke erstmal auf den Schreck ein Glas Wein getrunken und bin dann mit bangem Gefühl nach Hause gegangen. Es hatte etwas von einer Mutprobe.

Jahre später, inzwischen hatte ich mein Studium abgeschlossen und hatte einen gut bezahlten Job an einer Uni ausserhalb Berlins gefunden, der nur drei Tage Anwesenheit erforderte, startete ich einen erneuten Versuch und fand ein Studio, wo ich ausgebildet wurde und an einem Tag in der Woche arbeitete. Ich fand heraus, daß ich keine sadistischen Ambitionen hegte, sondern eher der einfühlsame Typ war und gerne auch berührbar, es gibt verschiedene Frauen-Typen in dieser bizarren Welt; ich habe gerne Männer als Pferdchen gesattelt, sie gefesselt, mich lecken lassen uvm. Leider waren die meisten Kunden nicht so phantasievoll wie ich und wollten eher irgendwelche Behandlungen nach Schema F, nach einem Drehbuch, auch Schläge. Das gefiel mir alles nicht, die Erotik kam für mich zu kurz, weshalb ich dann schnell den Domina-Job dran gab und gewisse Spiele ausschliesslich in meinem Privatleben realisierte.

Einige Zeit später war mein befristeter Vertrag ausgelaufen und ich finanzierte mich kärglich über ein Stipendium. Ich hatte kaum Geld, lohnenswerte Fachliteratur zu kaufen, auch die hiesigen Bibliotheken boten bestimmte aktuelle, vor allen Dingen englischsprachige Forschungsliteratur nicht an, weil sie finanziell zu knapp ausgestattet waren und noch sind. Von meiner letzten längeren USA Reise kam ich mit 4 Koffern voller Bücher zurück, die Gebühren für das Übergepäck ein teurer Spass, und ich war endgültig pleite und alle Ersparnisse aufgebraucht. Mußte noch einige Designermöbel aus Besser-Verdienst-Zeiten verkaufen, um wieder flüssig zu werden, hatte kaum oder gar kein Reisegeld für Kongresse, Tagungen, es war alles sehr knapp. Das Stipendium hatte zwar ein hohes Renomée, aber war doch recht wenig, auch wenn ich sehr sparsam lebte. Da erzählte mir eine Freundin, die als Schauspielerin zwischendurch ohne Engagement war und sich was nebenbei verdienen mußte, von ihrem „Nebenjob“. In einem Wohnungsbordell, zwei Tage in der Woche in Berlin. Ich war schockiert und fasziniert zugleich und dachte nur, das ist das einzige Gebiet, welches ich als Frau noch nicht betreten habe, also rein in die Tabu-Zone, und bin so mit einer gewissen Neugier und auch Angst in das „Vorstellungsgespräch“ gegangen, das gleiche Herzflattern, das ich ja schon einmal bei der „Gräfin“ viele Jahre zuvor erlebt hatte. Es war ein kleiner Wohnungspuff und bestand aus drei Zimmern und einem Aufenthaltsraum, wo man mir einen Kaffee anbot. Der Laden wurde von zwei Frauen geführt, die vorher selber angeschafft hatten, eine davon eine Lesbe (wie ich später erfuhr, die privat ihr Leben lang mit Frauen verkehrte, und als Hure mit Männern), mit der ich mich lang und recht nett unterhielt. Sie war gebildet, ebenfalls studiert, sehr selbstbewußt und dadurch attraktiv, war recht klein gewachsen, ca. 1.60m, trug kurze dunkle Haare, eine Blue-Jeans und ein knackig-enges Fein-Ripp-Unterhemd über ihre schönen Naturbrüste, auf die ich immer starren mußte. Ich hab dann bei mehreren Tassen Kaffee und im Gespräch mit ihr meinen Aufenthalt hinausgezögert und dort rumgelungert, immer darauf geachtet, daß die Frauen ja wieder heile aus den Zimmern zurück kamen. Tatsächlich, sie kamen zurück, lachten, steckten sich ein neues Kondom in ihren Slip und marschierten in die nächste Vorstellungsrunde. Sowas wollte ich auch … ich dachte nur, was ist, wenn mich keiner will? Ich, zu dürr und kleinbusig, vielleicht nicht hübsch genug, nicht jung oder nicht cool genug? Ich rutschte unruhig auf meinem Sessel herum und die Puffmutter knallte mir den entscheidenden Satz vor den Kopf: „Trau dich, stell dich einfach vor, dir wird nicht der Kopf abgerissen. Die Konditionen habe ich dir ja erklärt.“ Ich stammelte, daß ich doch keine hübschen Dessous und Stöckelschuhe dabei hätte wie die anderen Frauen und mich doch nicht in Jeans und T-Shirt vorstellen kann. Doch, doch, meinte sie, probiere es einfach aus, dann weißt du, ob es ein Job für dich sein kann.

Bei der nächsten Vorstellungsrunde war ich dabei, steckte den Kopf durch die Tür und ein Mann saß lässig in einem Sessel und nahm die Parade ab (wie man das nennt, erfuhr ich erst später) und er wollte sofort mich, auch in Jeans. Er sah sofort, daß ich eine „Anfängerin“ bin. Dass die meisten Männer darauf abfahren, erfuhr ich erst später und verstand auch warum. Ok, ich bin dann also mit dem Kondom in der Hosentasche rein und er meinte nur, daß ich mir keine Sorgen machen solle, er sei ein ganz Lieber, es hätte sich noch keine Frau beschwert. Kurz und gut, es war eine halbe Stunde vereinbart und die Puffmutter achtete genau auf die Zeit, sonst klopfe sie an der Tür. Ich zog mich langsam aus und war doch recht schüchtern dabei, der Kunde öffnete seine Hose und zog seinen erigierten Schwanz heraus. Dann bat er mich, vor ihm zu knien und seinen Schwanz zu lutschen und ich setzte flugs das Kondom darauf, wobei das Gummi in meiner Kehle kitzelte und ganz furchtbar schmeckte, ich liess mir nichts anmerken. Nach einer Weile zog er mich zu sich und ich setzte mich auf seinen Schwanz. Das Gleitmittel, was in jedem Zimmer herumstand, brauchte ich nicht, ich war auch so nass geworden, tropfnass und er fickte mich mit tiefen Stössen. Ich fühlte mich benutzt und wurde dadurch richtig geil, das war es, was mir in meinem kopflastigen Frauenleben noch gefehlt hatte. Anschliessend unterhielten wir uns noch eine Weile bis es an der Tür klopfte, und er meinte, ich würde meinen Weg schon machen, er käme bald wieder, ich soll mal bei dieser Adresse bleiben. Tja und da blieb ich einige Monate und war happy, ein bis zwei Tage die Woche, manchmal auch bis spät in die Nacht, was ich aber schnell aufgab, weil so viele krude unangenehme Typen dabei waren, auch waren die Abgaben zu hoch und ich mußte 50% meiner Einnahmen ans Haus abgeben, das war nichts für mich und ich suchte mir dann eine Adresse mit besseren Konditionen, wo ich allerdings zuviel Zeit totschlagen mußte und nur mit Lesen verbrachte. Lebenszeit, die Optimierung von Zeit, das war für mich auslösendes Element, mich für Escort zu interessieren, da ich hier vergleichsweise wenig Männer treffen konnte und mit einem einzigen Termin das Gleiche verdienen wie im Puff in einer Woche (also an 2 Arbeitstagen), auch wenn es keine Garantien gibt, daß man auch nur einen einzigen Termin hat. Wer auf Sicherheiten abfährt, ist im Bordell sicher besser aufgehoben.

Ich fand den Einstieg über den Puff super, hab tolle und liebe Frauen kennengelernt, bessere Menschen als in meinem gesamten bürgerlichen und akademischen Umfeld, und selbst dort gelegentlich guten Sex gehabt, sehr nette Männer getroffen, aber auch einige unangenehme Typen, die mir den Job schwermachten, meist, indem sie sich in mich verliebten und unangenehm wurden, insbesondere, wenn ich sie bat, mich nicht mehr zu kontaktieren bzw. aufzusuchen. Später fand ich heraus, daß das im Escort-Gewerbe ganz ähnlich ist und man nur durch Erfahrung lernen kann und im Vorfeld sorgfältig auswählen muß, um die richtigen Männer zu treffen. So bin ich dabei geblieben – mal mit längeren, mal kürzeren Pausen – und meine wenigen Gäste, die ich gelegentlich treffe, ermöglichen mir, das Frauenleben zu führen, von dem ich immer träumte. Jenseits einer klassisch-bürgerlichen Karriere Ideen, Projekte zu realisieren, die mich glücklich machen; davon abgesehen, daß die Dates zumeist sehr schön, zumindest aufregend sind und beide Seiten zufrieden von dannen ziehen. Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen. Auch haben mich manche Gäste durch schwierige Zeiten in diesem Jahr begleitet, auch wenn sie nichts davon wußten, so waren sie eine echte Bereicherung für mein Leben und mir ging es aufgrund unseres Zusammenseins gleich viel besser. Ein Date wirkt an manchen Tagen wie Medizin. Durch ihre und auch durch meine Ansprache wurden manches Mal die Batterien auf beiden Seiten aufgeladen. Zwischenzeitlich sind einige dunkle Wolken verflogen und ich bin froh, ein neues Jahr einläuten zu können, wo ich unbeschwert mit noch mehr Freude in ein Treffen gehen kann. Ich wünsche euch bei eurem besonderen Hobby und allen Dates, die da kommen mögen, eine gute Wahl, ein gutes Händchen und viele schöne, aufregende und erotische Erfahrungen!


3 Kommentare on “mein "erstes" Mal”

  1. Christian sagt:

    Wie immer lesen sich Deine Zeilen sehr schön. Frau mit Verstand und Selbstbewusstsein hat es leider in unserer (akademischen) Gesellschaft immer noch nicht leichter bzw. zu schwer. Ich wünsche Dir für 2010 auch viele spannende Projekte oder besser die Möglichkeit diese umzusetzen. Desweiteren wünsche ich Dir weniger dunkle Wolken als 2009.

    Christian

  2. P sagt:

    Happy New Year!
    Ich bin zwar noch nicht so lange, aber doch schon ein regelmäßiger Leser Deines Blogs. Du setzt Sprache noch so ein, wie Sprache es verdient und erzeugst eine dichte, authentische Athmosphäre beim Lesen. Sehr ehrlich und direkt, Zeilen, die Lust auf „mehr“ machen. Da ich mittlerweile weiss, dass mit Dir auch die non-verbale Kommunikation ein Genuss ist, steigt die Vorfreude schon wieder. Deinen ersten Gast kann ich gut verstehen, Du siehst sicher in Jeans und T-Shirt wunderbar und ganz „normal“ aus – das kann schon einen Extra-Kick geben….wobei ich Deine roten Lackstiefel auch gerne mal in Aktion sehen würde….
    So, jetzt höre ich lieber auf, Komplimente zu machen. Sonst werde ich noch in die Kategorie der „Auszusortierenden“ gesteckt („aber auch einige unangenehme Typen, die mir den Job schwermachten, meist, indem sie sich in mich verliebten und unangenehm wurden, insbesondere, wenn ich sie bat, mich nicht mehr zu kontaktieren bzw.“)…..
    All the best – keine dunklen Wolken – viele feuchte Träume – noch mehr schöne Erlebnisse (auch im Frauengefängnis)
    P
    PS – hast Du Deine nächsten LDN Termine schon geplant?

  3. goldschwanz sagt:

    Dir auch ein Happy New Year lieber P. Hab dir eine Mail geschickt! Danke für dein liebes Kompliment, das ich aus verschiedenen Gründen nur erwidern kann. Bei dir brauche ich mir weiss Gott keine Sorgen machen *g* herzlichst a. die gestiefelte Katze


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