ans Bett gefesselt

Liebe Freunde des reflektierten Escortings, des gepflegten Kontrollverlusts, liebe Kerle!
Ich muss heute mal ausnahmsweise ein Klagelied anstimmen: ich bin sooooooooo trauuuuuuuuuurig; musste zum Jahresende sämtliche vorweihnachtliche Freuden enttäuschen und alle Termine canceln, weshalb ich auch kaum zum Schreiben kam. Letzte Woche hat mich eine Lebensmittelvergiftung, die ich mir noch in England eingehandelt hatte, für einige Tage schachmatt gesetzt (jetzt kommt mir bitte nicht mit dem englischen Essen …*g*) und mich so geschwächt, daß mich jetzt direkt im Anschluss eine Erkältung erwischt hat, die ich über die Weihnachtstage kurieren darf. Die Erkältung muss ich mir bei meiner Suche nach einem Weihnachtsbaum geholt haben, und das Beste, ich hab keinen Baum gefunden. Hab die ganze Umgebung abgelaufen, doch nichts, weit und breit keine Weihnachtsbäume zu finden. Das ist doch nicht normal. Am Alexanderplatz soll es einen Weihnachtsbaum Verkauf geben, aber den hab ich – trotz neuer Brille – nicht gefunden. Jetzt darf ich ohne Baum und ans Bett gefesselt Weihnachten verbringen. Da mir jeglicher Geschmackssinn abhanden gekommen ist, brauche ich mir auch keine Gedanken um ein Weihnachtsessen machen, ob Ente, Gans, Fisch, schmeckt eh alles gleich, da kann ich auch gleich ein Trostsüppchen oder Milchreis essen *heul*, das ist ja wie Gefängniskost, und das an Weihnachten. Obwohl ich muß gestehen, ich bin generell nicht der grosse Weihnachtsfan, aber ein Weihnachtsbaum mit echten Kerzen, schöner Baumschmuck, feines Essen, ist eben ein Ritual und wir Menschen brauchen ja Rituale. Aber das Weihnachtskonzert im Berliner Dom, da werde ich hinstapfen, komme was da wolle. Bach, Händel, Purcell u.a. stehen auf dem Programm, ich liebe Bach und vor allem Henry Purcell, englischer Komponist des 17. Jhdt. Bei Bach muss ich nicht nur an das wunderschöne Weihnachtsoratorium denken, sondern auch an einen äußerst liebenswerten Organisten, den ich in den letzten Jahren gelegentlich in England auf dem Land traf. Er leidet seit einiger Zeit an Depressionen, aber keine Behandlung will anschlagen. Er schafft noch seiner Arbeit nachzugehen, trotzdem kann er selbst der Musik nicht mehr so viel Freude abgewinnen, der Ärmste. Ich hab ihm zuletzt eine ganzheitliche Sex & Spirit-Therapie angedeihen lassen *g*, er schrieb mir später, es helfe ein wenig und wirke noch nach, wir müssten uns unbedingt für eine weitere Sitzung im neuen Jahr treffen. Dabei fällt mir gerade unser Torwart Robert Enke ein, der diese heimtückische Krankheit leider nicht überlebt hat. Ich widme meinem Organisten und allen an Depressionen leidenden Menschen folgende Musik, die ein wenig Trost spendet und wünsche möglichst baldige Genesung und einen Freudentanz im neuen Jahr. Denn merke: Schönheit ist der einzige Trost in dieser Welt (wobei ich die schöne Seele und damit den wahrhaftigen Eros natürlich einbeziehe). Da wir schon bei Bach waren …

Nun etwas Lustigeres, he he …. ich habe mir schon des öfteren überlegt, wie ich mir mein ideales Weihnachtsfest vorstelle; nein, nicht in einer Hütte in den Bergen auf einem Bärenfell, da ich dem Ski-Sport nämlich garnicht fröne; Schnee ist nicht mein Element, eher die flüssige Form. Hab zwar mal Ski-Unterricht genommen und war als Teenager und später einige Male in den Bergen, aber irgendwie hab ich die Kurve nie gekriegt und bin dann auf meist vereisten Pisten die Abfahrt runter und nur von einem Schneehaufen ausgebremst worden. Nein, nein, da war kein Mensch im Weg, nur Bäume, ich bin ja verantwortungsvoll und nicht verwandt mit dem Geisterfahrer aus Thüringen. Auch so ein trostloses Highlight des Jahres 2009. Das bekloppteste Ski-Erlebnis hatte ich in der Schweiz. Bei einem Besuch von Verwandten in Zürich entschied mein Cousin mich zum Ski-Fahren in die nahegelegenen Flumser-Berge mitzunehmen, Flumser-Berge, wie bescheuert sich das schon anhört, und da hats Flums, äh Rums gemacht. Kaum dort eingetroffen, habe ich mich fälschlicherweise auf den Bügel „gesetzt“, der einen anschieben soll, und bin natürlich prompt auf die Seite gefallen, wobei ich mir den Knöchel verstauchte und den Rest des Tages meinem Cousin zuschauen durfte. Die Nummer hatte was Mr.-Bean-mäßiges, vielleicht wurde da mein Hang zur Komik geboren? Wer weiss …
Jedenfalls wünsche ich allen Skifahrern, die sich jetzt in ihren wohlverdienten Urlaub aufmachen „gut Holz“ – sagt man wohl?! ach nee „Hals und Beinbruch“ soll wohl die Dämonen abwehren – und bitte nicht zuviel Jagertee auf der Hüttn trinken, daß ihr mir ja heile wieder runterkommt … bei der Gelegenheit einen hübschen Gruß an die schöne Chantal, Escortlady im Winterurlaub.

Also ein ideales Weihnachtsfest stelle ich mir so vor, daß man keine Bilanzen aufmacht und das Jahr buchhalterisch hochrechnet, sondern daß man einfach die schönsten Momente an sich vorbeigleiten lässt und sich an Champagner oder Rotkäppsche, feinem Essen und einer Weihnachtsorgie über mehrere Tage berauscht. Ein wenig so, wie der Film „Das grosse Fressen“, allerdings mit mehr Sex und Happy End. Ihr kennt ja sicher den Film mit Marcello Mastroianni, Philip Noiret, Michel Piccoli?! Der Film empfiehlt sich auch an allen Feiertagen, bietet er als Gelage doch so ein schönes Vorbild. Herrlich dekadent! Besser als sich die 100.000ste Sissi-Wiederholung reinzupfeifen …. btw vielleicht hab ich ja Glück und die 100.000ste Wiederholung von „vom Winde verweht“ erreicht die deutschen Wohnstuben, wenn schon bettlägerig, dann bitte sehr guten Schmalz. Habt ihr jemals verstanden, warum Scarlett o’Hara ausgerechnet ihren furchtbaren Cousin anschmachtet und den schönen Rhett links liegen läßt? Na, wißt ihrs?! Klar, weil die süße narzißtische Scarlett den Ashley einfach nicht „haben“ konnte, der ja schon anderweitig vergeben und an die Ausgeburt weiblicher Tugenden und Hingabe, Melanie, verloren war; irgendwie hab ich bei ihr immer den Heiligenschein vermisst. Schade nur, daß sowohl Melanie als auch Scarlett in Stein gemeisselte Role-Models für Generationen von Frauen wurden, für die Trümmer- und Wiederaufbau-Frauen sowie für devote Hinhaltefrauen, die auch heute noch als ewig Schutzbedürftige ihren Ex anrufen, wenn es darum geht, eine Glühlampe auszutauschen u.ä. Auch dieser verlogene, weil ambivalente Grinsekuchen Ashley … einfach furchtbar, im Gegensatz zu Rhett Butler, dieses Bild von einem Mann, natürlich ein gewisser Halodri, der auch Dirnen zu seinem Freundeskreis zählt. Sowohl Scarlett als auch vielen Frauen, natürlich auch manchen Männern, wird oft zu spät bewußt, was sie an manch Verflossenen gehabt haben oder erst, wenn es zu spät ist, wie auch viele ihre Zeit vergeuden, verpassten Chancen hinterher zu heulen. Also denkt daran, im neuen Jahr; auf ein Neues … weint nicht um vergossene Milch (wie Kästner es mal so schön formulierte); man sollte die Gegenwart zu dem machen, woran man sich in Zukunft gerne zurück erinnern möchte. „Lebe jetzt und werde nicht gelebt“, nicht von den Bedürfnissen anderer z.B. Energievampiren. Ich weiss es klingt hart, aber man muss gnadenlos sein bei der Wahl der Menschen, mit denen man seine Lebenszeit verbringen möchte, mit denen man tagtäglich umgeht, ob es ein Paysex-Date, ein mehrstündiges Escort-Erlebnis oder die Wahl der Menschen im privaten Umfeld ist. Wenn man ein gutmütiges Schaf ist und die Falschen dies erschnuppern, wird es im Regelfall ausgenutzt. Exchange/Austausch, Grenzen setzen ist das Zauberwort und kein einseitiges Geben oder Nehmen. Bla, bla klingt etwas ausgelutscht, ist aber trotzdem wichtig. Wahrscheinlich, weil ich mir das regelmäßig bewußt machen muß. Habe ich in den letzten Jahren erst wirklich verstanden und daß diese Form von Egoismus völlig gesund, für das eigene Überleben notwendig und für ein gewisses Seelenheil unabdingbar ist, weshalb man auch kein schlechtes Gewissen zu haben braucht, wenn man wählt, wenn man nah an sich ran läßt. Dies gilt wie immer für beide Seiten *g*.

Für mich, die sonst bei kerniger Gesundheit ist und das Bett ausschließlich für freudvolle Genüsse oder den Schönheitsschlaf aufsucht, wird das Bett gerade zum Feind. Vernünftig denken kann man in diesem Zustand nicht, Sex oder zumindest Masturbation ist auch irgendwie nicht drin *ggrrr* und Fernsehen ertrage ich im Regelfall auch nicht, einfach weil es so schlecht ist, weshalb ich auch zu der Auffassung gelangt bin, daß die öffentlich-rechtlichen Sender den sog. Kulturauftrag verfehlen, auf dessen Grundlage sich die Zwangsgebühren ja stützen. Das sind über 220€ im Jahr pro Haushalt, die wir für den Schrott zahlen müssen, also mehr als 7 Mrd. Euro, die die GEZ 2008 einkassierte. Und was wird produziert? Langweilige Tatorte mit schlechten Drehbüchern, Volksmusik-Abende, schlechte Soaps, wobei ich eh den Verdacht habe, daß der ganze öffentlich-rechtliche Bereich geriatrisch ist, das kann ja in Zukunft nur noch schlimmer werden. Nur sind die modernen Alten nicht unmündig und stehen alle auf Volksmusik und „wetten daß …?“. Und die Frechheit ist noch dazu, daß sich die Sender zudem über Werbung finanzieren. In England bezahlt ein Haushalt ca. 140 Pfund im Jahr und die öffentlich-rechtlichen Sender des BBC nehmen keine Extraeinahmen über Werbung ein, die Sender sind alle schön werbefrei und die hauseigenen Produktionen gewinnen zu Recht regelmässig Preise. Die ausgezeichneten Dokus sind ja weltweit bekannt und der Talk des millionenschweren Jonathan Ross ist sein Geld wert. Einen vergleichbaren schlauen Kopf, Schnelldenker und vielseitigen Entertainer gibts hierzulande nicht. Auch die politischen Diskussionssendungen sind um Längen besser als die deutschen; die Journalisten gehen höflich, aber gnadenlos und ausgesprochen gut informiert mit ihren Gesprächspartnern um und drehen sie ggf. elegant durch die Mangel, bei Sabine Christiansen, Anne Will garnicht dran zu denken. Selbst der Presseclub ist doch zu einer Laberstunde verkommen und hat die besten Zeiten längst hinter sich. Ich finde das Budget und die Macht der öffentlich-rechtlichen unerträglich, kein Wunder, daß es da zu Filz und Korruptionsvorfällen kommt. Nöö dann lieber marktwirtschaftlich über Werbung finanziert und man kauft sehr gute Filme, Dokus aus dem Ausland ein. Ist sicher preisgünstiger und qualitätsvoller, als hauseigenen Schwachsinn zu produzieren. Ist euch aufgefallen, daß man immer wieder die gleichen Gesichter in deutschen Produktionen sieht? Das ist regelrecht Inzucht, es gibt ja mehrere Schauspielfamilien, die über Generationen im Fernsehen weitergereicht werden. Dabei sieht man viele Talente garnicht, die die deutschen Schauspielschulen ausspucken, und die sich ihr kläglich Brot an Theaterbühnen verdienen; immerhin werden einige erst durch ausländische Regisseure entdeckt, gepflegt, wie zuletzt auch Quentin Tarantino den deutschsprachigen Nachwuchs über den Klee lobte, den er für seine Produktion „Glorious Bastards“ engagierte.

So ein schöner blauer Winterhimmel und kein Spaziergang möglich. Ein grosses Bett und kein Sex …. Stattdessen rege ich mich über die GEZ auf, die neuerliche Gebührenerhöhung und unterstütze auch diese Petition. Aktuell hier. Vielleicht könnte man eine Verfassungsgerichtsbeschwerde anstrengen, mit Gutachten, die nachweisen können, daß der Kulturauftrag verfehlt wird und der aufgeblasene Apparat des öffentlich-rechtlichen Niedergangs nur gutbezahlte Jobs in den eigenen Reihen schafft bzw. „in der Familie“ weiterreicht werden.

Ach, ich lege mich jetzt wieder ins Bett und lese einen erotischen Roman, der mich mit Vorfreude erfüllt und meine Phantasien anregt. „Lulu“ von Almudena Grandes habe ich schon 10 Jahre nicht mehr gelesen und muss jetzt dran glauben, vielleicht kann ich dann mit den letzten Kräften noch eine schöne Runde masturbieren und erleichtert die Teestunde einläuten.


One Comment on “ans Bett gefesselt”

  1. Christian sagt:

    Wenn es mal kalt und ungemütlich ist, ein Glas Rum in Reichweite steht, lösche das Licht, zünde mehrere Kerzen an und denke, es gäbe diese Nacht kein elektrisches Licht und lese ein Buch von Pedro Juan Gutiérrez. Da hast Du dann kubanisches Flair und eine sehr angenehme männliche (Macho)Sichtweise auf Sex und Lust.

    Christian


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