restless & relentless

Nach dem Schrei im Hotelzimmer ging es in den Folgetagen doch sehr gemütlich zur Sache und ich bunkerte mich zuhause ein, beantwortete meine Korrespondenzen und lerne meine Texte für die Lulu-Produktion, gewöhne mich so langsam an die gefallenen Temperaturen, die mein Temperament ein wenig belasten. In der vorletzten Nacht schlief ich unruhig, ruhelos, habe viermal masturbiert und konnte immer noch nicht einschlafen, drei Stunden starrte ich im Dunklen gegen die unsichtbare Decke und malte mir in Gedanken schon das Date des Folgetages aus, welches ich neugierig und ängstlich herbeisehnte; mir war etwas bang ums Herz, ich hatte einen kurzen, aber sehr aussagekräftigen Email-Wechsel und ein Telefonat, wo er mich überzeugen musste, dass er mir auf gar keinen Fall seine Handynummer herausgeben kann. Gut, es ging um einen Besuch bei mir und dafür sind für mich noch mehr Sicherheitsstandards als bei einem Hotelbesuch zu beachten. Nur, wie kommt man zusammen, wenn aufgrund der Terminlage für den Herrn nur ein kürzeres Treffen in Frage kommt und es sich nun wirklich nicht lohnt, für einen kurzen Zeitraum von 1.5 Std. ein Hotelzimmer anzumieten, wie, wenn der Herr nicht empfangen kann, wenn er auf privaten Reisen in Begleitung ist oder beruflich mit Kollegen im gleichen Hotel residiert, was, wenn ein Stundenhotel und Pension nicht angemessen vom Ambiente ist? Nicht alle mögen es trashig, eher die wenigsten. Schwester Susi hat ja nun Abhilfe mit ihrem Daily Spa geschaffen und ganz selten und unter gewissen Voraussetzungen die Möglichkeit, besucht zu werden. Und diese Alternative drängte sich auf und weil er mir völlig unbekannt war, war ich doch sehr unruhig geworden, denn unsere Korrespondenz hatte mir den Eindruck vermittelt, dass er etwas von meinem komplexen Wesen erkannt hatte und selbst meinen Humor, meine Schreibe schätzte. Dies kommt ausserordentlich selten vor, weil ein gewisser Humor, Clowning auf Frauenseite zumeist misstrauisch macht. Ich glaube, Clowning wird bei vielen Herren als Verarsche verstanden, auch wenn man sich gar nicht über sie lustig macht, sondern über sich selbst. Ist Selbst-Ironie deshalb ein so seltenes Gut? Habe auch mehr Zyniker, denn Männer mit trockenem Humor und der Fähigkeit zur Selbstironie in meinem Leben getroffen, das ist doch traurig. Ähnliches erzählen mir auch andere Frauen und das sie froh sind, wenn sie auf einen humorvollen Kerl treffen. Und all dies ist meiner jüngsten Begegnung beim Durchlesen meiner Blogs nicht entgangen.

Die Clownsmaske musste ich mir auch in einigen Internet-Foren des öfteren aufsetzen, insbesondere bei redundanten, ermüdenden Diskussionen, als Antwort auf manche Beiträge, worauf ich manchmal den Kopf schütteln muss, weil ich es kaum glauben kann, was ich oft so lesen muss. Dazu schrieb dann jemand öffentlich: „wer will schon eine Nutte ficken, die intelligenter ist als man selbst?“, versehen selbst mit einem clowns-smiley, worauf ich schloss, dass unterhaltsame Satire, Humor bei einer Frau, offenbar nicht gut beim anderen Geschlecht ankommt, aber auch nicht bei vielen Frauen, ja es gibt erschreckend wenig Frauen, die sich trauen, intelligente Witze zu reissen, auch sich selbst auf den Arm zu nehmen, auch gibt es eben wenig gute Frauen als Stand-Up-Comedians. Ich denke mir, dass dies vor allem den Bildern zu verdanken ist, in der Weiblichkeit üblicherweise verstanden wird und dazu gehört erst einmal, den Männern gefallen zu wollen, ist also einem gewissen Anpassungsdruck geschuldet. Und (schenkelklopflerische) Witze zu reissen (ok, kann ich meist selber nicht drüber lachen) passt da einfach nicht ins Bild; ich bin Anhängerin des britischen und des jüdischen Humors (z.B. Woody Allen). Daher hat auch Stand-Up wohl seinen Ursprung im anglo-amerikanischen Sprachraum. Clowns, Comedians sind zumeist sensible Melancholiker, sind dünnhäutig und ihr Humor eine Antwort auf die Welt, ähnlich wie Theater als Spiegel fungiert. Und Humor kann eine Waffe sein, die scharf zielen kann, weshalb auch immer wieder Programme von Komikern, Kabarettisten, Stand-Up’s zensiert werden. Das ist wohl auch die Antwort auf die Frage, „who’s afraid of clowns …“, wozu es bei Google über 438.000 Einträge gibt und sich verschiedene Erklärungen anbieten.

Ich erwähnte an anderer Stelle, daß das Gehirn das grösste Sexualorgan ist, und ich meine jetzt nicht nur Kopfkino und sexuelle Phantasien, die sich darin abspielen. Das Gehirn ist quasi meine Achillesferse, meine Schwachstelle, ich kann mich ohne weiteres in Worte verlieben, was mir dreimal in meinem Leben passiert ist, aufgrund von Briefwechseln. Und so wird meine Muschi nicht nur feucht, wenn ich genüsslich an einem Schwanz lutsche, sondern auch, wenn ein Bildungsmensch rezitieren kann, z.B. Gottfried Benn, was ja heutzutage nur noch die wenigsten tun, können oder wollen. Wahrscheinlich weil Männer aus anderen Milieus diese dann als „verweichlicht“ betrachten und diffamieren, obwohl ich persönlich unter „Verweichlichung“ neurotisch-narzisstische Muttersöhnchen verstehe, die später aus ihrer Partnerin eine Mutti machen bzw. auf Frauen treffen, die sich selbst zur Mutti machen und ihren Mann mit Vati ansprechen. Man kann diese sekundäre Infantilisierung bei vielen Paaren beobachten. Bei aller Schönheit der Vertrautheit: wie soll mann zum Beispiel da geil werden?! Schickt mal alle Muttis in meinen Blow-Job-Workshop für Anfängerinnen *g*, obwohl, nicht missverstehen, ich biete keine Paar- oder Sexualtherapie, nur Coaching. Aber warum so viele Frauen keine Lust haben, einen Schwanz zu lutschen, ist mir unerklärlich. Wurden sie traumatisiert durch ungewaschene Schwänze, durch Nötigung, auch Nötigung, sich Pornos anzuschauen und glauben nun, dass sie sich in ihrer Frauenehre degradiert fühlen, wenn sie einen Schwanz lutschen? Ich meine, Sex bedeutet Austausch, Lust, es macht einen doch selbst geil, wenn man dem Partner Lust bereitet, so wie viele Männer gerne Frauen mit der Zunge verwöhnen und nur dann wirkliche Lust bekommen, so gibt es Frauen, die tatsächlich gerne orale Freuden schenken, weil es sie selbst anmacht. Irgendwas muß schief gelaufen sein, was die Sex- und insbesondere orale Unlust bei vielen Paaren betrifft, und ich spreche jetzt nicht von Ursachen, die in Erkrankungen zu finden sind oder in den Nebenwirkungen von Medikamenten. Auch hier gibt es sehr viele loyale Partner und Partnerinnen, die weiterhin ihren Mann, ihre Frau lieben, selbst wenn der Sex-Entzug nicht leicht zu händeln ist. Ich bin in einer ähnlichen Situation und habe kein schlechtes Gewissen, dass ich mir gelegentlich woanders hole, was ich brauche. Schliesslich machen das die allermeisten Männer genauso. Wie sage ich immer: in der Liebe monogam, beim Sex schön promiskuitär … wir Menschen sind sexuell nicht auf Monogamie geeicht, sondern biologisch auf das Gegenteil, weshalb ich als Kantianerin auch Darwinistin wurde.

Mein bereits oben angekündigtes Date, welches ein relativ kurzes und sehr vergnügliches war, hatte es eben in sich, was die Anspannung davor betraf, das Ängstliche vermischt sich mit dem Unbekannten, denn man weiss ja nie, wem man bei einer intimen Begegnung erwarten darf; jener welcher sei also dieser Text gewidmet, da er mich u.a. auch auf einen grossartigen Stand-Up-Comedian aufmerksam machte, der mir bislang entgangen war und einige Schnipsel konnte ich mir – youtube sei Dank – heute morgen zu Gemüte führen; Stand-Up ist neben Erotik und den schönen Künsten meine zweite Leidenschaft, und ich meine jetzt nicht die Kunst der Schwanzanbeterin Ariane de Saint Phallus und auch nicht den doppelten Sinn von Stand-Up, der mich als streitbare Aktivistin kennzeichnet, wenn ich für einen liberalen Umgang mit Sex im allgemeinen und bezahlten Sex im besonderen plädiere. Sondern die Geschichte des Stand-Ups und das Wesen der meisten schonungslosen Aufklärer und Hofnarren. Als „Goldschwanz“ habe ich bislang ein wenig im Netz gewütet, noch selten auf der Bühne, aber ich habe ja auch erst im März meinen allerersten Auftritt gehabt und noch wenige schlossen sich an. Übung macht die Meisterin wie beim Schwanzlutschen, das dauert eben seine Zeit. Fingerspitzengefühl ist an dieser Stelle eben nicht alles.
Nun, ich habe mich der Geschichte des Stand-Ups bislang nicht gewidmet und diesem Herrn sei Dank ist diese Lücke fast gefüllt. Nachdem ich ihn traf, habe ich sogleich seine ausgesprochenen Empfehlungen nachgeschlagen und bin fündig geworden. Ein deutschsprachiger Artikel über Bill Hicks sei für die des englischen nicht so mächtigen daher angeführt. Leider ist Bill nur 32 Jahre alt geworden. Meine Lieblings-Stand-ups sind Joan Rivers, Patrick Kielty, Leo Bassi und David Hoyle (ein Portrait), allesamt ausserhalb Deutschlands angesiedelt, sprich U.S., U.K. und Spanien. Ich will mich schon sehr lange für die clowning-schule von Bassi anmelden, ein workshop, den er leider viel zu selten veranstaltet, aber immer fehlten mir zum passenden Termin die Mücken bzw. war ich anderweitig umtriebig und habe den Termin nicht wahrnehmen können. Auf Bassi bin ich vor knapp sechs Jahren gestossen, eine Offenbarung, auch jener, der mich mit ihm bekannt machte. Dies muss ich unbedingt noch nachholen, denn eine Nutte, die den Hofnarren spielt, ist nun wahrlich einzigartig.


One Comment on “restless & relentless”

  1. Leisureman sagt:

    Das hört sich doch jetzt eher kritisch an… Vielleicht passt ja bei dem einen oder anderen der schöne Spruch von Groucho Marx: “ ich möchte nicht Mitglied in einem Club sein, der Leute wie mich aufnimmt…“. Leider ist das bei manchem Mann der Spagat aus Intoleranz und Humor…..

    Aber ansonsten, wieder very nice geschrieben, lese ich ja lieber als ein Online-Nachrichten-Magazin.


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